Generation Randbedingung

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Man diskutiert schon wieder und gibt unserer Generation neue Namen. Wir haben das ja selbst auch versucht, wir haben aufgeschrieben und gesammelt, ausgelotet und irgendwie gibt es ja immer Platz für einen Klebezettel mit noch einem Namen drauf. Die hängen wir los dran, die tackern wir uns nicht an den Hintern. Manchmal fallen ein paar ab, dann wird Platz frei und irgendjemand klebt neue drauf. Eigentlich ist es auch ganz nett. Man spricht uns die tollsten Fähigkeiten zu, man hat Kataloge vollgeschrieben mit unseren Möglichkeiten und trotzdem bleibt das nie so ausgesprochen, ohne dass ein Seufzer folgt.

Ja! Wir haben Angst vor dem Ja-Wort. Wir benutzen es oft und setzen auch gerne Schritte auf von uns bisher unberührte Schneeflächen, aber nicht ohne uns mit einer Hand am Geländer festzuhalten. Nicht ohne uns noch einmal umzusehen. Nicht ohne zu gucken, wo das andere Ufer ist. Nicht ohne zu gucken, ob die Batterien aufgeladen sind. Nicht einfach so und ohne die Möglichkeit umzudrehen. Wir haben diese Notausgangsschilder nicht nur im Zimmer hängen, nein, wir haben sie lieben gelernt. Und in der Hosentasche das Portemonaie mit den Visitenkarten, das Handy mit den Nummern, den Kalender mit den Bekundungen, das Zuhause mit den Dateien. Wir klammern uns rigoros an kleine feine Daten und radieren gleichzeitig die Nummern raus, denn an Nummern zählt man ab und Finger hat man nur zehn und was macht man dann bei elf? (Das ist uns unheimlich.)

Wir kennen all die Ängste. Wir kennen auch die Praxen der Therapeuten. Wir kennen die Abbrüche und Neuanfänge, aber wir tun so, als gehöre das dazu, als sei das nichts wildes, als würden wir es nicht anders kennen, ständig und immer wieder die Richtung zu wechseln und auch noch stolz darauf zu sein. Und doch ist das keine Entschuldigung. Denn eigentlich war es ja doch nie leichter als jetzt, konsequent zu sein. Geradlinig. Sicher.

Aber all der Mut, den wir angeblich haben, all der Elan und rausgebrüllte Unabhängigkeit, all das fließt in diese beschissenen Nebensächlichkeiten, in das Tuning der Ausstattung unserer Identitäten anstatt einfach mal in die Sache selbst. Denn die wenigsten von uns benutzen ihren Mut im Alltag. Die meisten rennen damit weg. Und treffen Entscheidung nach Entscheidung holterdipolter ohne über die einzelne wirklich einmal nachzudenken. Man kann ja immer wieder zurück. Das glauben wir zumindest. Und halten das kleine Zettelchen mit den Fakten eingepackt in der Faust. Das wollen wir alles, das das das und nicht weniger. Hin und wieder lassen wir uns diese Randbedingungen sogar tätowieren. Man weiß ja nie. Aber man soll ja immer wissen, was man will.

Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Februar 2007 um genau 17:26
Kategorie : Wir | 5 Kommentare

 Das wahre Leben

Die Mutter schläft mit ihrem Kunstfreund, der Vater eiert irgendwo zwischen schlechtem Gewissen und Unwissenheit, dem einen Sohn ist langweilig, der andere hat sein eigenes Leben in die Tasche gesteckt und kann ganz gut damit umgehen. Und bei die Nachbarn, bei denen ist zehnmal schlimmer…

