Steh gerade. Wenigstens jetzt.

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Ich habe ein paar Menschen ein paar Dinge versprochen im letzten Jahr. Mit dem einen fange ich immer wieder an, jedes Jahr neu. Jeden ersten Januar noch einmal. Dass ich ihn nie vergesse, verspreche ich. Und halte mich ganz gut dabei. Einem anderen habe ich versprochen, dass ich mich wieder an seine Stimme erinnere. Und ich arbeite daran. Mir selbst habe ich versprochen, öfter auf den Friedhof zu gehen. Und mich davor gedrückt. Obwohl man die Versprechen, die man sich selbst gibt, vielleicht gerade halten sollte. Jedoch hat man hier die Konsequenzen im Griff, dann wird man schludriger mitunter und die Verdrängung steht im gleichen Raum mit dem Versprechen, sodass man keine Türen knallen hört, sich nicht erschreckt. Man kennt die Macken der eigenen Empfindungen.

Und Dir habe ich an unserem Anfang eine Widmung versprochen, weil ich wusste, das wird was. Jetzt neigt sich alles dem Ende zu, die Köpfe werden gesenkt, die Menschen halten für ein paar Minuten nochmal kurz ihre Guschen, bevor sie damit beginnen, hektisch leere Worte in dummen Phrasen in ihre Mobiltelefone zu hämmern, weil sie meinen, damit ein bisschen von ihrer Schuld loszuwerden. Und weil ich weiß, dass ich dich dann eh nicht mehr erreiche, dass du dann schon fort bist und eh nicht zu der Sorte gehörst, die sich noch einmal umdreht, sage ich schon mal, was ich noch sagen will, was du irgendwie noch wissen musst, bevor du endgültig gehst.

Am Tag 1 dachte ich, du bleibst nicht lang. Ich dachte, alles wird schon so seinen Gang gehen. Ich dachte, ich habe es bis hierher geschafft, da macht es keinen Unterschied, ob du da bist oder nicht, ob du mitgehst oder nicht, ob du was sagst oder eben nicht. Dir in die Augen zu schauen, habe ich vermieden und mich ganz gut gemacht dabei. Hin und wieder bist du mir durch die damals noch kurzen Haare gefahren und ich hörte, wie du lachst. Leise in dich hinein. “Sei nicht so naiv“, hast du gesagt und ich habe den Kopf geschüttelt und weiter nur auf meine eigenen Schuhe gestarrt.
Tag 2 war kalt. Du hast am ganzen Körper gezittert und mit dir der Boden unter meinen Füßen. Ich habe dich zum ersten Mal berührt, gehofft, dass das was hilft. Aber eher dir als mir. Gebracht hat es letztendlich nichts. “Sei nicht so naiv“. Ich wusste nicht, dass du lügst. Aber ich wusste, dass irgendetwas nicht stimmte mit diesem Satz. Und tanzte mich ein bisschen bewußtlos in den Nächten, in denen du geschlafen hast, um dich auszuruhen für den nächsten Tag, denn du wolltest wettern und wüten.
In der Nacht zu Tag 3 fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen. Dass du dich ein bisschen vertan hattest in der Einfachheit deiner Erklärung, deiner Art dich hinzustellen und eine Behauptung aufzustellen und dann zu hoffen, dass ich das glaube. Denn du warst neu hier und wenn einer neu ist und sich ein bisschen aufspielt, dann glaubt man ihm hin und wieder. Und wenn man ihm nicht glaubt, dann hört man ihm aber trotzdem zu. Das hat dir schon genügt. Ich habe gehofft, du hast das nur verwechselt.
Am 4. Tag haben wir versucht uns zusammen zu raufen, doch noch Freunde zu werden, wir beide. Wir haben uns eingeschlossen, ich habe dich auf Berge gezerrt, damit du siehst, was ich kann, damit du siehst, was es noch gibt. Aber es hat nicht gereicht und dann haben wir nur noch versucht uns miteinander abzufinden. Bis dahin wusste ich noch nichts von deiner Augenfarbe.
Ich bin umgefallen an Tag 5 und vor Schreck hast du mich geküsst und ich traute mich nicht, die Augen zu öffnen, aber gut war es doch und notwendig und wir haben beide ein bisschen geweint durch die Wimpern hindurch und ohne uns anzuschauen, aber wir wussten, dass das genügen würde. Wenigstens für die restlichen Tage. Und du hast mir Menschen vorgestellt, die ich wohl mein Leben lang nicht vergessen werde.
Schau, was ich kann“, hast du gebrüllt an Tag 6 und alle eingeladen und ein riesiges Fest draus gemacht und mir war ganz schwindelig, du machtest mich betrunken und ich ließ mich fallen. Am Ende sagte man mir: “Ein bisschen zu weit vielleicht, ein bisschen zu weit.
Aber ich habe dann gesehen, was mich noch erwartet und wir haben zusammen ein bisschen gejubelt am siebten Tag. Und ich habe wohl dann von dir soviel gelernt wie noch nie. Was es heißt zu überwinden, wie man die Finger entkrampfen muss, um wirklich loszulassen. Und ich hab dich angeschaut, kurz bevor du sagtest, dass du schon wieder weißt, wann du fährst. Ich fand dich wirklich schön nach all dieser Zeit.
Du hast mir ein blaues Auge geschlagen, ich habe dir die Haare einzeln ausgezupft, du hast dich gerächt und ich hab so getan, als würde ich es nicht merken, als wäre es mir egal. Das war am achten Tag. An Tag Nummer 9 sind wir schon wieder Hand in Hand gelaufen über die Straßen in Mitte und Prenzlauer Berg und noch einmal durch die Parks und ich habe dir aufgezählt, wann du wie scheiße warst und du hast mir für jedes Wort ein neues Eis gekauft. Und ich habe mir dann die Faust ganz in den Mund gesteckt, du hast laut gelacht und ich mich verschluckt.
Am zehnten Tag gratuliertest du mir. Vom Balkon aus hast du gewunken, ich hab dich kaum noch gesehen. Weil ich dachte, das muss doch auch allein gehen, es kann doch nicht sein, dass du lachst, wenn ich noch huste. Es kann doch nicht sein. Am elften Tag hast du aufgehört. Dich vor mir hingekniet. Mich um Verzeihung gebeten. Mich in den Arm genommen. Schritt für Schritt bin ich den Punkten auf der Anleitung gefolgt, ich hab´s mir nicht leicht gemacht und du hast mich gelockt und als es vorbei war, lief mir der Schweiß in Strömen von der Stirn. Aber es ging. Es ging wirklich.

