2008. Ab und auf.

Januar. Ich habe den Kalender aus Papier noch benutzt. Ich habe zum ersten Mal den Satz gesagt: “Ich bin auf Tour”, wenn auch nur als Stimmungsaufheller und nur drei Tage lang. Mir wurde in einem Fastfoodladen ein Ultraschallbild entgegen geschoben. Wir fingen an joggen zu gehen.

Februar. Ich bin zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder zum Friedhof gefahren. Rocky Votolato war in der Stadt und ich habe “Ja” gesagt, als man mich nach Taiwan einlud.

März. In einem Gitter vor dem U-Bahn-Eingang steckte eine Pistolenkugelhülse. Ich habe Londoner Eichhörnchen beobachtet. Am Ostkreuz bauten sie den Zaun vor das Fahrkartenstempelgerät und schnitten ein Loch hinein, sodass jeder weiterhin stempeln konnte. Es hat geschneit.

April. Zum zweiten Mal in meinem Leben interviewte ich Menschen vor einer Kamera. Und in Taiwan las ich “Kleine Lichter” von R. Willemsen.

Mai. Ich habe einen Papierflieger auf der Straße gefunden, auf dem stand: Ich liebe dich. Wir machten das erste Picknick des Jahres im Weinbergspark. Und als es irgendwo hinter der Warschauer Brücke brannte, dachte ich zuerst an einen Anschlag. Ich übernachtete in einem verstaubten Märchenland und habe auf der PopUp Menschen photographiert, denen M&Ms in der Nase steckten.

Juni. Bodi Bill auf dem Weekend-Dach. Und C und ich sahen in diesem Monat aus wie Geschwister. Ich arbeitete auf diesem Festival, telefonierte viel und war bei Regen an der Ostsee. Passend dazu beendete ich “No one belongs here more than you” von Frau July. In diesem Monat begannen die Babies des Dunstkreises damit, auf die Welt zu kommen.

Juli. Ich tanzte vor hohen Bergen herum und sah The National live. Mit S stand ich am Ufer, als der nackte Mann in seinem Motorboot vorbei sauste. Und ich lernte, wie man Kuschelmilch ordnungsgemäß zubereitet. Ich schrieb ein Gedicht und saß in einem Büro mit dem schönsten Rennrad der Welt.

August. Ich machte eine Dampferfahrt auf der Spree. Und erschrak über die Bevölkerung des Weststrandes, der noch vor ein paar Jahren mein einsames Domizil gewesen war. Von nun standen die Photoautomaten sogar in Nachtclubs. Beim Regen des Jahres stand ich mit L vor einem Schreibwarengeschäft und sang. O machte mich zur glücklichsten Patentante der Welt.

September. Ich bekam Muskelkater vom Baby-Herumtragen. Und besuchte ein Fußballrestaurant. Am S-Bahnhof-Tempelhof flug ein Flugzeug so nah an mir vorbei, dass ich glaubte, mit dem Finger etwas draufschreiben zu können.

Oktober. Ich wurde 24 und durfte eine Sektpyramide in meinem eigenen Flur aufgießen. Das Publikum von Udo Lindenberg amüsierte mich. Seit Ewigkeiten saß ich mal wieder in einem Nachtbus.

November. Mit Weingläsern in der Hand liefen C und ich bis zur Tankstelle. Die Wohnung wurde weißer und ich castete Bewohner. Ich träumte von Tony Soprano.

Dezember. Ich tanzte in italienischem Schnee. Und aß zum ersten Mal Mutzen. Wir machten Bilder für das neue Projekt. Ich schmiedete Pläne und noch liegt ein Haufen Papier neben mir, von dem ich hoffe, ihn noch in diesem Jahr loszuwerden.

Und einige Dinge ziehen sich konsequent wie blaue Zahnpastastreifen durch mein Leben. Von denen kann ich nicht wirklich sagen, wie sie da hinein gekommen sind, aber sie gehören dazu. Irgendwann sind sie aufgetaucht und geblieben. Und es geht schnell, dass man sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen kann.