Warten auf den Bumerang (1)

Olli Schulz & der Hund Marie haben seit dem 17.11. ein neues Album. Mir passt das perfekt in den Herbst. Und hier gibt es jedes Lied einzeln aufgerollt, zerpflückt und durchlebt von vorne bis hinten und wieder zurück (man hat mich nicht dafür bezahlt und noch nicht einmal gefragt, ich mache das aus reiner Frohnatur und habe mich an sowas wie Plattenkritiken doch noch nie wirklich getraut).

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Auf den Plakaten, die an Straßenbahnhaltestellen kleben und an den man jeden Morgen wieder vorbeifährt, wirkt die Platte ja lockerflockig und schön knallorange. Passt zu den Blättern, passt zum Himmel, hier und da ein bisschen Gelb hat noch niemandem geschadet. Und dann klappst du den Deckel auf und entgegen purzeln dir gelbe Skelette auf schwarzem Grund, Mensch und Hund. Ja, ähm. Morbides neues Selbstverständnis, Winterdepression oder einfach nur hübsch sexy, weil Skelette gehen ja vielleicht auch, wenn die ganze Emowelt auf Totenköpfe abfährt? Vielleicht aber auch sinnbildlich für eine neue Sicht der Dinge, denn geguckt wird ja gewaltig auf “Warten auf den Bumerang”, andere Leute und sich selbst an. Von innen und außen.

Track 1. In jede Richtung.Ich höre das Ding in der S-Bahn auf dem Rückweg von der Uni, die Sonne ballert, alte Männer sitzen auf dem Vierer nebenan und mein Tagesplan würfelt sich im Kopf schon wieder völlig über den Haufen. “Ihre Zeit ist chronisch knapp” haucht Herr Schulz in mein Ohr, ich nicke, die alten Männer gucken, aber mein “Herz aus Dynamit” pocht prima weiter vor sich hin. “Optimistisch”, denke ich und frage mich, ob man das nicht auch falsch verstehen kann. Das ist Pop, das ist Country und das ist souverän gerotzt, was ich da höre. Reimen war ja noch nie so ganz seine Stärke, aber Mädchen finden das ja immer charmant und Jungs machen dann einmal einen besserwisserischen Spruch bezüglich des Reimschemas und singen dann trotzdem lauthals mit. Das Jetzt-Gefühl in diesem Song passt doch zu meinem vorher schon erwähnten, beschreibenden Wort und man fühlt sich schon ein bisschen besser, wenn Herr Schulz einem erzählt, dass ja eigentlich doch alles ok sei und wenn nicht, dann wird das schon. “Wenn du schreien willst, dann schrei laut” und danach uhuuut der Background-Chor, dass es eine Freude ist. Dieser Song ist leichte Kost, ich denke kurz daran, wie Olli Schulz auf diesem Countryfestival in Hamburg-Horn mit dem Cowboyhut herumlief, und lächle mitunter. Könnten die älteren Herren in Braun nebenan “In jede Richtung” hören, ich glaube, sie hätten keine Angst.

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. November 2006 um genau 19:44
Kategorie : Ton | 6 Kommentare

 Fundstück

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Liz hat es verfasst, und zwar am 27. November 2006 um genau 23:30
Kategorie : Lektüre | 0 Kommentare

 Rückgrat

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Du hattest dir die Mimik aus dem Gesicht gekehrt. Immer und immer wieder hast du dir die Finger wundgerieben an Glanzpapier und dich nach tausendundvier faltenfreien Stunden endlich an die Wangen und die Augen gewagt. Mit leichter Hand und ruhigem Finger hast du das gemacht, ich weiß, wie deine Hände aussehen, wenn sie das tun; wie im Schlaf wie im Schlaf. Und ich habe mir so lange die Schluchten zugeschüttet, all die Abgründe und Ränder und Ecken, in die man fallen, sich stoßen, sich vergraben, entdecken könnte. Ich habe sie zugekippt und mich davor nicht noch einmal umgesehen. Den Keim in der Erde erstickt und den letzten Resten keine Luft gelassen, so machen wir es seit Jahren und immer wächst Gras darüber.

