Pause machen.

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In Berlin regnet es die ganze Zeit und nicht nur vom Wetter ist jetzt eigentlich gerade der beste Zeitpunkt, um alles stehen und liegen zu lassen und abzuhauen. Gesagt, getan. Macht´s gut. Gleiche Stelle, gleiche Welle in einer Woche. Passt auf die Stadt auf, ich brauch die noch.

Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Mai 2007 um genau 19:24
Kategorie : Berlin | 5 Kommentare

 Trübe Aussichten

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Ja, ich möchte Kinderwagen von solchen Menschen entfernen. Einfach am Griff anfassen und das Kind wegrollen von dort, wo man ihm die über drei U-Bahn-Stationen die Hände festhält und es sich nicht selbst im Gesicht anfassen lässt. Von dort, wo man ihm eine Ohrfeige gibt, weil es müde ist und jammert. Von dort, wo die Eltern vormittags um elf genüsslich mit zwei Flaschen Bier in der U-Bahn neben ihrem Kind sitzen, welchem sie einen Iro geschoren und es “Mel” getauft haben. Ja, ich zetere und wüte innerlich, wenn ich sehe, wie der Vater mit seinem Kind umgeht, wie er nicht erklärt, sondern es anbrüllt. Und wie die Mutter grinsend zuschaut. Ja, ich habe nicht genug Mut, um mehr zu tun als beim Vorbeigehen gut hörbar zu zischen, dass es das Allerletzte sei, Kinder zu schlagen.

Wenn alle so feige sind wie ich, sind wir bald am Arsch, glaube ich.

Liz hat es verfasst, und zwar am 11. Mai 2007 um genau 11:27
Kategorie : Berlin | 7 Kommentare

 Oh how I love your depression

Das Tief liegt über die Stadt. Und die Menschen verbarrikadieren sich sofort. Alle Fenster wasserdicht verriegelt, die Türen zugesperrt, die Kragen hochgeklappt, den Blick auf das nasse Pflaster gerichtet, sie wollen alle heim. Und die Kinder zerren an den glitschigen Händen, jammern noch ein bisschen, werden aber leiser im muffig riechenden Hausflur, weil sie wissen, Papa geht heute nicht mehr raus, Papa bleibt heute zuhause. Sie schütteln ihre Haare auf dem Bahnsteig, flüchten sich unter jedes Dach und haben endlich eine Begründung dafür. Legitimierung der eigenen Selbstkontrolle, der Affektbeherrschung: “Ja, guck! Es regnet doch!”. Aschfahle Wangen, verklebte Wimpern, das haben sie sich anders vorgestellt, das mit dem Mai und so. Gleich laufen sie wieder gebeugt, nichts sieht man mehr von den weiten Ausschnitten und den polierten Images. “Deine Schminke verläuft im Regen“.

Vielleicht fängt einer an, die Regenschirme einzusammeln. Die vergessenen, verlorenen, kaputten, zurückgebliebenen. Da ist dann keiner mehr auf der Straße, vielleicht bewegt sich hin und wieder eine Gardine, vielleicht sieht man noch den Hintern eines Müllwagens um die Ecke biegen, sonst ist da nichts. Nur das Plätschern der kleinen Bäche, das murmelnde Ansteigen des Pegels, das keiner bemerken will. Und während sie die Ränder ihrer kleinen Existenzen mit Gaffa abkleben, setzt sich der Eine in eines der leeren Autos und stapelt die Schirme auf der Rückbank, findet immer wieder neue, immer noch mehr. Die nimmt er vielleicht mit zu sich nach Hause und trocknet sie in der Wanne, im Waschbecken, im Hausflur. Sorgsam nebeneinander und wartet dann. Und wenn das Tief vorüber ist, gibt es einen Auflauf auf der großen roten Brücke, sammeln sie sich in Trauben und lachen und zeigen mit dem Finger auf den Fluss, auf dem dann hundert bunte Punkte tanzen wie auf dem Kopf stehende Blumen. Und die Kinder werden an den Händen zerren und noch nicht nach Hause wollen. Und dann ist alles wieder gut und die Leute haben ihr Gleichgewicht zurück und die Stadt darf wieder auf die Sommerlochtitelseiten. Dann.

