In a safe place

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Sie hatten einen ähnlichen Bühnenaufbau wie vor zwei Jahren im Roten Salon und das gleiche grüne Licht. Das erste Lied Always For You, The Album Leaf. Und dann musste man sich bewegen, um es loszuwerden, um nicht daran zu ersticken, um Luft zu bekommen und nicht zu erstarren mit dem Blick zurück. Denn kaum einer von uns schaut so nach vorne, wie sie hier alle schauten. Kaum einer hat diesen feuchten Blick, wenn hinter einem alles gut war. Kaum jemand hat dann so ein Seufzen im Bauch. Die meisten sehen ja doch zurück. Und die Menschen mit den Kameras hielten sie hoch. Und die Menschen mit den Lieben hielten sie fest. Und die Menschen allein, die hatten nur sich.

Das mit The Album Leaf, das wird sich nie verändern. Die stehen konstant dazwischen und zerschlagen die Zeit nach hinten raus und nach vorne verdichtet sich alles. Sie schinden so, dass man sich nur nach innen kehren kann. Und die Auflösung macht hierbei die Konstante aus. Man weiß und kann damit rechnen, dass sie nah sein werden und dass es nicht einfach wird. Deswegen wäre das Blatt das Einzige, was ich mir eventuell tätowieren lassen würde, hegte ich den Wunsch nach so etwas. Nur dieses Blatt.

Ich habe längst losgelassen. Und der Blick auf die Bühne war wie ein Blick vom Strand aus auf´s Wasser. Auf die feine Linie am Ende der Dinge, auf der das Schiffchen erst immer kleiner und dann zu einem Teil von ihr wird. Von diesen kleinen schwarzen Punkten, die nicht mehr voneinander zu trennen oder zu unterscheiden sind als Horizont. Einem Rahmen für alles, einem Ende von allem und ein Ausblick überallhin, während das dumpfe Klopfen auf die Violine von den Füßen auf den Bauch übersprang. Und bei der ersten Zugabe grinste Jimmy, vorher hatte sich sein Gesicht kaum bewegt. Als fiele nun auch alles von ihm ab, als sei er es jetzt los, die Show vorbei, die Dinge fort. Und die letzte Zugabe noch einmal als pompöse Höchstform, als Schnitt, als Ausbluten mit Orchesteruntermalung und einem lauten: Ja, ich will.

Ich dachte immer, du kennst all meine Stärken. Du kanntest sie nicht. Ich dachte immer, du kennst all meine Schwächen. Du kanntest sie nicht. You are on your way. Und jetzt ist klar, woher ich weiß, wie es geht, ein Miststück zu sein. Das vergess ich dir nie.

Liz hat es verfasst, und zwar am 15. Februar 2007 um genau 18:21
Kategorie : Ton | 0 Kommentare

 Parallelkitsch

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Weil du immer unpünktlich bist, es aber selbst abgrundtief hasst, zu warten. Weil du, wenn du zuviel trinkst, alles vergisst. Weil du auch sonst alles vergisst. Weil du Leute aufgrund ihrer Gerüche lieben kannst. Weil du eitel bist. Weil du deinem ersten Eindruck zurecht vertraust. Weil du immer nur auf der einen Seite neben mir gehst. Weil du so schwärmen kannst wie sonst niemand. Weil du Weihnachtsbäume grazil überwindest. Weil es mit dir auch in Betonwüsten wunderbar ist. Weil du dich traust. Weil du zögerlich bist und trotzdem impulsiv und emotional. Weil du weißt, wie ich bin und mich so nimmst und nur so. Weil wir betrunken frühstücken. Weil wir unter nur einer Decke problemlos schlafen können. Weil du alleine den Jahreswechsel in einem Land verbringst, dessen Sprache du nicht sprichst. Weil du dich immer noch nicht an den Geschmack von Zwiebeln und Tomaten gewöhnt hast. Weil du konsequent inkonsequent bist. Weil wir vor Lachen umfallen. Weil bei uns die Dinge parallel laufen. Weil wir beide uns ständig verändern. Weil wir das Maß gefunden haben, in dem wir uns aufeinander verlassen. Weil du diese komische Band magst. Weil du immer noch den mecklenburgischen Einschlag in der Sprache hast. Weil wir zusammen Radrennen auf dem Tandem gewinnen. Weil du diesen Streifen auf der Nase hast. Weil du Pommes mit Leidenschaft isst. Weil ich dich immer schön finde. Weil du Mäntel in Knallfarben trägst. Weil du schräg vor mir läufst, dich plötzlich umdrehst, mich nur anschaust und ich schon weiß, was du gedacht hast.

