Ich habe ein neues Unterhemd, jetzt kann der Frühling kommen und mir beim Kisten schleppen und schwitzen zusehen. Ich war früher so unglaublich in diesen einen kistenschleppenden Kaltgetränkewerbungsmann verliebt, dass ich bei meinem ersten Unterhemdkauf davon ausging, diese ganze Geschichte müsste doch eigentlich auch umgekehrt funktionieren. Hat es nicht. Jetzt guck ich mal, ob das geht, wenn ich dazu noch Kisten trage. Und wer selber am Sonntag Langeweile und ein sauberes Unterhemd hat, kann gerne vorbeikommen und mitmachen.
P.S.: Und in den weiten Hosen find ich die alten Jurassic-5-Platten eigentlich auch wieder ganz gut. Muss nur richtig laut sein.
Liz hat es verfasst, und zwar am 29. März 2007 um genau 20:06
Kategorie : Moi | 4 Kommentare
Werter Herr Fritz Göttler,
Sie haben heute in der Süddeutschen Zeitung Ihre ultimative Lobhudelei geschrieben auf einen Film, bei dem ich mich frage, ob wir beide den gleichen gesehen haben. Ja, die Zeitungen scheinen das neueste Werk von Alain Resnais zu mögen. Jedoch haben sie kaum Worte für die Beschreibungen der Szenen und es wird ebenso wenig zitiert (und wenn, dann falsch, jedenfalls aus der deutschen Übersetzung). Und wissen Sie, woran das liegt?
Es gibt nichts zu zitieren aus dem Film. Kaum ein kluges, sauberes, nicht schon einhundertmal in den Mund genommen und abgenuckeltes Wort wird in diesem Film gesprochen. Die Phrasen, wir kennen sie alle aus den Heftchen unserer Großmütter, aus den Schlagzeilen und netten Gedichtchen. Aber welcher Film eines angeblichen Regie-Genies will schon wie ein harmloser, triefender Reim klingen, den man gleich wieder vergisst? Ich frage mich, wie alt Sie sind, Herr Göttler.
Und ich frage mich, woher Sie die Bilder haben, die Sie angeblich “immer wieder den Atem anhalten lassen“, denn als ich im Kino saß, bewegte sich der halbe Saal nach und nach wieder ins Foyer. Die andere Hälfte raschelte, schmatzte, lachte und schnarchte so laut, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Ich frage mich außerdem, woher Sie das Tempo nehmen, die “rasche Bewegung“, die Ihrer Meinung nach in den Film kommt mit dem Kameraflug in den Szenen, in denen Nicole und Dan eine Wohnung suchen. Das war die einzig kleine Perspektive, die mal interessant und nicht total vorhersehbar war, der einzige, kurze Moment, der nicht gleich wieder in die Schublade “schon mal gehört, schon mal gesehen” gerutscht ist. Aber deswegen bewegt sich doch nicht gleich ein ganzer Film und nimmt an Geschwindigkeit zu.
Und Herr Göttler, hing Ihnen diese Schnee-Blende, diese so furchtbar offensichtliche Metapher der Kälte und Einsamkeit der Großstadt, wirklich nicht nach zwei Szenen ebenso zum Halse raus? Was schauen Sie sonst so für Filme, Herr Göttler? Und sollten Sie nicht lieber Gedichte schreiben, die so klingen wie dieser Film, wenn Sie schreiben: “Was ist das für eine Wehmut, die ihr Herz durchbohrt?”
Ich schätze Ihre Mühe, die Sie sich mit Ihrer Kritik gemacht haben. Sie haben Worte gewählt, die man nicht überall liest. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, sie sollten mehr Filme schauen, mehr hinausgehen, aufmerksamer sein, die kleinen Gesten mehr beobachten, um zu merken, dass diese Inszenierung zu einem der klischeebeladensten, phrasendreschendsten und zugleich langweiligsten Schweinen gehört, die in letzter Zeit durch die Kinos gerast sind. Warum nur wird sein Meister von allen Seiten gefeiert? Er hat die Sau aus dem Stall gejagt, ohne sie zu mästen.
