Und was kommt danach?

Hin und wieder, wenn andere in Gesprächen ihre Jahresplanung erwähnen, ihren Kontostand oder großen Pläne, hüpft mir zwischendurch kurz auf die Schulter, was sich mit Zukunftsangst vielleicht nicht ganz fassen, aber mit Unsicherheit in Bezug darauf dann doch ganz gut umschreiben lässt. Meist nur kurz, weil im Rest des Tages keine Zeit bleibt für konkrete Auseinandersetzung damit oder ich die Energie aufbringe, nicht zu viele Gedanken daran zu verschwenden. Aber dann schafft es das Gefühl hin und wieder doch sich vor mich zu stellen und mal fett in die Kamera zu winken. Ein bisschen so penetrant wie die Leute, die bei Übertragungen immer hinter dem Reporter stehen, dümmlich grinsen, nicht ins Bild passen, aber bis zum Ende der Aufzeichung einfach nicht verschwinden. Da und doof.
“Das gewöhnt man sich ab“, sagte gestern noch jemand, als ich kurz meinen Unmut äußerte darüber, dass ich nicht weiß, was mich im Herbst erwartet bzw. ganz simpel, wie ich dann Geld verdiene. “Das gehört doch dazu“, sagte ein anderer und wandte sich ab. Dazu gehört es konkret sein ein paar Jahren. Und seitdem habe ich immer die Zeit in der Zukunft vor Augen, die noch nicht gefüllt ist mit einem oder mehreren Jobs. Und die flackert dann dort nervös vor sich hin und spuckt diese Anfälle von Unsicherheit, diesen immanenten, ausschauhaltenden Blick. Die macht, dass man den Fuß in viele Türen stellt. Und dass man immer darauf angewiesen ist, dass sich “etwas ergibt”.
Natürlich rechne ich nicht nur in Haben und Soll auf dem Konto, ich plane vor allen Dingen in Projekten. Und selbst, wenn ich das Geld hätte, ich könnte nicht einfach nur vor mich hin studieren. Das funktioniert nicht, selbst wenn ich den Gehaltsgedanken komplett ausblenden würde. Vielleicht wäre es für eine kurze Zeit entspannend, ja. Vielleicht könnte ich dann mal den Ansprüchen der Professoren und Dozenten entsprechen, die meistens davon ausgehen, dass man außer Uni sonst kein Leben hat und seine Zeit voller Elan damit verbringt, Lektüre für ihr Seminar zu lesen. Vielleicht könnte ich dann vollkommen einsteigen in diesen Betrieb, der mich nach fünf Semestern immer noch meist mit verkniffener Stirn und skeptischem Blick am Rand sitzen und beobachten lässt, weil mir diese Art und Weise meistens in der Materie aufzugehen, ohne einen konkreten Bezug herzustellen bzw. die ganze Zeit im eigenen Saft der wissenschaftlichen Ausdrucksweise zu schwimmen, einfach nicht zusagt. Das ist nicht meins. Aber vielleicht hätte ich ja mal einen Kopf dafür, wenn es die Umstände zuließen. Vielleicht.
Ich rechne aber nun mal in kleinen, persönlichen, sicht- und greifbaren Zielen, in Ergebnissen, die ich anfassen, sehen und mit denen ich mich identifizieren kann. Die zu irgendetwas beitragen. Die jemandem etwas geben. Sei es auch nur ein kurzes Lachen oder einen guten Moment. Ich will nicht Wochen damit verbringen, Arbeiten zu schreiben, die in Universitätsarchiven versickern. Und ich will mich nicht auf diese sinnlosen Diskussionen einlassen, die schon hundertmal im selben Raum geführt wurden. Ich brauche etwas in den Händen, viele Sachen müssen einfach raus, das ist der Austausch, die Umwälzung der Dinge, die ich lerne und beobachte, und ihre Umwandlung in etwas Greifbares.
Und da verschlucke ich mich an Leben und Arbeit, da vermischen sich die Notwendigkeiten, kollabieren Herz und Bauch ab und an. Ohne ein aktives Produzieren geht irgendwie nicht. Aber die Geldfrage macht dann doch immer wieder einen größeren Schatten. Und man kann mir noch so oft sagen “Davon musst du dich freimachen“, ich werde immer wieder fragen “Wie soll das denn gehen?“. Wenn sich die Rechnungen nicht von alleine bezahlen und ich bisher noch nicht in der Lage und der Typ dafür war, Geld beiseite zu legen. Ich jammere nicht, ich sage nur, dass es die Zeit nicht zulässt, keinen Wert und keinen Blick darauf zu legen, dass wieder was reinkommt. Und ich bin noch nicht soweit, habe nicht den Status und die Vergangenheit sagen zu können, da läge etwas auf der Kante, das mich über ein paar Monate rettet, oder eben die Leichtigkeit von der Gewissheit, dass sowieso etwas eintrudelt. Und deswegen rechne ich weiter in schwungvollen Wochen, in die ich mich stürze, weil ich das liebe. Ich rechne weiter in Lohnarbeitszeiten, die es gibt, weil ich von etwas leben muss. Leidenschaft ist da oft was anderes. Und ich sehe weiter das zuckende Lämpchen am Rand, das immer flimmert und schreit, wenn der Tank leer ist.
“I´ll be the one to hope” singt Feist auf der neuen Platte. Dass sich das irgendwann mal so drehen lässt, dass ich von der Notwendigkeit mich auszudrücken und fassbare Ergebnisse zu produzieren, leben kann. Und diese beschissene kleine Lampe mal Pause hat, die ja eigentlich den Zwang ausmacht. Und nicht die Arbeit an sich. Und ich verabschiede mich nicht von dem Ideal, dass das funktionieren wird, dass das irgendwann aufgeht, nein nein nein. Bis dahin, Vitamin C fressen, Räume schaufeln und durchhalten, machen, tun. Los.
(Ach ja. Irgendwelche Vorschläge für ab Oktober?)
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Juni 2007 um genau 12:53
Kategorie : Wir | 6 Kommentare