
Fahren Sie ans Meer. Lassen Sie alles überflüssige zuhause, gucken Sie nur, dass sie genug gegen kalten Wind in den Ohren dabei haben. Dazu ein paar Taschentücher, Handschuhe und die Loupita von Kristofer Aström für´s Auto. Fahren Sie los. Achten Sie auf die Windräder, die Ihnen begegnen. Nehmen Sie möglichst viele Raststätten mit. Testen Sie das Eis- und Zeitschriftenangebot. Schließen Sie die Augen, sobald sie am Wasser angekommen sind und atmen Sie ein. Übernehmen Sie sich dabei nicht, aber lassen Sie die Luft durch jede Windung Ihres Gehirns jagen. Springen Sie dann nach einer kurzen, stillen Sekunde mit dem Kopf zuerst ins Wasser und lassen Sie sich durchspülen. Schwemmen Sie alles raus, was unnütz und schwer ist. Legen Sie sich auf den Rücken und lassen sich bis zum Ende der Seebrücke, bis hinter die Wellenbrecher treiben, dort fängt der Morgen an. Küssen Sie die Schaumkronen und freuen sich schon einmal auf das warme Handtuch, das Ihnen der Strand bereithalten wird. Bevor Sie rausgehen, schütteln Sie sich gründlich ab. Lassen Sie im Wasser, was Ihnen Flecken macht auf der Haut und wunde Stellen, und ziehen Sie dann mit Schmackes den Stöpsel. Setzen Sie sich auf unsere Sonnenterrasse und genießen den Moment mit einem leeren Kopf und leichten Schultern, mit Sand zwischen den Zehen und einer Amsel auf dem Knie. Erinnern Sie sich insgeheim an Ihren Freund Rainald Grebe.
Fahren Sie dann langsam wieder nach Hause und beginnen Sie neu. Vergesse Sie nicht, was sie gelernt haben und üben Sie weiterhin jeden Morgen in der U-Bahn die Schwimmbewegungen. Sagen Sie sich immer wieder: “Ich bin ein Wochenendseminar und finde in ruhiger Lage statt.” Ihnen kann dann nichts mehr passieren.
Liz hat es verfasst, und zwar am 18. März 2007 um genau 21:47
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare
Mich über Aline wieder an das Lied erinnert. Und an den Text. Und gedacht: Ja! Und dann die Postkarte doch wieder in die Schublade gelegt, den Stift beiseite und mit dem Radiergummi in der Hosentasche nach draußen gegangen und mir befohlen, es zu vergessen. “I choose to feel it and you couldn´t choose”.
Wir schaffen nun die Stand-By-Schalter ab, markieren nicht nur ein Ende sondern gehen endlich über die Linie. Es wird Zeit. Es wird.
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. März 2007 um genau 15:13
Kategorie : Moi | 3 Kommentare
“Das ist der Anrufbeantworter von Liz und ich bin nicht wie sonst eigentlich zuhause sondern wirklich mal weg. Wenn sie mich sprechen wollen, müssen Sie sich gedulden, denn selbst wenn Sie mich erreichen würden, könnten Sie mich nicht hören sondern nur Rauschen. Ich werde auf Wasser schlafen und auf Sand und mir die Decke so weit über den Kopf ziehen, bis das Meer folgt. Passen Sie auf die Stadt auf, die ist mir schon heilig. Aber manchmal lässt man eben das zurück, was einem das Liebste ist. Es wäre schön, wenn Sie die Blumen gießen könnten. Der Schlüssel liegt auf dem Balkon - ich komme wohl so nicht mehr wieder.”
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. März 2007 um genau 10:33
Kategorie : Moi | 2 Kommentare
Liz hat es verfasst, und zwar am 15. März 2007 um genau 12:31
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare
“…dass man weiß, dass man drüber hinwegkommt, wie man früher einmal war. […] Es wird passieren. Ich hoffe, du weißt es…”
(Tomte)

“…und die letzten Tage geben mir einen Eindruck davon, wie Frühling mal war und wieder sein kann und es riecht schon nicht mehr nach diesen alten Heizungen sondern eher nach frisch gewaschener Wäsche, die in der Sonne trocknet und flattert und hinter der man sich verstecken kann. Und bei diesem Geruch fällt mir immer der alte, große Garten ein mit dem verfallenen Haus vor dem kleinen Tümpel und dem neuen Haus vorne, in dessen Flur immer eine Katze schlief, und die großen Apfelbäume, unter denen ich auf der Campingliege mit richtigem Bettzeug Mittagsschlaf gemacht habe, als ich schon keine Angst mehr vor Katzen hatte und die nur noch zusammengerollt neben mir lagen. Ich erinnere mich an das letzte Jahr und den letzten Frühling und den davor und wie schwer der Geruch damals war und dass es jetzt schon noch derselbe aber auch irgendwie ein anderer ist und dann sieht man sich gehen in derselben Straße mit derselben Sonnenbrille im Haar und denselben Schuhen an den Füßen und ich bin immer noch ich und das alles ist immer noch da und ich habe gedacht, ich sei durch den letzten Frühling ein totales Arschlochmädchen geworden, und ich habe das nicht nur gedacht, ich war es auch, und jetzt, während das Licht auf das Haus gegenüber scheint und der Geruch wieder da ist und wir im Hof arbeiten und die Haut neben dem Daumennagel immer noch nicht glatt und weich ist (das wird sie nie werden), habe ich das Gefühl, jetzt ist auch ma gut damit…”
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. März 2007 um genau 12:16
Kategorie : Blicke | 2 Kommentare

Wie sie da wanken und taumeln und es ihnen egal ist, wenn ihre Affäre das ganze Wochenende nicht zu erreichen war. Die, die hysterisch lachen anstatt einfach den Mund zu halten, wenn sie verlegen sind. Die, die sich Frisuren dananach schneiden lassen, wie sie direkt nach dem Aufstehen liegen. Die, die die Zigarette zwischen ihren Fingern halten, als hinge ihr Leben davon ab und die letzte Nacht und die nächste auch. Und die, deren Tage ein einziges Hinterherhechten sind nach der Befriedigung dieser Lüste, dieser Süchte eigentlich.
