Never is a guarantee

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Wir haben einen Arm breit Platz. Es könnte auch ein Schritt sein. Vielleicht auch ein auf die Bank gelegtes Knie. Wie wenn man auf der Seite sitzt und ein Bein noch den Boden berührt (so muss das ja sein) und das andere auf der Sitzfläche liegt und man den Fuß unter das Bodenbein geklemmt hat. Dann liegt der eine Arm auf der Lehne und der andere weiß ja auch nie, wohin. Und dann schaut man sich an und bewusst wird einem dann, wie viel dazwischen liegt. Ein Arm breit. Oder ein Schritt. Es könnte auch ein Atem sein.

Die Schichten der Getränke in den Gläsern sind ganz gut erkennbar, wenn das Licht reicht und sie es noch nicht gedimmt haben, so wie sie es seltsamerweise immer tun, wenn das Licht draußen auch schwächer wird. Vielleicht fühlt man sich sonst geblendet und deswegen drehen sie es runter, es soll ja niemanden erschrecken. Wer will das schon? Wer will das schon…Erst weiß ganz unten, ganz weiß und rein und dick und du sagst, du könntest dir diese Flüssigkeit aus der Tube direkt in den Mund drücken. Ich stochere mit meinem Löffel in dem kleinen Glas und schaue dem Espresso zu, wie er sich wehrt gegen das süße, dicke, weiße Nass. Es zieht mir den Hals zusammen. Er kann nichts dafür, er kann nicht und am Ende wird das Nass hellbraun und tropft mir langsam vom Löffel. Da ist kein Arm Platz zwischen den beiden, die sind dann eins und hellbraun und ich weiß wieder nicht, wohin mit dem Arm, wenn ich den Löffel ablege. Rühren ist immer eine gute Idee, aber was kommt danach, was kommt?

Es schüttelt mich beim Schlucken und du lachst und ich rühre und es ist kein Schritt mehr, ein halber vielleicht zwischen uns. Und würden wir beide am Ufer stehen, ich weiß das, mit dem Wind in den Haaren, dann wären die Frisuren egal und wir würden dort einfach immer wieder stehen wollen, einfach nur stehen und man würde es uns übel nehmen. Vielleicht wären es sogar zwei Schritte dann zwischen uns, aber das wäre den anderen egal, das könnte man nicht vorschieben. Sie wissen ja selbst, dass das am Meer immer was anderes ist. Dass man uns uns wirklich übel nehmen könnte, macht den Schritt noch ein bisschen größer. Wir führen Linien ein und Abstandhalter und reden von der Zukunft, als gäbe es darin kein Wir, so muss das sein, so macht man das, das geht ganz gut so. Es schüttelt mich beim Schlucken und du hast aufgehört zu lachen und guckst leer in die Lampen, die gedimmt leuchten und das Licht in kleinen Portionen auf der Wand verteilen. Ich habe gekleckert, du siehst es nicht und ich drehe die Untertasse um und lege sie über den Fleck. Du hältst es für Schwachsinn, mir ist es egal, was soll ich auch sagen, was soll ich? Man muss das nicht messen. Es ist auch egal.

Und wir rutschen auf der Bank herum und die Köpfe werden ganz rot vom Reden und mittlerweile sind irgendwie alle gegangen. Die Musik wird auch ganz melancholisch, das fällt einem immer nur dann auf, wenn keiner mehr spricht und dann versucht man, einen Witz drüber zu machen und grinst und weil es anfangs überhaupt nicht witzig ist, ist es das am Ende umso mehr. Und ich bin froh und ich könnte dich umarmen, aber es ist ja ein Arm breit Platz zwischen uns und dieses Beugen sieht immer so blöd aus. Dieses Herankommen nur für eine Berührung. Wenn man das nicht vorher darf, dann darf man das dann auch nicht, sonst fühlt es sich nicht gut an, wenn man wieder wegrutscht. Deswegen lassen wir das mit den überschwänglichen Bewegungen einfach und ich konzentriere mich auf das Rühren und Löffeln und muss immer wieder lachen, weil es so absurd ist. Es könnte auch ein Schritt sein. Ein Steinwurf. Ein Lachen. Am Ende ist es nur noch ein Löffel, das ist doch absurd, das ist doch nur ein Löffel. Während das Licht leise die Flecken auf den Tischen sichtbar macht, verlassen wir den Laden, die Köpfe kühlen ab, es ist alles wie immer, ist es. Ein Arm breit.