Und weil du das größte Herz der Welt hast, sind die vielen da draußen aus Luftballons, Papier, Styropor, Plastik, Moosgummi, Schokolade, Gummibärchen und Holz unglaublich überflüssig.

Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Februar 2007 um genau 11:55
Kategorie : Zeug | 4 Kommentare

 Nette Kunden

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Ich hätte heute nicht aufstehen sollen. Dieser Dienstag war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Nach massiven Einschlafschwierigkeiten in der Nacht, wache ich von einem Anruf der Bank meines Vertrauens auf:
Junge Frau. Fehlt ihnen was?
- “Ja, danke. Geld und eine Mütze Schlaf.
- “Nicht auch ihr Kalenderbüchlein?“, fragte der Herr Meyer von der Bank und benutzte dabei wirklich das Wort Kalenderbüchlein.
- “Oh äh. Mal sehen. Weiß ich nicht… [Ich schwang mich hölzern aus dem Bett und suchte in meinen fünfhundert Taschen] .. Ja, stimmt. Das ist auch weg, das Kalenderbüchlein.
- “Dann kommen Sie doch einfach her und holen es sich bei uns ab. Ein netter Kunde hat es für Sie abgegeben.

Meine Mutter würde sagen: “Irgendwann vergisst du noch deinen Kopf!”
Mein Opa würde sagen: “Macht nix. Dafür hast du ja mich!”.
Und ich hätte gerne gesagt: “Hat der nette Kunde auch Geld und eine Mütze Schlaf für mich abgegeben?”

(Außerdem war mein ehemaliger Chef mit meinem ehemaligen Jugendschwarm im Bett und ich muss jetzt noch zur Verbraucherzentrale, bevor der Berg Arbeit abgearbeitet werden will. Ihr seht: Im Internet geht Jammern prima. Dabei bin ich dem Menschen für mein Kalenderbüchlein wirklich dankbar. Das hat mir nämlich meine Mama geschenkt und die würde mir den Kopf abreißen, wenn ich das verlieren würde.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 13. Februar 2007 um genau 11:31
Kategorie : Berlin | 5 Kommentare

 You remind me of home

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Wir knallten keine Türen, wir warfen keine Teller. Wenn, dann schwiegen wir uns so lange an, bis wir es nicht mehr aushielten und meistens kam ich an und setzte mich auf deinen Schoß und legte meinen Kopf auf deinen Schultern ab. Dann weiß ich deine Hand auf meinem Rücken und wie groß sie war und wie groß ich war und wie groß die Bäume in der Straße. Wir haben nie geschrien. Und wenn, dann mit einem Juchzen am Ende des Lautes und eigentlich auch immer nur ich. Wenn du mich in die Luft geworfen hast fünfzehn Mal hintereinander, weil das in dem Hörspiel auch so gemacht wurde. Und bei uns keine Limonade wächst im Baum an allen Donnerstagen. Und wenn du mir fehlst, dann fehlt mir Zuhause.

Früher habe ich geglaubt, dass es nie gut wird. Dass es mir über Jahre hinweg die Sprache verschlagen und die Schienbeine blau schlagen wird. Dass ich niemals und nie einfach so daran vorbeigehen werde ohne mich umzudrehen. “Doch die Schultern haben sich gesenkt”, die Finger entkrampft und ich rege mich nicht mehr auf über die beschissene Rede des Pfarrers. Ich erschrecke nicht mehr jedes Mal, wenn jemand deine Frisur hat. Ich spiele wieder Tetris. Das ist alles berechenbar. Wenn solche Dinge ein paar Mal passiert sind, gewöhnt man sich daran und lernt wirklich, dass das ja gar nicht sein kann. Dich im Supermarkt zu treffen oder so.