Dann haben wir uns angesehen mit unseren Ebenen, berglosen Landschaften, glatten Oberflächen und plötzlich taten sich wieder Gräben auf. Man muss Mut haben, um die schön gemähten Wiesen aufzureißen, die frisch gestrichenen Geländer einfach umzuschmeißen und die Lineallinien auszuradieren. Vor uns liegt nur weißes Papier und wir haben alle Zeit der Welt. “Ich habe nicht mehr daran geglaubt“, sagst du am Morgen vor dem Spiegel und lachst, während du die Stirn in Falten legst. Ich streiche unbeholfen mit dem Finger darüber, merke mir das Gefühl bis zum Abend. Dann schauen wir hinunter ins Tal und du legst mir den Arm um die Hüfte, weil es kühl wird, wenn die Wolken wie Schlagsahne über die Bergspitzen schwappen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 27. November 2006 um genau 19:17
Kategorie : Moi | 0 Kommentare

 Und wir wollen es doch immer fein haben

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Dass ich in einen noch nicht benannten Zustand ungehemmter Grinsigkeit samt wohligem Muttergefühl gepudert mit Kuschelbedürfnis verfalle, wenn ich kugeläugige Zwerge irgendwo sehe, ist natürlich unbestritten. Sollte ich aber wirklich einmal Mama eines Kindes sein und irgendjemand redet mit meinem Kind dann so, als wäre es ein sternchenspuckendes, minderbemitteltes Glücksbärchi, dem das Hirn mit Schnuckiputzis weggewischt wurde, dann hat dieser jemand ein ernsthaftes Problem.

Mit meinem Kind wird nicht in Heliumtonlagen oder halben Purzelphrasen gesprochen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 20. November 2006 um genau 23:24
Kategorie : Moi | 19 Kommentare

 Glatt gerieben

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Ich stand an der Bushaltestelle, der Blick machte kleine Kreise über diesem hässlichen Platz und der Morgen war gerade erst in der Stadt angekommen. Wenn sich Berlin sonntagmorgens erhebt, ist es schwerfällig, aber ohne Falten, ist es dickbäuchig, aber nicht schlapp. Und die, die sich trauen in die Sonne zu blicken, tun das meistens ohne gekrempelte Augenbrauen und schlechtes Gewissen. Denen geht das Herz auf dann.

Und als ich diesen Kaugummiautomaten sah, fiel mir ein, wie sehr wir uns gewöhnt haben an die Dinge, an das Leben so und dass die wenigsten von uns noch von der Revolution träumen. Wir lassen uns einfach weiterdrehen und juchzen in den seltensten Fällen. Vielleicht beklagen wir uns, aber wir machen es nicht besser. Und mir fielen die ein, die Fotos machen, und ich hab mich gefragt, ob meine Perspektive vielleicht zu nah ist, um die Träume darin zu sehen. Vielleicht gibt es aber auch gar keine. Und die jungen, die in diesen Zeiten Preise für ihre Schreiberei bekommen, die zeichnen auch nur Bilder von dem, was sie sehen. Drücken auf den Auslöser und lassen den Rest den Sinn darin finden. Irgendeinen wird es schon geben. Irgendwas stimmt ja immer nicht.

Lange ist mir keiner mehr untergekommen, der sich traut utopisch zu sein. Jemand, der sich etwas von ganzem Herzen wünscht und genau weiß, wie das auszusehen hat. Jemand, der sein Leben lang auf der Suche danach ist. Und es nicht einfach so wieder loslässt, wenn er es gefunden hat. Irgendwie fehlt jemand, der sich etwas wünscht, das nicht in Plastiktüten und aufgeschriebene Alltagsmomente passt. Ich mach es ja auch nicht anders, ich weiß ja auch nicht, wie das geht irgendwie. Aber als mir das auffiel, wusste ich wieder, was ich früher am Kaffee nicht mochte. Und trank ihn trotzdem aus.

Wir gewöhnen uns zu schnell an die Umstände, finde ich. Wir runden so einfach ab.

