Großstadtcowboys on demand

Bummsvallera. Es gibt eine neue Veranstaltungsreihe mit Hit-Potential. Le Club Uts,M! stammt aus dem Kopfe des Teams der gleichnamigen Booking-Agentur. Björn und Tobi glauben wohl, das “Club” im Namen ziehe die Mädchen und der französische Touch die Jungs. Klingt ja auch gut. Nur leider hab ich diese Sprache in der Schule nicht gelernt und finde dieses wilde Sprachgemixe auch immer reichlich holprig. Macht aber nix, denn die Auftaktveranstaltung am Samstag hielt mehr, als sie versprach.

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Björn hatte sich die Haare geschnitten, ein kariertes Hemd angezogen und flötete sich in die Herzen der Anwesenden. Und die Gänsehaut erschreckt mich mittlerweile nicht mehr. Den Gitarrengurt schön hoch gespannt, die Beinchen brav durchgestreckt sattelte er Jolly Jumper, Sonnenuntergang inklusive. Sonnenaufgang dann mit Audio Transparent, die so unscheinbar aussehen und dann aber mächtig die Pathos-Schublade aufziehen, ohne dass es unangenehm wird. Das Album hab ich trotzdem nicht gekauft, aus Angst vor Glätte und Perfektion. So finde ich es doch gerade charmant, wenn es ruckelt und knackt, seufzt und hechtet. Wenn der Schlagzeuger nicht auf Klick spielt und man den Atem aller hört. Mir blieb er fast stehen, als sich vor meinem inneren Auge Gebirge samt Weitblick auftürmten. Dieses Konzert war das erste in Deutschland für die holländische Band. Sichtlich aufgeregt, dafür umso konzentrierter gaben sie ein wahrlich bravouröses Debut.

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Da hilft dann auch kein “mit dem Fahrrad in die Nacht und alle Ampeln rot”. Da denkt man eben einfach länger drüber nach.

Liz hat es verfasst, und zwar am 18. September 2006 um genau 21:00
Kategorie : Ton | 2 Kommentare

 Pfannkuchen und Berliner

Sein Sieg sei ein “Verdienst vieler Berliner und Berliner” gewesen, so der Regierende Bürgermeister im weiß gekachelten E-Werk gestern abend. Na, is doch schön. Da feiert die SPD, dass sie es mit Hilfe eines Grinsekuchens geschafft hat, weiter in Berlin zu regieren. Und die Grünen bejubeln ihre Nicht-Agenda. Der PDS zieht es die weißen Tennissocken vor Schreck bis an die Knie und Madame Redler verfolgt ihre Realitätsverzerrung weiter (3% sind doch wirklich ein wahnsinniger Erfolg). Friedbert hat sich da auch ganz schön was eingebrockt, da musser jetz durch, das wollte er doch so. In den Redaktionen laufen Wetten darauf, wie lange er wohl das Springseilgrinsen durchhält. Ewig kann man nicht ablenken. Und dann ist da noch die NPD. Die Medien schlackern mit den Beinchen, die restlichen Politiker schauen stumm auf ihre Lotionhände. Ja, huch. Und nun? In vier Bezirken sitzt die NPD mit in den Berliner BVV und in Schwerin im Landtag. Schön, wenn sich Herr Beck noch traut zu sagen, man habe sie in Berlin nicht hochkommen lassen. Was sind schon so ein paar Bezirksverordnetenversammlungen?

Kniepeln wir also weiter an den Fingernägeln rum und hoffen auf das, was nicht eintreten wird: Dass die NPD den langweiligen BVV-Sitzungen fernbleibt, wie es die anderen kleinen Splitterparteien tun, die es mit ein zwei Leuten hineingeschafft haben. Dass sie dort jetzt legal krakelen dürfen, ist auch der Verdienst, einiger Berliner und Berliner. Und die nächsten warten schon: Bei der U18-Wahl in Berlin bekam die NPD 4,35%. Jetzt rechnen wir mal mit dem Pluszeichen und gucken alle ganz entsetzt auf das Ergebnis.

