Wenigstens

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Es ist gut, Licht in deinem Fenster zu sehen. Von weitem sieht man nichts, man muss erst ein bisschen bergauf, vorbei an dem Büro mit den bunten Comics an der Wand, vorbei an dem Haus, wo im dritten Stock immer der Fernseher blau leuchtet, vorbei an dem Kiosk mit der dicken, blonden Verkäuferin. Vorbei an der Lücke zwischen den Fassaden.

Es ist gut, Licht in deinem Fenster zu sehen. Und es ist gut zu wissen, wie es dahinter aussieht. Wo das benutzte Geschirr steht, wo die Socken liegen, wo der Aschenbecher und wo das Telefon, wo der Hammer hängt und wo die Decke liegt. Und dass die Heizung nicht funktioniert, noch drei Textmarker in ihrer Schachtel liegen, sich die Texte stapeln, Krümel auf dem Bett vor sich hin tanzen. Es ist gut zu sehen, dass es grün auf dem Bildschirm flimmert und ich kann mir vorstellen, dass du mal wieder vergessen hast, das Wasser vom Herd zu nehmen und der Kessel dann glüht und du dich verbrennst und dann aber kein Nahtpflaster draufkleben kannst sondern eigentlich nur pusten.

Es ist gut, Licht in deinem Fenster zu sehen. Und gut daran vorbeizugehen. Gut zu wissen, dass wir uns so schnell nicht verlieren. Das gar nicht können. Vielleicht nicht mehr hochgehen und klingeln, vielleicht nicht mehr jeden Abend zusammen schlechte Filme ausleihen, vielleicht uns nicht mehr so schnell kratzbürstig anmurren. Aber ich werde immer noch manchmal abends vor deinem Balkon stehen und hochgucken und sehen, dass du da bist.

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. März 2007 um genau 23:12
Kategorie : Blicke | 5 Kommentare

 Landstraßen

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Berlin liegt still, wenn wochentags in der Nacht die Bahnen nur noch alle halbe Stunde fahren. Dann kann man auf dem Mittelstreifen über die Warschauer Straße gehen, den Mond anglotzen wie einen großen Teller Milch, man kann Werle & Stankowski hören und nicht merken, dass das Ganze am Ende eine halbe Stunde Winter war, obwohl es erinnerte an die Sommermorgen, als ich immer im Hellen mit dem Fahrrad nach Hause fuhr. Nach der Arbeit im Club erst den Berg nach oben und dann wieder hinunter rollen, am Volkspark vorbei und ein paar Verlaufenen ausweichen noch, bevor ich immer schon ein kleines bisschen früher abgestiegen und den Rest nur auf der einen Pedale stehend gerollt bin. Das Rad wurde nicht angeschlossen, die Sonne sah man noch nicht, nur das rosa Licht über dem Bersarinplatz und die Vögel, die waren jetzt so laut wie sonst der Straßenlärm. Dann bestellte ich ein paar Brötchen, die waren immer ganz frisch und warm, aß eines beim Schieben über das Kopfsteinpflaster, den Rest legte ich in der Tüte auf den großen Küchentisch. Und während die Sonne langsam zu mir ins Bett krabbelte, schlief ich ein.

Und ja, es gibt auch Sterne hier. Und all die Sonnenaufgänge und milchschüsselgroßen Monde. Es gibt die Weiten und Abgründe, die Wälder und Felder, die leisen Momente und auch die Besinnung. Man muss nur wissen, wann.

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. März 2007 um genau 4:06
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare


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