Und Sie, mögen Sie eigentlich Schneekugeln? Haben Sie sich die mal genau angesehen? Dass die ja doch immer anders sind und tausend kleine Landschaften in sich tragen? Dass man die Schneefallrichtung mit dem Schüttelschwung beeinflussen kann? Dass der Hintergrund und das Licht, die stillen kleinen Figuren all ihre eigene Geschichte haben? Und dass man nicht ein paar so einfach zu durchschauende Charaktere nehmen, sie mit ein bisschen Schnee, ein bisschen Licht und ein bisschen Ruhm des Autos bestreuen kann und schon ein Wunderwerk daraus entsteht? Und dass man ein Auge auf die Übersetzungen haben sollte, die in diesem Fall einfach nur unglaublich schlecht gewesen sein müssen. Sonst war es das Drehbuch wirklich noch. Und ich glaube, auch Sie haben am Ende Ihres Artikels falsch zitiert. Jedenfalls klingt es plötzlich schöner, als es war.
Mit besten Grüßen,
Ich
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. März 2007 um genau 20:35
Kategorie : Filme | 0 Kommentare

Irgendwie liegt in mehreren Blogs grad so ein Heimatduft in der Luft. Die höheren Semester besinnen sich auf ihre Wurzeln, beschimpfen den momentanen Standort und blicken ein bisschen zurück. A weng rappeln, a weng poltern, aber zumindest wird mal ordentlich in der Herkunftstrommel gerührt und am Ende sind alle ein bisschen melancholisch. Ich lese so Texte ja immer wahnsinnig gern.
Weil ich immer noch da bin, wo ich herkomm. Weil ich nicht weiß, wie das ist, wenn man “zu seinen Eltern fährt”. Weil ich zuhause kein Zimmer mehr habe, in das ich einkehren und mich wieder wie zwölf fühlen kann. Weil mein heimatlicher Berg nur ein Hügel ist und noch vor meiner Nase steht. Ich muss zwar auch fahren, um auf den Spielplätzen und Ferienzielen meiner Kindheit anzukommen, aber da steht kein Haus, in das ich schon gestiefelt bin, als ich noch nicht einmal richtig laufen konnte. Ich muss meine Fotoalben immer mitnehmen, weil ich einmal damit angefangen habe, nichts daheim zu lassen. Und dann ist daheim auch umgezogen und so kam es, dass dieser kleine Balkon in Mitte nun nicht mehr so grün ist, wie er immer war. Dass es plötzlich Bäume in dieser Straße gibt. Dass die Mauer seit gefühlten hundert Jahren schon weg ist und die Touristen immer noch kommen, um die Reste an der Bernauer Straße und in den herumliegenden Köpfen zu begaffen.
Berlin und ich, wir sind zusammen, seit ich denken kann. Wir sind miteinander aufgewachsen, haben uns an die Hand genommen, uns aneinander gewöhnt, uns angebrüllt und zeitweilig so sehr gehasst, dass wir den jeweils anderen verfluchten und hoffte, wir würden uns nie wiedersehen. Aber wir sind uns auch nah gewesen. So nah, dass wir immer wieder zurückgekehrt sind, uns nie wirklich aufgegeben haben. Wir kennen einander. Wir wissen, wann der andere besser den Mund zu und wann die Arme aufhält. Ich habe keine Ahnung davon, wie es ist, wenn man sich getrennt hat nach all den Eintönigkeiten und den wilden Jahren, nach den Veränderungen und den neuen Lieben. Das ging immer irgendwie Hand in Hand, das lief immer parallel und hautnah. Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, nach Jahren zurückzukommen, mit freier Zeit im Rücken und ohne Alltag, der einem an der Backe klebt. Ich weiß nicht, wie man sich dann ansieht, denn das mit uns ist noch lange nicht vorbei.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. März 2007 um genau 8:11
Kategorie : Berlin | 6 Kommentare

Ich lege all die Dinge in Kartons, all die Jahre und Zeiten und Urlaube und Seiten und Lieder. Packe die Postkarten ein und die Stifte, mit denen sie geschrieben wurden, die kleinen Zettel mit den verwundeten Schmeicheleien, mit den Nebensächlichkeiten, die doch die schönsten waren. Ich blättere noch einmal durch die Tage und klappe sie dann zu, um sie neben die anderen zu legen. Ich weiß noch, woher die Löcher in den T-Shirts stammen. Ich erinnere mich an die Schokoladencreme und die Momente, in denen die Gläser sprangen. Erinnerungen werden gestapelt und Stimmungen und der Staub auch und man schleppt das ja alles immer solange mit, bis man nicht genug Kartons zusammen hat und dann aussortieren muss.
