Baisers

Die Straße entlang stolpernd, mit der Nase im Kaffeebecher, mit den Gedanken weit ausholend streicht sich das Mädchen die Haare der letzten Nacht aus der Stirn. Wir haben Stempel auf der Haut, die Reste des Lakens und winzige dumme Blätter, die von den Bäumen fallen, während wir glauben, der Sommer sei zurück. Das kleine dicke Ehepaar wurstet sich die Finger umeinander und er sagt zu ihr: „Schatz, lass uns doch noch ein bisschen vor den Fleischer setzen, die Sonne scheint grad so schön.“ Am Ladenfenster nebenan steht schwarz gekringelt: Sarg-Discount. Und wir verbringen unsere Tage mit dem Umrunden der eigenen Unmündigkeit, wir schweigen, machen die Augen zu und es ist fast wie früher, wenn man sich die Hände vor´s Gesicht hielt. Alles wurde schwarz und man schrie: Ich bin weg.

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Das Mädchen spielt Blinde Kuh mit den Gesichtern der Straße, im Bäcker gegenüber haben sie heute Himbeeren. Denen ist das doch auch egal. Also klopf ihr auf den Rücken, sie wird sich schon fangen irgendwann. Und aufhören, Geschichten zu erzählen, die sie nicht erlebt hat. Das kleine dicke Ehepaar hat es doch auch geschafft.

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. September 2006 um genau 13:06
Kategorie : Blicke, Wir | 2 Kommentare

 Denn wir tun nicht, was wir wissen

Ralf Schmerberg, Regisseur und Initiator von droppingknowledge.org, zog heute auf der Pressekonferenz in Berlin-Mitte die Emoschublade auf und alle hüpften rein. “Drei Leute haben das Projekt begonnen”, erklärt er den Anfang der Initiative, die sich einer Vision verschrieben hat. Der Vision einer neuen Gegenöffentlichkeit im Internet, in der jeder Einzelne zählt und etwas zu sagen hat. Eine Gegenöffentlichkeit, die ganz jungfräulich in weiß gekleidet die Welt verändert, weil auf der Internetplattform jeder fragen und antworten kann und sich davon bestimmt alle eine Ethikscheibe abschneiden. Kennen wir das nicht irgendwoher? Stellen sich nicht diverse Magazine wie Neon, Spiegel oder zig Milliarden Blogs nicht ständig dieselben Fragen? “Warum ist die Welt nicht besser, was wäre wenn und sowieso, ist das nicht alles ungerecht?”

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Natürlich ist es das. Ist ja auch schön, dass Leute das erkennen und an die Öffentlichkeit wollen. Aber woher weiß man denn, dass das Ganze nicht zum tollen PR-Instrument für die Partner der Initiative wird? Wer sagt mir, dass die Antworten ehrlich sind und nicht gefaked wurden? Die Allianz Group gibt ein Heidengeld aus - alles nur aus Gutmenschentum und weil man jetzt doch mal verstanden hat, dass hier ein paar Sachen nicht stimmen? Oder weil man mit dieser Partnerschaft auf einer weltweit verbreiteten Internetseite steht und Fragen postet, deren Antworten für PR-Abteilung und Marktforschung des Unternehmens ziemlich nützlich sind?

Ralf Schmerberg will ja offiziell “Fragen sammeln” und fragt sich, wo denn seine Generation ist. Der runde Tisch mit 112 Persönlichkeiten auf dem Bebelplatz sei ein “Experiment, das von Herzen kommt“. Aber wer verbringt denn drei Jahre mit einer Sache, die ihm angeblich keinen Profit bringt? Bianca Jagger, die auch 100 Fragen am Samstag beantworten wird, käme sich vor wie in einer Prüfung. Als sie die Fragen sah, habe sie sich gefühlt wie vor einem Examen. Die Veranstaltung wird moderiert von Willem Dafoe, der nicht wirklich viel dazu zu sagen hat (“I was totally selfish, I wanted to be part of it”) und Hafsat Abiola. Und das ist der Knackpunkt.

