Tiger, Baby!

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. Oktober 2007 um genau 19:51
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. Oktober 2007 um genau 19:51
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So heißt es angeblich, wenn Kinder nach acht Monaten lernen, dass Dinge weiter existieren, auch wenn sie sie nicht mehr sehen. Oder wir. Das ist nicht angeboren, das muss erlernt werden. Vorher verschwinden für das Kind die Dinge, die aus seinem Sichtfeld genommen oder verdeckt werden. Nehmen wir also all unsere Verlustängste, alle kleinen Sorgen, Vermissungen und trauen wir unserem Verständnis der kognitiven Schemata aus dem Kleinkindalter. Versuchen wir, ohne zu greifen, zu sehen und zu tasten, die Dinge nicht zu vergessen, die kleinen und die großen. Halten wir uns eine kleine Ecke im Hinterzimmer frei für die Sachen, die vergangen sind und lange vorbei, für die, die wir vergessen wollten, und die, die uns schon längst vergessen haben. Schaufeln wir eine Schublade leer für Erinnerungen, die keine mehr sind, sondern nur noch Schatten. Falten wir auch die ordentlich zusammen und - wir müssen sie nicht einmal anschauen - wissen wir, dass es sie gibt.
Besinnen wir uns auf die Eventualität eines Wiedersehens, einer Veränderung, die nie eine war. Vertrauen wir darauf, dass die Dinge gut sind, wie sie sind. Und dass sie auch anders mal gut waren. Gehen wir los und merken, dass es nicht mehr knackt, wenn wir uns doch noch einmal umdrehen. Sagen wir nicht mehr Tschüß sondern Auf Wiedersehen. Man wird nicht plötzlich ein anderer Mensch. Stehen wir bequem, nehmen wir das hin, schauen wir uns ins Gesicht. Wir konnten das doch mal, wir haben das doch gelernt, sagt Piaget.
Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Oktober 2007 um genau 12:33
Kategorie : Blicke | 4 Kommentare
Ich habe in den Tag der deutschen Einheit geheult. Das war keine Absicht, das ist so passiert. Ich wusste es wieder, als wir heute einen Schreibtisch zusammenbauten und es dabei etwas lauter wurde. “Darf man das eigentlich, so rumrummsen, wenn Deutschland ein bisschen Geburtstag hat und Mittwoch wie Sonntag ist?“, fragt S. und schraubt weiter. “Is doch wurscht, sind eh alle draußen und sammeln Blätter vom Boden“, sage ich, reiße die Fenster auf und schraube mit. Der Grund für das klatschnasse Kopfkissen guckte uns dabei zu. Und als eine Schraube weiter kullerte als geplant, fiel es mir ein.
363 Seiten waren es, ich hatte vielleicht ein Viertel davon gestern gelesen. Müde vom Arbeiten schlief S. noch vor Mitternacht ein, ich nahm das Buch zur Hand und legte es bis halb vier nicht mehr weg. Rotz und Wasser. Ein Buch hat das bisher geschafft bei mir, nur eines. Und das auch nicht in diesem Maße und schon vor ein paar Jahren, nicht alle zehn Seiten erneut. “Nicht so laut hochziehen, leise umblättern, nicht bewegen, ruhig atmen.” Vorsätze, damit S. kein verrotztes, rotäugiges Mädchen neben sich entdeckt, wenn er aufwacht mitten in der Nacht. Aber er wachte nicht auf, ich ging ins Bad zum Naseputzen und beschloss, nie nie nie wieder solche Dampfhammerbücher vor dem Einschlafen zu lesen. Nichts von den erhofften Reaktionen traf ein: Ruhe, Müdigkeit, Augenzufallerei. Stattdessen: Rotznase, Aufgewühlung, “Was wäre, wenn”-Gedanken.
In der Nachtrealität denken, man habe damals keinen Abschied gehabt. Am Morgen froh sein, dass ihm all diese in der Geschichte beschriebenen Prozeduren und Qualen erspart blieben. Das war keine Absicht, das ist so passiert.
Liz hat es verfasst, und zwar am 3. Oktober 2007 um genau 17:32
Kategorie : Lektüre | 13 Kommentare