Liz hat es verfasst, und zwar am 17. Januar 2007 um genau 20:26
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare

 Böe

Da kommt was in den nächsten Tagen. Und Winter danach. Sturm- und Orkantiefs vom Atlantik sollen gegen Donnerstag und Freitag über Deutschland (”Ja, auch im Flachland - das ist sonst eher ungewöhnlich - wird es ungemütlich!“) hinweg sausen. Und nach den großen Winden soll es Schnee geben am Montag oder Dienstag und “Dauerfrost, sie wissen schon, DAUERFROST!“.

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Man solle die Dinge, die nicht niet- und nagelfest sind, in Sicherheit bringen. Man solle aufpassen und die Winterreifen - wenn nicht schon längst geschehen - rausholen. Ja, da könnten eine Menge Dinge kaputtgehen, sagen sie im Radio und man hört, dass sie grinsen dabei. Ich nehme also all meine Zweifel und Unsicherheiten, den ganzen Müll aus den letzten Jahren, die beschissenen Momente, die Fehler, den Unmut und die Reinfälle - und stelle den ganzen Kram auf dem Balkon ab. Lehne ihn nah ans Geländer zwischen die Stelen, damit ihn das Wetter mitnimmt. Soll doch auf die Straße fliegen, was hier nicht hingehört. Und die Schreiben der Autos zerschlagen, auf´s Pflaster knallen und vom Gerüst nebenan flattern. Sollen sie doch wehen, all die Fahnen und Taschentücher, all die Bettlaken und Fönfrisuren.

Nimm das doch alles mit und bitte alles und alles restlos. Und mach es so, dass ihnen die Münder offen stehenbleiben dabei und ihre Augen großwerden und sei laut dabei und unglaublich nah. Ich will, dass meine Fenster wackeln und sich die Bäume biegen und ich will mich dazustellen und danach nichts mehr wissen, wenn ich bis auf die Schuhsohlen nass durch die Pfützen gehe und über die Trümmer. Da wächst Gras drüber und so, sagt man doch immer.

Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Januar 2007 um genau 18:14
Kategorie : Berlin | 1 Kommentare

 Artsi Fartsi

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Automatenclub Berlin Alexanderplatz. In der Nacht von Samstag auf Sonntag. Wörtlich zitiert.

Person A:
„Ich war mal in einem Raum, äh. Also da gab es zwei Nischen. Eine war mit so gelben und roten Neonröhren ausgekleidet und die andere mit blauen. Wenn du in die gelb-rote kamst, wurde dir richtig richtig warm. Und in dem Blau war es arschkalt. Das war gar kein Temperaturunterschied, das war einfach nur vom Licht.“

Person B:
„Das ist aber Farbe!“

Person A:
„Naja, das war dann auch Neonröhreninstallationskunstscheiß… aber es hat nicht geblinkt. Aber im Prinzip weiß ich nicht, was ich damit sagen wollte.“

Person C:
„Dass diese Kunstscheiße hin und wieder vielleicht auch körperliche Auswirkungen hat?“

Person B:
„Ja, aber das war ja dann Farbscheiße und nicht unbedingt Lichtscheiße, obwohl´s Lichtscheiß war in dem Moment. Und weil ich gerade Lichtscheiße verteufelt habe, wollte er mir nur sagen, dass man das natürlich wie alles ja nicht pauschalisieren kann.“

Person A:
„Oh! …. Das wollte ich sagen!“

Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Januar 2007 um genau 22:47
Kategorie : Berlin | 4 Kommentare