Denn Hafsat Abiola scheint wirklich zu leben, was sie da macht. Und wenn sie vor Journalisten von ihrem Volk spricht und von der Armut in der Welt, von einem Bewußtsein, das man noch entwickeln müsse, dann nimmt man ihr das ab. Dann glaubt man daran, dass vielleicht wirklich etwas bewegt werden kann. Aber diese Erzählungen und hoffnungsvollen Augen sind irrelevant für Lobbyisten und Vertreter von Interessengruppen, die mit dieser Plattform eine wunderbare Gelegenheit bekommen, ihre Inhalte publikumswirksam und verdeckt zu verbreiten. “Aus dem Tropfen soll ein Ozean werden”, sagt Hans Uszkoreit, der die Plattform entwickelte. Und auch Bianca Jagger spricht davon, dass man den Bushs und Blairs in der Welt mal zeigen müsse, wo der Hammer hängt (”We need a way where individuals can make a difference“). Natürlich muss man das.

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Aber geht das so? Und einer zwischen all den Journalisten mit den glänzenden Augen spricht dann mal aus, was gemeint ist. Nämlich, wie man davon ausgehen könne, dass all das Reden auch wirklich zu einer Änderung des Bewusstseins bzw. in bewußtere Handlungen umgesetzt werde. “Wir wissen nicht, was wir tun”, den Satz kennen wir alle. Aber noch mehr tun wir ja doch nie, was wir wissen. Daran wird auch dropping knowledge nichts ändern. Nur scheinen das so viele zu glauben.

Eine Pressekonferenz, die weniger Konferenz und Dialog als Darstellung und Bejubelung war. Niemand hat die Allianz-Vertreter in der ersten Reihe gefragt, wieviel Geld sie investieren. Niemand hat nach dem Aufwand gefragt oder nach den E-Mail-Adressen, die man auch bei der Anmeldung bei dropping knowledge abliefert. Niemand fragte nach Sponsoren und Eigennutzen. Als mache eine gute Idee jeglichen Zweifel wett.

Liz hat es verfasst, und zwar am 7. September 2006 um genau 21:17
Kategorie : Kultur | 7 Kommentare

 Google in lieb

Das ist doch schön, dass Leute noch Träume haben. Auch schön, wenn Leute das gut verpacken können. Und wenn sich diese Leute dann auch noch Leute ins Boot holen, die an das Gute im Menschen glauben, scheint es fast perfekt. Perfekt inszeniert. Ab heute steht auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte der mit 38m Durchmesser angeblich größte Tisch der Welt (Foto folgt, denn die Redaktionsrechner sind nicht hochleistungsfähig). An ihn hat man 112 Personen des öffentlichen Lebens geladen. Sind ja auch wirklich spannende Leute aus der ganzen Welt dabei: Wim Wenders, Michal Hvorecky (Autor von “City”), Bianca Jagger, Terry Gilliam u.v.m.

Die Initiatoren der Seite droppingknowledge.org haben in einer Kampagne namens “Ask yourself” im Internet Fragen gesammelt. Aus diesen Fragen haben Cindy Gantz, Ralf Schmerberg und Jackie Wallace 100 Fragen aus verschiedensten Bereichen ausgewählt, Bereichen wie Globalisierung, Ethik, Macht, Krieg und anderen, zu denen eigentlich doch irgendwie jeder was zu sagen und eine Meinung hat. Die Antworten vom “Table of Free Voices” werden auf Video aufgezeichnet. Diese über 600 Stunden kann man sich ab Sonntag auf der Internetseite anschauen und selber seinen Senf dazugeben.

Priorisierung findet aber natürlich trotzdem statt: Aktualität von Beiträgen und ein Voting durch die Nutzer bestimmen, welche Beiträge relevant sind und oben erscheinen. Es werde aber nichts gelöscht, so Hans Uszkoreit vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Eine Zensur, die über geltende Gesetze hinausgeht, solle nicht stattfinden. Doch Schmerberg erwähnt auch, dass “Voting-Prozesse nur solange funktionieren, wie niemand eine Attacke fährt.” Und Attacken gibt es immer. Wie man in Zukunft mit Interessengruppen umgehen werde, die versuchen könnten, das Voting zu manipulieren, wisse man noch nicht, so Schmerberg. Ebenso müsse man in der jeweiligen Situation entscheiden, wie man mit offensichtlichen Lügen umgehe. “Reaktion muss dann vor allem aus der Gemeinschaft der Nutzer kommen”, sagt Schmerberg, denn man wolle sich in die Inhalte der Seite nicht einmischen.

dropping knowledge nutzt eine Copyleft-Lizenz, die sicherstellt, dass alle Inhalte für jeden frei zugänglich sind und benutzt werden dürfen. Auch damit wolle man anregen, “dass dem Diskurs Handlungen folgen”, so Uszkoreit. Angestrebt werden weitere Kooperationen mit Unternehmen und NGO¥s. Man wolle sich auch weitere Partner suchen, die tauchen natürlich auf der Seite auf. Und hopps haben wir hier ein neues Google. Suchmaschine soll es sein und Bibliothek, aber natürlich “besser als Wikipedia”.