Wir knallten keine Türen, wir warfen keine Teller. Ich mache das jetzt manchmal und stoße mir danach meistens die Zehen, weil ich unachtsam hin und her laufe und mich ärgere über meine nicht vorhandene Beherrschung, über die Impulsivität und meinen Kopf, der durch jede Wand will. Ich war früher schon so und du aber immer der mit der ruhigen, tiefen Stimme. “Nicht wirklich werfen, eher jonglieren”, hast du gesagt. Wenn du mir fehlst, fehlt mir Zuhause. Deine große Hand auf dem Rücken und deine tiefe Stimme und mein Kopf auf deiner Schulter und das Wissen, du würdest mich tragen, wenn ich nicht mehr könnte. Du hast mich nicht geweckt, wenn ich im Auto eingeschlafen bin. Sondern bist sitzengeblieben und hast gewartet.

Ich war neun, da hast du gesagt, du wirst mir das Fahren beibringen, weil ich immer schalten wollte. Wir parkten den Wagen zwischen den Büschen perfekt und ohne auch nur ein Blatt zu berühren. Und als ich auf deiner Schulter saß, unfähig mich irgendwie zu bewegen auf dieser Beerdigung ein paar Jahre vor deiner, da hast du gesagt, du gehst nicht, da solle ich mir sicher sein. Wir knallten keine Türen, wir warfen keine Teller.

Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Februar 2007 um genau 23:02
Kategorie : Moi | 1 Kommentare

 Abdominalis

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Der Schlagzeuger schielt, wenn er spielt, weil er sich so konzentriert, und trägt Vokuhila. Die Frau mit den kleinen Händen macht am Bass einen Mördersound und kann die Lolitafußstellung ziemlich gut, den Augenaufschlag auch. Der andere Gitarrist zuckt ständig, ihm treten die Adern an den Unterarmen hervor, er sieht aus, als träume er hin und wieder schlecht. Und Ben Shepard knickt seine Knie so professionell, wie es sonst kaum jemand kann. Er holt sich an seiner Gitarre einen runter, er sieht aus wie von der letzten Reggae-Party geklaut und als würde er bei den hohen Tönen das Mikro ablecken. Und diese Band hat einen der grandiosesten Bandnamen der Welt:

Uzi & Ari

.

Sonntagabend spielten sie im Berliner NBI, in rotes Licht getaucht (die verändern da nichts während der Shows, wäre viel zu aufwendig, ist auch nicht nötig) und einfach so zu viert und ohne großes Trara. Sie stellten sich hin, Ben riss seinen Mund auf und der Boden verschwand unter sämtlichen Füßen. Auf der Stufe sitzend, den Kopf in den Hände, so leidet und schmachtet er, so löst er Materie auf, weil die Stimme ja doch noch ein Instrument mehr ist oder zwei oder drei. Und weil die Maschine am Schlagzeug da auch wirklich drauf haut. Die wissen schon und trotzdem und gerade deswegen, was sie tun.

Don´t leave in such a hurry. Das Innere verlieren. Niere, Bauchhöhle, Rippen und Leber, Lunge und Luft und Kehlkopf und Stimme, Galle, Luftröhre. Das Herz auch. It´s freezing out.

Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Februar 2007 um genau 1:23
Kategorie : Ton | 2 Kommentare

 In Ordnung.

