
Gepflegtes Aus-der-Reihe-Tanzen gab es gestern abend mit den Jungs von Kate Mosh. Ich hatte ganz vergessen, wieviel Spaß man auf deren Konzerten haben kann. Das letzte Mal im Lido noch in alter Besetzung auf großer Bühne, jetzt zur Hälfte neu, gab es gestern kontrolliert was auf die Mützen und Scheitel. Neues und altes vermischt, laut und leise ineinander und die Tempiwechsel, die die einen irritieren und die anderen noch an den Rand der Patellaluxation bringen, weil man sich da einfach bewegen muss. Ja, mir läuft ein Schauer über den Rocken, wenn Sebi die Tonart wechselt, wenn alles bricht und ballert und Thom mit einfachen Worten große Gefühle in die Menge schreit. Und das Partylämpchen trotzdem ordentlich blinkert. Kontrolliertes Ausrasten mit dem Hang zum Abrupten und dann dazu der Chor aus Freunden. “Wie geil das is, dass man Freunde hat“, sagt Sebi am Rande.
Und so angenehm, dass diese Band für mich noch nie an Jahreszeiten oder Gesichter gebunden waren, nie an Orte oder ein Stechen im Bauch. Die kann ich mitnehmen ohne Vorbehalt. Die stehen für sich. “Look around you. All you see are sympathetic guys.”

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Juni 2007 um genau 18:42
Kategorie : Ton | 2 Kommentare

Immer wenn es auf Untertassen regnet, speziell auf meine eigene, weiß ich, dass du keine fünf Meter entfernt bist. Wir nehmen die kleinen Tassen, die du von deiner Großmutter väterlicherseits geerbt hast, die mit den kleinen roten Kringeln am Henkel und dem Goldrand, die nie zu den Farben meiner Nägel passen, nie zu meinem Kleid oder meinen Schuhen, nie zu Lidschatten oder Lippenstift, nie zu meinen Wangen oder Haaren oder Augen, nie zu meinem Ausschnitt und eigentlich sind sie auch zu klein für deine großen Hände, für meine passen sie an sich ganz gut, aber wenn man das mit den Farben nicht stimmt, dann kann der Rest auch nicht wirklich gut aussehen. Du legst dann immer das Tischtuch auf, das hast du von deiner Tante mütterlicherseits, die noch nicht gestorben ist so wie die Großmutter, aber du sagst, es könne sein, dass sie große Angst hat davor und vor allem aber vor der Möglichkeit, jemandem danach noch zur Last zur fallen, und so verteilt sie schon jetzt ihr ganzes Hab und Gut. Du hast eine Tischdecke, einen kleinen Porzellanelefanten, zwei Teekannen und einen Umschlag mit Geld und Briefmarken bekommen. Von den Briefmarken schickst du ihr Postkarten und sie weint jedes Mal, wenn ihr telefoniert. Auf der Tischdecke sind Veilchen. Sie sehen aus wie drauf gestreut und als ich die Decke das erste Mal sah, war ich so entzückt von ihr, dass ich dachte, du hättest eine Freundin. Das ist bestimmt ihre, dachte ich. Und fragte mich sofort, ob es richtig sei, dass wir aus den Tassen deiner Großmutter mit dieser Tischdecke vor uns Kaffee trinken, aber wir beließen es dabei. Wir belassen es seit Jahren dabei und jedes Mal reden wir nicht viel, denn es regnet ja draußen und man müsste immer ein bisschen lauter reden, um sich wirklich gut zu verstehen. Und wir beide sind nicht die Typen mit den lauten Stimmen. Es gibt also immer mehr zu sagen, wenn es nieselt. Und nichts, wenn es stürmt.
Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Juni 2007 um genau 19:01
Kategorie : Emma und Jonas | 0 Kommentare
Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Juni 2007 um genau 15:07
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare
Zwei Mädchen mit Müslibacken lachen gerade über das schreckliche Radioprogramm des örtlichen Senders, da klingelt es an der Tür und eine Frau mit Sturmfrisur und ganz und gar roter Bekleidung steht vor der Tür. “Guten Morgen“, säuselt sie grinsend, “Ich möchte Sie gerne zu einer ganz besonderen Veranstaltung einladen!“. “Aha“, mampfe ich noch halb im Schlafanzug. Da reicht mir die Frau mit ihrem 10-cm-Grinsen ein glänzendes A4-Blatt. Darauf zu sehen ist ein riesiger Porzellan-Jesus. Drüber prankt in goldenen Lettern: “Folge mir“. “Äh, nee danke, ich habe wichtigere Dinge zu tun als einer Porzellanfigur hinterher zu laufen“, murmele ich. “Dann nehme ich die Einladung wieder mit und wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag“, säuselt die rote Frau. “Jaja” und wumms.
