Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Monat: September, 2007

Zurückkommen.

http://www.mevme.com/lizblog

Plötzlich ist der Blick nicht mehr hügelweit und stößt sich statt an kleinen Burgen und Weglinien nur noch an Hauswänden. Und öffnet man das Fenster, ist es jetzt wieder die Stadt mit all ihren Abgasen, Schlechtwettern und Launen, die einem in die Nase steigt und nicht mehr die letzten Wehen des großen Weinsilos im Hof. Hier fahren Straßenbahnen und Autos im Sekundentakt und rasendschnell, kein Hund lässt einen mehr aufschauen, das ist normal, das gehört dazu. Und der Lavendel ist verdorrt, gibt sich kleinlaut noch den letzten Rest im Topf neben dem Löwenzahn, der schon vor einigen Monaten damit begann, ihn platt zu machen. Die Katzen huschen in die Hauseingänge und streichen einem nicht mehr um die Beine, ich brauche hier keine Grillen aus dem Pool zu retten, alles fängt sich von allein.

Wer keine Falten auf der Stirn hat, der kauft sich Gummistiefel. Die Handschuhe tragen sie hier vor Kälte und nicht, weil sie beim Ernten Angst vor Flecken haben. Und es gibt keine Mücken. Frühstück auf dem Balkon bräuchte Decken und Heizlüfter mittlerweile, Kragen zumindest. Die Badelatschen trägt man hier in der Sauna. In den Zeitungen steht, wie man sich das Urlaubsgefühl, die sogenannte Ferienstimmung, noch ein bisschen bewahrt, man solle sich Eis kaufen und ruhig träumen in der Mittagspause im Büro. Steht man auf dem Balkon, plumpsen Tropfen in den Kaffee. Und den Horizont sieht man nur selten in einer geraden, durchgezogenen Linie. Die Zeitungen schreiben davon, der letzte Sonnentag, der wäre jetzt vorüber, man solle sich warm einpacken, vorbereiten, Tee kaufen, Vitamine essen, die Fotos entwickeln lassen und einmal die Woche anschauen.

Die Lampen leuchten grün, der Tank ist voll, wohin soll´s gehen? Die Stadt ist voll von Straßen, die keiner mag.

Un po´ di tutto

http://www.mevme.com/lizblog

Immer wieder Dinge ein- und wieder auspacken, rumlegen, umschreiben (damit man das eine Büchlein zuhause lassen kann), die örtlichen Temperaturen im Internet nachgucken, sich nicht drauf verlassen, eine Pause machen, Mama nochmal anrufen, Angst um die Blümchen haben, kurz schlafen, denken, dass bestimmt das Haus abgebrannt ist, wenn man wiederkommt und entscheiden, doch irgendwas persönliches mitzunehmen, den Koffer anheben und nicht wissen, wieviel eigentlich zehn oder fünfzehn Kilo sind, Mitbewohnerin fragen, welche laut lacht, als sie den Koffer anhebt (liegt an ihrem angeborenen, aus allen Poren quellenden Optimismus), mir einen persönlichen Masseur wünschen, nicht wissen, auf welche Bücher ich in den nächsten zwei Wochen Lust haben werde, Unkraut zupfen, abwaschen, in den Italienisch-Sprachführer gucken, nochmal das Haus im Internet angucken, das kurze Kleid doch noch kaufen, sich auf´s Schreiben freuen und am liebsten sofort loslegen, essen vergessen und irgendwann vom grummelnden Bauch erschreckt werden, sich auf italienische Märkte freuen und Rezepte im Internet suchen, irgendwann denken, Rezepte sind was für Nicht-Urlauber, bemerken, wieviele Lade- und Endgeräte man eigentlich hat, nochmal die Steckdosen checken, hoffen, dass die da einen Adapter haben und am Ende dieses Absatzes merken, dass ich wirklich Urlaub brauche.

Erzählt mir, was passiert. Ich bin weg, denn abbiamo una temperatura di 27 gradi. Mi può indicare un itinerario interessante sulla carta?