Welche lässt man da, welche wirft man in den blauen Sack, welche in den gelben und welche schmeißt man am besten gleich auf den Balkon, auf dass sie verrecken in der letzten Kälte des Winters? Wer will den Karton mit den Büchern, die ich eh nie lesen werde? Wer nimmt den mit den schlechten? Und wer will die Notizen aus den Stunden, in denen ich nicht ich war? Wer nimmt den kleinen Affen und wer die große, gelbe Sonne? Die gehören nirgendwo mehr hin.
Und man fühlt sich immer ein bisschen so, wenn man aus dem Zwang heraus mal Ordnung hineinbringt in das ganze Chaos, in das ganze Gewühl. Wenn man versucht, wieder ein oben und unten und ein wichtig und unwichtig überall drauf zu schreiben. Und noch beschissener fühlt man sich, wenn man mal wieder scheitert an der Unfähigkeit sich von Dingen zu trennen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 27. März 2007 um genau 21:04
Kategorie : Moi | 2 Kommentare
Wir haben wieder eine neue Zeit und alle haben sich nach dem ersten Schreck dran gewöhnt und putzen sich dann eben eine Stunde früher raus, bevor sie sich das Lederjäckchen anziehen und dann draußen merken, dass es dafür zu warm ist. Dann wird flaniert und geguckt und sich gewundert, warum auf der Wiese am Mauerpark plötzlich so viele unbesetzte Stehtische aufgestellt wurden. Und die Sonnenbrille rutscht immer wieder von der Nase. Und die Frisur bleibt auch nicht, wo sie vorhin noch war. Aber eigentlich ist es ja egal, denn wir sind alle auf der Suche. Und wir haben alle eine Stunde weniger, um zu finden.
Liz hat es verfasst, und zwar am 25. März 2007 um genau 15:56
Kategorie : Berlin, Wir | 1 Kommentare
Liz hat es verfasst, und zwar am 24. März 2007 um genau 19:33
Kategorie : Berlin, Blicke | 4 Kommentare
Es gibt jetzt eine Kampagne gegen Raser. Deren Plakate zeigen der Jugend bekannte Gesichter, die mit kleinen Gesten andeuten, wieviel man von Rasern zu halten hat. Und so kann es Männern nun passieren, dass sie sich in einer öffentlichen Toilette die Hose aufmachen und sich somit direkt vor Sarah Kuttner oder Collien Fernandes bzw. Philipp Lahm entblößen. Und dann gibt es Leute, die wechseln das Pissoir, weil sie es nicht über´s Herz bringen, Collien Fernandes beinahe ins Gesicht zu pinkeln. Dann schon lieber Philipp Lahm. Hab ich gehört…
Vielleicht spielen sie demnächst auch noch Susi ein, sobald Mann das Klo betritt: “So, mein Lieber. Jetzt musst du dich entscheiden!”.
