Was soll man sonst sagen?

Ich schob die Kinokarte von “Du bist nicht allein” zwischen die Seiten eines Buches mit einer Geschichte über zwei Menschen und Krebs und hielt es für Kitsch, Abgedroschenheit oder einen dieser Begriffe, der einem in den Sinn kommt, wenn durch Zufall Phrasen aufeinandertreffen, die man in Filmen immer hört oder auf schlechten Zeitungen liest. Die man manchmal nicht mehr wahrnimmt, wenn sie dann doch mal so gemeint sind. Nur so und nicht anders. Ohne den ganzen, sich mit der Zeit gut eingelebten Konnotationskram, ohne die Häufigkeit, in der einem solche Dinge um die Ohren ballern, ohne dass sie einen selbst betreffen, ohne die Leichtigkeit, die auch das Wort “Freund” in der heutigen Zeit so liebgewonnen hat, dass einem ganz schlecht werden kann.
Wie sich sowas abnutzt, merkt man erst, wenn man es selbst mal sagt, weil es dafür keine anderen Worte gibt und eigentlich auch keine anderen Worte braucht. Wozu groß rumschwallen, wenn die Dinge einfach und simpel auf den Punkt gebracht werden können? Wenn einem dann nicht geglaubt wird, man es sich selber kaum glauben kann, weil es so platt gewalzt wurde von der Verwendung so vieler Idioten, will man eigentlich lieber gar nichts sagen. Und hoffen, dass man es auch nicht sagen muss. Dass es gewusst wird. Für den Notfall lasse ich die Kinokarte jedoch zwischen irgendwelchen Seiten. Ich muss mir ja nicht merken zwischen welchen. Gegenüber sitzt ein junger Mann, die Bahn hält am Bersarinplatz. Er hat es auch gesehen und lächelt.
Liz hat es verfasst, und zwar am 2. Oktober 2007 um genau 13:25
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