
Ich liege in tausend Teilen überall herum.
Ein Fuß steht in den Minuten, die ich damit verbringe zu warten, ob auf Bus oder Bahn, auf das Weckerklingeln oder den Stundenpieps. Auf der Arbeit liegt die rechte Hand, in den Projekten und all den Listen, im Verteiler, auf dem Kopierer, in den Mails und zwischen den Briefen. Die linke liegt auf dem Herzen und wird im Sekundentakt nach oben gedrückt, hin und wieder auch schneller und so sehr, dass ich sie mit Gewalt zurücklegen muss. Mit Druck dahinter. Mein Bauch ist in den Plänen, den Gedanken, den Geschichten, den Büchern und dem Fernweh, während der andere Fuß damit beschäftigt ist, die nicht auf die Linien zu treten und trotzdem Schritt zu halten. Die Knie kommen wie immer nicht mit und sind irgendwo auf dem Weg abhanden gekommen. Der Mund ist viel zu oft in all den Phrasen und Gesprächen, die doch nicht voranbringe aber aufhalten. Die nicht tief sind aber lang. Und mein Gesicht liegt fragmentös in dieser Stadt herum. Und der Rücken an der Wand. Die Schultern starren im Rinnstein.
Ich liegen in tausend Teilen überall herum.
Die Ohren sind immer dort, wo die Töne sind, an die sich die Lunge schon gar nicht mehr erinnert. Weil dazwischen soviel Luft und soviel Strecke war. Und zwischen all diesen Teilen ist soviel Luft und Strecke, dass ich glaube, sie vergessen sich. Dass ich glaube, sie reden sich gegenseitig schön, obwohl sie längst den Kontakt zueinander verloren haben. Ich glaube, eine Annäherung wird dauern nach all den Monaten Stille und Luft und Strecke. Und Lungenvolumen.
Auch morgen liege ich immer noch in tausend Teilen überall herum. Wenn du einen findest, sag Bescheid, ruf an, was auch immer. “Es ist durchaus noch Platz hier drin”…
Liz hat es verfasst, und zwar am 7. Februar 2007 um genau 0:24
Kategorie : Moi | 4 Kommentare

Das eine Kind hat laufen gelernt. Und wenn der Maler wieder einen guten Tag hat, bekommt er ein Bild in vier Stunden fertig. Dabei hört er immer laut Musik und hat nur eine Unterhose an. Zwischendurch steht er rauchend am Fenster, macht es aber nie auf und schaut raus. Er steht immer nur da, lehnt seinen Oberarm daran und blickt sich um in seinem Atelier. Die Eltern des laufenden Kindes wechseln sich ab mit dem Zubereiten des Abendbrotes, die darüber sitzen immer nur auf dem Sofa, während das Kind auf einer Decke liegt und mit den Füßen in der Luft strampelt. Der mir direkt gegenüber arbeitet auch immer nachts. Mit einer kleinen Stehlampe auf dem Schreibtisch, bis die Fenster ganz beschlagen sind. Dann kommt er manchmal und reibt eine kleine Stelle frei, durch die er schaut. Manchmal wird es dann schon wieder hell. Und sein Mitbewohner scheint nie da zu sein. Der Maler lebt allein. Unten wohnen die, die im Sommer immer auf dem Balkon saßen, Bier tranken, als ihr Kind einmal in die Scherben fiel. Es schrie und schrie und seitdem habe ich es jedoch nie wieder schreien gehört. Nur die Musik vom Maler, der manchmal, wenn er nicht malen kann, auf der Stelle joggt. In der Kohlengrube brennt Licht. Da brennt immer Licht. In Neonfarben.
Aber ich weiß, die da drüben können den Mond nicht sehen, der hell und groß auf meinen Boden scheint und einen Schatten von mir macht. Meinst du wirklich, niemand weiß, wie du lebst?
Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Februar 2007 um genau 0:31
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare
“Wie geht es dir?” - “Ok.”
Eigentlich ist “ok” ja ein ganz guter Zustand. Wenn man “ok” sagen kann, scheint es so ok zu sein, dass man das ohne Zögern sagt. Oder es hat sich im “eher nich so” so eingependelt, dass der Automatismus “ok” sagt. Aber selbst das ist ja noch irgendwie tragbar. Es gibt genug Leute, die würden dich auslachen, weil du “ok” antwortest, was für sie so ziemlich unerreichbar ist. Wenn man den gleichen Maßstab anlegt.
Und du fährst mit der Straßenbahn durch´s verregnete Berlin und findest “ok” sowas von zum Kotzen, dass sich dir die Zehnägel kräuseln. Dass du rausgehen und einmal laut schreien könntest. Und weil du es scheiße findest, reizt du die Umstände aus und könntest heulen, weil sich trotzdem nichts verändert. In dem “Ok” gibt es keine Ausreden, keine Entschuldigungen, kein Vergeben der Umstände wegen. Im “Ok” ist es, wie es ist, und du hast gefällig zu funktionieren. Und wenn du es nicht tust, geht es trotzdem weiter und du musst hinterherkommen. Ok. Ja, sie würden dich auslachen.
Und du lechzt nach Amplituden, weil man die Mitteltöne an jeder Ecke hören kann. Entweder ganz laut oder ganz leise. Ganz oder gar nicht. Und obwohl man das ja eigentlich nicht glauben mag, fange ich in diesen Tagen damit an zu glauben, dass es doch die Zwischenzustände sind, die dich am Ende wirklich erwachsen machen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 5. Februar 2007 um genau 12:05
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare
Rosa Blumen als heutiges Geschenk an mich selbst, weil man sich ja irgendwie den Elan bewahren muss. So auch der Kaffee nach dem Seminar an der Ecke dort, wo die Sonne noch hinscheint. Kurz das Gesicht in das Licht halten, das ein bisschen nach Frühling aussieht, der beruhigenden Stimme zuhören und dann in die Bahn und weiter. Laufbandartige Handlungen, die zur Zeit nur durch Schlaf sowie kurze Nahrungsaufname unterbrochen werden. Immer weiter und weiter, bis das mal jemand ausschaltet.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. Februar 2007 um genau 16:25
Kategorie : Moi | 1 Kommentare