“Entschuldigung, mir kam grad etwas Kotze hoch”. Und ich frage mich, ob sie in jedem Haus bis in den vierten Stock läuft. Mit den Schuhen, dem Lachen und dem Glanzpapier. Folge mir.
Liz hat es verfasst, und zwar am 26. Juni 2007 um genau 9:42
Kategorie : Berlin | 4 Kommentare
Nach einem Wochenende zwischen Taschentuch und DVD-Abspielgerät, zwischen Eis auf die Hand und wieder ins Bett, zwischen Husten und Filmen, liegt jetzt doch tatsächlich eine funkelnagelneue Woche auf der Türschwelle. Mit früh aufwachen und losstarten, mit letzter Verschnupfung, die aber dem unglaublichen Kampfeswillen weicht, mit groß posaunten Plänen und einer Fanfare, wie sie nur Horst von gegenüber im Schlafanzug zwischen seinem Grünzeug auf dem Balkon tröten kann. Hallo Montag. Es ist halb neun, ich koche Kaffee. Woche, du kannst mir mal kreuzweise meinen nicht vorhandenen Buckel runterrutschen, dich tricks ich doch mit links aus. Der Montag ist mein Freund und der Rest ist auch schon schnurzpiepegal. Komm doch, Hauderwacherl, du. Und leg dich mit meinem niegelnagelneuen Punktepulli an. (Jawoll, auch Geschenke machen glücklich. Vor allem, wenn man sie sich nicht selbst macht.)
Und jetzt Beißring rein und in die nächste Runde.
Liz hat es verfasst, und zwar am 25. Juni 2007 um genau 7:59
Kategorie : Moi | 5 Kommentare
Es wird hell, schon um vier in der Früh. Und unerbittlich schlägt der Morgen alle offenen Fenster und Türen zu, atmet einmal tief durch und weckt dabei so manchen grau melierten Kater, der sich mit der einen Pfote im Netz verfangen hat, das der Junge von gegenüber spannte, damit er nicht herunterfällt. Aus dem dritten Stock, der Junge oder der Kater. Und er fegt dabei die losen Blätter vom Küchentisch, ein Seufzen reicht dafür. Er wischt damit denen die Strähnen aus der Stirn, die dann noch nach Hause finden müssen, wenn er sich reckt und streckt. Es wird hell, schon morgens um vier in der Früh, wenn du die Augen aufmachst, Wimpern als Zeiteinheiten, Herzschlag als Spieluhr. Der Nebel lichtet sich, es regnet trotzig weiter. Und Opapa springt vom Balkon. Der laute Radau auf der Straße brachte ihn aus der Facon.
Liz hat es verfasst, und zwar am 23. Juni 2007 um genau 15:21
Kategorie : Berlin, Blicke | 4 Kommentare
“…those places were are reserved for the kind of humiliations and heartbreaks that you´re just not capable of delievering. That probably sounds crueller than it is meant to, but the fact is that we´re too old to make each other miserable, and that´s a good thing, not a bad thing, so don´t take your failure to make the list personally. Those days are gone, and good fucking riddance to them; unhappiness really meant something back then. Not it´s just a drag, like a cold or having no money. If you really wanted to mess me up, you should have got me earlier.”
(Nick Hornby)
Nimm sie dir. Nimm all die kleinen Lügen und die Halbsätze, die du brauchst, damit dein Brusthaar genau die richtige Länge hat. Nimm die kleinen Blicke und schau sie solange an, bis sie dir passen. Und stehen. Ja, das ist der Unterschied, von dem ich damals gesprochen habe. Ich trinke Weißwein und kann dich nicht mehr so sehen wie mit ohne. Wir haben uns vollkommen verlassen gegenseitig und das mit voller Absicht und du kannst mir nicht erzählen, dass du dir all diese Zeilen wirklich selber glaubst. Ich habe mehr von dir gehalten als solche hohlen Sätze. Nimm sie dir, du hast nichts anderes gewollt. Du hast nichts anderes verdient. Ich bin nicht alt, aber zu alt, um an sowas zu glauben. Ich kenn die Freitagabende in deinem Badezimmer. Und ich weiß, welche Kacheln du mit Füßen trittst und welche du meidest. Ich weiß auch, dass du die Tür abschließt, bevor du dir die Haare auf dem großen Zeh rasierst. All die Geschichten, die kenn nur ich, die kennst du nicht. Die wolltest du nie wissen. Und jetzt trägst du sie mit dir herum und fragst dich ständig wieder, was so drückt zwischen den Vorlesungen. Du hättest mehr Taschentücher kaufen sollen, mehr Creme, mehr im Supermarkt an der Ecke, das sich in deinen Beuteln zu schweren Kugeln bündelt, weil du immer nur dann denkst, wenn es dir in deine zarten Finger schneidet. Ohjee. Und diese Attitüde, die geht mir auf den Geist.
