Wohin

Ich lege all die Dinge in Kartons, all die Jahre und Zeiten und Urlaube und Seiten und Lieder. Packe die Postkarten ein und die Stifte, mit denen sie geschrieben wurden, die kleinen Zettel mit den verwundeten Schmeicheleien, mit den Nebensächlichkeiten, die doch die schönsten waren. Ich blättere noch einmal durch die Tage und klappe sie dann zu, um sie neben die anderen zu legen. Ich weiß noch, woher die Löcher in den T-Shirts stammen. Ich erinnere mich an die Schokoladencreme und die Momente, in denen die Gläser sprangen. Erinnerungen werden gestapelt und Stimmungen und der Staub auch und man schleppt das ja alles immer solange mit, bis man nicht genug Kartons zusammen hat und dann aussortieren muss.
Welche lässt man da, welche wirft man in den blauen Sack, welche in den gelben und welche schmeißt man am besten gleich auf den Balkon, auf dass sie verrecken in der letzten Kälte des Winters? Wer will den Karton mit den Büchern, die ich eh nie lesen werde? Wer nimmt den mit den schlechten? Und wer will die Notizen aus den Stunden, in denen ich nicht ich war? Wer nimmt den kleinen Affen und wer die große, gelbe Sonne? Die gehören nirgendwo mehr hin.
Und man fühlt sich immer ein bisschen so, wenn man aus dem Zwang heraus mal Ordnung hineinbringt in das ganze Chaos, in das ganze Gewühl. Wenn man versucht, wieder ein oben und unten und ein wichtig und unwichtig überall drauf zu schreiben. Und noch beschissener fühlt man sich, wenn man mal wieder scheitert an der Unfähigkeit sich von Dingen zu trennen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 27. März 2007 um genau 21:04
Kategorie : Moi | 2 Kommentare