Wer bestimmt, welche NGO´s verlinkt werden? Wen interessiert, wenn tausende Parteien, Interessengruppen und Deppen das Voting zu ihren Gunsten manipulieren? Und was ist eigentlich mit Werbung? Sitze ich eigentlich plötzlich in “Thank you for smoking” in Echtzeit? Und warum klimpern alle so nett mit den Äuglein?

Der Gedanke ist ein guter, die Idee wird toll verkauft und wenn man dann noch Leute hat wie Hafsat Abiola, die sich wirklich für gute Dinge engagieren, kann ja auch niemand mehr etwas dagegen sagen. Clever clever, where is your heart? Wahnsinnig gut verpackt. Und meiner Meinung nach Science-Fiction-Stoff im Reality-Format.

(Teil 2 “Die Pressekonferenz” folgt später. Teil 3 “Der Tisch der freien Stimmen” am Samstag)

Liz hat es verfasst, und zwar am 7. September 2006 um genau 16:03
Kategorie : Kultur | 1 Kommentare

 Eindeutigkeiten

Zeit ist Geld. Alles muss funktionieren, schnell gehen und dabei auch noch hübsch aussehen. In einem wunderbaren Text in der SZ von heute erzählt uns Oliver Herwig etwas über Piktogramme und ihren Stellenwert in unserer Gesellschaft. Es geht um die einfache Form und ihre Symbolkraft, um die Verkürzung komplexer Inhalte in unserem Alltag und darum, dass gutes Grafikdesign auch Leben retten kann.

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Während uns also die visuelle Ebene im Alltag nicht schnell genug funktionieren kann, wurschteln wir auf sprachlicher Ebene ja doch noch ziemlich herum. Überflusskommunikation, Geplänkel und Schwurbeleien umgeben uns wie dicker Nebel und eh man dann den anderen dadurch mal gefunden hat, ist er schon wieder weitergegangen. “Ach Hallo, wie geht´s?”-”Ach ja, die Kinder” - “Na?” - “Bis bald mal” - “Grüße an XY und Pipapo” - “Bist du eigentlich öfter hier” machen uns das Leben langsamer. Etikette schön und gut, ist ja auch alles ganz höflich, aber ein bisschen mehr Menscheln anstatt Heucheln würde ab und an alles ein wenig leichter machen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin eine Freundin gut geschriebener Texte, aber wenn mir jemand gegenüber steht und aus seinem Mund kommen nur schwerfällige Blasen oder ein Schwall überflüssigen Geschwurbels, dann wundere ich mich nicht über dicke Luft und Smogalarm. Und dabei geht es nicht um geplant gemütliches Schwadronieren oder Wortwitz. Sondern um dieses ewige Herumtitschen auf der Oberfläche, Liebäugelei schön und gut, Schüchternheit und Zurückhaltung alles wunderbar. Aber wenn man doch sagen kann, was man meint, warum tut man es dann so selten?

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. September 2006 um genau 11:57
Kategorie : Lektüre | 2 Kommentare

 Schichten von Tapeten

Emma ist nicht gut in Krisenkommunikation. Sie schweigt, legt den Kopf schief und hofft auf Erdbeben oder Wirbelstürme, auf Steinschlag oder einfach nur einen Anruf. Immer dann, wenn es schwierig wird. Sie beginnt aufzuräumen, umzutopfen, neu zu streichen. Immer dann, wenn sie nicht mehr weiter weiß. Wenn der Balkon dann grün ist und die Zimmer weiß, hat sich hin und wieder irgendetwas getan. Meistens durch Zufall, manchmal durch Zeit, selten durch Reden.

Jonas hat sich neulich umgedreht. Und steht seitdem mit dem Gesicht zur Wand. Der Kanarienvogel schreit aus Leibeskräften, den Fernseher hört er noch dahinter, den Brei von der Straße schubst er mit dem rechten Fuß zurück. Das Stehen im Schlafen ist so eine Sache, die Dellen der Rauhfasertapete drücken sich Nacht für Nacht in seine Stirn, die Fußspitzen an der Scheuerleiste sind schon taub und Emma spricht im Schlaf. Ihr Arm liegt dort auf seiner Seite. Eigentlich wie immer.

Am Morgen deckt sie den Tisch, sie schnattert und rotiert, sie werkelt und poliert. Sie klopft ihm den Staub von der Schulter und macht das Fenster auf. Seitdem schreit der Vogel nicht mehr, seitdem ist aus dem Brei von der Straße eine Flutwelle geworden. Gut für Emma, die wartet auf sowas. Schlecht für Jonas, den hört sie jetzt noch weniger.

Und morgen wird er sich umdrehen. Sie wird ihn anschauen, wie er da steht mit den blauen Zehen und den Furchen auf der Stirn, sie wird die Hände auf seine Schultern legen und sagen: “Müde siehst du aus.” Sie wird es wieder nicht begriffen haben. Und morgen wird er aus der Tür gehen und ihr ein schönes Leben wünschen, wenn er sich traut. Sie wird dann denken: “Das hoffe ich auch.”

Liz hat es verfasst, und zwar am 5. September 2006 um genau 15:55
Kategorie : Emma und Jonas | 0 Kommentare

 Durch die Finger

Bei diesem Film weiß man schon nach zehn Minuten, dass man ihn nicht bis zum Ende durchhält. Jaja, tolle Farben, prima Gesichter und so. Und Indien zieht ja sowieso oft. Dumm nur, wenn man mit der Kamera auf alle kleinen Gesten hält und damit sagt: “Jetzt guckt schon hin, das ist NEBENSÄCHLICH.”

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Dumm auch, wenn die Dialoge furchtbar vorhersehbar, die Rebellion der kleinen Chuyia gegen das Kastensystem in Indien bis ins Kleinste ausgesprochen und gezeigt wird, sodass dem Zuschauer auch ja nichts entgeht. Dass man keine Lust hat, auf Metaphern, die keine mehr sind, weil man ihnen jeglichen Interpretationsspielraum genommen hat, ist den Machern anscheinend egal. Vielleicht hat man aber auch nicht mit selbstlaufenden Gehirnen gerechnet, vielleicht versucht man ja, Leuten, die sonst auf Terminator stehen, Ästhetik beizubringen. Funktioniert nicht. Wird unästhetisch. Und sowas von gehaltlos.

Die Geschichte ist schon in den ersten drei Minuten erzählt und durchschaut. Chuyia wurde als Kind verheiratet, ihr Mann stirbt und so ist sie schon eine Witwe, bevor sie überhaupt verstanden hat, was das heißt. Abgeschoben wird sie dann in ein Witwenhaus. Natürlich will sie da nicht bleiben, natürlich sind die Frauen da alle komisch, natürlich gibt es auch die Guten, natürlich rafft Chuyia als kleines Mädchen sofort, wer ihr da über den Weg läuft. Offenkundig und total märchenhaft (natürlich!): “Ein Engel?!” Unvorteilhaft auch, wenn dazu die Synchronisation volle Banane ins Klischee fährt und nicht passt.

Wenn einem der Kopf in die Schraubzwinge geklemmt wird, macht man doch automatisch die Augen zu.

(Offiziell läuft “Water” ab 7.September in den Kinos.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 5. September 2006 um genau 11:44
Kategorie : Filme | 2 Kommentare

 Wogen glätten

Darüber wächst Gras. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie das so war. Als du noch da warst. Es fragt auch niemand mehr danach. Man hat sich abgefunden. Und wenn ich mich selbst frage, heißt es immer, es war gut. Man traut sich kaum, wirklich ehrlich zu sein, wenn man keine Gelegenheit mehr hat, die Vergangenheit in Frage zu stellen. Man traut sich kaum zu fragen, wenn man weiß, man bekommt keine Antwort.

Ich kann auch nicht mehr genau sagen, wie es war. Als ich dich noch fragen konnte. Als ich wusste, du stehst in meinem Rücken, du bringst mir Tetris bei und wie man ein Baumhaus baut. Als ich wusste, nur du schneidest die Kartoffeln so dick, wie ich es mag. Bei Pommes schüttel ich jetzt meistens den Kopf und weiß gar nicht mehr, warum. Du bist jetzt länger weg, als wir uns kannten. So von Angesicht zu Angesicht.