“You run the risk of losing anyone who is worth spending time with, unless you are so paranoid about loss that you choose someone unlosable, somebody who could not possibly appeal to anybody else at all.”
(Nick Hornby)
Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Juni 2007 um genau 20:49
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare

Es gibt was neues in der Stadt, das war aber schon mal da. Freitag und Samstag kommt das Meer zu uns, die Seefahrer sind wieder zu sehen. Wieder im FEZ in der Wuhlheide, zum fünften Mal mit der gleichen Idee, aber immer anders und immer schön. Sinnbus machen ein Festival und laden sich dazu Bands aus Osteuropa ein, Kulturkreise öffnen und schließen sich, Bühnen schwimmen auf Wasser und wie immer nörgelt niemand mehr über die Entfernung zur Stadtmitte, wenn er denn erst einmal da ist. Ein bisschen geschwurbelt klingt die Beschreibung auf der Seite, ein bisschen schwurbelt es einem im Kopf aber auch, wenn man dann mal da war, weil die Leute so unaufgeregt und die Erfahrung eine angenehme ist.
Mit dabei in diesem Jahr: Bodi Bill, Nitrada, Krill Minima, Kangding Ray, Soap & Skin, we are soldiers we have guns, Zerova, 3 Moonboys, endlos und das Laptop Orchester. Wer die Bands nicht kennt, sollte trotzdem hingehen, solange Affinitäten zu elektronischer Musik und alternativen Flussarmen zum Mainstream bestehen. Der Eintritt ist frei. Legen Sie sich auf den Rücken und lassen Sie sich treiben.
Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Juni 2007 um genau 7:03
Kategorie : Kultur | 3 Kommentare

Soviele Finger habe ich nicht, wie es Monate her ist. Dass wir in der Mittagspause mit einem Eis in der Hand über den Friedhof liefen, wenn die Sonne oben auf dem Dach zu sehr brannte. Uns zwischen die Birken setzten und irgendwie damit anfingen, diese Fremdheit zu beheben. Nachmittags kletterten wir in die oberen Stockwerke, wo es Klimaanlagen gab und man den alten Fahrstuhl ächzen hören konnte. Dann abends legten wir die Füße in den Sand und schraubten an
Ideen, weil wir glaubten, das sei wichtig. Dass man weitermacht, egal, wo man ist, und egal, wann, und egal, wieviele. Und nachts machten wir die Stadt zu der aus den Filmen. Mit flackerndem Licht und so lauter Musik, dass man sich selbst nicht mehr verstand und die Welt nicht und die Euphorie nicht, aber den Moment. Der war so glasklar, dass man sich hundertmal darin sehen konnte. Ohne Ende, ohne Wecker. Um dann morgens nach Hause zu kommen und ein paar Stunden später wieder im Büro zu sitzen, mit der Schläfrigkeit der Nacht und dem Kaffee vom Bäcker nebenan. Im Schatten der Häuserwand, mit dem Blick auf die bewachsenen Gräber, vor uns die S-Bahn alle sieben Minuten, hinter uns Kopfsteinpflaster, sprachen wir von allem und nichts und falteten die Kaffeebecher zu Tieren, wähnten uns in Sicherheit für diese Zeit.
Wir fühlten uns beleuchtet, mit dabei, absolut im Leben und völlig ausgebrannt. Den Finger am Handgelenk des anderen immer wieder zwischendurch. Das ging schon mit guten Dingen zu, wir hielten zwischendurch die Gesichter immer wieder an die Gitter vor dem Lüftungsschacht. Wenn Feierabend war, nahmen wir die Treppe und waren schneller als der Aufzug. Wir sprangen in die Seen und kamen am nächsten Tag ein bisschen zu spät. Wir erledigten die Aufgaben, die man uns stellte, und wussten, wir haben die kühle Wand im Rücken. Und vor uns die Birken im Abspann. Und unsere Namen. Wie in Aktentaschen, Aktenordnern, Akten, einem riesengroßen Theater.
Soviele Tage waren es nicht seitdem, wie ich Erinnerungen habe.
Liz hat es verfasst, und zwar am 20. Juni 2007 um genau 19:22
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare
…die Diskussion auf die Empfehlung im Blog vom Alphons hin. Schauen Sie in die Kommentare und beteiligen Sie sich. Ich bin gespannt, so gespannt. Und werde für diese Verlinkung auch nicht bezahlt.
Liz hat es verfasst, und zwar am 19. Juni 2007 um genau 18:45
Kategorie : Moi | 1 Kommentare