Und während dieser ganzen Alltagstyranneien saß ich in meinem Kinosessel und musste immer ganz fasziniert auf Hannah Herzsprungs Oberlippe gucken, die sich so nett kräuselt, wenn sie diese Stimmung des alkoholisierten Ekels gepaart mit totaler Einsamkeit und Sehnsucht spielt, die Lippe, die sie dann immer so nach oben zieht und die mich an das Mädchen erinnert, mit dem ich vor ein paar Jahren mal in den Rosenhöfen Fotos gemacht habe und das diese Narben hat und das auch immer genauso schaute, wenn es die Orientierung verloren hatte. Den Kopf winkelte es leicht an, dieser stand ein bisschen schief, die Augen flirrten und dann eben noch diese Oberlippe. Wir hatten diese alte neue Kamera dabei, der Hof war gerade frisch saniert und wir noch haargefärbt, später sahen wir uns die Bilder dann an und erkannten uns kaum wieder. Jetzt ist das so, wenn wir uns zufällig in irgendwelchen Clubs treffen. Sie tanzt dann und trinkt und vielleicht kommt sie mal ein zwei Sekunden vorbei und lacht dann dreckig und laut und wenn es dann später wird und der Morgen vor der Tür steht, lehnt sie manchmal an der Bar oder an der Schulter von irgendeinem Typen und ich sehe, wie ihre Oberlippe zuckt. Dann wird sie müde und kommt ein bisschen runter und schafft es nicht mehr so ganz, den Kopf gerade zu halten. Sie ist dann wieder das Mädchen aus den Rosenhöfen und ich drücke ihr einen Kuss auf die zerlöcherte Stirn und eigentlich warte ich darauf, dass sie mal an einem Rücken lehnt, der das aushält.

Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Februar 2007 um genau 11:54
Kategorie : Filme | 3 Kommentare

 Bohrer im Ohr

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Gibt es eine hinreichende Erklärung dafür, warum Bauarbeiter um viertel nach sieben am Montagmorgen beginnen, den Putz des Nachbarhauses mit Bohrmaschinen oder sonstigem Gerät abzuklöppeln? Warum von viertel nach sieben bis meistens genau zu der Uhrzeit, zu der man dann wirklich aufstehen muss? Warum sitzen sie dann lustig grinsend und völlig unbeschäftigt auf dem Bürgersteig herum? Warum machen sie erst dann die stillen Arbeiten?

Gerne wird ja auch samstags um zehn nach sieben angefangen. Is man schneller fertig, was?!
Die Frage dabei ist ja außerdem, was macht man dann, wenn das eigene Zimmer vibriert, die Nachbarin dazu noch ihre Bummsmusik auspackt, weil sie von den Bohrern wohl auch was mitbekommen hat, außer schlecht gelaunt aufzustehen, immer wieder mit bösen Blicken den Balkon zu taxieren, auf den man sich ja eigentlich stellen und rumbrüllen könnte, das dann aber doch wieder zu lassen, in die Küche zu schlurfen, Kaffee zu machen, die Zeitung zu holen und dann mit dem Blick in den Hof den Tag herbei zu beten, an dem dieser bescheuerte Putz endgültig Geschichte ist.

Zusatzfrage: Sind diese Planen an den Gerüsten dazu da, dass die Bauarbeiter nicht nass werden, falls es mal regnet, oder damit keine Steine auf die Autos bzw. Fußgänger fallen?

Liz hat es verfasst, und zwar am 26. Februar 2007 um genau 11:31
Kategorie : Berlin, Fragen | 3 Kommentare