Ich schob die Kinokarte von “Du bist nicht allein” zwischen die Seiten eines Buches mit einer Geschichte über zwei Menschen und Krebs und hielt es für Kitsch, Abgedroschenheit oder einen dieser Begriffe, der einem in den Sinn kommt, wenn durch Zufall Phrasen aufeinandertreffen, die man in Filmen immer hört oder auf schlechten Zeitungen liest. Die man manchmal nicht mehr wahrnimmt, wenn sie dann doch mal so gemeint sind. Nur so und nicht anders. Ohne den ganzen, sich mit der Zeit gut eingelebten Konnotationskram, ohne die Häufigkeit, in der einem solche Dinge um die Ohren ballern, ohne dass sie einen selbst betreffen, ohne die Leichtigkeit, die auch das Wort “Freund” in der heutigen Zeit so liebgewonnen hat, dass einem ganz schlecht werden kann.
Wie sich sowas abnutzt, merkt man erst, wenn man es selbst mal sagt, weil es dafür keine anderen Worte gibt und eigentlich auch keine anderen Worte braucht. Wozu groß rumschwallen, wenn die Dinge einfach und simpel auf den Punkt gebracht werden können? Wenn einem dann nicht geglaubt wird, man es sich selber kaum glauben kann, weil es so platt gewalzt wurde von der Verwendung so vieler Idioten, will man eigentlich lieber gar nichts sagen. Und hoffen, dass man es auch nicht sagen muss. Dass es gewusst wird. Für den Notfall lasse ich die Kinokarte jedoch zwischen irgendwelchen Seiten. Ich muss mir ja nicht merken zwischen welchen. Gegenüber sitzt ein junger Mann, die Bahn hält am Bersarinplatz. Er hat es auch gesehen und lächelt.
Liz hat es verfasst, und zwar am 2. Oktober 2007 um genau 13:25
Kategorie : Fragen | 2 Kommentare

In Italien sind Lebensmittel im Supermarkt teurer als hier. Aber einkaufen ist sowieso kollossal anstrengend, wenn man nicht mit einer Tasche voll Geld über einen Markt schlendert, auf dem es nur so von bunten Ständen wimmelt, oder sich durch ein Geschäft mit hübsch beschrifteten Gläschen voller Leckereien stöbert. Einkaufen in Supermärkten ist unangenehm, meistens hat man kein Kleingeld für einen Wagen, meist liegt irgendwelcher Mist auf dem dreckigen Boden rum, dem man ausweichen muss. Oft sehen die Sachen einfach blöd aus, die vielleicht gut schmecken, aber sowieso finde ich, sollte es definitiv eine Verpackungsrevolution geben. Die KassiererInnen müssen hässliche T-Shirts und manchmal sogar Mützen tragen und sind schlecht gelaunt, was ich oft unheimlich gut nachvollziehen, aber trotzdem nicht gutheißen kann. Es wird rumgebrüllt, alle schieben ihre Wägelchen in die Beine des Vordermanns, grabschen in die Tiefkühltruhen und Gemüsekisten, räumen um, lassen fallen und bekommen die Lautsprecherdurchsagen auch irgendwann nicht mehr mit. Es sucht und stapelt, schiebt und seufzt, ich habe selten Menschen gesehen, die aussahen, als hätten sie Spaß daran. Manchmal huschen ein paar Kinder durch die Gänge, die lachen, weil sie Mama zu Schokolade oder Eis überreden konnten, hin und wieder liegen sich zwei in den Armen und können sich nicht für Wein entscheiden. Und meistens kann man an den Zutaten auf dem Fließband erkennen, was es heute zum Abendessen gibt. Selten regt sich dabei etwas im Gesicht der dazugehörigen Konsumenten. Ich bin froh, dass wenigstens alle den Mund halten.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. Oktober 2007 um genau 14:18
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