Liz hat es verfasst, und zwar am 19. November 2006 um genau 12:25
Kategorie : Wir | 5 Kommentare

 Im archimedischen Prinzip

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Es wird nie eine Pause geben, in die der Tod eines nahen Menschen passt. Es wird nicht ein Tag kommen, an dem du aufstehst und sagst: “Heute kann ich das aushalten”. Und warte einfach nicht auf die Sekunde, in der du vergisst, Angst davor zu haben. Wir haben ja gelernt, uns mit vielem abzufinden und nicht vielleicht sogar darüber hinweg zu kommen, das ist unromantisch genug. Noch vor zwei Jahren stand ich felsenfest neben meiner Behauptung, ich würde mich dagegen wehren dieses Fehlen (m)eines Menschen anzunehmen. Ohne zu wissen, dass ich den Faden schon längst verloren hatte.

Wir haben den Verlust an den Füßen wie Blasen. Wir kaufen uns Einlegestreifen, schmirgeln uns die Haut, damit sie glatt und weich wird, wir bestellen Sohlen mit Fußbett und lieber ein bisschen größer als ein bisschen zu klein. Auch, wenn es scheiße aussieht. Wir haben angefangen zu glauben, das könnte uns ablenken.

Davon, dass wir stolpern. Dass wir die Richtung verlieren. Dass wir über die eigenen Füße fallen oder die Schlaglöcher übersehen. Die Narben an den Knien sind mit den Jahren verwachsen. Und wenn ein Kind schreit im Hof nebenan, machen wir das Fenster zu. Wir sind so gut in der Verdrängung, dass es uns kalt von hinten zwischen die Rippen fährt, wenn wir bemerken, dass wir es ja doch nicht los werden. Und wie unachtsam wir sind an jedem Tag.

Der Tod passiert. Und wir können meistens nicht einmal etwas dafür. Aber bevor es passiert, kneifen wir so wehement konsequent die Augen zusammen, als würde er dadurch wahrhaftig kleiner. Ich muss nicht drei Jahre älter sein, um zu wissen, dass das naiv ist. Und dass ich aufgehört habe, mir die Ohren zuzuhalten und leise vor mich hin zu summen, nur um den Rest der Welt nicht zu hören. Im Schmerz macht es keinen Unterschied. Aber es spart Zeit, die einem noch bleibt.

Liz hat es verfasst, und zwar am 16. November 2006 um genau 20:09
Kategorie : Wir | 3 Kommentare

 I mot lØgnen

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Wir waren ein bisschen ins Zweifeln geraten dort oben auf der Hochebene. Aus dem Auto blickten wir auf einen Teller aus Gestrüpp und Wasser, auf einen Rahmen aus Bergen und über uns klebte der Himmel so gerade und straff, dass man meinte, er könne bei jedem Flugzeug zerreißen. Und bei dem ersten Straßenschild stiegen wir aus, reckten und streckten uns, hielten die Bäuche in die nahe Sonne und wunderten uns doch darüber, dass wir kein schallend lautes Lachen herausbrachten. Man meint immer, man habe das nötig, eine laute Bekundung des Gefühls herauszubringen, ein breites Lachen, einen stampfenden Fuß. Dort oben blieb uns jedoch jegliche Außenwirkung in den Poren kleben, das Lächeln blieb einzig und allein im Bauch. Das hat gereicht. Wir waren angekommen. Da wollten wir hin.

“Gefangen im Sehnsuchtsort der anderen“, sagte man mir gestern ins Ohr und mir fiel der Gedanke zurück an den Punkt, an dem wir am See saßen, die Mücken schwirrten und wir endlich begriffen. Ich habe mich nicht gefürchtet und ich habe mich auch nicht gefreut, ich habe einfach angenommen, was ich mir bis dato immer versuchte, mit aller Kraft vom Leib zu halten. Und vielleicht muss man wirklich dorthin, wo die sind, denen niemand noch eine Sehnsucht zutraut. “Mit Bergen und Seen und dieser Mentalität, da müssen sie doch glücklich sein”, denken die Zugereisten (nicht weit genug) und steigen nach einer kurzen Pause wieder in ihre Wohnmobile. Als wir vor dem Zelt sitzenblieben, brachte uns der alte Mann am Morgen noch getrockneten Fisch und Milch und ein Hirschgeweih.

