Wir bauen uns einen Sommer

An den Büschen neben den Schienen wachsen Brombeeren, die keiner pflückt. Und ohne Unterlass tragen die Touristen Regencapes mit Sandalen, die Socken haben sie im Rucksack für die Abendstunden, weil es dann noch kühler wird. Am Wochenende spielt man Völkerball, um dem Sommer nicht ganz abhanden zu kommen. Und Mittagspause wird immer dann gemacht, wenn die Sonne rausguckt. Am Abend sammeln wir die Sinne zusammen, um in der Nacht tief und fest schlafen zu können und nicht an das Vermissen zu denken. Morgens dann halten wir uns an den Händen fest bis zur Haltestelle, wo die anderen warten, die irgendwohin müssen. In der Bahn halten alle nur Stangen und schauen sich auf die Zehen. Wie die Touristen. Wir legen die Hand an die Stirn und tun, als sei es das gleißende Licht, das uns stört. Dabei ist es nur Regen. Die Beziehungen ziehen wir runter auf Geschäftsniveau. Für den Rest braucht es die richtige Temperatur.
Der Kaffee geht trotzdem gut weg, wir brechen ja nicht gleich mit Traditionen. Die Schirme halten bis zum nächsten Jahr. Und die Löffel waschen wir ab. Manchmal sitzen wir abends am Fluß und fragen uns, wo eigentlich die vielen Blätter sind, die die Bäume die ganze Zeit verlieren. Aber mittags, wenn die Bedienung noch weiß, was wir wie essen, dann erinnern wir uns daran, wie es früher war. Und reden dabei über die Zukunft, während es doch ganz gemütlich findet mit uns. Wir setzen uns in den Schatten dann, machen eine lange Nase und vergessen den Rest des Jahres und alle Tage dazu, scheißegal, was das Wetter macht. Wir wissen, was wir an uns haben. Und fallen in der Bahn nicht um. Alle Kekse zum Kaffee auf einmal in den Mund. Und mit vollen Backen den Falten entgegen. Mit Volldampf in die Schmiede mit Plänen. Nie so werden, wie die anderen mit den endlosen Arroganzen und Striemen im Gesicht, niemals.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. August 2007 um genau 18:31
Kategorie : Berlin, Wir | 1 Kommentare