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Ich weiß immer, was ich von dir habe. Und dein Gesicht auf den Fotos. Und mir bleibt manchmal zwischendurch der Atem stehen, wenn jemand vor mir herläuft, dessen Hinterkopf aussieht wie deiner. Und es ist seltsam, Gespenstern hinterher zu jagen, wenn man denjenigen einholt, nur um zu sehen, ob du es wirklich nicht bist. Es ist seltsam, genau zu wissen, dass du nicht mehr da bist. Und sich trotzdem immer wieder zu vergewissern.

Ich glaube mir immer selbst kaum. Den Pullover trage ich nicht. Den trägt niemand. Der gehört dir und selbst du hattest ihn lange nicht an. Länger jetzt, als wir uns kannten. Die Stadt und ich sind ohne dich seit Jahren. Und hätten das nie gedacht. Aber schau uns an, wir haben uns ganz gut gemacht. Wie kalt es ist, wenn man merkt, man kommt über das meiste irgendwann hinweg. Und ich verabschiede mich von all den Idealen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 4. September 2006 um genau 20:19
Kategorie : Moi | 2 Kommentare

 Lebenslauf-Feintuning

Ein Praktikum ist mir nicht genug, ich will alles auf einmal und die volle Ladung Erfahrung. Mit einer Bewerbung der Extraklasse habe ich mich hier durchsetzen können und bin nun ab heute linke und rechte Hand von Mr. Burnster, dem one and only Rockstar-Chef. Ich werde redigieren und mich bekochen lassen, schreiben und Lobhudeleien einfahren, Leserbriefe beantworten und am Ende auf den Tischen tanzen. Mein Gebiet habe ich noch nicht abgesteckt, in den nächsten Tagen werde ich mich einarbeiten, der Vordruck für das Praktikumszeugnis liegt schon auf meinem Nachtschränkchen.

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Was ich (kennen)lernen will:
- Playstation-Rockstar-Fußbedienung
- italienisch Rockstar-Kochen wie der Meister persönlich
- Rockstarposing
- Bernies Rockstarfreunde, -kollegen, -bekannte, -verwandte

Was er von mir (kennen)lernen kann:

- Plattenordnung
- Redigieren
- Verbalinjurien

Liz hat es verfasst, und zwar am 4. September 2006 um genau 11:30
Kategorie : Moi | 5 Kommentare

 Stigmata

Es gibt Plätze, die können sich gar nicht verändern. Egal, wie viele Leute in die Straße ziehen, ihre Autos umparken, das Rad neu lackieren oder die Beete vor ihren Häusern bepflanzen, da verändert sich nichts. Und jedes Mal, wenn du mit deinem Fahrrad an dieser kleinen Mauer aus Stein vorbeifährst, vor der fast immer irgendwelcher Müll liegt, auf der auch hin und wieder ein Bauarbeiter sein Feierabendbier trinkt, von der die Spatzen ihre Kopfsprünge üben, fragst du dich, warum der Rest der Welt nicht auch angehalten hat.

Weißt du noch? Der Sommer war grad angekommen und uns stand das Wasser bis zum Hals.

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Liz hat es verfasst, und zwar am 4. September 2006 um genau 1:09
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare

 Egon Krenz und der nackte Hintern

September. Regen. Sonntagnachmittag. Prenzlauer Berg. Zionskirchplatz. Opa und ich.

Du kennst doch noch den Herrn Koch, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Er und ich waren einmal am Liebnitzsee nackt baden, dort wo es so steil ins Wasser geht. Nachdem wir eine Weile geschwommen waren und noch nass am Ufer standen, sah ich zwei Männer auf uns zu joggen. Joggen ist ja ziemlich zeitlos, das hat man damals auch schon gemacht. Ich sah genau hin und meinte zu Herrn Koch: “Schau mal, schau mal, der Egon Krenz!”, während wir da noch splitternackt herumstanden. Naja und da kam er schon auf uns zu und sagte uns höflich Guten Tag. Als Erster, stell dir das mal vor! Naja, und so kam es, dass Egon Krenz meinen nackten Hintern sah. Wie ich jetzt darauf gekommen bin, weiß ich auch nicht mehr… Willst du noch was trinken?

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(Dies ist der Beginn einer neuen Serie. Der ersten Serie hier. Und doch war dies schon länger geplant. Das heutige Frühstück gab den Ausschlag zum Start. An Sonntagen darf man ruhig mal anfangen. Und mein Opa erzählt ziemlich viel. Nur zum Aufschreiben ist er zu faul.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 3. September 2006 um genau 17:16
Kategorie : Opa sagt... | 2 Kommentare


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