Als sein zahnloses Grinsen brach, hörte ich auf mich zu wehren, fing ich an mich zu arrangieren. Ich nahm die schweren Jahre, legte sie mir vor die Füße, trat sie in den Fluss und hätte in dem Moment nichts besseres tun können. Im Deutschunterricht war mir der Begriff Katharsis immer zuwider gewesen, da oben am Fluss kapierte ich zum ersten Mal und begann in aufrechter Haltung zu zielen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 13. November 2006 um genau 12:31
Kategorie : Filme | 7 Kommentare

 Youhu

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Daniel schreibt über die Jugendmesse YOU. Und nicht nur darüber grandios. Aber es schmunzelt mich hier fast vom Stuhl, wenn ich das lese und mich an damals erinnere. Wir waren 14, hatten Pickel und gerade erst das Internet entdeckt. Und wir verschluckten uns an Waldmeisterbrause, als zwei Jungs uns ansprachen und fragten, ob wir uns nicht mit ihnen auf die aufblasbaren Knautschsessel setzen und eine zweite Brause trinken wollen würden. Wir wollten und tranken. Am Ende lud uns der eine auf seinen Dachboden ein und wir hatten nichts besseres zu tun, als zu kichern.

Denen war es ganz egal, dass unsere Avatare (welch ein abscheuliches Wort), die wir uns in dieser seltsamen Community gebaut hatten , ganz anders aussahen als wir. Heutzutage hieße es gleich wieder, man hätte das wohl nötig. Aber wir standen damals in diesen abgedunkelten Hallen zwischen Neonfarben und Flachbildschirmen und freuten uns einen Ast, weil alles so spannend und aufregend war. Identität, Realität, Trennkostdiät. Wahnsinn.

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. November 2006 um genau 12:38
Kategorie : Wir | 4 Kommentare

 Piff Paff Puff

Wollen Sie oder wollen Sie nicht? Husten Sie oder husten Sie nicht? Sind Sie eigentlich schwanger? Und wer erzählt ihnen was von dem Krankenhausaufenthalt ihres Großvaters (hat der eigentlich Pfeife geraucht?)? Sind Sie jemand von der Sorte Mir-Des-Risikos-Bewußt-Und-Auch-Noch-Stolz-Drauf? Oder verschwinden Sie von jedem Tisch, an dem jemand qualmt und Sie nicht vorher in eine Glasglocke gesteckt hat?

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Ich habe keine Lust auf Moralapostelei. Und ich bin auch keine, die den Kopf angewidert wegdreht oder gar die Lokalität gleich wieder verlässt, wenn sie bemerkt, dass sie nicht sofort jeden an den umherstehenden Tischen erkennt, weil Rauch in der Luft liegt. Aber grad diskutieren ja wieder alle und ich misch mich doch so gerne ein, gebe meinen Senf ab und schüttele vor lauter Unverständnis und hin und wieder aus tiefstem Zugeständnis voller Elan den Kopf. Auf dass meine wedelnden Haare meinen Unmut bekunden.

Rauchen oder nicht rauchen in Kneipen und Cafés, he?

Das ist die simple Frage. Und die Deutschen brüten und brutzeln über und unter ihr wie gebroilerte Brathähnchen. Sie haben Angst um ihre Gemütlichkeit und ihr Kommunikationsverhalten, es graut ihnen vor Heizpilzen im Freien und angenehm riechenden Klamotten nach einem Diskobesuch. Aus mir nicht klaren Gründen scheint der Gedanke an rauchfreie Kaschemmen mehr als jedem zweiten den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Denn Unbequemlichkeit und Zwänge sind Otto Normalverbraucher zuwider. Was an und für sich auch schon wieder paradox ist. Aber Otto hat sich nun einmal dran gewöhnt und krault sich zurückgelehnt den Bauch. Sollen sie doch gehen, wenn es ihnen nicht passt, diese keifenden, intoleranten Nichtraucher.

