Nachschlag und Verwunderung
So und ähnlich klangen gestern abend einige Äußerungen, als es im Gespräch zwischen Jörn Morisse, David Pfeifer, Sebastian Sooth und Holm Friebe darum ging, warum sich in den deutschen Blogs im Vergleich zu Amerika so wenig politisches tut. Gut, der eine oder andere möchte jetzt vielleicht Zahlen hören oder Beweise vorgelegt bekommen, aber dem will ich gleich damit entgegen treten, dass es sich mit diesem Beitrag hier auch wieder nur um eine subjektive Beobachtung meinerseits, einen kurzen Gedankengang handelt, der mich dann aber doch länger beschäftigte, als ich angenommen hatte. Und vielleicht könnte ich alles durchforsten und mir ein anderes Bild machen, vielleicht bin ich in diesem Bereich nicht so wissensgeschwängert, dass ich dazu allgemeingültige Aussagen treffen kann, und genau deswegen geht es hier um eine 0815-Bewertung, einen Eindruck, um Alltagsnuancen. Gut. Worum geht´s nochmal?
Ach ja. Haben die Deutschen Angst davor, dass man sie auf ihre Meinung ansprechen könnte, falls sie diese bloggen? Haben sie Angst vor Konfrontation und womöglichen Gegenpositionen, die nicht in die “Eigentlich will ich doch von möglichst vielen Leuten gemocht werden”-Attitüde passen? Oder sucht man sich hier andere Medien und Artikulationsformen, um sich politisch zu äußern? Und wo fängt die politische Schreibe in Blogs überhaupt an? Bei Reflexionen über Einkäufe, Liebesleben, dem Liebesleben der Freunde oder öffentlichen Personen? Oder erst bei der aktiven Diskussion von gesellschaftlichen Missständen? Weil sich ja politische Meinungen in Blogs doch eher seltener finden als die Auflistungen von Lieblingsliedern, Sexualpartnern oder Lieblingsgetränken.
Will man hierzulande vielleicht gar nicht seine Gedanken zu gesellschaftlichen Umständen im Internet stehen haben oder ist es lediglich zu mühsam, politische Meinung so zu verpacken, dass nicht nach zwei Sätzen weggeklickt wird? Will man sich einfach nicht mehr rechtfertigen müssen und schreibt deswegen Dinge, die keine tiefgreifende, womöglich theoretisch und komplex angehauchte Hintergrunddiskussion per Kommentar nach sich ziehen? Interessiert mich das eigentlich gar nicht so, weil es mich nicht konkret berührt jeden Tag, sondern die Dinge, die äußerungswürdig und wichtig sind für mich, nun einmal doch andere Dinge sind?
Liz hat es verfasst, und zwar am 26. April 2007 um genau 13:37
Kategorie : Fragen | 14 Kommentare