Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Monat: März, 2007

Staatlich anerkannte Erholung

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Fahren Sie ans Meer. Lassen Sie alles überflüssige zuhause, gucken Sie nur, dass sie genug gegen kalten Wind in den Ohren dabei haben. Dazu ein paar Taschentücher, Handschuhe und die Loupita von Kristofer Aström für´s Auto. Fahren Sie los. Achten Sie auf die Windräder, die Ihnen begegnen. Nehmen Sie möglichst viele Raststätten mit. Testen Sie das Eis- und Zeitschriftenangebot. Schließen Sie die Augen, sobald sie am Wasser angekommen sind und atmen Sie ein. Übernehmen Sie sich dabei nicht, aber lassen Sie die Luft durch jede Windung Ihres Gehirns jagen. Springen Sie dann nach einer kurzen, stillen Sekunde mit dem Kopf zuerst ins Wasser und lassen Sie sich durchspülen. Schwemmen Sie alles raus, was unnütz und schwer ist. Legen Sie sich auf den Rücken und lassen sich bis zum Ende der Seebrücke, bis hinter die Wellenbrecher treiben, dort fängt der Morgen an. Küssen Sie die Schaumkronen und freuen sich schon einmal auf das warme Handtuch, das Ihnen der Strand bereithalten wird. Bevor Sie rausgehen, schütteln Sie sich gründlich ab. Lassen Sie im Wasser, was Ihnen Flecken macht auf der Haut und wunde Stellen, und ziehen Sie dann mit Schmackes den Stöpsel. Setzen Sie sich auf unsere Sonnenterrasse und genießen den Moment mit einem leeren Kopf und leichten Schultern, mit Sand zwischen den Zehen und einer Amsel auf dem Knie. Erinnern Sie sich insgeheim an Ihren Freund Rainald Grebe.

Fahren Sie dann langsam wieder nach Hause und beginnen Sie neu. Vergesse Sie nicht, was sie gelernt haben und üben Sie weiterhin jeden Morgen in der U-Bahn die Schwimmbewegungen. Sagen Sie sich immer wieder: “Ich bin ein Wochenendseminar und finde in ruhiger Lage statt.” Ihnen kann dann nichts mehr passieren.

Yes, we´ve met before

Mich über Aline wieder an das Lied erinnert. Und an den Text. Und gedacht: Ja! Und dann die Postkarte doch wieder in die Schublade gelegt, den Stift beiseite und mit dem Radiergummi in der Hosentasche nach draußen gegangen und mir befohlen, es zu vergessen. “I choose to feel it and you couldn´t choose”.

Wir schaffen nun die Stand-By-Schalter ab, markieren nicht nur ein Ende sondern gehen endlich über die Linie. Es wird Zeit. Es wird.

Und du kommst nicht mehr zurück. Weiß ich auch schon.

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Das ist der Anrufbeantworter von Liz und ich bin nicht wie sonst eigentlich zuhause sondern wirklich mal weg. Wenn sie mich sprechen wollen, müssen Sie sich gedulden, denn selbst wenn Sie mich erreichen würden, könnten Sie mich nicht hören sondern nur Rauschen. Ich werde auf Wasser schlafen und auf Sand und mir die Decke so weit über den Kopf ziehen, bis das Meer folgt. Passen Sie auf die Stadt auf, die ist mir schon heilig. Aber manchmal lässt man eben das zurück, was einem das Liebste ist. Es wäre schön, wenn Sie die Blumen gießen könnten. Der Schlüssel liegt auf dem Balkon - ich komme wohl so nicht mehr wieder.

Spring spring.

