Krankheit Auris

Es gibt eine neue Seuche in der Stadt. Toyota hat, so scheint es, jede Fläche gekauft, die werbemäßig auch nur irgendwie zur Verfügung steht, und bepflastert sie mit diesen Wüstenplakaten. Hässlich, stumpf und eine Plage. 30 Millionen einfach mal so an alle Wände geklebt.

Plakat als Leitmedium ist ja schön und gut, aber es sieht einfach scheiße aus. Ob an jeder Straßenecke, Bushaltestelle, Litfasssäule oder sonstewo, 200.000mal sandfarbener Hintergrund und davor ein Auto oder ein Menschenkopf oder irgendein Tier. Bitte, liebe Berliner, malt was drüber, klebt Sachen drauf, stellt euch davor, aber macht das weg.

Liz hat es verfasst, und zwar am 4. März 2007 um genau 4:01
Kategorie : Fundstücke | 1 Kommentare

 Kranich

“Irgendwann hab ich angefangen, damit aufzuhören…”
(Click Click Decker)
http://www.mevme.com/lizblog

Im Sommer bist du mir oft aufgefallen. Meistens morgens, wenn ich mit dem Rad auf dem Weg ins Büro war. Erst ging es ein bisschen über Kopfsteinpflaster und im Schatten der Häuser überraschte mich meistens eine Gänsehaut. Danach ein bisschen bergab und vorne an der Ecke, wo man auf die große Straße muss, weil einem der Friedhof den Weg abschneidet, fuhr man das erste Mal in der Sonne und im Lärm und beides ging immer irgendwie Hand in Hand. Zur Ampel voran und dann weiter auf der Busspur und an den Plattenbauten vorbei, ein Blick auf die Kirchturmuhr zur Linken, ein Blick auf die Wartenden zur Rechten und dann einschlagen und auf den Radweg. Hinter der großen Kreuzung, an der ich mal in einer Straßenbahn saß, die ein sich halb überschlagendes Auto streifte, fuhr weiter im Schatten der Bäume. Der Gehwegbelag wellt sich dort extrem über ihren Wurzeln und man kann durchaus einfach auf die Fresse fliegen, wenn man nicht aufpasst. Der Rest des Weges geht an dem seltsamen neuen Einkaufsklopps vorbei, der keine Fenster hat und dasteht wie vom Himmel gefallen. Vorbei an der Arschbacke des länglichen Hauses, in dem sich Post und der Donutladen verstecken sowie ein paar Rentner und Blumenverkäufer. Und dann kann man den Fluß von weitem sehen, die Bäume werden dichter auf der rechten Seite, auf der Linken schiebt ein Polizist Wache und es gibt noch eine Uhr, die einem sagt, wie man in der Zeit liegt.

Und dann geht es über das Wasser und dort stand mal ein Kran am Palat der Republik. Und B. machte Fotos an dieser Ecke von der Domspitze oder dem Himmel, ich weiß es nicht mehr genau. Aber auf dem Kran saßen immer tausend Vögel und wenn bei den Abbauarbeiten im Palast mal wieder irgendein Stahlträger zu Boden fiel, erhoben sie sich im gleichen Moment und flogen in einer Art waberndem Mosaik davon. Das machte einen ohrenbetäubenden Lärm, musterte den Himmel in seltsamen Kreisen und war so schnell wieder weg, wie man es nicht hatte kommen sehen. Ich hab immer an dich denken müssen bei diesen Flügelschlägen und bei dem Geruch von Meer. Die Möwen haben geschrien und die Unterwasserstraße lief über. Wenn ich vorher nicht tief eingeatmet hatte, blieb mir manchmal die Luft weg.

Und heute nacht stand ich wieder auf der großen Brücke und sah auf die beleuchteten Querbalken vor der Stadtsilhouette und neben den Streifen der Bahngleise. Ich sah die Weihnachtsbäume, die sie draufbinden im Winter, und ich sah die schwitzenden Scharniere in der Hitze Mitte August. Ich sah die im Wind schwankenden Bauteile baumeln und dann auch dich, wie du immer ohne zu Zögern und ohne hochzusehen über den Fluss und an dem Kran vorbeigefahren bist. Ja, vor ein paar Tagen auch an mir. Jetzt bin ich wieder wirklich Teil dieser Stadt, die du so hasst. So muss das sein, so war es vorher ja auch.

Liz hat es verfasst, und zwar am 3. März 2007 um genau 4:23
Kategorie : Moi | 2 Kommentare

 Es tut mir leid.

http://www.mevme.com/lizblog

Dass es meistens mehr ist, als man will, oder einfach zuwenig. Dass man nicht jemanden finden kann, der genauso funktioniert. Der genauso tickt. Der genauso läuft und rappelt und zittert und tobt und verlangt und gibt und auf die Uhr schaut und rechnet und entschuldigt und vermutet und zögert und wahrnimmt und reinfällt. Oder eben dazwischen, sodass es genau in die Lücken passt. Und ausfüllt. Die eigene Ergänzung. Den eigenen Antrieb. Das gute Gewissen und das dreckige Lachen genau dann, wenn es gut ist. Dass man nicht jemanden finden kann, der sich nichts daraus macht, wenn man sich mal wieder nicht im Zaum hat und den Pony zur Seite streicht und sagt: “Baby, I´ll catch you”. Dass man niemanden findet, der den schmalen Grad entlang wandert und nicht fällt. Ob zur einen oder zu anderen Seite. Dass man niemanden findet, der sich selbst genug ist, um auch genügend beim anderen zu sein. Und dass man selbst nicht so sein kann. Dass man überfordert ist, wenn einem ins Gesicht gesagt wird, was die Lage ist und dass man das trotzdem selbst erwartet. Dass man die Hände aufgehalten bekommen und doch ein bisschen herausgefordert will. Dass man niemanden finden kann, der das versteht.

Dass nicht die Freunde einander gut sein und doch nicht vollkommen vereinnahmt werden können. Dass nicht das Warten irgendwann aufhört. Dass der eigene Elan mit einem breiten Grinsen beantwortet und einem stillen Danke auf Hauswänden gleichgetan wird. Dass ich zu jung war, um das Lied wirklich ernst zu nehmen, dass man mir schrieb. Dass ich zu alt bin, um noch einmal daran zu glauben, dass das wieder passieren könnte. Dass ich den anderen den Mund zuhalten will, wenn sie davon sprechen, abgestumpft zu sein. Dass ich doch selbst nicht anders bin. Dass mir die romantische Hoffnung aber doch wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Und dass ich nie aufgehört habe, die Tage zu zählen, seitdem du weg bist.

“Dass ich mich im Halbschlaf an dir festhalt…”

Liz hat es verfasst, und zwar am 1. März 2007 um genau 22:56
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare

 I´m for spare parts

http://www.mevme.com/lizblog

Im Zug sitzen, den Satz “Buy a ticket and get on a train” im Ohr haben, Fernweh, nicht das Gefühl, das mich hier irgendwas hält, und trotzdem nicht vom Fleck kommen. “Cause this is fucked up.” Es gibt keine Volkshochschulkurse für Abschiede.

“And this is your blind spot. It should be obvious. But it isn´t.”
(Thom Yorke)

Liz hat es verfasst, und zwar am 1. März 2007 um genau 2:24
Kategorie : Ton | 6 Kommentare


Kalendar

März 2007
M D M D F S S
« Feb   Apr »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Monatsübersicht

Kategorien