Der Stadt den Bauch pinseln

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Jemand sagte heute: “Sommer in Berlin ist tausendmal besser als Sommer in Leipzig“. Und mir teilte sich die Meinung in zwei Hälften. Weil ich mich gut erinnere an den großen Park und den See und wie schnell man dort mit dem Rad in Wald und Wiese ist. Und weil es für mich immer ein bisschen wie Urlaub war, dort hinzufahren im Sommer. Ein bisschen auf´s Land. Und als ich diesen Gedanken äußerte, nickte mein Gegenüber und sagte: “Ja. Genau. Land.”

Zwar sitzen jetzt wohl in allen Städten die Mädchen in Unterhemden auf dem Balkon und die Männer zeigen ihre behaarten Schienbeine. Überall wackeln kleine, helle Lichter hinter den Blumenkästen, wenn es dunkel wird. Und bei diesem Gang durch die Straßen vergisst man mitunter, wo man gerade ist. Dabei riecht es nach Grillage und Sonnencreme und Abgasen und hat den Winter endgültig abgeschüttelt. Und meine beste C. beweist heute abend erfolgreich, dass man es auch in Berlin durchaus spontan an den See bringen kann. Man muss es nur wollen.

Und so begreifen wir dies als durchaus erlernbare Fähigkeit, die aber den glücklich-entspannten Bewohner des Berlins im Sommer vom kleinstädtischen Berlin-Ist-So-Groß-Und-Böse-Nörgler unterscheidet, der seine eigene Unfähigkeit auf die Umgebung projeziert. Schuld sind immer die anderen. Und doof sowieso.

Später schicke ich dem lieben Bekannten per SMS die Nummer einer Hausverwaltung, die gleich um die Ecke eine Wohnung anbietet. Auf dass er hier schnell eine Bleibe findet. Wegfahren kann man ja immer. Und auch mal eben schnell an den See. Ach und, am Wochenende kommt Besuch. Aus Leipzig. Der braucht mit dem ICE von dort nach Berlin ungefähr eine Stunde. So lange wie ich von hier zum Liepnitzsee.

Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Mai 2007 um genau 21:05
Kategorie : Berlin | 3 Kommentare

 TXL

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Früher sind wir manchmal zum Flughafen gefahren, Mama und ich. An den Sonntagen, die nicht sonnig genug waren für den See, und nicht wolkig genug für das Brettspiel. Wir haben uns in Bus und Bahn zu den Leuten mit den großen Taschen gesetzt, sind ihnen leise gefolgt und dann aber eins weiter abgebogen. Nicht zu den Gates und Terminals, nicht in den Duty Free Shop oder den Zeitungsladen, sondern auf´s Dach, auf die Aussichtsplattform. Dort standen wir dann, legten uns die Hände an die Stirn, weil dann meistens doch ein bisschen die Sonne schien – aber eben nicht genug für den See – und schickten Wünsche mit den Flugzeugen weg. Wir klebten leise, kleine Worte auf diese dicken Bäuche und schauten ihnen hinterher, bis sie nur noch kleine schwarze Punkte waren oder zwischen den Wolken verschwunden. Wir beobachteten die langen Umarmungen bei den Ankünften und die Tränen bei den Abflügen, wir zeichneten die Fahrwege der Gepäcktransporter mit dem Finger nach und erfanden neue Linien, wir winkten den Fluglotsen und hielten uns nie die Ohren zu, wenn ein Flugzeug direkt über uns hinweg sauste, weil das laute Rauschen und Krachen uns die Möglichkeit der Ferne ein bisschen näher brachte.

Ich streckte jedes Mal meine Hand aus und sie sagte nie, ich solle das lassen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Mai 2007 um genau 7:52
Kategorie : Berlin | 2 Kommentare


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