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Ich kann nachts ziemlich gut aussortieren. Ich kann Kassenzettel, Fahrscheine und Eintrittskarten wegwerfen, Kontoauszüge abheften, Fotos in passenden Stapeln stapeln, ich kann Papier bewegen und in richtige Reihenfolgen bringen, ich kann legen und wegschmeißen, zerreißen und Ordner löschen. Ich kann Postkarten von der Wand nehmen, alte Rohlinge wegwerfen, Bücher nach hinten ins Regal stellen, Stifte ausprobieren und die ausgetrockneten entsorgen. Ich kann Namen wiederfinden und andere durchstreichen, Nummern fragend ansehen und dann einfach anrufen mitten in der Nacht. Ich kann Skizzen ausgraben und Briefe ein. Ich kann nachts wirklich wahnsinnig alles aus den Schubladen holen und in Haufen auf dem Boden verteilen, die 1a nebeneinander liegen und sich anlachen, weil nun alles mal weiß, wo es hingehört. Woohhaa.

Ich könnte das tagsüber nicht. Wenn es hell ist, reicht es gerademal zum Kissen aufschütteln, beiseite schieben, aufeinander legen und in Kisten stopfen. Bei Nacht hab ich die Muße, bei Nacht hab ich die Ruhe, bei Nacht hat das alles auch ein bisschen was von einem Ritual. “Komm, jetzt mach mal Ordnung. Dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus”. Das Problem dabei: Sie tut es nicht. Is klar, ne?! Am nächsten Morgen falle ich beim Aufstehen über die Vergangenheit und all diesen Emoschrott, der des nachts total motiviert und nochmal auf Hochglanz poliert in meine Schränke gezogen ist, alles umgeräumt und vorher brav staubgesaugt hat. Jetzt machen die sich das erst recht gemütlich da. Super, Madame. Super.

Liz hat es verfasst, und zwar am 11. Februar 2007 um genau 1:36
Kategorie : Moi | 2 Kommentare

 Haunted by a past I just can´t see anymore

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“now - I need a change of scenery
just listen to me
I won’t pretend to understand
the movement of the wind
or the waves out in the ocean or how
like the hours I change softly slowly plainly blindly
oh me oh my”


(clap your hands say yeah)

Ich feiere jedes Jahr einen Geburtstag, ohne dass jemand älter wird. Dieser Tag beginnt mit einem Schlucken, das Wetter ist meistens irgendetwas zwischen Sonne und Wolken. Meistens soll alles gehen, wie es immer geht. Meistens soll alles sein, wie es immer ist. Und meistens ist es das auch, bis ich dann abends im Bett liege und den Tag durchdenke und mir wieder einfällt, dass alles anders wäre und ich nicht im Bett sondern wahrscheinlich auf einer riesigen Party, wie du sie gefeiert hast an diesem Tag, als ich noch zu klein war, um mir den Kopf schummerig zu trinken. Und dann fällt mir wieder ein, wie die Jahre vergehen und wir alle Falten kriegen und auf deinem Foto verändert sich nichts, rein gar nichts. Du hattest schon immer nicht so viele Haare, das konnte man nicht auf´s Alter schieben, daran ließ sich nichts ablesen und schon gar nicht die Zeit. Und dann fällt mir auch wieder ein, wie wir in der Küche saßen an dem großen Tisch, von dem die weiße Farbe platzte und in hauchdünnen Puzzleteilen auf den schwarzweiß gekachelten Boden fiel. Du hast Kartoffelpuffer gemacht mit deiner geheimen Gewürzmischung und ich hab auf der Holzbank gesessen und dir zugeschaut und man hörte nichts außer dem Brutzeln in der Pfanne und den Raben im Hof. Ich hab mich gefragt, wie du wohl aussiehst, wenn du ein alter Mann bist.

Und immer an dem Abend vor deinem Geburtstag frage ich mich das. Und immer am Morgen deines Geburtstages frage ich mich das und dann mache ich all die Dinge, die ich mir für diesen Tag vorgenommen habe, um nicht an dich zu denken, obwohl ich weiß, dass ich nicht schnell genug bin und du mich spätestens am Abend sowieso wieder eingeholt hast.

In dieser Frage bleibe ich immer elf Jahre alt. Und du immer 28. Das wird sich nie ändern.