Denn sie sind süchtig nach dem schlechten Gefühl eines Sonntagnachmittags, wenn sie verschmiert die Augen aufschlagen und ihnen das Bierflaschenetikett noch an der Wange klebt und der Stempel sich hundertmal auf dem Laken verteilt hat. Sie sind süchtig nach der Enttäuschung, die sie fühlen, wenn die Bekanntschaft vom letzten Abend im Sonnenhochhauslicht doch nicht mehr so makellos strahlt sondern einfach nur ein ganz normaler Mensch ist. Sie sind süchtig nach den Gesichtern, die sie dann abscannen in der Straßenbahn und in der Hoffnung, dass jemand mal den unscheinbaren Menschen in ihnen erkennt.
Den Menschen, der sie sind, wenn sie sich nachts auf der Party zum Klo durchgekämpft und die Tür hinter sich geschlossen haben. Den Menschen, den sie beim Vorbeigehen ganz kurz im Schaufenster sehen und der an den lackierten Fingernägeln kaut. Den Menschen, dem an der Ampel in der Früh die Augen zufallen und den Menschen, der sich eine Träne verdrückt, wenn er sonntags beim Zappen aus Versehen bei “Nur die Liebe zählt” hängengeblieben ist. Den Menschen, dem schlecht wird in der Achterbahn. Und flau im Magen beim Anblick der alten Briefe. Den Menschen, der nicht dreckig über die Witze lacht. Den Menschen, der sich die Sprüche vorher im Kopf zurechtlegt, bevor er beschließt, sie doch nicht zu sagen.
Und sie sind süchtig nach den flüchtigen Küssen, die alles versprechen und nichts halten, die verwildern und nicht glatt streichen. Sie sind süchtig danach, sich immer wieder die Lippen nachzuziehen und danach, die Möglichkeit zu haben, jeden Abend ein anderer Mensch zu sein. Sie sind der Antrieb dieses Katz-und-Maus-Spielchens, bei dem sie sich niemandem offenbaren, aber alles erwarten und alles wollen, um am Ende derjenige sein zu dürfen, der geht. Sie sind süchtig danach, weil sie glauben, so hätten sie die Dinge halbwegs unter Kontrolle. Halbwegs jemanden an der Hand.
Liz hat es verfasst, und zwar am 13. März 2007 um genau 13:40
Kategorie : Berlin, Wir | 2 Kommentare
Das Wetter sieht so aus, wie ich mich fühle.
Liz hat es verfasst, und zwar am 12. März 2007 um genau 13:43
Kategorie : Moi | 2 Kommentare

Mich kriegt man ja mit Spielekonsolen eigentlich nicht. Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn Leute stundenlang vor dem Fernseher ihren Fußballmanager stehen. Da geh ich lieber raus und kaufe mir ein Eis. Es sei denn, da hat jemand ein Super Nintendo mit Super Mario Land. Und seit einem Urlaub auf La Palma, bei dem in der örtlichen Kneipe stets stundenlang über Großleinwand mit muskelbepackten He-Man-Imitaten virtuell aufeinander eingeprügelt wurde, kann ich mich auch für Tekken begeistern. Der Rest fällt für mich jedoch meist in die Schublade “Absolute Zeitverschwendung”. Und natürlich verteufelte ich erst einmal den Hype, der um die Nintendo Konsole Wii gemacht wurde. Gestern jedoch stand ich zum ersten Mal davor (ich bekam kein Geld dafür, habe das völlig freiwillig gemacht und auch dieser Text steht hier, ohne dass ich hinterher eine finanzielle Vergütung dafür bekomme) und heute habe ich einen Tennisarm.