Liz hat es verfasst, und zwar am 18. September 2006 um genau 14:22
Kategorie : Berlin | 2 Kommentare

 Choking on your alibi

Das mit den Killers hatte im Winter angefangen. Du hattest dir die Argumente zurecht gelegt, ich mir die Fluchtwege. Und als die Dinge waren wie vorher, traute sich der Schnee endlich zu fallen. Wir stapften unsanft und Straßen voneinander entfernt durch die weiße Stadt, während das Mädchen am anderen Ende aufhörte zu weinen. Das hätte so auch gar nichts werden können, murmelten wir vor uns hin immer und immer wieder, unsicher die Köpfe aneinander gelehnt und die Momente auch nur dazwischen geparkt. Zwischen Papier, zwischen Haltestellen, zwischen Tag und Nacht, zwischen Wände und Umstände. Ein paar Mal ging das so, hin und her und wieder zurück. Wir hatten auf Bürgersteigen, an Wassern und Ufern, an absoluten Endstationen gesessen und uns die Hände gerieben. Da hat das mit den Killers angefangen. Das leise Summen im Hinterkopf und diese Lippenbewegungen in den Nächten, als wir noch dachten, alles wird gut. Bestimmt. Irgendwann. Sowieso. Das Scheitern hing uns hinten in den Kapuzen und wir liefen so weit nach vorn gebeugt, um es hinaus zu zögern. Lieber Rundrücken statt Umkippen. Sowas hält man nicht durch auf Dauer. Und sieht ja auch blöd aus.

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Du hast den Raum verlassen neulich. Man lief sich so über den Weg wie ständig in dieser großen Stadt, in der man sich selten an die Einbahnstraßen hält. Die Füße klapperten im Takt, die Mädchen hatten den Hüftschwung schon zu Hause geübt, alles eine Frage der Routine und der Partituren. Das Lied kam und einer von uns hörte im Hof weiter. Ich erinnerte mich gestern daran. Dass immer einer gehen muss. Ich erinnerte mich gestern daran, dass wir uns los sind. Und es macht auch keinen Unterschied mehr. Es ist Herbst jetzt. Und das mit den Killers war weniger Zufall als wir.

Liz hat es verfasst, und zwar am 16. September 2006 um genau 21:11
Kategorie : Ton | 1 Kommentare

 Sonderangebot Wahlkrampf

Berlins Wahlkampf ist in den letzten Zügen. Endspurt und Hechelei den Wählern hinterher. Dazwischen einer, der es sich leisten kann, sich zurückzulehnen: Mr. Burnster, Direktkandidat für Berlins Rockelite und Chef meiner Wenigkeit.

Mit angeborener Lässigkeit macht er es sich auf Berlins Sonnenseite gemütlich und lächelt nur über die unseglich lächerlichen Hampeleien seiner Konkurrenz. Lockerflockiges Stretching gehört zu seinen leichtesten Übungen, den Felgaufschwung hat er im Blut und morgens steht er nie ohne Flugrolle auf. Kochen im Kopfstand, Radeln mit Wadeln und Extreme Couchsurfing - Burnster kann sie alle. Endorphine sind sein täglich Brot. Und Entspannung sowieso. Beim Kiezspaziergang hat er jeden Nachmittag ein offenes Ohr für die Sounds seiner Mitbürger und ein offenes Auge für nette Nachbarinnen.

Mr. Burnster

Wer ihn nicht wählen will, muss also fühlen. Kraulen Sie ihm den Kopf und Sie wissen, was der Mann von heute und morgen für Prioritäten hat. Nah dran am Geschehen, mitten in den heikelsten Ecken dieser Stadt. Burnster war schon überall und weiß, wo die Warnschilder wirklich hingehören. Unsere personfizierte Vielseitigkeit: voll evil und voll emo, megapanne und hochintelligent, hyperporno und lammfromm. Wer verkörpert die Standardgroßstadt besser als unser Mäuschen vom Lande? Und von der Unentspanntheit der großen Parteien schneidet er sich keine Scheibe ab, er isst nur Zuckerwatte oder argentinisches Rind. Ganz oder gar nicht. Happy happy happy oder Weltuntergang. Dieser Mann hat noch keine Hornhaut auf der Seele. Kraulen Sie ihm also den Bauch und er wird es Ihnen danken. Mit Platten frei Haus, Schnaps aus dem Wasserhahn und verordneter Dienstleistungsfreundlichkeit für alle.

Geben Sie ihm am Sonntag Ihre Stimme und er wird Sie groß rausbringen. Leisten Sie Hilfestellung, damit Berlin burnt.

Liz hat es verfasst, und zwar am 15. September 2006 um genau 13:22
Kategorie : Wir | 0 Kommentare

 Und das Knacken im Gelenk

Erst lasse ich die Jacke an, dann ziehe ich sie doch aus und lege sie mir auf den Schoß. Meine rechte Hand sucht sich die Stelle des roten Stoffs, die am wärmsten ist. Die am leisesten ist. Wohin mit den Füßen, frage ich mich, wohin mit den Füßen? Kalt und warm im Takt mit der Gänsehaut, während auf der Leinwand einer schreit, einer schlägt, einer verstummt. Die Frau links neben mir hält die Luft an. Selbst das kann man hören. Und den Leuten ist ihr Husten peinlich, sie sind sich selbst peinlich und die Bilder auf der Leinwand sind ihnen fremdpeinlich. Ja, wohin mit den Füßen. Sie legen ihre Hände in den Schoß, während auf der Leinwand einer rennt, einer steht, einer fällt.

Die Bilder dauern. Deine einzige Chance ist dein Auge. Schließ es oder halte durch. Dass Zwinkern dabei manchmal wie Erlösung und die eigene Jacke zum Schutzwall wird, scheint abstrus, aber niemand stellt es in Frage. Man hat ja sonst nichts. Und niemand sitzt im Saal allein. Und der auf der Leinwand vergewaltigt, versucht und verliert. Im Publikum rascheln die krampfenden Hände. Im Gang draußen reden die wenigsten. Manche träumen nachts davon, manche sind froh, dass sie es nicht tun.

Liz hat es verfasst, und zwar am 13. September 2006 um genau 17:07
Kategorie : Filme | 7 Kommentare

 Und wir können spüren, wie sie die Form verlieren

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Sie hat sich ganz gut eingerichtet in den Lücken dieser Zeilen. Die Lebensläufe sind geschrieben und sie scheint immer und immer wieder die Sprünge abzupassen. Steht jemand am Rande einer Veränderung, sie trifft ihn und sie lächeln sich nett an. Meistens spinnt sie dann ein bisschen herum, er spinnt vielleicht auch und am Ende merken: Hallodri, wir haben denselben Humor. Und vielleicht fahren wir auch hin und wieder in derselben Bahn.

Das bleibt dann auch immer wunderbar unkompliziert, denn die Tickets sind gebucht, das neue Leben abgesteckt, die Türen alle mit dem Fuß ausgestoßen. Keiner hat eine Ahnung, was kommt, aber das ist dann auch irgendwie egal - Hauptsache, man geht raus. Sie hat sich ganz gut arrangiert mit sich selbst und dem Umstand, dass die Leute meistens nur auf der Durchreise sind. Sowas lernt man ja mit der Zeit, zu sagen, was einem wichtig ist und das nicht erst nach fünf, sechs Jahren. Den Kopf schief zu legen und durch die Menschen hindurch zu sehen, die das System gescannt und als “wahrscheinlich nicht kompatibel” abgespeichert hat. Sie kann das mittlerweile, das Unverbindliche.

Ich hab sie neulich nacht auf der Straße getroffen. Sie stand an der Ecke und guckte ins Nichts, während neben ihr jemand auf den Stufen des Bäckers saß. Ich senkte den Blick, man schaut da ja nicht so hin, das haben wir als Kinder schon gelernt. Vorne beim blauen Haus habe ich mich noch einmal umgedreht. Der Jemand war verschwunden und sie machte sich noch den Schnürsenkel zu. Ich fragte mich, wohin sie wohl schaut, wenn wirklich einmal jemand bleiben will. Ich wusste nichts von dem Foto in ihrer Tasche und ihrer Hand als Faust. Ich stand so weit weg.

Liz hat es verfasst, und zwar am 12. September 2006 um genau 15:43
Kategorie : Berlin, Blicke, Wir | 0 Kommentare

 Stuhltanz auf dem Bebelplatz

Das nenn ich Stell-Dich-Ein. 112 Leute auf einem Platz. Alle haben gute Ideen, alle haben ein gewisses Bewusstsein für Schwachstellen dieser Welt und alle finden, das sei ja auch eine feine Sache. Schön, wenn man sich da so einig ist. Otto Normalverbraucher hatte jedoch nicht viel von dem Ringelreihen der problembewussten Elite auf dem Bebelplatz am Samstag. Leises Gegrummel und der Welt zugewandte Rücken trugen nicht zur Besucherfreundlichkeit des “Table of Free Voices” bei.

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Sie kamen aus der juristischen Fakultät, es war halb neun. Einer hatte sogar verschlafen, der kam etwas später. Wie Richter, wie Geschworene. Manche im Anzug und zurecht gemacht, andere hätte man auch einfach für Zuschauer halten können. Ein buntes, brabbelndes Menschenhäuflein setzte sich dann in Linie. Kein langes Drumherumreden, schließlich wussten alle, warum sie da sind. Ein Begrüßungslied wurde noch von Yungchen Lhamo gesungen. Stellen Sie sich vor, das ist ein Film: “Weltstadt, die Eliten der Erde tagen, um den Frieden zu beschließen. Bedächtig schauen sie in die Runde der klugen Köpfe, in dem Moment, wo die kleine Frau mit den ewig langen Haaren zu ihrem Gesang ansetzt, kommt die Sonne heraus.” Mich überlief eine Gänsehaut und mir war nicht klar, was daran jetzt nicht stimmte. Inszenierung, Orchestrierung, Bummsvallera?

