Facette

Es gibt ein Berliner Magazin, das hat den Namen der Überschrift. Die machen heute abend eine Party im Lovelite, um die neue Ausgabe zu finanzieren, und haben einen DJ sowie zwei Bands geladen. Julius ist die eine Band, ich bin seine “Lisa, komm doch mal für zwei Lieder hier hoch“-Madame, das Ganze um halb zehn. Danach kommt ein DJ und um eins gibt es Rich and Kool. Kenne ich nicht, meine Audiogeschichten am Rechner sind auch kaputt (ich kann sie mir also nicht im Internet anhören), aber Mila sagt, die seien gut. Hingehen, gucken, hören, klatschen, super.

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Liz hat es verfasst, und zwar am 3. November 2006 um genau 17:20
Kategorie : Ton | 1 Kommentare

 Die Jugend, die blühende.

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Die Zeit hat schon immer an mir genagt, mir kleine Löcher in den Bauch gefressen und die Nägel abgekaut, sodass ich sie in die Hosentasche steckte, damit es niemand sah. Ich trank auch schon immer zu wenig (drei Liter am Tag, sagt man, sei gesund) aus Angst, ich könnte auslaufen, man könnte das merken. Und im Pflasterkleben bin ich gut. Es gibt sie ja auch allen Ecken und Enden mit Cowboys und Flugzeugen drauf, in allen Größen und Formen, damit man alles abkleben kann, was der Rest der Welt nicht sehen oder eben anfassen und es dann brennen könnte. Löcher im Kopf hab ich mir auch in meinen Träumen immer schon zugehalten und nicht stolz durch die Gegend getragen wie die kleinen Jungs im Kindergarten.
Und Zeit hat mir auch immer wieder ein Bein gestellt und irgendeine Stufe in den Weg, irgendwelche Türen abgeschlossen vor meiner Nase, nur um zu gucken, ob ich klettern kann oder Schlupflöcher finde. Und dann laut gelacht.

Und mit den Fäusten in den Hosentaschen und den Löchern in den Hosen hat man mich oft für einen Jungen gehalten, als ich klein war. Jetzt bin ich größer und die Zeit hat sich bis zu den inneren Organen hervorgewagt, mir ins Herz gebissen. Sie schlägt von innen manchmal gegen die Narben am Knie. Die Zeit lebt exzessiv und immer 100%, diese halben Sekunden hat sie erfolgreich eliminiert. Und sie war es auch, die jetzt die Körbe mit den Zweifeln von den Feldern sammelt und sich freut, dass sie bei mir eine so gute Ernte eingefahren hat. Ihre kleine Schubkarre fährt sie durch die Sorgenfalten bis ans Ziel. Auskippen, Haufen machen, umdrehen und neue holen. Und ich trinke ganz viel Apfelsaft mit Zimt, um den ganzen Quatsch rauszuspülen, abzusebeln und einfach mal so mir nichts dir nichts aus dem Weg zu räumen, das Wetter kann das ja auch. Geht mir fort, die ihr einem nur auf die Schulter klopfen und dümmlich grinsen könnt. „Das wird schon“. Man kommt über alles hinweg. Über den bösen Wolf, über die Steine im Bauch, über die Rosen und auch darüber, dass Lucky Luke nie bei mir klingeln wird. Aber ich habe nie auf verlockende Rufe aus dem Wald gehört, ich habe auch nie die Tür geöffnet und ich habe nie den Apfel der Stiefmutter gegessen. Ich wurde auch nicht wachgeküsst.

Einmal zu Weihnachten, wir hatten gerade wieder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ geschaut, habe ich das mit den Nüssen versucht. Die Eule habe ich mir herbei gewünscht und das kleine Kästchen mit den Haselnüssen stand bereit. Ich hatte mir die Szene genau eingeprägt und wusste, wie ich die Finger zu halten hatte, damit die Nuss so fällt, wie sie im Film fiel. Und ich habe geübt, im richtigen Moment die Augen zu schließen. Um es wirklich zu versuchen, fehlte mir damals der Mut. Denn ich wusste schon da, ich bin und war noch nie das Mädchen aus dem Märchen.

Die Zeit hat sich meine kleine Tollwut ohne zu fragen in den Mund gestopft und ich hasse sie dafür.

Liz hat es verfasst, und zwar am 3. November 2006 um genau 0:39
Kategorie : Moi | 7 Kommentare


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