Liz hat es verfasst, und zwar am 24. März 2007 um genau 15:57
Kategorie : Berlin | 3 Kommentare

Ich stand an der Ampel, hinter mir fuhr die Straßenbahn den Berg hinauf und es tropfte mir unaufhörlich von der Kapuze. Es plonkte auf die Windschutzscheiben und das Geräusch der durch Pfützen fahrenden Autos übertönte alles, was es sonst noch so gibt, wenn man an einer großen Straße steht und auf Grün wartet. Ich ging bei Rot, die Autos waren schon alle vorbei, lediglich ein älterer Mann mit Bauarbeitermütze in Wollrot fuhr noch an mir vorüber. Wenn ich an dieser Straße stehe und die Bahn hinter mir den Berg hochfährt, kann ich mein Haus schon sehen, wenn nicht wie jetzt gerade, das Nebenhaus saniert wird und mit seiner monströsen Baustellenplane die Sicht auf mein Haus verdeckt. Mir lief das Wasser in Strömen die Wangen herab und ich suchte mein Haus und fand nur die Plane und dann kniff der schon grau werdende Mann auf dem Fahrrad sein linkes Auge zusammen und murmelte etwas und ich wusste nicht recht, ob es ihm nur hineingeregnet hatte oder ob er mich meinte. Ich sah mich nicht um, zog die Kapuze noch weiter in die Stirn, strich mir die klebrigen Strähnen aus dem Augenwinkel, versuchte schon gar nicht mehr, den Pfützen auszuweichen und kam zu dem Gedanken, dem Mann habe es wirklich nur ins Auge geregnet.
Unter dem Gerüst am Nachbarhaus war alles lauter. Die Tür zum Hausflur stand offen und innen hallten und schallten tausend auf Plastik und Metall aufschlagende Regentropfen. Vor der Tür saßen zwei Bauarbeiter, rauchend und auch mit solchen Mützen. Der mit der blauen kniff sein rechtes Auge zusammen. Hier tropfte einem aber nichts ins Gesicht, hier saßen sie nur und schauten die eingepackten Menschen an, die vorbeiliefen und wahrscheinlich gehört das eben dazu, jede Jacke anzublinzeln, die halbwegs nach Frau aussieht. Und dann zu warten, bis der Tag vorbeigeht, denn wenn es regnet, klopft es sich nicht so gut Putz von der Wand. Sie saßen da und sahen zu, wie die Straßenbahn den Berg hinauf und hinunter fuhr und zwinkerten und kippelten die Bierflaschen zwischen ihren Füßen hin und her. Die Plane könnte also genauso gut verschwinden und ich wieder mein Haus sehen, wenn ich an der Ampel stehe.
Liz hat es verfasst, und zwar am 22. März 2007 um genau 12:36
Kategorie : Berlin, Blicke | 0 Kommentare

Noch vierzehn Tage und ich stolpere nicht mehr über dreiradfahrende Kinder, wenn ich aus dem Haus gehe. Noch einszweidreipluself Tage und ich werde die kleine, dicke Nachbarin und ihre Dischdischmusik nicht mehr hören. Noch einzwei Wochen und die Plane am Nebenhaus macht kein Geräusch mehr in meinen Ohren.
Und C. sagt: “Nennen wir es Anfang.“. Und ich weiß von jemandem, dass es für ihn eine sehr gute Entscheidung war, mit demjenigen zusammen zu ziehen, der ihm am nächsten steht. Wir brauchen beide unsere Ruhe, wir brauchen beide Blumen. Und wir sind uns ein Zuhause.
Und wenn ich heimkomme und sie gerade losgeht, treffen wir uns in der Küche und ich halte den Lappen bereit, weil sie immer Sachen runterschmeißt und sie steckt mich mit ihrem Grinsen an. Und dann regen wir uns auf über die Arschlochwelt und gießen den Leuten aus Versehen Wasser auf den Kopf. Wir krümeln und kleckern und klotzen und kochen und kaufen gesunde Sachen und haben ein Geheimfach für die ungesunden und müssen nicht mehr Nummern wählen, um uns zu haben, wenn mal wieder nichts funktioniert, sondern wir können einfach rübergehen. Wie großartig wird das sein. Und es ist genug Platz dazwischen für einen allein.
Liz hat es verfasst, und zwar am 21. März 2007 um genau 17:48
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare
Actiongeladene Samstagabendunterhaltung ist, wenn Florian Silbereisen faltigen Schunkeldamen das Dekollete tätschelt, Pierre Briece vergeblich an noch faltigeren Damen herumschraubt und kleine Kinder gezwungen werden, in Zwergenkostümen neben dem im Dirndl schunkelnden Achim Mentzel Purzelbäume zu schlagen.
Es gibt übrigens noch Karten für das Sommerfest.
Liz hat es verfasst, und zwar am 20. März 2007 um genau 19:28
Kategorie : Fundstücke | 7 Kommentare