 Abduktion

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Ich hatte vergessen, wo wir waren. Aber ich habe mich heute wieder daran erinnert. An all die großen Dinge, an all die endlosen Diskussionen und jedes kleine Haar, das du dir ausgezupft hast, wenn wir zu keiner Entscheidung kamen. Ich wusste zwischen den Pfützen auf der Straße und all den Kapuzen wieder, wie sich deine Stirn in Falten legte und du die Tür zugeworfen hast, weil du dann immer an die Luft musstest, wenn es eng wurde und nah. Du hast wirklich daran geglaubt, dass sich die Dinge dann von alleine wieder in Form legen, und wenn du gegangen bist, habe ich danach immer am Fenster gestanden und dich noch bis zur Ecke gehen sehen. Dann habe ich das Telefon neben meinen Kopf gelegt und gewusst, du rufst nicht an. Und weil du wusstest, dass ich warte, hast du es erst recht nicht getan. Das war dir zu gruselig, Erwartungen und Erfüllungen, Kämpfe und Berührung dort, wo es weh tut. Das war dir nichts und deswegen bist du immer mit ausgestrecktem Arm gelaufen und am Anfang fand ich das seltsam, du hast so komisch ausgesehen, mit geschwellter Brust und dem Kopf immer gerade. Selbst an den frühen Morgen, wenn wir zerzaust und warm nebeneinander lagen, war da immer dieser Arm. Selbst im Schlaf war da immer dieser Arm, immer dieses nervöse Zucken, immer dieser eine Zentimeter dazwischen. Selbst dann.

Und die kleinen Kinder stapften in Gummistiefeln durch die Pfützen und standen hin und wieder bis zu den Knien darin und mir fiel ein, dass wir waren. Ich wusste nicht, wo, aber plötzlich hatte ich wieder dieses Gefühl in der Hand. Ich habe dich verabscheut für diesen Abstand und ich habe dich geliebt für die Zeit, in der du ihn vergessen hattest. Ich habe dich lange geliebt für drei vier Sekunden. Akkurat hast du all diese Bewegungen ausgeführt, einsame Spitze und immer durchgestreckt. Und heute erschrak ich, als mir bei dem Blick ins Schaufenster ein Mädchen gegenüber stand, das einen Arm von sich streckte. Gerade und genau. In einem Mantel, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, den Schal bis zur Nase, die Stirn noch müde. Ihr Kreuz war durchgestreckt, neben den Augen kleine Furchen, wach aber zurückgenommen. Die Knöpfe hatte sie alle geschlossen, die Türen verriegelt, bevor sie ging. Sie sah aus wie du. Und den Arm so, dass ihr niemand zu nah kommt. Immer so.

Dabei hatte ich vergessen, wo wir waren. Und abends wenn ich nicht einschlafen kann, verbinde ich die blauen Flecken zwischen Handgelenk und Ellbogen mit einem Kugelschreiber zu Monstern und Tieren und Sternbildern. Manchmal zu Gesichtern.

Liz hat es verfasst, und zwar am 25. Februar 2007 um genau 18:52
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare

 We still wait for something to happen

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Und als Thees Uhlmann gestern im Babylon Kino am Rosa-Luxemburg-Platz neben Markus Kavka saß, sein fünfzehntes Glas Rotwein kippte und bei einem Text über Prokrastination aus Herrn Kavkas neuem Kolumnen-Buch aufschrie: “Du bist mein Macker! Die Krankheit hab ich hoch zwei!“, da lachten alle, aber wurden auch schnell wieder stumm.

Und mir fiel auch plötzlich wieder ein, auf und vor allem wie Schuppen von den Augen, wie wichtig Entscheidungen sind. Und diese zu artikulieren. Und wie strukturiert und durchsichtiger diese ganzen Geschichten wären, wenn man sie mal aussprechen und klarstellen würde. Wenn man nicht immer so vor sich hin machen und leben und tun und erledigen und rumliegen und schreiben und hoffen und wünschen und verstecken und andeuten würde, sondern sich einfach offenbaren. Und dann machen und los.

Eigentlich hat man ja nichts zu verlieren. Außer der einen kleinen Hoffnung, dass man mal nichts sagen muss und trotzdem alles ok ist und dabei noch unglaublich gut und auf Augenhöhe.

Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Februar 2007 um genau 19:44
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare

 Beuteltier

Im Osten war man damals der King, wenn man coole Tüten aus dem Westen hatte. Ich hab gestern auch eine coole Tüte aus dem Westen bekommen zur Genesung und gefüllt mit Obst und Milchreis. Ich weiß nicht, ob die Identifikation über Tüten heute immer noch so offensichtlich ausgetragen wird, aber ich hab gestern beim Anblick des Beutels sofort an MC Winkel und St.Burnster denken müssen.