Geheimnisse erzählen, ohne welche zu haben

“[...] Und ist dieses Erfinden, Literarisieren, um es mal nett zu sagen, für Euch vertretbar? [...]”

Die Geschichten so zu drehen, dass sie als Geschichten etwas hermachen, halte ich durchaus für vertretbar. Wer bist du, wenn du bloggst? Baust du dich so zurecht, wie du dich gerne sehen würdest? Inszenierst du dich zur Freude anderer oder baust du dir eine Penisverlängerung aus Text?

Ich muss manchmal breit grinsen, wenn ich Blogs von Menschen lese, die ich kenne und dann wieder doch nicht, weil sie sich so schreiben, wie sie manchmal gerne wären. Weil sie sich schreiben, wie sie nicht sind. Und weil sie dann eben doch so sind. Weil diese Erzählerei dazu gehört, ob jemand ein Blog schreibt oder Mails, ob jemand diese oder jene Klamotten kauft oder heimlich eine Sendung im Fernsehen schaut, von der er niemandem erzählt, so verhält es sich auch mit Blogs: Selektion als Kanalisierung der Facetten. Und wenn da jemand eine Kunstfigur baut, ist mir doch die Kunstfigur scheißegal. Viel mehr sagt es doch über den Menschen an sich. Welche Charakterzüge er rauslässt, welche er für erwähnenswert hält, welche nicht. Was darf man cool finden, was muss man scheiße finden, um gut anzukommen? Was erwähne ich und was lasse ich unter den Tisch fallen, um Kommentare zu kriegen? Das ist die eine Sorte. Die irgendwann nicht mehr weiß, was eigentlich erfunden und was echt war.


Die zweite Spezies schreibt gnadenlos auf, was passiert. Eins zwei drei und du weißt genau, ja richtig. Und erschrickst vor dem Mut, vor diesem offenen Buch und liest irgendwann nicht mehr weiter, weil du manche Dinge gar nicht wissen willst.

Ich halte Literarisierung für immanent in den meisten Blogs, ohne diese würden sie als Erzählblogs selten funktionieren. Nachrichten, Beobachtungen auf sachlicher Ebene als Informationsquelle gerne. Aber der Tick hinüber zum Schlüsselloch, zum Übungsplatz, zum Experiment - ich glaube, da geht es nicht ohne. Allein deine Perspektive, die persönliche Erzählweise literarisiert doch schon, du schmückst aus, versuchst genau zu erklären, lässt deiner Meinung nach unwichtiges weg, wählst aus und gehst nochmal drüber, verwischst die Spuren oder machst welche hinzu, drehst es so, dass du damit umgehen kannst. Und der Leser muss ja.

Über offensichtliche Lügen kann ich lachen, ich nehme all die Geschichten nicht ernst und ich freue mich über Sprache und Anekdoten, ich habe die Schreibe einiger sehr lieb gewonnen, baue mir Bilder im Kopf, mag den Blick von manchen und die Schwächen der anderen. Am liebsten aber sind mir die ungesagten Dinge, die Konnotationen, das Gefühl, das da mitschwingt und das man bei den Guten immer noch erkennt, auch nach dreimaliger Radierung. Dass du dir denken kannst, warum er das und nicht jenes schreibt und wohin es führt.

Niemand lebt genau so, wie er es gerne würde. Und hier kann man sich zurecht bügeln, hat man die Dinge halbwegs unter Kontrolle, was ja sonst doch eher selten ist oder zwanghaft. Sich eigentlich um nichts und niemanden zu scheren und dann doch wieder um alle (sonst würde man es nicht veröffentlichen), das ist die Gradwanderung und das Charmante. Gib mir ein bisschen von dir und ich bau mir was draus, erzähl mir eine Geschichte und ich sag dir anhand deiner Satzzeichen, wo du dein Gesicht in Falten legst und was du verheimlichen willst.


Fatal error: Call to undefined function esc_url() in /www/htdocs/w00ac97a/lizblog/wp-content/plugins/wp-tweet-button/wp-tweet-button.php on line 982