Das Montagsgespräch über Befindlichkeiten ist ausgefallen. Aufgrund von Befindlichkeiten. Sie wissen ja, wie das ist. Nächste Woche geht aber alles seinen gewohnten Gang. Stehen an diesem Abend dann aber auch noch drei schicke Männer unangemeldet mit einem breiten Grinsen vor der Tür und laufen bis in den vierten Stock, um ihr Konzert am Donnerstag ganz persönlich anzukündigen und die Wohnungsbewohnerin zum neuen Jahr einmal ordentlich in die Luft zu schmeißen, dann wandeln sich diese undefinierbaren Montagsbefindlichkeiten in eindeutig gute Stimmungen um. Leider werde ich am Donnerstag nicht dabei sein können, wenn Leander & Microstern im Rosi´s spielen, denn ich bin bei (”Das wird ganz schlimm für mich, wenn du mich mal verlierst“-) Manfred Krug in der Philharmonie. Das ist aber eh ausverkauft, der Rest ist unerheblich. Also kommt alle brav nach Friedrichshain, das wird sicherlich sehr toll, das hier ist eine ausgeprochen dick unterstrichene Empfehlung. Ich komm auch noch nach, wenn Manfred früh Schluss macht.
Zur Einstimmung kann man noch einen kleinen Film über die neue Delbo-Platte angucken. Hat auch was mit Befindlichkeiten zu tun. Wenn schon, denn schon.
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Januar 2008 um genau 22:38
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Ich hab einfach irgendwann aufgehört mich zu wundern. Ich habe einfach immer weniger den Kopf geschüttelt, immer weniger mit früher verglichen, wir haben uns immer seltener auf diesem Hof oder freitags dort getroffen, wo die Musik lief, zu der wir tanzen konnten. Wir waren immer seltener zu zweit und ich kannte immer weniger Namen von denen, die erwähnt wurden. Plötzlich wurde von Dingen gesprochen, von denen ich keine Ahnung hatte, und von solchen, von denen ich keine Ahnung haben wollte. Es kam immer noch eine Party am Abend dazu, da hatte man aufzutauchen. Ich habe einfach irgendwann aufgehört, das auf eine Phase zu schieben, denn jetzt ist es so und wird nicht mehr anders.
Das mit der gemeinsamen Vergangenheit ist immer so eine Geschichte, da braucht man lange, bis man sie verstanden hat, sich eine Pointe gedacht, irgendwas daraus gelernt und sie dann gehen lassen kann oder irgendjemandem noch einmal erzählen, um Anekdoten zu haben, zu lächeln und dann das Thema zu wechseln. Bis es ok ist, dass man sich verloren hat, weil die Richtungen sich verändert haben und die Getränke, die man bestellt, die Menschen, die man um sich hat, um sich gut zu fühlen. Man braucht jetzt eben andere.
Aber es dauert eine Weile, bis man es drauf hat, die Kinnlade oben zu lassen, wenn man sich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat und dann bei Dischdischmusik irgendwo wiedersieht und all die Phrasen hört, über die man sich früher gemeinsam lustig gemacht hat. Es dauert eine Weile, bis man da mitmacht und genau die sinnlosen Antworten fallen lässt, die nicht unhöflich sind, die Sache aber auch nicht komplizierter machen als nötig. Niemand will auf solche Fragen an solchen Abenden in einer solchen Umgebung die richtigen Antworten hören, denn dann würde einem auffallen, dass dies ein wahrhaft schlechter Ort ist, um nachzufragen, dass man sich nicht die ganze Zeit ins Ohr brüllen und dabei interessiert bleiben kann, dass es anstrengend wäre, woanders hinzugehen, um sich zu verstehen, und dass da ja auch schon wieder ein gutes Lied kommt, zu dem man tanzen muss, geh du mal. Wir sehen uns, na sicher. Wir sehen uns, von weitem. Man hat ja aufzutauchen.
Und wenn das zwischen Menschen so ist, kann man auch gehen, ohne sich zu verabschieden.
“Kennt ihr euch eigentlich gut?” - “Nicht mehr.“
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Januar 2008 um genau 14:54
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