Und jetzt fährst du. Und ich werde nie vergessen, wie du meiner Überwindung noch einmal auf den Rücken geklopft hast und gesagt, sie solle geradestehen. Und dann hast du mich angesehen und mir ist nichts mehr eingefallen. “Du bist nicht gut in Abschieden“, hast du für mich gesagt. Das Nicken hat gereicht. Ich weiß, dass dein Zug erst morgen fährt, aber diese Bahnhöfe sind nichts für uns und auch diese Menschenmassen nicht. Dass wir in aller Stille und heute schon Tschüss sagen, muss wahrscheinlich so sein. Ein Auf Wiedersehen wäre ja auch gelogen. Wir haben aufgehört damit. Es ist jetzt endgültig vorbei. Und wenn du sagst, dass du hin und wieder nach mir schauen wirst, dann werfe ich dir das nicht vor. Wir wissen ja beide, dass das nicht stimmt, das ist schon ok so. Deine Tage sind gezählt. Ich hätte nicht gedacht, dass wir beide uns am Ende noch versöhnen.

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Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Dezember 2006 um genau 22:18
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 Jetzt ein Jahr später

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In Wintern kann man gut davon schreiben, wie man mit dem Auto irgendwo hinfährt, um nicht dort sein zu müssen, wo man herkommt. Im Winter beschlagen die Scheiben, diese Metaphern gehen fast immer. Und meistens legt sich auch Nebel über die Felder, die dann an dir vorbeirasen und du kannst nicht halten und dich hineinstellen und verschlucken lassen, du kannst du kurz schauen und dann kommt auch schon das nächste Waldstück, die nächste Ausfahrt und die Menschen haben einen anderen Dialekt. Wenn es kalt ist, sind die Geschichten aus den Städten meist romantisch, weil kalte Hände immer gehen, weil die Lichter früher angezündet werden und das Dunkel schneller kommt. Weil es immer noch ein bisschen grausamer ist, wenn man in der Kälte wartet, als wenn einem der Schweiß von der Stirn läuft. Da kann man dann von einem Bein auf´s andere wanken, man kann sich in die Handschuhhände hauchen und die kurze Wärme erst dann bemerken, wenn sie schon fast wieder weg ist.

In einer Wintergeschichte haben wir uns in der Mitte dieses pompösen Platzes getroffen. An den Feiertagen wuseln Hunderte mit Sonnenbrillen und Fotoapparaten da herum und der Rasen ist so grün, dass er nicht mehr grüner werden kann und alle halten sich die Hände vor die Gesichter, weil das Licht so gleißend ist. Wir sind ins Auto gestiegen, der Nebel hatte sich schon verzogen und sind in diesen kleinen Ort gefahren, in dem jedes zweite Haus zu verkaufen ist, in dem nur alte Leute durch die Gassen schlendern und schuckeln, die sich eingehakt haben. Und wir liefen einfach nur nebeneinander her und sagten nichts, uns beiden war kalt, ich hab das gesehen. Als wir am Ufer dieses kleinen Sees standen, umarmte ein paar Meter weiter ein Kind einen Baum und ein paar Wollfäden seiner Mütze blieben in der rauhen Rinde hängen und nach einer kurzen innigen Umarmung schrie und zeterte es, es wütete und stampfte und heulte am Ende. So schnell kann das gehen, halt dich nicht fest. Halt mich fest, halt mich fest.

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Die Spitzen unserer Schuhe waren nass, als es zu dämmern begann. Der Nebel kam zurück, wir waren die ganze Zeit gelaufen, die Straßen blieben leer und die Geschäfte geschlossen. Ich habe aufgehört, meinen Füßen nachzufühlen. Ich habe aufgehört dich anzusehen. Wir haben uns ein paar Witze erzählt; die an die wir uns noch erinnern konnten, waren nicht die besten. Aber wir haben gelacht. Aus Höflichkeit und weil wir es nicht besser wussten. Du wolltest noch in die Kirche, nur für einen Moment. Und mir war ganz seltsam zumute dabei, ich habe dich noch nie auf so einer Holzbank sitzen sehen, dein Kopf war so selten gesenkt und dann immer nur, wenn er nach einer langen Nacht auf meinem Bauch lag, als das Haar dir strähnig ins Gesicht fiel; du hast schwer geatmet. Ich horchte, ich lauschte, aber hörte kein Geräusch von dir. Die Augen geschlossen, die Hände am Rande der Holzbank, alles in dir ruhte, du ruhtest in allem und ich wollte gehen. Beim Hinausgehen erwischte ich den Stapel Notenblätter, der auf einem kleinen Tisch neben der Tür lag zusammen mit ein paar Bibeln und Gesangsbüchern. Eins flog mir hinterher bis vor die Tür und nach einer halben Stunde, die ich da draußen wartete auf der Treppe im Eingang eines kleinen Hauses, lag es immer noch da und bist fast drauf getreten. Die Handschuhe ragten die aus den Jackentaschen, “Komm, wir gehen” sagtest du, während der Zettel von dir sorgfältig zusammengefaltet und in die Hosentasche gesteckt wurde.

Du hast den Arm um mich gelegt, bis wir wieder beim Auto waren. Wir fuhren langsam über die kleinen Landstraßen, durch die kleinen Dörfer, die so dunkel dalagen, dass man sich fragte, ob es da überhaupt Menschen gibt. Erst als wir wieder auf der Autobahn waren, hast du gesagt: “Mach dir keine Sorgen. Das muss so sein. Das wird immer so sein, dass wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Das sind die Menschen, die man nicht vergisst, bei denen man nervös ist. Bei denen man solche Angst hat, dass es schiefgeht, dass es schiefgehen muss. Weil man bei jeder Geste überlegt. Weil man immer denkt, man könnte dem anderen zuviel, zuwenig oder vielleicht auch genug sein. Aber weil man immer denkt und fühlt gleichzeitig, funktioniert das nicht. Das sind die Menschen, an die man sich erinnert, die man nicht loslassen kann. Und die einen nicht gehen lassen.”

Jetzt ein Jahr später haben wir uns getroffen in der großen Stadt im Gewusel des Weihnachtstamtams, wir haben es gemacht, wie sie es alle tun, uns auf Brücken gestellt, uns in Ecken verzogen und die Lichter in den Augen des anderen spiegeln sehen und gedacht, dass das in Filmen bestimmt gut kommt, wenn man das in Nahaufnahme zeigt. Und dann sind wir in die Zionskirche gegangen und du bist durch den kleinen Gang an der Seite hoch zur Orgel geklettert. Ich habe mich hingesetzt, da war sonst niemand. Und dann hast du gespielt, es klang wie ausgeschnitten und lag schwer auf meinen Schultern. Mir lief ein Schauer über den Rücken, als es plötzlich vorbei war. Von oben flog ein Notenblatt hinunter und landete ein paar Reihen vor mir. Im Flug sah man, jemand hatte es sorgfältig gefaltet.

Ich weiß nicht, wie lange ich da noch saß. Es war immer noch dunkel draußen, aber die Straßen viel leerer. Den Zettel habe ich zwischen den Holzbänken vergessen, irgendwie war es auch egal. Ich dachte immer, du behältst sowas ja auch nicht.

Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Dezember 2006 um genau 14:54
Kategorie : Wir | 6 Kommentare

 030-24122006

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Seit einer Stunde sollten wir uns vielleicht alle selbst in den Arm fallen. Uns an uns selbst anlehnen. Uns selbst die starke Schulter sein. Uns selbst die Hände halten. Mitunter falten. Vielleicht sollten wir seit einer Stunde die Glühweintasse umklammern und mal wirklich in uns gehen. Vielleicht sitzen wir ja seit einer Stunde und lassen Revue passieren und kommen kaum hinterher, weil wir uns ja eigentlich wehren gegen diesen 24er-Zwang, nachdenklich zu werden, und können kaum glauben, dass wir es doch sind. Vielleicht denken wir aneinander in unseren Küchen, in denen die Boiler allein vor sich hin blubbern und die hellen Teelichte immer weniger werden. Vielleicht drücken wir im Kollektiv seit einer Stunde die schnellen Lieder weg und erschrecken mitunter, wenn wir im Augenwinkel als Titel des aktuellen Liedes lesen: Ziel verfehlt. Es könnte sein, dass im Haus gegenüber auch jemand Tassen spült und sich kaum traut zu atmen, weil das erste Mal seit langem dieses Gefühl zurückkommt.

„Die Zeit vergeht mittlerweile wie im Flug und früher saßen wir noch da und haben unsere Eltern ausgelacht, wenn die sich wunderten, dass schon wieder ein Jahr rum ist.“

Und vielleicht haben noch mehr vor einer Stunde zufällig auf die Uhr geschaut und konnten es kaum glauben, weil es so gut funktioniert, wenn man über Jahrhunderte weg Tagen einen Namen gibt und Traditionen pflegt. Es funktioniert so gut, dass man es hin und wieder kaum glauben kann, wie einem dieser Schauer über den Rücken läuft, weil man merkt, dass man erwachsen wird. Vielleicht haben noch mehr Leute all ihre Fehler zum Tee eingeladen, um einander mal wieder wirklich in die Augen zu sehen und sich mitten ins Gesicht zu sagen, was einem am anderen nicht gefällt und warum man so selten miteinander spricht, aber doch nie voneinander loskommt. Vielleicht holen noch mehr seit der letzten Stunde Fotos aus dem Schrank und schauen Bild für Bild einer Vergangenheit ins Gesicht, die größer kaum sein könnte. Weil sie ja alles ist, was man hat und ist, wenn man das Jetzt abzieht.

„Plötzlich verändern die Dinge dein ganzes Leben, während früher zwar Sachen passiert sind, aber doch immer irgendwie nicht ganz so wichtig waren, als dass sie dich total aus der Bahn werfen konnten. Mittlerweile ist fast jeder Tag irgendwie bedeutend. Sowas kann einem doch nur Angst machen.“

Seit einer Stunde verzähle ich mich immer und immer wieder beim Versuch, den Lichtern der Kette an der Wand eine Zahl zuzuordnen. Lichtjahre. Entfernungsparameter bei der Berechnung der Strecke zu sich selbst und all dem, was passiert ist. Oder Millimeter.

Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Dezember 2006 um genau 2:14
Kategorie : Wir | 1 Kommentare

 Leihnacht

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Die Städte halten selten, was sie versprechen, darum verlassen wir sie. So wie die Frauen es mit den Männern tun und die Männer mit den Frauen, wenn sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, weil der andere nicht so ist, wie sie sich ihn erträumt und zurecht geschnipselt hatten. Wir verlassen also diese Stadt, wie man das so macht, das Autoradio ist kaputt und es brummt und surrt nur, während die Straßenränder leerer und die Blicke weiter werden. Die Zeit vergeht und wir haben aufgehört zu zählen, auch diese kleinen weißen Streifen nicht mehr, die mittlerweile wie Adern durch unser Blickfeld ziehen. Und der Himmel wird von Ausfahrt zu Ausfahrt dunkler.

Wir trinken nicht, wir essen nicht, wie man das eben so macht, wenn man enttäuscht ist, und wir merken es nicht einmal. Die Bedürfnisse sind andere, größere. Es geht hier nicht um einen Hunger, den man schnell stillen könnte. Das ist kein Durst, der ausgelöscht ist mit ein paar Schlucken. Was vor uns liegt, ist die ganze Welt, und wir haben keine Ahnung, sondern fahren unablässig die Kratzer auf der Scheibe nach und malen wirre Linien in die Beschlagenheit. Ob ich meine, dass da Rehe sind, fragst du mich und ich erschrecke fast, weil wir seit über zwei Stunden fahren und wir haben kein Wort gesprochen und dabei nicht einmal was verpasst.

“Ich weiß nicht, ob da Rehe sind”, sage ich, als das Meer vor uns liegt und du Steine hineinwirfst von diesen schmalen Wellenbrechern aus, auf denen im Sommer immer Muscheln liegen, die Frauen aus dem Meer geholt, aber nicht mit nach Hause genommen haben. Und du stehst still und gerade wie eine Möwe, die ihren Schnabel in den eisigen Wind hält ein paar Meter weiter. Ein paar Punkte auf der Linie sind Schiffe am Horizont. Ein paar Bäume weiter schleicht ein Fuchs um seinen Uferbau. Wir halten auch nie, was wir uns versprechen, fällt mir ein, als wir wieder nebeneinander im Bett liegen und uns nicht aus den Augen lassen.

