Bildung von H3O+-Ionen in Wasser

Bald wird es noch leichter, unverbindlich zu sein. Wenn die Welt über solche Telefone kommuniziert, wie das Unternehmen Apfel es im Juni auf den amerikanischen Markt schmeißen will. Internet überall, Breitbandschießmichtot und immer die Möglichkeit, in der letzten Sekunde abzusagen. Man macht dann keine Verabredungen mehr aus, wozu sich noch festlegen, wenn man doch jeweils fünf Minuten vorher entscheiden kann, ob man nun Lust drauf hat oder nicht und die Alternativen dazu in der Hosentasche parat liegen? Warum dann noch im Voraus planen, wenn sich die Zukunft so dermaßen auflöst, dass sich ihre Weite nicht absehen und das Jetzt komplett verzerren lässt, dass man nicht mehr weiß, wo man eben noch war und sich der nächste Schritt in zig Richtungen setzen lassen könnte. Die eigene Entscheidung bekommt Sekundenstärke und büßt Durchhaltevermögen ein. Wer Angst hat, kann ja mal eben noch umbuchen. Wem der Bock fehlt, der dreht sich einfach um.

Den jetzigen Handys sei das Obsttelefon um mehrere Jahre voraus, sagt man mir. „Weiß ich doch“, denke ich, „aber will ich das?“ Die Person am anderen Ende meint, dass man ja auch einfach mal zuhause klingeln könnte, wenn man in der Gegend sei, das sei doch auch prima. Für den Besuchten eine spontane Freude, für den Besuch sehr bequem. Genau, bequem. So haben wir´s doch gern. Wozu sich noch anmelden oder ankündigen, wozu noch Pläne schmieden und Kalender basteln? Optimierungswahn nennen es die einen, Egoismus die anderen. Weil dazu ein bisschen Zuverlässigkeit gehört, sich hinzusetzen und zu gucken, was wie passt und ob das dem anderen auch genehm ist. Und Kompromissfähigkeit. Und die könnte sich mal eben reichlich einfach verabschieden bei soviel Non-Stop-Verfügbarkeit und Spontanangebot. Das Telefon wird sich rasanter verkaufen als das weiße Musikabspielgerät zu seiner Hochzeit, prognostiziert Herr Jordan. Was wohl aber auch nicht an den Fähigkeiten sondern einzig und allein an der Marke liegen kann. Trotzdem wird mir schon jetzt ganz schwindelig.

Als ich klein war, hatten wir eine Rolle mit weißem Papier an der Wohnungstür hängen. An einer Strippe daneben baumelte ein Bleistift und jeder, der spontan vorbeikam ohne uns anzutreffen, konnte eine Nachricht hinterlassen. Telefonate waren Luxus und wurden eh abgehört. Aber wir hatten fast jeden Tag etwas zu lesen beim Heimkommen. Ost-E-Mail. Auch ohne Tasten. Wie das neue Telefon mit dem Apfel drauf. Da hat schon jemand reingebissen. Sauer?

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. Januar 2007 um genau 23:55
Kategorie : Fragen | 6 Kommentare


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