 Sagoberättare

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Die roten Wimpel am Ende der Markise über unseren Köpfen flattertem im Wind. Es pfiff und die Stadt rauschte, auf der Straße fuhren unaufhörlich Autos vorbei, meine Knie lagen in der Sonne und wenn es noch ein bisschen wärmer gewesen wäre, hätte fast Sommer sein können. Während ich mich fragte, warum wir nicht bei all den anderen oder bei oder bei mir waren, lärmte es aus den Fenstern der umliegenden Häuser. Das war kein Tor gewesen, aber vielleicht kurz davor. Plötzlich hast du mich angesehen und gesagt:

Pass auf. Es gibt so viele Sachen, von denen ich weiß, dass sie großartig wären mit dir zusammen. Zum Beispiel mit dem Auto nach Italien zu fahren oder ans Meer, fernzusehen und sich zu betrinken, mit dir tanzen zu gehen oder einfach nur im Wald spazieren, zu kochen, rumzuliegen, zu flüstern oder zu schlafen. Und wenn ich jetzt mit dir allein fernsehen würde, dann wäre das der Anfang von alledem und ich kenne mich, ich würde sofort all die anderen Dinge auch noch mit dir tun wollen. Und es würde anfangen, mich zu verwirren und mich unsicher zu machen. Und weißt du, man kann auch nicht einfach nur fernsehen, das ist ja gerade. Man kann dabei nicht in zwei verschiedenen Ecken sitzen. Oder wir können das nicht. Du müsstest dabei in meinem Arm liegen. Du müsstest den Kopf auf meiner Brust haben. Ich müsste deinen Atem hören und du meinen. Und wenn ich lache, müsste dir das Bild verwackeln und wenn du lachst, würde ich mich freuen. Und wenn du Durst hast, würde ich etwas zu trinken holen sofort und du müsstest mir danach erklären, was passiert ist und du dürftest dir dabei nicht die Namen der Spieler merken, nur die Nummern und du würdest etwas verwechseln und ich würde wieder lachen und dir würde das Bild verwackeln. Und deswegen würde ich dann auch sofort an all die anderen Sachen denken, die ich mit dir machen wollen würde, denn es wäre bestimmt großartig mit dir fernzusehen und die anderen Dinge wären wahrscheinlich noch viel großartiger und deswegen kann ich nicht einfach mit dir fernsehen jetzt, denn das wäre ein Anfang. Ich kenne mich. Und ich würde damit beginnen, mich emotional hysterisch zu verhalten und würde dir furchtbar auf die Nerven gehen und wir könnten nicht mehr ruhig schlafen und die anderen würden nicht mehr ruhig schlafen und ruhig schlafen ist wichtig und deswegen kann ich einfach nicht mit dir fernsehen“.

Du hast dir mit der Hand über den Bart, über das Kinn, über die Schläfen gestrichen und einen Schluck Wasser aus dem Glas getrunken. Ich schaute auf die roten Wimpel, ich konnte dich nicht ansehen in dem Moment, alles flatterte und du sagstest:

Weißt du jetzt, warum wir uns weiterhin in Cafés treffen müssen? Weil wir uns noch in ein paar Jahren so nah sein werden und das will ich behalten und es nicht versauen. Weil es doch gut ist, dass es so etwas gibt und dass man die Möglichkeit hat das zu behalten. Auch die Aufregung, meine ich. Denn das ist ja immer alles furchtbar aufregend, wenn wir uns treffen. Und das will ich nicht verlieren. Genau deswegen müssen hier Leute um uns rum sein. Damit ich nicht damit beginne, Sachen zu tun, die mich verwirren würden. Es ist also gut, dass man uns zuhört, dass man uns beobachtet und wir nicht einfach spazieren gehen dort, wo keine Leute sind.

Die roten Wimpel am Ende der Markise beruhigten sich für einen Moment. Der Kellner brachte uns den Kaffee und ich traute mich kaum zu atmen. Was sagt man jemandem, der gerade erst selbst soviel gesagt hat? Du spieltest an deiner Uhr herum, nahmst wieder einen Schluck, verbranntest dir die Lippen. Der Kellner wischte den Tisch nebenan ab und ich wusste gar nicht, was ich tun sollte, ich wollte trotzdem noch mit dir Fußball schauen. Der Wind zerzauste uns das Haar. Es war der heißeste Sommer seit langem.

Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Januar 2007 um genau 17:56
Kategorie : Berlin, Wir | 5 Kommentare

 Bildung von H3O+-Ionen in Wasser

Bald wird es noch leichter, unverbindlich zu sein. Wenn die Welt über solche Telefone kommuniziert, wie das Unternehmen Apfel es im Juni auf den amerikanischen Markt schmeißen will. Internet überall, Breitbandschießmichtot und immer die Möglichkeit, in der letzten Sekunde abzusagen. Man macht dann keine Verabredungen mehr aus, wozu sich noch festlegen, wenn man doch jeweils fünf Minuten vorher entscheiden kann, ob man nun Lust drauf hat oder nicht und die Alternativen dazu in der Hosentasche parat liegen? Warum dann noch im Voraus planen, wenn sich die Zukunft so dermaßen auflöst, dass sich ihre Weite nicht absehen und das Jetzt komplett verzerren lässt, dass man nicht mehr weiß, wo man eben noch war und sich der nächste Schritt in zig Richtungen setzen lassen könnte. Die eigene Entscheidung bekommt Sekundenstärke und büßt Durchhaltevermögen ein. Wer Angst hat, kann ja mal eben noch umbuchen. Wem der Bock fehlt, der dreht sich einfach um.

Den jetzigen Handys sei das Obsttelefon um mehrere Jahre voraus, sagt man mir. „Weiß ich doch“, denke ich, „aber will ich das?“ Die Person am anderen Ende meint, dass man ja auch einfach mal zuhause klingeln könnte, wenn man in der Gegend sei, das sei doch auch prima. Für den Besuchten eine spontane Freude, für den Besuch sehr bequem. Genau, bequem. So haben wir´s doch gern. Wozu sich noch anmelden oder ankündigen, wozu noch Pläne schmieden und Kalender basteln? Optimierungswahn nennen es die einen, Egoismus die anderen. Weil dazu ein bisschen Zuverlässigkeit gehört, sich hinzusetzen und zu gucken, was wie passt und ob das dem anderen auch genehm ist. Und Kompromissfähigkeit. Und die könnte sich mal eben reichlich einfach verabschieden bei soviel Non-Stop-Verfügbarkeit und Spontanangebot. Das Telefon wird sich rasanter verkaufen als das weiße Musikabspielgerät zu seiner Hochzeit, prognostiziert Herr Jordan. Was wohl aber auch nicht an den Fähigkeiten sondern einzig und allein an der Marke liegen kann. Trotzdem wird mir schon jetzt ganz schwindelig.

Als ich klein war, hatten wir eine Rolle mit weißem Papier an der Wohnungstür hängen. An einer Strippe daneben baumelte ein Bleistift und jeder, der spontan vorbeikam ohne uns anzutreffen, konnte eine Nachricht hinterlassen. Telefonate waren Luxus und wurden eh abgehört. Aber wir hatten fast jeden Tag etwas zu lesen beim Heimkommen. Ost-E-Mail. Auch ohne Tasten. Wie das neue Telefon mit dem Apfel drauf. Da hat schon jemand reingebissen. Sauer?

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. Januar 2007 um genau 23:55
Kategorie : Fragen | 6 Kommentare

 Immer mehr, immer.

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Wenn du zu Meer wirst, weil das Meer nicht zu dir kommt. Wenn du dich auflöst und die Konturen verwischen und das Rauschen in deinem Kopf zu einem Laut wirst, den du nicht mehr wahrnimmst. Weil man das eigene Atmen auch nicht mehr wahrnimmt bis zu dem Punkt, an dem man Schnupfen bekommt. Wenn du rennst und rennst und läufst und noch ein Stück weiter, damit es wie Salz schmeckt. Wenn du dich anstrengst und vorantreibst, damit es aussieht wie Fahrtwind und Brise. Und wenn es dir auf die Füße tropft und du erschrickst, weil man ja doch nicht rechnet damit, wenn man träumt, aufzuwachen. Wenn du die Leinen losmachst und ganz erschüttert bist von dem Schaukeln und dass man nicht einfach so wieder zurückpaddeln kann. Das geht schneller, als man denkt, ich hab es dir gesagt. Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt, sag nicht. Nichts. Damit du hörst, wenn sich was in der Tiefe regt. Du darfst nicht aufhören zu lauschen, nicht.