Einer wird immer wieder gehen. Damit er wieder zurückkommen kann. Und stell dir vor, du bist ein Reh und eines nachts ist die Straße weg, an der du eigentlich immer auf die Lichter wartest. Und manchmal schon fast gestorben wärst.

Liz hat es verfasst, und zwar am 23. Dezember 2006 um genau 14:33
Kategorie : Wir | 2 Kommentare

 If you ever feel better, don´t call.

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Ich habe euch ständig um mich herum, höre euch euren Senf dazu geben, auch mal was sagen, etwas hinzufügen, noch etwas nicht unter den Tisch fallen lassen wollen, dies noch einmal betonen und jenes für wichtig befinden. Ihr palavert, quasselt, schnattert, brüllt, zickt, murrt und seiert und vor allem: wiederholt euch am laufenden Band. Es tönt und stöhnt und luftbläst an allen Ecken und Enden, in Bahnen und Straßen, dass ich es fast nicht mehr ertrage. Und so sehr ich manchmal schreien mag, dass ihr doch mal bitte euren Mund schließen, eure Kugelschreiber beiseite legen, eure Finger ruhig halten und einfach mal innehalten solltet, so einfach erscheint mir auch plötzlich der Plan, es zu genießen.

Lasst es raus, schreibt es auf, schreit es raus, sagt nochmal und ja, macht das bei mir. Ich hab Platz, ich hab Bauch, ich hab Ohr und Zeit. Ich kann Schultern tätscheln und nett lächeln, ich kann so tun, als ginge mir das wirklich nah und würde es mich auch im Ernst interessieren. Ich finde es total cool, mitten in der Nacht aufzustehen und Tee zu kochen. Ich habe geübt, mit offenen Augen zu schlafen, mein Bett ist warm und weich und meine Tür immer offen, mein Balkon zeigt einen herzerwärmenden Blick auf den Sonnenuntergangshimmel und meine Wärmflasche ist flauschig bauchig trallallalla. Ich kann Perspektiven aufzeigen und die Fäden entwirren, bei mir kannst du telefonieren und ich fang dich auf. Natürlich mache ich das gern, es ist meine Lieblingsbeschäftigung und vor allem dann genieße ich es, wenn ihr euch danach nicht einmal mehr umdreht. Wenn ihr leicht und völlig schwerelos aus dem Fenster flattert und ich es mir in euren Sünden und Sorgen bequem machen kann. Vertraut es mir an, ich kann es halten.

Aber es ist mir wirklich am liebsten, wenn ihr danach nicht noch einmal anruft. Das ist am schönsten so, wenn man denjenigen dann nicht mehr wiedersieht, dem man auf die Beine geholfen, den Rücken gestärkt und die Wimpern vom Hemd gezupft hat. Was hätte man sich denn dann noch zu sagen?

Liz hat es verfasst, und zwar am 19. Dezember 2006 um genau 21:51
Kategorie : Blicke | 7 Kommentare

 Fröhlicher Christmist.

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Sie haben den ganzen Tag nichts zu lachen gehabt? Und Sie wollten schon lange wissen, was sich Deutschland eigentlich zu Weihnachten wünscht? Dann schauen sie doch mal auf die Amazon-Geschenktipp-Listen. Da wird Ihnen gezeigt, was Frau wirklich will und wonach sich Mann schon seit Monaten sehnt. Der Knaller…!

Ich bin eine Frau. Und ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, dass mir auch nur ein Mensch auf dieser Welt solchen einen Mist schenken könnte, wie dort hin und wieder empfohlen wird. Man empfiehlt tragbare Mini-MP3-Player in Pink und Körpereinsatz-Computerspiele. Michelle-, Christina Stürmer- und Pur CDs stehen fast in derselben Reihe wie die Kooks oder Mando Diao, Rosenstolz neben Helmut Lotti. Und Sarah Connor fällt fast in die Charmed-Schatztruhe (42 DVDs, wer braucht die nicht?). Navigationsgeräte und Kuschelkätzchen (ähm hallo?) braucht die Frau von heute wahrscheinlich genauso dringend wie das “Liebe ist”-Puzzle mit 700 Teilen und Blümchenbesteck. Das goldene Handy macht sich prima unter dem Weihnachtsbaum neben dem Gesichtsbräuner und der Pretty-Woman-Jubiläums-Edition. Diese kleinen dummen Schafe, die dämliche Sprüche machen und immer gucken, als hätten sie sich gerade eingepullert, gibt es auch auf allen erdenklichen Materialien und “Mein Pferdehof” für den Rechner darf natürlich nicht fehlen. Gartenratgeber rocken ja auch nur, wenn man sich vorher brav epiliert und das Resthaar geglättet hat. Am Abend dann noch ein bisschen “Einsatz in 4 Wänden” am Computer spielen und dann aus Angst vor Tine Wittler auf das Nordic-Walking-Fitnessgerät.