Nun gut. Ob Bowling oder Golfen, mit Wii kann man sich wirklich zum Klopps machen. Beim Boxen sieht man wahrscheinlich auch in echt immer scheiße aus, so auch beim Rumhampeln vor einem Fernseher, in den Händen zwei kleine weiße Fernbedienungen. Die Figuren haben allesamt dumme Frisuren und keine Füße und eigentlich ist das wirklich ziemlich großer Schund. Aber wie das bei Schund nunmal so ist, schreit man leider oft hinterher: “Nochmal!”
Den Golfrasen zuhause, das Baseballfeld vom Sofa aus und die Boxarena neben der Küche. Klingt alles eigentlich ziemlich harmlos und brav und ein bisschen wie für Rentner. Und trotzdem kommt der Hauch des Gefährlichen mit dem Windhauch, den der durch die Luft sausende Arm des Spielpartners neben dem Kopf macht: “Achten Sie darauf, dass sich keine Gegenstände oder Personen in ihrer Nähe befinden!” Ist aber eigentlich nur lustig, wenn sich Personen in der Nähe befinden. Denn allein in der Luft rumstochernd vor dem Fernseher herum zu hoppsen macht sicherlich nicht mal halb soviel Spaß. Man sollte aber übrigens auch darauf achten, vorher die Gardinen zuzuziehen.
(Dies ist zudem der weltfrauentägliche Beweis dafür, dass nicht nur Jungs suchtgefährdet sind.)
Liz hat es verfasst, und zwar am 8. März 2007 um genau 12:30
Kategorie : Fundstücke | 2 Kommentare

Es ist gut, Licht in deinem Fenster zu sehen. Von weitem sieht man nichts, man muss erst ein bisschen bergauf, vorbei an dem Büro mit den bunten Comics an der Wand, vorbei an dem Haus, wo im dritten Stock immer der Fernseher blau leuchtet, vorbei an dem Kiosk mit der dicken, blonden Verkäuferin. Vorbei an der Lücke zwischen den Fassaden.
Es ist gut, Licht in deinem Fenster zu sehen. Und es ist gut zu wissen, wie es dahinter aussieht. Wo das benutzte Geschirr steht, wo die Socken liegen, wo der Aschenbecher und wo das Telefon, wo der Hammer hängt und wo die Decke liegt. Und dass die Heizung nicht funktioniert, noch drei Textmarker in ihrer Schachtel liegen, sich die Texte stapeln, Krümel auf dem Bett vor sich hin tanzen. Es ist gut zu sehen, dass es grün auf dem Bildschirm flimmert und ich kann mir vorstellen, dass du mal wieder vergessen hast, das Wasser vom Herd zu nehmen und der Kessel dann glüht und du dich verbrennst und dann aber kein Nahtpflaster draufkleben kannst sondern eigentlich nur pusten.
Es ist gut, Licht in deinem Fenster zu sehen. Und gut daran vorbeizugehen. Gut zu wissen, dass wir uns so schnell nicht verlieren. Das gar nicht können. Vielleicht nicht mehr hochgehen und klingeln, vielleicht nicht mehr jeden Abend zusammen schlechte Filme ausleihen, vielleicht uns nicht mehr so schnell kratzbürstig anmurren. Aber ich werde immer noch manchmal abends vor deinem Balkon stehen und hochgucken und sehen, dass du da bist.
Liz hat es verfasst, und zwar am 6. März 2007 um genau 23:12
Kategorie : Blicke | 5 Kommentare
Berlin liegt still, wenn wochentags in der Nacht die Bahnen nur noch alle halbe Stunde fahren. Dann kann man auf dem Mittelstreifen über die Warschauer Straße gehen, den Mond anglotzen wie einen großen Teller Milch, man kann Werle & Stankowski hören und nicht merken, dass das Ganze am Ende eine halbe Stunde Winter war, obwohl es erinnerte an die Sommermorgen, als ich immer im Hellen mit dem Fahrrad nach Hause fuhr. Nach der Arbeit im Club erst den Berg nach oben und dann wieder hinunter rollen, am Volkspark vorbei und ein paar Verlaufenen ausweichen noch, bevor ich immer schon ein kleines bisschen früher abgestiegen und den Rest nur auf der einen Pedale stehend gerollt bin. Das Rad wurde nicht angeschlossen, die Sonne sah man noch nicht, nur das rosa Licht über dem Bersarinplatz und die Vögel, die waren jetzt so laut wie sonst der Straßenlärm. Dann bestellte ich ein paar Brötchen, die waren immer ganz frisch und warm, aß eines beim Schieben über das Kopfsteinpflaster, den Rest legte ich in der Tüte auf den großen Küchentisch. Und während die Sonne langsam zu mir ins Bett krabbelte, schlief ich ein.
Und ja, es gibt auch Sterne hier. Und all die Sonnenaufgänge und milchschüsselgroßen Monde. Es gibt die Weiten und Abgründe, die Wälder und Felder, die leisen Momente und auch die Besinnung. Man muss nur wissen, wann.
Liz hat es verfasst, und zwar am 6. März 2007 um genau 4:06
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare