
Mit lautem Gewirr und diesen Möwen von damals. Die Füße in den Sand graben, nach hinten umfallen, Augen zu, einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen, stillhalten, Augen auf. Und dass man sich wahrhaftig hineinwerfen könnte in das Wasser, das die Arme ausstreckt, mit lautem Gebrüll, sodass es in diesem Moment die Vögel aufschreckt. In der Spüle neben dem Lappen dehnt nur eine Obstfliege noch ihren letzten Sommer.
Sag, dass das wahr wird, wenn ich dem Strudel im morgendlichen Kakao hinterher- und vorausschaue, den Löffel im Anschlag. Die Milch bis über den Rand erinnert mich an das Rauschen mit dem Salz auf der Haut und einer klirrenden Kälte, die sich Schritt für Schritt festsetzt und die man noch am Abend spürt, wenn man sich Schale für Schale aus den Kleidern pellt, die Haare steif gefroren, die Finger rot und rissig. Ein heißer Tee mit Honig.
Hier hat die Kastanie schwer mit dem nahenden Winter zu tun, heute morgen hing noch ein kleines grünes Blatt, während sich der Balkon schon verabschiedet hat. Und deine Morgenschlappen haben die Farbe von Südsee. Hier liegt kein Meer vor der Tür, du kannst nichts dafür. Aber zerzaus mir das Haar. Und mach dir klar, dass ich mich frag die ganze Zeit, wo du bleibst und was du treibst da draußen. Wo du bleibst. Und falls du daran denkst, zieh die Decke bis hoch an die Nase. Die See schläft so unruhig wie ich.
Liz hat es verfasst, und zwar am 31. Oktober 2006 um genau 16:21
Kategorie : Moi | 2 Kommentare

Sie sind zurück und haben mich erneut angeschubst. Alte Lieben aufgetischt und aufgefrischt und plötzlich weiß man wieder, was einen so entzückt hat und was sie immer noch können so gut: Spektakeln. Kate Mosh machen Spaß. Und nach einem Monat Rock´n Roll und zurück sind sie wieder in der Stadt, um ein bisschen Winterschlaf zu halten. Bevor man sich zur Ruhe legt, muss man aber nochmal ordentlich auf den Putz hauen, so steht es geschrieben auf all den Hardcore-Wadeln.
Im Lido haben sie gestern brilliert, der Raum hatte sich ja doch noch gefüllt nach anfänglicher Leere. An Samstagabenden ist Berlin ein Konkurrenzklopps, der Magnet hatte Geburtstag und da gehen ja dann sowieso immer alle irgendwie hin. Trotzdem, man muss Prioritäten setzen und die, die im Lido waren, haben es sicher nicht bereut. Ulme gaben´s einem voll auf die Zwölf, ich hab ja immer ein bisschen Angst vor so Headbangern. Genauso charmant finde ich meistens die Riffs. Und obwohl das Keyboard teilweise ausfiel, waren Kate Mosh erste Sahne. Ein Funkeln in den Augen und Masse Publikum merkte nichts von der Müdigkeit, die man ihnen zwei Minuten vor Auftritt noch ansah. Rauf und durch, Knall auf Fall. Da plukkerten die alten Hits neben den neuen Knallern, ich finde ja kaum ein anderes Wort für all das. Das bleibt im Ohr, das ruckelt einmal ordentlich durch den ganzen Körper und ich liebe dabei, dass sie die eingängigen Linien gerne unterbrechen für zwei drei Takte, nur kurz zum Pause machen und dann gleich weiter geradeaus.
Für mich sind Kate Mosh immer ein bisschen die neuen At The Drive In. Und wenn dann Conrad und Andrés mitballern, wenn Jo einen fiesen Beat auf der Bühne klatschen muss und Josi die zweite Stimme des Covers singt, geht mir das Herz auf. Unterhaltung und Herzblut. Es lohnt sich leider immer wieder, ich werde da nicht müde. Das Konzert hat meine Erwartung beim Weitsprung geschlagen. Ehrenurkunde mit Auszeichnung. Grinsen mit Krampfgefahr.
Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Oktober 2006 um genau 19:07
Kategorie : Ton | 0 Kommentare
“Schaurig schöne Unterhaltung mit der Gruselnacht im Ersten…”
20:15 Uhr Servus Hansi Hinterseer
22:25 Uhr The Ring - Das Grauen schläft nie
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Oktober 2006 um genau 18:07
Kategorie : Kultur | 4 Kommentare

“Heute nicht WBA?“, fragte Jan gestern abend. Und ich stand auf dem Schlauch. Nach einer Nachfrage und einem traurigen Seufzer war ich mir wieder des Vormittags bewusst, an dem ich pünktlich um 12 Uhr vor der Hekticketbude am Alex gestanden hatte und meine Nase an der Scheibe platt drückte. “Also für The Whitest Boy Alive ist der Vorverkauf schon gelaufen“, sagte die Dame in dem hässlichen roten Shirt und ich schleppte mich mit hängenden Mundwinkeln und ohne Karten in die Uni.
Letztendlich gehört diese Band aber zu den Guten. Und wenn Mr. Erlend Oye sieht, dass das eine Konzert ausverkauft ist, nimmt er einfach seine Band und spielt noch eins. Schnurrbart sei Dank. Auf gut Glück setzten wir uns in die Bahn samt Schienenersatzverkehr, kamen ein bisschen zu spät, drängelten uns durch und plötzlich steht da ein bekanntes Gesicht am Einlass, welches mich breit grinsen lässt. “Was machst du denn hier?“, große Überraschung und wir drücken ihm unser Geld in die Hand. Er wühlt in seinem dicken Portemonaie und gibt uns dann genauso viel zurück, wie er von uns bekam. Meine Mundwinkel reichten mittlerweile fast bis an die Ohren. Die Masse konnte mir nichts anhaben, der Regen auch nicht, alles war gut.
Und nach den ersten Tönen platzte mir dann die Hutschnur, alles wunderbar, Klingklang und Plukkerplukker. Erlend hat sich die Haare geschnitten und wirkt in seinem taumelnden HinUndHer wie aus einem schlechten Karaoke-Film geklaut. Das Publikum geht total ab, als Erlend nach Schweden fragt. Dummbatzen, die nicht wissen, dass er eigentlich aus Norwegen kommt. Daniel klärte mich auf, ich find ja dieses unbedachte Gegröhle bei jeder Ansage eh doof. Aber wieder was gelernt. Das Lido macht einem das Atmen schwer, im Hof kann man die vorher dort gekauften Flaschen nicht mehr abgeben. Das Set jedoch sei ein ganz anderes gewesen als das erste, wir sind so froh und kaufen zur Feier des Abends noch mehr Bier und Kinder Pingui. Schokopudding hatte die Tankstelle nicht.
“Meine Mitbewohnerin hat vor Aufregung ihre Kontaktlinsen verloren“, sagt Jan heute.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Oktober 2006 um genau 15:43
Kategorie : Ton | 5 Kommentare

Irgendwann hat das alles mit den Müttern und Väter angefangen, die sich noch nicht zu schade waren, ihren Kindern vorzulesen. Mit jenen, die sich mit ins Bett oder wenigstens daneben krümmten, hockten oder legten und dann mit vollstem Einsatz und wahrhaftigem Stimmelan die Geschichten aus den Büchern vortrugen, als ginge es um alles. Ein bisschen tat es das ja. Das Kind war müde, es sollte schlafen, also versucht man alles, um es von dem Gedanken abzubringen, sich antagonistisch zum Bett zu verhalten. Von mir kann ich sagen, dass es selten besseres gab als Traumzauberbaumlieder zu singen und mich mit Mama durch die vielen Geschichten zu graben, die die Bücher so für uns bereithielten. Oft kam es vor, dass ihre Augen vor meinen müde wurden, aber das machte nichts. Ich entwickelte so meine Techniken (und die funktionieren bis heute).
Erst nach und nach brachte ich dann aus der Stadtbibliothek nicht mehr nur Bücher sondern auch mal Kassetten mit. Und nach ein paar zögerlichen Versuchen war ich der Hörspielkassette bald verfallen. Das war ein bisschen wie Daumenlutschen, total beruhigend und man konnte prima dabei einschlafen. Das mit dem Daumenlutschen gewöhnte man sich irgendwann ab, das mit dem Vorlesen auch. Die Hörspiele blieben. Schaue ich mich jetzt in den nächtlichen Zimmern meiner Freunde um, blinkt bei mindestens jedem zweiten ein kleines Lämpchen. Geht man näher heran, hört man dazu noch mindestens eine Stimme, die in schön betontem Singsang eine Geschichte erzählt.
Lauschen wir jetzt abends zum Einschlafen Hörspielen, weil wir die Tür nicht mehr auflassen, den Daumen nicht mehr in den Mund stecken, das Steckdosenlämpchen (weil total uncool) nicht mehr einstöpseln und das beleuchtete Mobilé nicht mehr anknipsen dürfen? Können wir im Dunkeln immer noch nicht allein sein und setzen nun umso mehr auf Peter Shaw? Und kann man eigentlich mit jemandem eine Beziehung führen, der das total abscheulich findet, wenn wir -statt an ihm rumzuknutschen- lieber wissen wollen, ob das jetzt die eigentlich verstorbenen Eltern von Justus Jonas sind oder nicht? Wieso hört man die Dinger eigentlich sonst nie sondern nur im Bett? Und wann hört das eigentlich auf?
Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Oktober 2006 um genau 20:50
Kategorie : Wir | 1 Kommentare

