Buchstaben über der Stadt

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Alle wollen den Film noch einmal sehen, alle gucken, wie Berlin sich verändert hat - “Ach Gott. Ja. Stimmt.” Jetzt rennen sie ins Kino und dann wieder raus und vergessen zu bemerken, dass das ja weitergeht. Dass das ja real ist. Mei Woansinn. Dass immer mehr Häuser und immer mehr Straßen gebaut und immer mehr Fassaden sonnenbrillenkompatibel blank geweißelt werden. Und im Kino juchzen sie dann “Ah” und “Oh”, wenn man ihnen vorhält, dass es doch noch was gibt hier von der Vergangenheit, von den alten Tagen, ein paar Schnipsel von den Schwarzweißfotos in echt. Und lesen sie dann die Kritiken dazu, dass Wenders mit seinem Engel zurück in den Kinos ist, und man ihnen zum Zwecke der Anschaulichkeit ein paar Fotos dazulegt im Sinne von “Damals und heute”, dann juchzen sie noch einmal: “Das ist aber hübsch. Ach Schatz, hast du gesehen, den Schriftzug gibt es immer noch?!”

Ja, Schatz. Den Himmel gibt es immer noch. Und die Schriften und die Mauer und die alten Schilder und die Pflastersteine und das Gestrüpp hinter dem Bahnhof und die Ampelmännchen und den Tierpark und die Hochhäuser und den Platz und die Straßen und vor allem auch die Menschen. Du müsstest vielleicht mal dein Brillchen absetzen. Genauer hingucken. Gardinen auf und Wimpern weg. Du weißt schon, mein Schatz. Kleinigkeiten und so. Zwischen den Zeilen. Geht auch bei der Stadt. Echt.

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Mai 2007 um genau 18:57
Kategorie : Berlin, Filme | 3 Kommentare


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