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Liz hat es verfasst, und zwar am 23. Februar 2007 um genau 13:42
Kategorie : Fundstücke | 4 Kommentare

 Vokuhila oder Pudel

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Meine Haare und ich verstehen uns ganz gut. Ab und an nerven sie, meistens morgens, aber wir haben eben auch schon schwierige Zeiten miteinander durchgestanden und waren uns dabei eigentlich nie wirklich spinnefeind. Anders geht es da meiner besseren Hälfte Frau Lindemann. Sie und ihre Haare können nicht so richtig miteinander. Schlimmer noch: Ihre Haare und Friseurgeschäfte können nicht miteinander.

Mit Freude betritt Frau Lindemann jedes Mal solche Geschäfte, schaut mit großen, blauen Augen in der Weltgeschichte herum, wackelt im Scheren-Klapper-Takt mit den bestiefelten Füßen und hibbelt herum, dass es eine Freude ist. Dies ist jedoch meist vorbei, sobald sie beumhangt auf diesen drehbaren Rollstühlen vor einem Spiegel sitzt und jemand neben ihr die Schere zückt. Räkelte sie sich vorher noch bei einer Kopfmassage zufrieden schnaufend unter den flinken Händen des Frisörs, schaut sie ihn jetzt an, als hätte er eine ansteckende Krankheit. Frau Lindemann ist skeptisch geworden. Nicht ohne Grund.

Da war es also gestern wieder soweit. Frau Lindemann scharwenzelte so durch die große Stadt und ging vergnügt ihres Weges in einen Friseurladen. Die erste Skepsiswelle überrollte sie, als sie sah, dass der Stuhl, auf den sie sich zu setzen hatte, extrem weit vom Spiegel entfernt war. Frau Lindemann ist jedoch unerschrocken und bestellt erst einmal: „Ja also, die Länge bitte beibehalten, vorne etwas kürzer und den Pony auch ein bisschen kürzer. Sonst nicht so viel abschneiden. Die sollen wachsen!“. Es nahte jedoch die zweite Welle, als die gute Frau Dienstleisterin am Hinterkopf begann zu schneiden. Frau Lindemann meint, das ist kein gutes Zeichen: „Das zwingt den halbblinden Kunden noch mehr, Vertrauen in eine wildfremde Person mit geschätzten 100 Scheren stecken zu müssen. Man ist hilflos!“ So hilflos saß sie also und sah ihren Haaren beim Herunterfallen zu. Man darf jedoch nicht vergessen zu erwähnen, dass Frau Lindemann noch folgendes zum Besten gab: „Vielleicht sind die Haare etwas zu dick und ich fühle mich wie mit Hundeohren“. Frau Haarschneidemaschine meinte dann nur: „Ja, ich verstehe. Ich schneide es dir auch ein bisschen weicher, damit sie runder fallen, ok?” - “Ok“, sagt Frau Lindemann und überlässt sich den Händen der Dame… Und nun der Text einer Kurzmitteilung, die mich kurz nach Verlassen des oben erwähnten Etablissements erreichte: „Ich stürze mich gleich vom Balkon. Vokuhila oder Pudel, was ist schlimmer? Ich bin es.

Ist sie nicht. Weiß jeder, sieht jeder. Aber die eigene Wahrnehmung ist ja doch eine andere und meistens die wichtigste. Jedenfalls macht sie sich in diesen Sekunden auf, um sich zu beschweren. Wir wünschen Ihr alles erdenklich Gute. Und der Friseurfrau wünsche ich, dass sie die Mütze, die sie nach Angaben Frau Lindemanns über ihren kurzen Haaren trug, in die Hand nehmen und rennen kann.