Wohingegen der Nichtraucher sich ja auch ein bisschen selbst in die Pampe geritten hat. Immer schön den Mund gehalten, immer brav dazwischen gehockt. Und die Mamis haben eben nicht auf ihr Recht plädiert, auch im Prenzlauer Berg mit dem Prenzlauer Zwerg in einem Café frühstücken zu können. Da macht man es sich eben lieber daheim am Ingo bequem. Bequem, ja. Bequem wäre es ja auch, wenn jetzt jemand käme und die ganzen blöden Raucher mal aus den Örtlichkeiten nach draußen verbannen würde ohne dabei auch nur ein Geräusch zu machen. Das wäre doch fein, denkt sich der Stummelhasser dabei. Und vergisst seine Eigenverantwortung. Wenn jemand jahrzehntelang toleriert, muss er eben damit rechnen, dass jemand murrt, wenn er das jetzt plötzlich irgendwie ja doch doof findet. Zumal das Nichtraucherklientel ja in den seltensten Fällen wirklich auf rauchfreie Plätze besteht, das Recht auf normale Luft auch ausspricht und verteidigt. Und hierbei spreche ich nicht von Omis, die mit ihren Lederstiefeletten garstig Zigarettenstummel zerquetschen und dabei lachen, als hätten sie den Teufel persönlich verspeist.

Keiner kann mir sagen, dass da Atmosphäre flöten ginge, wenn man ein Rauchverbot in Kneipen und Cafés verhinge. Die anderen können´s ja auch. Und feiern mindestens genauso lange. Aber mir kommt das Flöten, wenn ich sehe, wie beide Seiten auf ihren zur Faulheit verdammten Hintern sitzen und sich gegenseitig anwidern, nur weil sie zu faul sind, sich miteinander auseinander zu setzen. Miteinander auseinander. Toll.

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. November 2006 um genau 21:48
Kategorie : Berlin | 13 Kommentare

 Schwarze Löcher

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Die Welt hält wirklich an, wenn man sich die Bettdecke über den Kopf und die Vorhänge zu zieht. Wenn man die Augen nur aufmacht, um zu gucken, wo denn schon wieder die Wasserflasche hin ist. Und die Hand nur bewegt, um die Decke noch höher zu ziehen. Das draußen bleibt wirklich einfach so stehen, wenn du an die Schalldämmung gedacht oder einfach nur eine Decke zwischen Innen- und Außenfenster gelegt hast.

Es fühlt sich seltsam an, wenn Hunger einfach irgendwie nicht vorhanden ist, der Appetit nur kurz aufschreit und schnell und einfach wieder Ruhe gibt. Wenn Durst ohne jegliches Bedürfnis nach Geschmack von statten geht, weil das ja bedeuten würde, Stellung zu beziehen, sich zu bewegen. Aber draußen steht alles still, auch wenn der Regen Streifen an das Fenster malt. Da bewegt sich trotzdem keine Menschenseele, kein kleiner Zeh, da draußen.

Die Druckstellen kämen bestimmt, würde man das länger aushalten, so ein Vakuum. So ein Paralleluniversum, das nur aus vier Wänden und zehn Kilo Daunen besteht. Aus Sauerstoff und dem Weg zwischen Fenster, Heizung, Bad und Bett. Wenn man sich den Pony mit den Fingern sorgfältig in die Stirn kämmt, sieht das sogar gut aus im Dämmerlicht. Die Pausen zwischen den Liedern verschwimmen, man holt irgendwann keinen Atem mehr mit Mund auf Mund zu Nase groß Nase klein, so müssen sich Fische fühlen.

Wenn du nach so einem Zeitfenster wieder rausgehst, musst du aufpassen, dass du dich dem Schwung nicht entgegen stellst. Du solltest sofort mitmachen, dich in die Kurven legen, Tempo bringen und Achtung, Augen auf und Schulterblick. Man schlägt sich mitunter Schneidezähne aus, wenn man nicht achtgibt, weil man sich dann so dermaßen auf die Fresse legt. Wenn du nicht aufpasst, wird man dich dann immer wieder fragen, was das denn für eine Zahnlücke sei und was du denn gemacht hast, das würde ja nicht einfach so mal passieren, aber eigentlich sei die ja ganz süß, erzähl doch mal, das sei ja auch was ganz besonderes und überhaupt, deine Augen sind so schön, bist du öfter hier?

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. November 2006 um genau 10:32
Kategorie : Berlin | 2 Kommentare


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