Mein Mund steht offen. Vielleicht sollte ich mir den Robbie-Williams-Kalender bestellen und hoffen, dass ich auch ja den rosa Fitnesscomputer bekomme, der die gleiche Farbe hat wie der Tischlicht-Cube. Was auch immer das ist.

Liz hat es verfasst, und zwar am 14. Dezember 2006 um genau 23:06
Kategorie : Blicke | 4 Kommentare

 Maul jetzt.

Sie machen mich wahnsinnig. Ich tigere und lausche, springe und sprinte in meinem Zimmer umher, in einen dicken Schal und zig Jacken gewickelt, der Kopf ist rot und die Füße bestrumpft, das Nachtschränkchen voll mit Medizin, alles konnte ruhig und entspannt der Gesundheit entgegen und von statten gehen. Wären da nicht diese Nachbarn..

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Ich weiß ja nicht einmal, wer es ist. Ob oben, unten oder im Nebenhaus. Ich weiß, dass es die Frau mit Hund nicht ist, denn die klingt greller, schriller und näher dran. Das hier ist ein ständiges Fernsehgebrabbel, das klingt, als stünde ein kleiner Apparat in einem leeren, mit Metall ausgekleideten Raum, auf volle Pulle gedreht und ohne auch nur einen geringsten Dämmwiderstand in der Nähe. Man kommt sich so beknackt vor, wenn man mitten in der Nacht aufwacht, Fieberkopf, Taschentuch, Wasserflasche und dann ist es da wieder: das Geräusch. Dieses permanente, nicht unleise Labern, dazwischen das Plingpling der Werbeblöcke, kurze Stille und dann das geifernde Ziiing, wenn etwas Spannendes in einem Film passiert. Meine Ohren wollen kotzen. Und Ruhe.

Vielleicht breche ich mir ja den Hals, wenn ich -mich vom Balkon reckend- zu eroieren versuche, welche Fenster des nachts bzw. in aller Herrgottsfrühe noch beleuchtet sind. Vielleicht breche ich mir auch die Beine, wenn ich mich dann doch mal traue, die Treppe hinunter zu watscheln in meinen Puschen, auch auf die Gefahr hin, dass es gar nicht von unten kommt, weil man in diesen Altbauen an jeder Wand horchen kann und alles ist gleich laut. Das Geräusch und Brummen kommt von allen Wänden so scheint es. Außer von der Nachbarin mit Hund. Die hat sich wahrscheinlich wieder ins Koma gesoffen. Dann wenigstens heute kein Linkin Park oder Toni Braxton.

Das ist schlimmer als ein tropfender Wasserhahn, ein tickender Wecker, Kopfsteinpflaster und kopulierende Nachbarn zusammen. Vielleicht breche ich mir einfach gleich die Ohren. Ich hab es ja schon immer gewusst: Fernsehen macht doof.

Liz hat es verfasst, und zwar am 13. Dezember 2006 um genau 21:37
Kategorie : Berlin | 10 Kommentare

 Wer hat Angst?

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Ich glaube, das Manolo ist das neue St. Oberholz. Beim Betreten strahlen einem ungelogen 8 Äpfel entgegen. Man muss nicht einmal suchen, sondern nur den normalen Weg zur Theke auch mit den Augen beschreiten. Es leuchtet auf Grau und Weiß, dahinter sieht man meist nur ein Augenpaar, ein bisschen erhellt, ein wenig flackernd. Daneben meist Handy, Kippen und Kaffee. Mit Rundrücken und wahrscheinlich irgendwann Arthrose in den Handgelenken sitzen sie da und tippen und lesen oder gucken einfach nur herum, während vor ihnen der Rechner seinen Mittagsschlaf hält. Und ich frage mich: “Traut man sich mit anderen Rechnern nicht aus dem Haus oder haben nur Apple-Benutzer kein Internet daheim?“.

Wenn diese Leben so prekär sind, warum haben sie dann alle die Kohle für ein solches Gerät und fünf Kaffee an einem Tag? Wenn diese Leben so prekär sind, warum grinst und gurkt es dann so durch diese Cafés, dass es wahrlich eine Freude ist, ihnen zuzuschauen, diesen gestylten Jacketheinis, diesen Rockmädchen mit Rüschen im Gesicht, diesen oft unglaublich schönen Gesichtern mit den Ponys in der Stirn?