Ich bin selbständig, ich kann meine Sachen allein ordnen und tun und ich möchte auch nicht, dass man sich einmischt, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe. Man soll mich machen lassen, dann wird alles gut und nichts ist schlimmer als die Bemerkung: “Aber Lise, das wird nicht gehen. Ich hab das schon zehnmal durch. Versuch es gar nicht erst”. Bei solchen Phrasen, die mich nicht selbst erfahren lassen wollen, entdecke ich ungeahnte Aggressionspotentiale in mir.
Fährt allerdings jemand gekonnt und unaufdringlich seine Muskeln aus, um mich zu beschützen, schmelze ich dahin. Hält mir jemand die Zeitung über den Kopf, damit meine nicht vorhandene Frisur nicht kaputt geht bzw. weil er denkt, ich würde sonst eingehen, bekomm ich weiche Knie. Legt er seine Jacke über eine Pfütze, damit der Regen, der eben noch von oben kam, nicht nun auch noch von unten kommt, möchte ich gerne heiraten. Ich kann mir das ja auch nicht erklären und ich wundere mich hin und wieder selbst, wie willenlos ich werde, wenn mir jemand mit meinen schweren Einkaufstüten helfen möchte. Das heißt ja nicht, dass ich diese Angebote dann sofort annehme und ich möchte auch nicht, dass sie hier Höflichkeit (auf die stehe ich ja auch sehr) mit Beschützerinstinkt verwechseln. Es ist dieser kleine Funken ritterliche Männlichkeit, der dann in den Augen auflodert und mich ganz kribbelig, wenn mich vielleicht gerade in der U-Bahn jemand auf dümmste Art und Weise angräbt, das mein mir völlig fremder Sitznachbar erkennt und dieser dann wie selbstverständlich sagt: “Komm, Schatz. Wir müssen raus”, bevor wir dann ohne große Worte in den nächsten Waggon steigen und ich aus dem Grinsen nicht mehr rauskomme. Keine Frage nach einer Telefonnummer, keine unangenehmen “Und jetzt?”-Gespräche, nur ein leises “Dankeschön”, als wir die Tür zum nächsten Wagen aufschubsen.
Was nicht auf der Hitliste steht, sind natürlich uncharmante Vollidioten, denen es nicht um die Rettung einer vielleicht gerade nicht ganz so toughen Weiblichkeit aus einer misslichen Lage geht, sondern lediglich um die Profilierung des eigenen Organs. Dass man mich in Ruhe lassen soll, kann ich wahrlich selber aussprechen und sogar rückwärts buchstabieren, aber ich kann mir nicht mal eben so einen gekneteten He-Man aus der Hosentasche ziehen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Oktober 2006 um genau 10:09
Kategorie : Wir | 0 Kommentare
“Entwickeln sie eine Sensibilität für Nebensächlichkeiten”, wurde mir heute in der Uni gesagt. Dies sei elementar für unser Fach. Unvoreingenommenheit und Wertfreiheit gepaart mit der Neugier eines Kindes. Mit allen Sinnen, Leidenschaft und Teilgenauigkeit solle man bei der Sache sein und vor allem dabei bewusst die eigene Rolle in der Feldforschung thematisieren und analysieren.
Das ist so schön, dass ich jetzt Noten für Dinge bekomme, die ich eh den ganzen Tag mache. Lang hab ich mich nicht mehr so wohlplatziert gefühlt. Hallo, Elan.
Liz hat es verfasst, und zwar am 25. Oktober 2006 um genau 16:24
Kategorie : Moi | 8 Kommentare

