Elementarteilchen

Ich liege in tausend Teilen überall herum.
Ein Fuß steht in den Minuten, die ich damit verbringe zu warten, ob auf Bus oder Bahn, auf das Weckerklingeln oder den Stundenpieps. Auf der Arbeit liegt die rechte Hand, in den Projekten und all den Listen, im Verteiler, auf dem Kopierer, in den Mails und zwischen den Briefen. Die linke liegt auf dem Herzen und wird im Sekundentakt nach oben gedrückt, hin und wieder auch schneller und so sehr, dass ich sie mit Gewalt zurücklegen muss. Mit Druck dahinter. Mein Bauch ist in den Plänen, den Gedanken, den Geschichten, den Büchern und dem Fernweh, während der andere Fuß damit beschäftigt ist, die nicht auf die Linien zu treten und trotzdem Schritt zu halten. Die Knie kommen wie immer nicht mit und sind irgendwo auf dem Weg abhanden gekommen. Der Mund ist viel zu oft in all den Phrasen und Gesprächen, die doch nicht voranbringe aber aufhalten. Die nicht tief sind aber lang. Und mein Gesicht liegt fragmentös in dieser Stadt herum. Und der Rücken an der Wand. Die Schultern starren im Rinnstein.
Ich liegen in tausend Teilen überall herum.
Die Ohren sind immer dort, wo die Töne sind, an die sich die Lunge schon gar nicht mehr erinnert. Weil dazwischen soviel Luft und soviel Strecke war. Und zwischen all diesen Teilen ist soviel Luft und Strecke, dass ich glaube, sie vergessen sich. Dass ich glaube, sie reden sich gegenseitig schön, obwohl sie längst den Kontakt zueinander verloren haben. Ich glaube, eine Annäherung wird dauern nach all den Monaten Stille und Luft und Strecke. Und Lungenvolumen.
Auch morgen liege ich immer noch in tausend Teilen überall herum. Wenn du einen findest, sag Bescheid, ruf an, was auch immer. “Es ist durchaus noch Platz hier drin”…