Ich dachte immer, prekär sieht anders aus. Aber vielleicht geht es da um ein Gesicht, das man hochhalten muss. Wie so oft. “Apple und Kaffee. Dafür morgen nicht warm essen.” Sollte man sich jetzt eventuell erst recht mit einem PC dort platzieren? Als Mini-Revolution mit einem Schild um den Hals: “Ihr seid nicht die Einzigen auf der Welt!”? Oder werde ich eventuell verprügelt, wenn ich mich mit meinem Gerät in so ein Café setze und Orangensaft trinke? Das Risiko gehe ich nicht ein, mein Internet bleibt da, wo es hingehört: zuhause. Sonst hätte ich ja auch gar keinen Blick mehr für diese Gestalten und ihre Spleens. Würden die wenigstens mal aufschreiben, was sie da die ganze Zeit erleben.. Aber nein, es wird nur geklickt und geguckt, geschlürft und geschmatzt und am Ende das Gerät abgestaubt und wieder nach Hause getragen. Hochproduktiv. Genau. Ihr mich auch.

(Und sie sitzen ja auch immer allein.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 11. Dezember 2006 um genau 18:22
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 Mein Herz fällt in dein Gesicht

Als wir gestern abend da am Rand der Tanzfläche standen, beide ein Kaltgetränk in der Hand, da erzählte Paul von dieser Simpsons-Folge, in der Homer und Flanders aus Versehen zwei Frauen in Las Vegas heiraten. Beide waren keine Schönheiten, habe ich mir sagen lassen. Wenn die Frau von Flanders morgens aufstand, habe man noch ihren Gesichtsabdruck im Kissen gesehen, meinte Paul und trank sein Bier.

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Als ich heute morgen aufstand, ins Bad schlappte und in den Spiegel sah, bot sich mir ein umgedrehtes Bild. Man weiß bekanntlich nicht, wie man schläft, weil man ja schläft. In mein Auge jedoch hatte sich das Kissen mit einer solchen Leidenschaft gedrückt, dass ich aussah wie der Böse aus dem neuen Bond, dessen Augenlid durch eine Narbe zweigeteilt wird. Ich hoffe, dieses Zeichen der unglaublichen Liebe, die mein Bett und ich füreinander empfinden, verschwindet im Laufe des Tages. Über einen Knutschfleck kann man einen Schal wickeln oder ein Pflaster kleben. Eine Augenklappe habe ich nicht. Aber vielleicht ist es auch, wie meine Mutter sagen würde: “Da muss Luft ran!

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. Dezember 2006 um genau 14:22
Kategorie : Blicke | 7 Kommentare

 Wie Sonntag um dich

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Macht man das nicht so? Man geht zu einer Filmpremiere und dann schreibt man darüber. Vielleicht sogar mit dem Kugelschreiber, den man auf einem dieser Stehtischchen gefunden hat, an denen man wartet, dass sich die Meute in Bewegung setzt, denn man geht ja nicht als Erste da in diesen Kinosaal, sondern wartet und hält sich an den vielen Sektgläschen fest, die sich einem immer wieder vor die Nase gestellt werden. Ich war also bei “Peer Gynt“, die Prominenz war auch bestellt und es sprudelte an allen Ecken und Enden. Ich war noch nicht oft auf solchen Festivitäten, ich werde mitunter etwas verlegen, weil ich nie weiß, ob der- oder diejenige, die ich da gerade anschaue, irgendwas wichtiges zu tun hat oder irgendjemand ist, den man kennen sollte, und man will ja nie starren oder auffallen. Es funktioniert ganz gut, wenn man so tut, als gehöre man dazu. Nur ein bisschen, nur ganz wenig. Wenn man den Blick eben nicht senkt oder mit großer Entschuldigung beiseite geht, sobald sich jemand nähert. Wenn man es hinbekommt, den Blick wach und offen zu halten, aber nie lange genug in anderen Augen, um jemanden zu erkennen, dann kann man sich ganz gut durch die Menge mogeln und herumstehen ohne sich seltsam deplatziert zu fühlen. Vielleicht ist das aber auch eh alles egal, wenn man zwanzig Mal auf Premieren, Feiern, Galen und anderen Schmonz gegangen ist, sich mit Küsschen begrüßt und nicht mehr darüber nachdenken muss, wie man einen guten Sitzplatz, das nächste Getränk oder einfach nur das Klo findet.

Die Reihennummer habe ich mir nicht gemerkt, wir saßen recht weit vorn. Zwei Reihen davor der Hauptdarsteller Stadlober. Und während ich darüber nachdachte, ob es sich da auf seinem Hinterkopf eventuell etwas lichtet, hielt der Produzent Siegfried E. Kamml eine Rede. Und die Seltsamkeit setzte sich fort, denn dieser Mensch schwankte vom einen Bein auf´s andere, er redete und redete, bedankte sich und ich wurde das Gefühl nicht los, dass diese Rede einfach keine gute war. Und es schien, als wolle er den anwesenden Journalist(inn)en ei bisschen das Denken abnehmen, als er am Ende noch ein paar den Film beschreibende Worte wie “poetisch” und “nachdenklich” in die Runde warf. “Lassen Sie ihren Gedanken freien Lauf“, wirkt einfach blöd als Aufforderung vor einem Film. Macht man eh. Und natürlich nahm ich das nicht wirklich ernst, fragte mich aber doch, ob ihm nichts besseres eingefallen ist, was er über seinen eigenen Film hätte sagen können.