Wir haben uns unter die Bäume gelegt, so wie die Blätter es schon seit einer Weile taten, nachdem sie sich noch einmal geschminkt und angemalt hatten. Schnell schnell, bevor der Winter kam. Wir haben die Schuhe ausgezogen, die Schals abgelegt und den Kopf in den Nacken. Dabei zugesehen, wie die Eiche noch mit sich haderte, noch kämpfte (die Kastanie hatte ihr Gesicht schon verloren), aber auch Stück für Stück ihren Ballast abwarf, damit bis zum Jahresende alles von dannen ist. Alles vorbei.
Den Blumen gaben wir Wasser aus der Pfütze, noch war das alles anfassbar, greifbar, trinkbar, bevor es dann ein zwei Monate weiter erstarrte, um sich nicht immer und immer rechtfertigen zu müssen. Dann gucken die Leute nur noch und grabschen nicht mehr danach, weil es ihnen zu kalt ist. Wir lagen und sprachen nicht, das war alles nebensächlich (Was hätten wir auch sagen sollen?). Und die Äpfel aus meiner Jackentasche lagen rot und rund in unseren vernarbten Händen. Wir haben uns unter die Bäume gelegt und standen nicht mehr auf.
Sie haben uns unter die Bäume gelegt, so wie die Blätter es lange nicht mehr taten. Ein paar hatten sich geschminkt, die meisten sich nicht getraut. Streifen auf blasser, weißer Winterhaut gelten noch nicht als schick oder vornehm. Da lässt man lieber weg, was später verlaufen könnte. Sie haben uns Schuhe angezogen und Schals umgelegt, jedes Kinn stieß unweigerlich auf eine Brust und alle Haare fielen in Strömen. Einer nach dem anderen warfen sie ihre Blumen, die standen auch nicht mehr auf.
Wir saßen auf dem Baum, hielten uns an den Händen und sahen ihnen beim Vergessen zu.
Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Oktober 2006 um genau 22:06
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare
Diese kleine nette Bookingagentur aus Berlin veranstaltet jetzt auch immer Abende. Under the stars und viel intimer, als Intro das kann. Gestern knubbelte sich durch die Beats, was so neues geht in Deutschlands Elektropopgebirgen: Leander und I might be wrong.

Ersteren meint man auf den ersten Ton anzuhören, woher sie kommen, was sie wohl gehört haben in der letzten Zeit und dann wird man doch überrascht, weil die Stimme von Lars sich zurücknimmt und sich einpasst. Weil es doch ein paar Dinge gibt, die sie unterscheiden von den anderen Jungs in engen Hosen mit skandinavischen Einflüssen. Dass Leander sich Zeit lassen, kann man nicht behaupten. Sie kratzen immer dann die Kurve, wenn man grad weiß, worum es geht. Und das mag ich so. Dass man die Melodien und Knittereien nicht bis zum Ende ausschlachtet, sondern ihnen nur einen kurzen Moment gibt. Es bleibt ja trotzdem. Und die Lieder sind eben nicht vier fünf sechs sieben Minuten lang, was ich bei dieser Art von Musik anderswo oft anstrengend finde. Man bleibt hier bei der Sache. Obwohl Gert sagt, die Becken seien zu laut. Wobei Lars´ Stimme einfach unverkennbar ist und trotzdem nicht nach vorne drängt, sondern dort auffällt, wo sie hingehört. Mitten im Essemble. Und ich liebe einfach diesen Hit: “I never wanted to share a room with you. Our bodies did not fit. Like a prison for two.”

I might be wrong haben Zuwachs bekommen. Und ich hab sie lange nicht gesehen. Ein Blickfang sind sie alle, da guckt man schon, bevor man hört. Ann hat sich hinter dem Keyboard verschanzt und Simon grinst für zehn. Lisa hat einen Kaffee mit schlechter Milch getrunken, sagt sie. Man solle Verständnis haben, wenn sie mal kurz raus müsse. Muss sie aber nicht. Das Quintett spielt auch ein paar Lieder der neuen Platte, die sind dann nicht mehr so “eins zwei drei pling” sondern ein bisschen vertrackter und mit Melodien, die nicht sofort im Ohr sind. Man bleibt aber trotzdem dran, weil es das ist, was diese Band ausmacht. Dass sie auf Konzerten ganz anders klingen als auf dem Tonträger. Wohingegen sie auf Platte geradeaus und straight nach vorne gehen, wanken sie auf Konzerten doch ein wenig. Und es wird was anderes, was näheres. Mir kullert eine Gänsehaut über den Rücken bei “Do make say think”, wenn Andrés und Lisa zweistimmig auf Wanderschaft gehen. Ich warte auf das Album mit Gipfelkreuz und Fähnchen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 23. Oktober 2006 um genau 10:39
Kategorie : Ton | 0 Kommentare
Eine Frage:
Warum sind eigentlich so wenig Frauen in den Blogcharts vertreten?
Eine Antwort:
Liz hat es verfasst, und zwar am 20. Oktober 2006 um genau 20:07
Kategorie : Fragen | 19 Kommentare