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Mai 2007 um genau 13:53
Kategorie : Berlin, Blicke | 4 Kommentare

 Weit gefehlt

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Man könnte meinen, Urlaub machen sei ganz einfach mit ein bisschen Zeit und ein bisschen Geld. Könnte man meinen, meint man aber nicht. Bevor man Urlaub macht, muss man Urlaub nämlich planen und wenn man dann erst einmal den gutgemeinten Rat befolgt, eine dieser Bewertungsseiten von Urlaubszielen anzusehen, kann man damit nicht mehr aufhören. Jegliches in Frage kommende Ziel wird eingegeben und wurde mit Garantie schon von hundert Leuten besprochen, mal in gründlicher, mal in weniger gründlicher Ausführlichkeit. Auf jeden Fall hat immer irgendjemand Schimmelpilze oder riesige Baustellen direkt neben dem Strand photographiert und so sehr man sich auch denkt, dass da doch eigentlich nur Idioten was in so Datenbanken schreiben und sich die Arbeit machen, dass doch da bestimmt nur Leute ihren Senf ablassen, denen es dort nicht gefallen hat, so sehr nagen diese Bewertungsbögen dann doch an einem, wenn man kurz davor ist, auf den Buchungsbutton zu klicken.

Und bevor ich jetzt ins Bett gehe mit Falten auf der Stirn und Kopfschmerzen, möchte ich doch nichts unversucht lassen und folgende Suchmeldung hinhängen:

Einmal Sonne bitte, möglichst nah am Meer, möglichst günstig, all inklusive, nicht zu viele Rentner, nicht zu viele Kinder, ohne Anschläge und Baustellen, ohne Schimmelpilze und Poolbeschallung.

Vielleicht sollte ich einfach da bleiben und Ferien wie letztes Jahr einfach auf´s nächste Jahr verschieben.

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Mai 2007 um genau 23:04
Kategorie : Fragen | 10 Kommentare

 Buchstaben über der Stadt

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Alle wollen den Film noch einmal sehen, alle gucken, wie Berlin sich verändert hat - “Ach Gott. Ja. Stimmt.” Jetzt rennen sie ins Kino und dann wieder raus und vergessen zu bemerken, dass das ja weitergeht. Dass das ja real ist. Mei Woansinn. Dass immer mehr Häuser und immer mehr Straßen gebaut und immer mehr Fassaden sonnenbrillenkompatibel blank geweißelt werden. Und im Kino juchzen sie dann “Ah” und “Oh”, wenn man ihnen vorhält, dass es doch noch was gibt hier von der Vergangenheit, von den alten Tagen, ein paar Schnipsel von den Schwarzweißfotos in echt. Und lesen sie dann die Kritiken dazu, dass Wenders mit seinem Engel zurück in den Kinos ist, und man ihnen zum Zwecke der Anschaulichkeit ein paar Fotos dazulegt im Sinne von “Damals und heute”, dann juchzen sie noch einmal: “Das ist aber hübsch. Ach Schatz, hast du gesehen, den Schriftzug gibt es immer noch?!”

Ja, Schatz. Den Himmel gibt es immer noch. Und die Schriften und die Mauer und die alten Schilder und die Pflastersteine und das Gestrüpp hinter dem Bahnhof und die Ampelmännchen und den Tierpark und die Hochhäuser und den Platz und die Straßen und vor allem auch die Menschen. Du müsstest vielleicht mal dein Brillchen absetzen. Genauer hingucken. Gardinen auf und Wimpern weg. Du weißt schon, mein Schatz. Kleinigkeiten und so. Zwischen den Zeilen. Geht auch bei der Stadt. Echt.

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Mai 2007 um genau 18:57
Kategorie : Berlin, Filme | 3 Kommentare

 München ist ein Verhütungsmittel

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Seit gestern läuft ein Film in den deutschen Kinos, dessen Geschichte eine Speed-Dating-Veranstaltung recht amüsant dokumentiert. Viel spannender als jedoch die in den Kritiken so hochgelobten Charaktere und deren kleine Abgründe finde ich jedoch das Bild, das währenddessen vom Ort des Geschehens, nämlich von München gezeichnet wird. In kleinen Spitzen und versteckten Abkürzungen wird die Stadt auf ganz eigene und vorher selten gehörte Weise konnotiert. Da lob ich mir mein Berlin und seine Geschwindigkeit, seinen Rotz und sein Wasser, seine abgefuckte Herzlichkeit und all die kleinen Fehler, sein Tamtam und sein dreckiges Lachen.

“In München passiert es dir so schnell, dass du im Café sitzt, dich über den Föhn freust und zack - bist du 55 Jahre alt.”

Den Film kann schauen, wer Klischees abkann und trotzdem auch mal laut über diese lacht. Die kommen eben doch nicht von irgendwoher. Wer das nicht kann, sollte sich auf den einen schönen Frauenmund konzentrieren.

Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Mai 2007 um genau 11:43
Kategorie : Berlin, Filme | 4 Kommentare

 Habitus der kontrollierten Verzweiflung

Man kann die Konnotationen so lange verschieben, bis sie nichts mehr bedeuten, bis sie nicht mehr wissen, wo sie mal hingehörten. Man kann die dazugehörigen Worte und Blicke und den Geruch des Haares und den Einfall des Lichtes damals auch immer und immer wieder zerpflücken in die kleinsten Teile, bis man nicht mehr weiß, wie sie mal aussahen. Man kann sich die Ohren zuhalten und so lange Volkslieder summen, bis man die anderen vergessen hat. Man kann auch einfach den Mund halten und die Worte so lang verschlucken, bis der Blähbauch weg und das Füllegefühl normal geworden ist. Man kann einfach so lange schweigen, bis niemand mehr fragt. Zwischendurch könnte man die Erinnerungen nehmen und in Kisten packen und die in den Keller stellen und dann so oft umziehen, bis man sie vergisst. Und wenn einem dann doch noch einmal aus Versehen an dem Fenster vorbeikommt, kann man sich vorstellen, da wohne jemand anders, solange bis die Jahre wirklich einen anderen Menschen auf den Balkon gestellt haben, weil man sich ja verändert. Und man kann sich dann zufällig treffen und sich nicht mehr erkennen. Oder sich niemals wiedersehen und nichts daran ändern wollen. Sich nicht mehr erinnern und rausfallen aus dem Leben des anderen.

Oder man kann so tun. Den Beutel gut zuschnüren. Das Grinsen aufsetzen. Als ob. Heroismus des Aushaltens. Triumph der Ignoranz. Blumen für den inneren Sieg, das Gesicht wahren, den Stock nie wieder aus dem Hintern ziehen. Die Lippen aufeinander pressen und sich nicht mehr umdrehen. Bravo. So wird das was, mein Junge. So werden sie dich lieben. Und dann kannst du noch den Absatz über die strukturelle Vereinsamung lesen, den, wo es um die Subjektivierung zur freien Persönlichkeit geht. Da kommst dann nur du selbst drin vor, das ist doch schon mal was. Und das mit der absoluten Entzauberung hab ich dir extra angestrichen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 3. Mai 2007 um genau 13:44
Kategorie : Blicke | 4 Kommentare

 Cornflakes, hello again.

Nach einem Mittwoch an dieser Uni frage ich mich wieder einmal, woher die meisten Studierenden ihr unglaubliches Selbstbewusstsein nehmen, die ganze Zeit von „Wir – die mit Bildung“ und „Die anderen – der ungebildete Rest“ zu sprechen. Ich könnte regelmäßig aufstoßen bei diesem überheblichen Gequatsche, wenn es darum geht, sich selbst von anderen abzugrenzen, sei es z.B. in Bezug auf Massenkultur. Da spricht man dann fröhlich geradeaus von „Also wir, wir sind ja ach so anders und kritisch und politisch korrekt und trallallalla – und die anderen alle nicht“ und tut so, als würde man selbst jeden Tag drei Zeitungen lesen, jede Woche mindestens einmal ins Theater gehen, sich in tausend Vereinen engagieren, nur noch fair kaufen, regelmäßig das komplette Tagesgeschehen aus zehn Perspektiven beleuchten und am Ende die gutmütige Weltherrschaft an sich reißen, die ja für den Rest der Welt auch nur von prima Nutzen sein kann, weil man so was von informiert, klug, unbeeinflussbar, kritisch und unabhängig agiert. Auch beim Cornflakes-Essen.

Ich kann das nicht mehr wörtlich zitieren, aber erinnere mich an die Gänsehaut, die mich überfiel, bei der Implikation dieses „Ich studiere an der Universität, ich bin ja so was von gebildet und der Rest ist dumm wie Brot und liest die Bild und kann mich mal“. Den ganzen Tag drüber reden und quatschen, mit Theorien um sich schmeißen und aber gucken wie ein Auto, wenn es darum geht, den ethnologischen Blick auch mal praktisch anzuwenden und – statt immer nur rumzustehen und dumm zu gucken – auch mal was zu tun. Sich mit den Leuten auseinander zu setzen, über die man die ganze Zeit redet, philosophiert und urteilt, wäre vielleicht ein Anfang.

„Mit Leuten reden, so richtig? Ach Gott. Ich will doch Journalistin werden. Da liest man doch immer nur seinen Fragenkatalog vor.“ – „Zu denen hingehen, so ganz nah ran? Ach Gott. Ich bin doch Bildungsbürgertum. Da les ich doch immer nur Bücher. Ich kann ja lesen. Haha.“

Liz hat es verfasst, und zwar am 2. Mai 2007 um genau 16:09
Kategorie : Moi | 6 Kommentare


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