Wenn du zu Meer wirst, weil das Meer nicht zu dir kommt. Pass auf, wohin die Blasen gehen, wohin.

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Januar 2007 um genau 22:52
Kategorie : Wir | 0 Kommentare

 Kap

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Wir haben an deiner Schulter gesessen und ich wusste wieder, wie es war, als noch nicht hunderte Eltern daneben standen, wenn ich Burgen baute und Kastanienmännchen zusammensuchte. Wir sind über deine Füße gegangen und ich wusste wieder, wie groß die Blätter waren, die ich von dir gesucht und mit nach Hause genommen habe, um sie im Frühling zerkrümelt zwischen Buchseiten wiederzufinden. Wir tranken Kaffee auf deinem Bauch und ich kenne den Blick noch aus dem fünften Stock, wenn du mir tief in die Augen gesehen hast. Ich hab meinen Kopf dann immer an das Glas gelehnt, wenn er mir schwer wurde. Die Füße auf dem Fensterbrett und im Rücken wusste ich die große Wand mit den Büchern, da ging nichts kaputt, da fiel nichts herunter. Und jetzt sitzen wir und mein Gegenüber schwärmt mit strahlenden Augen von dir und will dir nah sein für immer und ich sitze da und lache und weiß, ich kenne dich gut. Und dass du mir nicht verloren gehst. Und dass es schön wäre, euch zusammen zu sehen. Dann würden wir beide uns vielleicht wieder öfter über den Weg laufen, Arkonaplatz.

Du mit deinen Kindern und Bäumen und der roten Schule. Du mit deinen vollgestellten Parkplätzen und horrenden Flohmarktpreisen. Du mit deiner schlechten Pommesbude und dem Schweizer Barmann. Du mit deinen Pflastersteinen und Straßensperrungen. Du mit deinen riesigen Pfützen und Autoreifen. Du mit deinen Fensterbildern und sanierten Hauseingängen. Du mit deinem Getränkemarkt und den Bänken in der Sonne. Du mit deinen unerschütterlichen Wundheilungskräften und dem lauten Pfeifen in der Nacht. Du gehst hier nicht weg. Du nicht. Und ich komme wieder, versprochen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 5. Januar 2007 um genau 19:59
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare

 Toyen

Da ist es wieder. Das Ereignis im Film, das sagt, es kann jeden Tag passieren, dass jemand ankommt und sagt: “Hej, du bist cool. Ich will Geld machen mit dir!” und du stehst dann da und denkst: “Ja hej, wirklich cool. Das kommt mir total gelegen. Wer bist du eigentlich?“. Und da ist auch eine charmantere und nebenbei noch norwegische Variante einer abgespeckten Truman Show, die man sich ansieht und am Ende froh ist, einfach nur ganz normal zu sein.

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“Buddy” ist die Geschichte von Kristoffer (Nicolai Cleve Broch). Dieser klebt den ganzen Tag Plakate an Oslos Hauswände. In Latzhosen fahren er und sein guter Freund Geir (Aksel Hennie) in einem kleinen Lieferwagen herum, langweilen sich, machen Schwachsinn und führen nebenbei ein Videotagebuch. Nachdem Geir aus dem Fenster einer Fernsehproduktionsfirma in einen Container voller Matratzen gesprungen ist, Kristoffer jedoch vor den Sicherheitsbeamten davonrennen muss, verliert dieser ein paar seiner Tapes in dem Gebäude. Und wie es das Schicksal im Film so will, fallen die Bänder natürlich den Produzenten in die Hände und die finden die so spitze, dass sie Kristoffer, Geir und den dritten Mitbewohner Stig Inge zum Teil einer bekannten Talkshow machen. So werden sie in kürzester Zeit berühmt und ganz Oslo weiß plötzlich von Stig Inges manischer Angst, sein Viertel zu verlassen. Ebenso flimmert über die Bildschirme des ganzen Landes, dass Geir Vater eines Jungen ist, den er noch nie getroffen hat.