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Foto: Thomas Kastning, Portugal 2006
Model: Frau Lindemann mit Mütze

Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Februar 2007 um genau 13:37
Kategorie : Zeug | 0 Kommentare

 Reh:Wind

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Schönbrunn lag still an diesem Tag. Leere Äste wankten im Wind, hin und wieder wurden sie braun. Hellbraun rotbraun. Am Himmel waren die Farben nicht mehr zu unterscheiden und die Wolken immer nur erkennbar, wenn die Sonne von dagegen schien und die Kanten schärfte, nochmal nachlegte, um im Sommer richtig gut drauf zu sein und unerbittlich. Laub lag auf allen Wegen, hierher kommt niemand von der Müllabfuhr. Und der alte Herr zog seinen Hut zurecht. Er hatte einen weißen Bart und trug die Kleider in den Farben der Bäume. Er ging bergauf und kam mir entgegen. Als er schon fast an mir vorbei war, nickte er. Beinahe unbemerkt.

Und der Teich lag still an diesem Tag. Ein paar Enten schlugen mit den Flügeln auf und ab, ein paar Spatzen suchten, was die alten Frauen vergessen hatten, und arbeiteten damit fleißig an den kleinen fedrigen Kugeln. Ich trug keine Tarnfarben, aber sie bemerkten mich nicht. Den Wald im Nacken, die Amseln und Meisen. Und dann kam die Sonne raus. Die Silhouette der Stadt waberte und flirrte wie immer, die Bäume davor standen Arm in Arm wie Gitterstäbe. Von Konstanten kann man hier nicht sprechen, von langen Linien nicht und auch nicht von Geraden. Die Häuser hingen verquer im Bild, die Autos surrten irgendwo im Hintergrund. Aber Schönbrunn bewegte sich nicht an diesem Tag. Ich glaube, ich sah zwei Augen durch all diese Äste. Durch all das Gestrüpp.

Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Februar 2007 um genau 18:27
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare

 

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Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Februar 2007 um genau 21:46
Kategorie : Blicke | 2 Kommentare

 Dort am Wald

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Plötzlich stehen da zwei Namen auf dem Stein, den ich schon seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen habe. Das letzte Mal war es nur einer. Und ich traue mich kaum hinzusehen. Blicke stattdessen auf die kleine Kapelle, auf den Waldrand, auf all die fremden Namen aus diesem Ort. Die nähere Umgebung liegt still, keine Stimmen, keine Menschen auf der Straße, hin und wieder ein Auto. Und eine alte Frau winkt, als wir an ihrem Haus vorbeifahren. Ihre Ohrringe glitzern, ihr Haar ist weiß wie der See.

Als ich mich wieder einmal verabschieden will, kommt eine Frau und harkt, als ginge es um ihr Leben. Der Mann wartet im Wagen, ich gehe. An ihnen vorbei durch die leeren Straßen, an der Kirche vorbei, Geschäfte stehen leer, Fensterläden lösen Einblicke ab. Und sie hat Hyazinthen vor der Tür. Die große Tanne gibt es nicht mehr, die Schaukel schon. Drinnen ist es dunkel, das Namensschild ist noch dasselbe. Sie ist jetzt allein. Als Kind kam mir der Garten immer viel größer vor, viel wilder. Die Jahre gehen, die Menschen und man stellt Zäune auf.

Auf die Schokolade in dem Café am See haben sie echte Sahne getan. Wir waren nie an diesem Strand, immer am Steg, von dem aus man die Massen von weitem sah. Kein Geräusch, nur das leise Plätschern wie jetzt. Hier stehen Bierkrüge von ´74 auf dem Fensterbrett. Es dämmert. Und ich gehe die Wege zurück. Jetzt verwirren sie mich, früher kannte ich jede Ecke. Da war es noch nicht erlaubt, hier zu bauen. Es stehen jetzt zwei Namen auf dem Stein. Ich sollte ihr schreiben.

Die roten Tulpen stelle ich zu den gelben. Zupfe hier und da ein paar Blätter aus dem Grün. Bei dem T hat der Steinmetz einen Querstrich vergessen. Unter ich warte unter dem Baum, bis es wieder geht.

Liz hat es verfasst, und zwar am 17. Februar 2007 um genau 19:46
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare


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