Peer Gynt ist ein Lügner. Peer Gynt schliddert und wankt und stampft dabei immer nochmal ein bisschen mit dem Fuß auf, er reißt den Mund auf und brüllt und setzt sich Kronen auf, die es nicht gibt. Peer Gynt lebt im Märchen. Männer mit großen Worten finden Frauen toll. Erst recht, wenn sie noch ein bisschen nach Junge und Kindheit, nach Traum und Überschwang schmecken. Es geht um Seelenheil und Selbstsuche, um Du und Ich und Liebe und Lüge und Betrug, um Zickzack und Verwirklichung. Und um das eigene Zuhause.

Gedreht wurde auf Usedom und mit dieser Insel kann man nicht viel falsch machen. Ebensowenig wie mit Nahaufnahmen, mit gut und versteckt geschminkter Haut, mit Bilder von Feld und Meer, mit Schiffswracks und durch und durch schönen Menschen. Das ist die sichere Seite des Films, auf die man sich von der ersten Sekunde an verlassen kann. Das sieht schön aus, das fühlt sich gut an und klingt auch angenehm. Wind und Wasser, summende Bienen und fliegende Röcke. An Haut und Haare geht es erst, wenn man es hinbekommt, sich von dieser konsequenten Ästhetik nicht ablenken zu lassen. Natürlich unterstreicht die Musik und Ibsens Text allein reicht ja schon, da braucht es nicht einmal Bilder dazu, denn “Es ist wie Sonntag um dich herum” kann man sagen, ohne dass man dazu ein Gesicht braucht, das zwinkert und klimpert. Das wirkt von ganz allein.

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Von einer Komposition kann man mehr erwarten. Muss man aber nicht. Man nickt, wenn jemand sagt: “Sich Ibsen vorzunehmen ist schon mutig genug”. Und doch fühlt es sich brav an. Ich weiß noch, wie ich darauf wartete, dass Robert Stadlober als Peer Gynt wirklich mit sich hadert und kämpft. Er trägt seine Mutter zu Grabe, er verlässt seine Liebe, er trifft den Teufel und bleibt dabei aber irgendwie sehr im Rahmen. Und obwohl das an das eigentliche Thema von Gynt stößt, würde ich fast sagen: Er bleibt zu sehr in sich, zu sehr er selbst. Mir hat der Grenzgang, der Schrei gefehlt, den ich im Theater vielleicht bekommen hätte. Ja, wenn sie sich im Bauch des Schiffes anbrüllen, Gynt aufschneiden wollen, da wird es zwar laut. Und doch gruselt es mich erst wirklich, wenn die Grüne ihn verfolgt. Weil sie nicht in das Bild passt und ihre Stimme nicht in den Klang, in dieses sanfte Hin und Her des Seegrases. Ich glaube, ohne Kathi Angerer hätte das Konstrukt nicht gehalten.

Natürlich will man sich die Zitate merken. Natürlich nimmt man sich vor, wieder genauer hinzusehen, wenn man das Kino verlässt. Man fässt sich an die Wimpern und wünscht sich Sommersprossen, man setzt die Schritte ja immer anders in diesem Nach-dem-Film-Gefühl und wünscht sich ans Meer. Und ab und an erinnert man sich vielleicht auch und überlegt, wer einem Peer ist und wer einem Solveijg. Und ob man nicht auch sich selbst genug ist, ohne wirklich man selbst zu sein. Das bleibt ja im Rahmen, das kennen wir schon. Und das Plakat erinnert an Huckleberry Finn.

(Bild vom ZDF Theaterkanal: “Vor über 800 Gästen wurde […] die Theaterverfilmung “Peer Gynt” von Uwe Janson - eine Produktion im Auftrag des ZDFtheaterkanal in Zusammenarbeit mit 3sat/arte - auf insgesamt drei Leinwänden in einem Screening gezeigt. Das weitgehend aus Fachleuten bestehende Publikum zeigte sich von der Poesie und Bildkraft des assoziativen Filmes beeindruckt. Der Film wird am 13.12. um 22:40 Uhr auf ARTE erstausgestrahlt und kommt am Folgetag in über 50 digitale Kinos deutschlandweit.”)

P.S.: Der Header dieses Blogs besteht übrigens auch aus einem Usedom-Grün. Jawoll.

Liz hat es verfasst, und zwar am 7. Dezember 2006 um genau 21:02
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