Und da stehen diese hageren, angenehm normal verpeilten Jungs plötzlich vor dem Dilemma ihrer Gedankenlosigkeit. “Wooohaaa, Fernsehen, da sind wir dabei!” jubelten sie anfangs. Nach und nach fallen ihnen aber die Konsequenzen dieser Entscheidungen auf den Kopf. Dass es dabei natürlich noch eine Liebesgeschichte gibt (in der eine ziemlich gut aussehende Frau eine Rolle spielt), muss man kaum erwähnen. Dass sich die Jungs in all dem Durcheinander, das diese Show in ihr vorher so vor sich hin getröpfeltes Leben bringen, dann doch ziemlich erwachsen und loyal verhalten, wäre weniger zu erwarten gewesen. In “Buddy” kann man ihnen beim Erwachsenwerden zuschauen. Und das beruhigt.

Und macht mir dazu wieder Sehnsucht nach dem Norden, während ich seit ein paar Wochen schon immer und immer wieder Clueso summe: “Ich komm nie mehr, ich bin in Chicago. Irgendwo, wo mich keiner kennt“. Wenn Sie aufmerksam waren, werden Sie bemerken, wir kennen dieses Thema schon. Und da ich in diesem Jahr zum ersten Mal wirkliche Vorsätze habe und auch ganz gut dabei bin in diesen ersten zwei Tagen, sie einzuhalten, wird es ein paar weitere Schritte geben. Manchmal komme mir ein bisschen vor wie Stig Inge. Und ich sage bewußt “manchmal” und “ein bisschen”. (Nur um Kommentaren vorzubeugen, die sagen: “Hey, mach das mal. Is voll gut und so für dich“. Es gibt immer mehr Gründe, die einen hier halten. Und die sind nicht einmal nur emotional.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 3. Januar 2007 um genau 12:30
Kategorie : Filme | 7 Kommentare

 Casimir Pulaski Day

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Ich lief die Straße hinunter. Den Rücken zur untergehenden Sonne gedreht. An den Enden meiner Hosen fuselten die Fäden über meine Schuhe. Unauffällig wich ich den letzten Resten dieser großen Feierei aus und dann kam das Lied und manchmal wird einem einfach klar wird, dass der Moment alles ist, was du hast. Und ich hörte den Wind nicht mehr, weil die Trompeten so laut waren. Und ich hörte die Autos nicht mehr, weil er sang. Und ich hörte meine Schritte nicht mehr, nur noch das Herz. Und die Haare wehten mir verquer und verstrubbelt über mein noch rotes Gesicht und die Kopfhörer saßen schief und man hat ja sonst nix außer diesen paar Träumen in der Faust. Und an mir torkelte einer vorbei, der war so blass, dass er fast grün war. Und ein dicker Junge, der so dick war, dass er fast nichts mehr sah. Und eine Frau, die sich anscheinend in das Schaufenster des Krimibuchladens verliebt hatte.

Und der Moment war gut und ich weiß, dass es einer von denen war, über die man später mal singen kann, wenn einem sonst nichts einfällt und die normale Tragik zu ausgelutscht ist, um einen Song durchzuhalten. Ich wusste, dass mein Gesicht rot war vom Laufen. Ich wusste, dass der Wind schuld war an den nassen Augen. Aber die anderen wussten das nicht und schauten so mitleidig und mir blieb der Triumph es besser zu wissen.

Man ist nie nah genug dran. Und man ist nie weit genug weg.

Liz hat es verfasst, und zwar am 2. Januar 2007 um genau 15:54
Kategorie : Moi | 1 Kommentare

 Tattoo

Silvester ist und bleibt überflüssig.

Liz hat es verfasst, und zwar am 1. Januar 2007 um genau 18:23
Kategorie : Blicke | 8 Kommentare


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