Beipackzettel

Es ist Frühling. Ich weigere mich zu sagen, es sei schon Sommer. April gehört definitiv nicht zum Sommer. Auch wenn sich die Temperaturen hin und wieder so anfühlen. Jedenfalls ballern die Bäume im Frühling ja Pollen raus, als gelte es das Leben, als wäre es das letzte Mal, als könnte man da was gewinnen. Großstadtfolge: Heuschnupfennasen. Es niest und schnaubt und rötet und tränt, dass es keine Freude ist. Die Pharmaindustrie lacht sich derweil ins Fäustchen und schmeißt in solcher Konsequenz wie die Bäume Pollen neue Mittelchen auf den Markt, um der allgemeinen Stadtkindverrotzung ein Ende zu machen. Und wir - gefangen in unseren Bergen aus Taschentüchern und Gruppenzwang (Denn nein, drinnenbleiben bei Sonne und Sommerhauch ist freundschaftlich streng verboten, da wird eins zwei drei an die frische Luft gegangen und den Freizeitminisportaktivitäten gefrönt. Wer drinnen bleibt, hat schon verloren) - wir probieren und kaufen und schlucken und studieren Packungsbeilagen, die teilweise größer sind als U-Bahn-Fahrpläne.
Beim Lesen ellenlanger Listen der möglichen Nebenwirkungen (und die gibt es auch bei den homöopathischen Ablegern) fragt man sich jedoch, ob man nicht einfach lieber doch zuhause bleiben, die Fenster verriegeln und einfach den ganzen Tag staubsaugen sollte: schneller Herzschlag, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen, Darmentzündung, Schwächegefühl, Leberfunktionsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit/Benommenheit, Krämpfe, Muskelzittern, Geschmacksstörungen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Angst, Unruhe, Halluzinationen, psychotische Störungen, trockene Haut, Hautausschlag, vermehrtes Schwitzen, Nesselsucht, Haut- und Schleimhautschwellung, Blässe, Bluthochdruck…
Liz hat es verfasst, und zwar am 30. April 2007 um genau 9:38
Kategorie : Fundstücke | 5 Kommentare