Hitzetote in Berlin

Unser Kühlschrank lebt nicht mehr. Das ist eigentlich schlimm. Das ist eigentlich sehr schlimm. Verbringen Sie doch mal bitte bei diesen Temperaturen eine Woche ohne Kühlschrank und Sie werden dieses Gerät in ihrer Küche wieder wirklich zu schätzen wissen! Nix mit Milch. Nix mit Eiswürfeln. Nix mit Gemüse. Alles Matsch und bei diesem Wetter spätestens nach einem Tag ungenießbar. Schön, dass sich auch der Schlauch der Waschmaschine dem gleich angeschlossen hat. Tschüss und auf Nimmerwiedersehen ohne Vorwarnung.

Aber wir sind ja nicht umsonst großartigst emanzipiert und total eigenständig. Wir hängen nicht an solchen Sachen, wir tauschen aus und schieben Nicht-Funktionales einfach ab. Rigoros und ohne Gnade. Deswegen gibt es auch morgen einen neuen Mitbewohner im Hause Rank-Lindemann. Ja, wir haben eingeparkt und ausgesucht, bezahlt und uns gefreut. Wir werden ihn hätscheln und mit großem Beifall empfangen und den Männern, die uns das neue Kühlgerät in den vierten Stock tragen, werden wir zujubeln. Das können wir neben Aussuchen auch total gut. Und wenn uns dann die starken Männerarme noch den neuen Schlauch so fest an die Waschmaschine drehen, dass wir nicht wie vorhin quasi unter´m Rasensprenger stehen, kann der Sommer kommen. Eis gibt´s dann auch wieder. Und hinterhergeheult wird nich.

Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Mai 2007 um genau 18:29
Kategorie : Zeug | 4 Kommentare

 Das, was du am besten kannst.

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Berlin ist voll davon – von Menschen, die Musik machen, und von Menschen, die man kennt. Treffen sich beide Merkmale, kann Musikhören mitunter zu einer ziemlich persönlichen und hin und wieder auch schmerzhaften Geschichte werden.

Denn steht da jemand auf der Bühne, mit dem du schon Nächte oder Urlaube verbracht, Gefühle geteilt, tiefsinnig und stundenlang diskutiert oder einfach nur unglaublich genügsam geschwiegen hast, ohne dass es sich scheiße angefühlt hat, dann hörst du doppelt so genau hin. Und plötzlich erkennt man sie zwischen den Zeilen – die Momente, die Geschichten, die Bilder, die Menschen. Plötzlich werden die Fäden wieder aufgenommen und zu einem neuen Pullover gestrickt, der sieht dann auch meistens ganz gut aus. Man guckt und staunt und befühlt das Ganze und bei näherem Hinsehen merkt man: „Huch, das kenn ich doch.“ Und lässt das gute Stück vielleicht aus Versehen sogar fallen, tritt einen Schritt zurück. Behält man es in den Händen, fasst man behutsamer zu, vielleicht darf man´s ja behalten, vielleicht. Und manchmal gibt man es einfach zurück und schaut und denkt, wie gut das doch aussieht und sich anhört dort auf der Bühne. Und dann grinst man in sich hinein und hat in dem Lied eine wahre Geschichte und ist glücklich, so zu sein. So wie neulich am Flughafen, als sich die Menschen in Massen vorbeischoben, mein Kreislauf mal wieder nicht im Stande war, richtig zu funktionieren, und ich dann diese paar Lieder hörte, die bei mir etwas anknipsen, einen Hebel umlegen, einen Knopf drücken. Da geht dann wieder alles. Und nur, weil es mehr ist als ein paar Zeilen mit Musik unterlegt.

Ich erschrecke aber ab und an, wie viele neu gestrickte Geschichten und Texte ich da so finde im Stöbern durch die Musik der letzten paar Jahre. Und denke mir Sachen hinein und fühle mit und muss nicht einmal fragen, wie das wohl sein muss für denjenigen, der das gehäkelt hat. Weiß ich doch selbst jedes Mal wieder, wann und wo und warum genau welches Lied entstanden ist und welche ich nie öffentlich singen werde, weil ich weiß, dass jemand dastehen könnte wie ich. Und sich darin erkennen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Mai 2007 um genau 8:06
Kategorie : Berlin, Ton | 0 Kommentare


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