Staatlich anerkannte Erholung

Fahren Sie ans Meer. Lassen Sie alles überflüssige zuhause, gucken Sie nur, dass sie genug gegen kalten Wind in den Ohren dabei haben. Dazu ein paar Taschentücher, Handschuhe und die Loupita von Kristofer Aström für´s Auto. Fahren Sie los. Achten Sie auf die Windräder, die Ihnen begegnen. Nehmen Sie möglichst viele Raststätten mit. Testen Sie das Eis- und Zeitschriftenangebot. Schließen Sie die Augen, sobald sie am Wasser angekommen sind und atmen Sie ein. Übernehmen Sie sich dabei nicht, aber lassen Sie die Luft durch jede Windung Ihres Gehirns jagen. Springen Sie dann nach einer kurzen, stillen Sekunde mit dem Kopf zuerst ins Wasser und lassen Sie sich durchspülen. Schwemmen Sie alles raus, was unnütz und schwer ist. Legen Sie sich auf den Rücken und lassen sich bis zum Ende der Seebrücke, bis hinter die Wellenbrecher treiben, dort fängt der Morgen an. Küssen Sie die Schaumkronen und freuen sich schon einmal auf das warme Handtuch, das Ihnen der Strand bereithalten wird. Bevor Sie rausgehen, schütteln Sie sich gründlich ab. Lassen Sie im Wasser, was Ihnen Flecken macht auf der Haut und wunde Stellen, und ziehen Sie dann mit Schmackes den Stöpsel. Setzen Sie sich auf unsere Sonnenterrasse und genießen den Moment mit einem leeren Kopf und leichten Schultern, mit Sand zwischen den Zehen und einer Amsel auf dem Knie. Erinnern Sie sich insgeheim an Ihren Freund Rainald Grebe.
Fahren Sie dann langsam wieder nach Hause und beginnen Sie neu. Vergesse Sie nicht, was sie gelernt haben und üben Sie weiterhin jeden Morgen in der U-Bahn die Schwimmbewegungen. Sagen Sie sich immer wieder: “Ich bin ein Wochenendseminar und finde in ruhiger Lage statt.” Ihnen kann dann nichts mehr passieren.
Liz hat es verfasst, und zwar am 18. März 2007 um genau 21:47
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare