Cornflakes, hello again.
Nach einem Mittwoch an dieser Uni frage ich mich wieder einmal, woher die meisten Studierenden ihr unglaubliches Selbstbewusstsein nehmen, die ganze Zeit von „Wir – die mit Bildung“ und „Die anderen – der ungebildete Rest“ zu sprechen. Ich könnte regelmäßig aufstoßen bei diesem überheblichen Gequatsche, wenn es darum geht, sich selbst von anderen abzugrenzen, sei es z.B. in Bezug auf Massenkultur. Da spricht man dann fröhlich geradeaus von „Also wir, wir sind ja ach so anders und kritisch und politisch korrekt und trallallalla – und die anderen alle nicht“ und tut so, als würde man selbst jeden Tag drei Zeitungen lesen, jede Woche mindestens einmal ins Theater gehen, sich in tausend Vereinen engagieren, nur noch fair kaufen, regelmäßig das komplette Tagesgeschehen aus zehn Perspektiven beleuchten und am Ende die gutmütige Weltherrschaft an sich reißen, die ja für den Rest der Welt auch nur von prima Nutzen sein kann, weil man so was von informiert, klug, unbeeinflussbar, kritisch und unabhängig agiert. Auch beim Cornflakes-Essen.
Ich kann das nicht mehr wörtlich zitieren, aber erinnere mich an die Gänsehaut, die mich überfiel, bei der Implikation dieses „Ich studiere an der Universität, ich bin ja so was von gebildet und der Rest ist dumm wie Brot und liest die Bild und kann mich mal“. Den ganzen Tag drüber reden und quatschen, mit Theorien um sich schmeißen und aber gucken wie ein Auto, wenn es darum geht, den ethnologischen Blick auch mal praktisch anzuwenden und – statt immer nur rumzustehen und dumm zu gucken – auch mal was zu tun. Sich mit den Leuten auseinander zu setzen, über die man die ganze Zeit redet, philosophiert und urteilt, wäre vielleicht ein Anfang.
Liz hat es verfasst, und zwar am 2. Mai 2007 um genau 16:09
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