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Durch damit

“…dass man weiß, dass man drüber hinwegkommt, wie man früher einmal war. [...] Es wird passieren. Ich hoffe, du weißt es…”
(Tomte)
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“…und die letzten Tage geben mir einen Eindruck davon, wie Frühling mal war und wieder sein kann und es riecht schon nicht mehr nach diesen alten Heizungen sondern eher nach frisch gewaschener Wäsche, die in der Sonne trocknet und flattert und hinter der man sich verstecken kann. Und bei diesem Geruch fällt mir immer der alte, große Garten ein mit dem verfallenen Haus vor dem kleinen Tümpel und dem neuen Haus vorne, in dessen Flur immer eine Katze schlief, und die großen Apfelbäume, unter denen ich auf der Campingliege mit richtigem Bettzeug Mittagsschlaf gemacht habe, als ich schon keine Angst mehr vor Katzen hatte und die nur noch zusammengerollt neben mir lagen. Ich erinnere mich an das letzte Jahr und den letzten Frühling und den davor und wie schwer der Geruch damals war und dass es jetzt schon noch derselbe aber auch irgendwie ein anderer ist und dann sieht man sich gehen in derselben Straße mit derselben Sonnenbrille im Haar und denselben Schuhen an den Füßen und ich bin immer noch ich und das alles ist immer noch da und ich habe gedacht, ich sei durch den letzten Frühling ein totales Arschlochmädchen geworden, und ich habe das nicht nur gedacht, ich war es auch, und jetzt, während das Licht auf das Haus gegenüber scheint und der Geruch wieder da ist und wir im Hof arbeiten und die Haut neben dem Daumennagel immer noch nicht glatt und weich ist (das wird sie nie werden), habe ich das Gefühl, jetzt ist auch ma gut damit…”

Flüchtig

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Wie sie da wanken und taumeln und es ihnen egal ist, wenn ihre Affäre das ganze Wochenende nicht zu erreichen war. Die, die hysterisch lachen anstatt einfach den Mund zu halten, wenn sie verlegen sind. Die, die sich Frisuren dananach schneiden lassen, wie sie direkt nach dem Aufstehen liegen. Die, die die Zigarette zwischen ihren Fingern halten, als hinge ihr Leben davon ab und die letzte Nacht und die nächste auch. Und die, deren Tage ein einziges Hinterherhechten sind nach der Befriedigung dieser Lüste, dieser Süchte eigentlich.

Denn sie sind süchtig nach dem schlechten Gefühl eines Sonntagnachmittags, wenn sie verschmiert die Augen aufschlagen und ihnen das Bierflaschenetikett noch an der Wange klebt und der Stempel sich hundertmal auf dem Laken verteilt hat. Sie sind süchtig nach der Enttäuschung, die sie fühlen, wenn die Bekanntschaft vom letzten Abend im Sonnenhochhauslicht doch nicht mehr so makellos strahlt sondern einfach nur ein ganz normaler Mensch ist. Sie sind süchtig nach den Gesichtern, die sie dann abscannen in der Straßenbahn und in der Hoffnung, dass jemand mal den unscheinbaren Menschen in ihnen erkennt.

Den Menschen, der sie sind, wenn sie sich nachts auf der Party zum Klo durchgekämpft und die Tür hinter sich geschlossen haben. Den Menschen, den sie beim Vorbeigehen ganz kurz im Schaufenster sehen und der an den lackierten Fingernägeln kaut. Den Menschen, dem an der Ampel in der Früh die Augen zufallen und den Menschen, der sich eine Träne verdrückt, wenn er sonntags beim Zappen aus Versehen bei “Nur die Liebe zählt” hängengeblieben ist. Den Menschen, dem schlecht wird in der Achterbahn. Und flau im Magen beim Anblick der alten Briefe. Den Menschen, der nicht dreckig über die Witze lacht. Den Menschen, der sich die Sprüche vorher im Kopf zurechtlegt, bevor er beschließt, sie doch nicht zu sagen.

Und sie sind süchtig nach den flüchtigen Küssen, die alles versprechen und nichts halten, die verwildern und nicht glatt streichen. Sie sind süchtig danach, sich immer wieder die Lippen nachzuziehen und danach, die Möglichkeit zu haben, jeden Abend ein anderer Mensch zu sein. Sie sind der Antrieb dieses Katz-und-Maus-Spielchens, bei dem sie sich niemandem offenbaren, aber alles erwarten und alles wollen, um am Ende derjenige sein zu dürfen, der geht. Sie sind süchtig danach, weil sie glauben, so hätten sie die Dinge halbwegs unter Kontrolle. Halbwegs jemanden an der Hand.


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