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Februar 2007 um genau 16:37
Kategorie : Moi | 0 Kommentare

 Symbole & Praxen

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Es schneit, es schmilzt, es kann sich nicht so richtig entscheiden und die Wärme kommt dabei zu kurz. Also laufen wir alle mit kalten Händen umher, wir müssen aufpassen, dass wir unsere Ringe nicht verlieren und haben rote, taube Ohren. Die Stadt verschluckt sich selbst, die Geräusche überschlagen sich im Bauch, während draußen ja auch schon seit Monaten gebaut und nichts, aber auch nichts fertig wird. Stricken konnten wir noch nie, unsere Mütter haben keine Zeit dafür, also setzen wir Kapuzen statt Mützen auf, stecken die Hände in die Hosentaschen anstatt sie uns in kleinen Wollbeuteln an Schnüren zu wärmen und machen uns auf dem Weg dahin, wo man sich auf unsere kurzlebige Art und Weise rote Wangen verschafft. Wir können uns nicht entscheiden, deswegen nehmen wir alles mit und gucken hinterher und meistens auch zu spät, ob das so funktioniert. Wenn das Klatschen heute abend nicht reicht, die Pose nicht cool genug ist, die Haare nicht in Form und der Körper zu steif, können wir immer noch rausgehen und uns in die Hände hauchen, die Zigaretten anzünden und den Taxifahrer bitten, doch keine dummen Fragen zu stellen. Und in der stillen Nacht könnten wir uns dann reinreden, dass Ringe eh völlig überbewertet sind.

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. Februar 2007 um genau 15:24
Kategorie : Wir | 5 Kommentare

 Mistakes to repeat

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Ich hab geträumt von uns. Und ich habe geträumt, wie du langsam und behäbig deinen Brustkorb hebst und senkst und dir ein Baum aus dem Bauchnabel wächst. Ich habe geträumt, du hängst daran dein Morgenmüsli auf. Jede Flocke für sich, jede Rosine. Alles spießt du mit sicheren Fingern auf kleine Nadeln, in deren Ende du ohne Probleme den Faden fädelst, während an den Ästen kleine Blätter wachsen.

Ich wachte auf, als es noch dunkel war. Der Baum vor dem Fenster bog sich im Sturm, Blätter trägt er im Winter nicht, im Herbst hat er die Läuse. Langsam und behäbig senkte sich dein Bauch, ich hob die Decke an, dein Gesicht lag entspannt im Licht der anderen Wohnung, kein nervöses Zucken, kein wirres Gemurmel. Du lagst nur so da, während es draußen tobte und Äste brach. Ich legte dir den Arm von hinten um den Körper und schlief wieder ein, glaube ich.

Als es dann hell war, strichen meine Finger über Sand und Laken. Ich hatte gehofft, dass du es dieses Mal schaffst, ich hatte das wirklich gedacht. Was von dir übrigblieb, war wieder Staub. Wieder nur Luft. Wieder nur ein langsamer Atemzug, der die Kontinentalplatten hob und senkte. Und als ich das Haus verließ, musste ich mich gegen die Tür werfen, um sie zu öffnen. Die Kastanie lag im Weg. Es kommt immer noch hin und wieder vor, dass ich im Müsli Splitter finde.

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Februar 2007 um genau 1:32
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare

 Die Arschloch-Krankheit

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Da tut einer jemand anderem weh, behandelt ihn wie Müll und lässt ihn dann fallen. Und der Gefallene schaut es sich ab, vielleicht unfreiwillig, aber aus menschlicher Angst heraus, eventuell wieder auf die geschundenen Knie fallen zu können. Oder gefallen zu werden. So schubst er den nächsten und der tut es fortan auch nur noch so. Aus Vorsicht und mit dem Vorsatz, sich nie wieder irgendwo auch nur ansatzweise fallenzulassen. Jedenfalls nicht dort, wo man hart aufschlagen könnte. Und so fallen sie und übereinander her und tun sich weh nacheinander, einer tritt den nächsten. Bis der Schlag durch Zufall wieder bei demjenigen ankommt, der mit dieser Scheiße überhaupt erst angefangen hat.

Liz hat es verfasst, und zwar am 7. Februar 2007 um genau 13:49
Kategorie : Wir | 9 Kommentare


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