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Ein kurzes Dankeschön der Initiatoren und dann ging es auch schon los mit der ersten Frage, während mir die Füße froren: “Sind Marken mächtiger als Regierungen?” Auf der Pressekonferenz hatte man noch angekündigt, welch spirit sich doch da verbreiten möge, wenn alle Stimmen auf einmal zu ihren Antworten ansetzten. Nix da. Dabei habe ich extra die Augen geschlossen, spirit muss man ja genießen! Aber zu früh gefreut. Man hörte gar nichts. Zwischen Fußgetrappel, denn außer denen am Tisch waren alle anderen furchtbar nervös, Straßenlärm, Kirchengeläut und Journalistengequatsche war von schlauen Antworten auf die “drängendsten Fragen der Zeit” nicht mehr als hin und wieder ein Brummeln zu hören. Über dem Ganzen schwebte unberührt ein Zeppelin samt Videokamera.

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Die Eingeladenen hatten Zeit, ein Statement von drei Minuten abzugeben. Komprimierte Meinung samt Erfahrungsschatz und Fachwissen. Eine Möglichkeit, sich mal geballt zu äußern. Bei Otto kam dabei jedoch nichts an. Otto sah nur Rücken, die im Kreis sitzen, und Hinterköppe. Otto wusste auch gar nicht genau, wer da eigentlich alles saß. Otto hatte auf seinem Wochenendspaziergang auch keinen Internetzugang dabei, mit dem er sich auf die Seite klicken und den Antworten live lauschen hätte können. Davon mal abgesehen funktionierte die Seite eh nicht einwandfrei und ist momentan auch immer noch nicht aufrufbar. So schnell platzt der Traum vom perfekten Marketing und einer heilen Welt. Muss die Masse wohl auf die Klasse warten.

Aber bald wird sich jeder mal wie Wim Wenders oder Bianca Jagger fühlen können und ein Video von sich und seiner Antwort im Internet hochladen. Wenn die technischen Fiesematenten überwunden sind. Vielleicht wird die Welt davon ja dann ein bisschen besser.

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. September 2006 um genau 15:14
Kategorie : Berlin | 2 Kommentare

 Auf den Trümmern, wir träumten

Schluss mit den Querverweisen, Schluss mit dem Drumherum. Mach den Mund auf und stopf dir die ganze Tüte hinein. Wozu aufheben, wozu warten? Gegen die Wand muss es. Und wenn du grad schon mal dabei bist, zieh nicht die Schuhe aus. Geh, als hättest du den schönsten Arsch der Welt und lass die Jacke an. Schrei den Namen deiner Mutter, deiner Oma, deiner Tante, wen juckt der Unterschied? Gegen die Wand muss es. Hör auf mit dem Flüstern und lass all diese Spielchen. Iss die ganze Tafel, trink die ganze Flasche, nimm, wenn man dir anbietet und dreh dich am Ende nicht noch einmal um. Steig in den Flieger, gib dein Geld aus, fahr los und vergiss die Kündigung, aber komm nicht zurück. Übernachte in der Panorama-Suite, lass dir das Frühstück ans Bett bringen, telefoniere ans andere Ende der Welt und leg nicht auf, wenn du schläfst. Schluss mit den verhaltenen Blicken. Mach die Augen auf, mein Mädchen, mach die Hände auf, öffne den Mund und gib mir, was du willst. Raus damit, denn gegen die Wand muss es. Küss die Wände, deren Farbe du magst. Lass alle sehen, dass du wenig geschlafen hast und scheiß drauf, wenn sie nicht fragen, warum. Spiel Fußball mit den Kastanien, schmeiß die Scheiben ein und lass die Scherben liegen. Trampel auf der Treppe, schrei, wenn es dir passt und gib nicht auf, gib einfach nicht auf. Du weißt doch längst, dass das nicht gut ausgeht für dich. Aber umdrehen kannst du immer. Lass mich nicht los, noch nicht.

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Du bist nicht gut in Behutsamkeit, mein Mädchen. Aber hör nicht auf, es zu versuchen. Sie singen doch immer wieder nur für dich: You cannot waste a single night. You can´t.

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. September 2006 um genau 20:41
Kategorie : Moi | 6 Kommentare

 Company(on)

Die Sonne klettert langsam über die Dächer, das Büro ist still und kühl. Vom Chef keine Spur. Die Kaffeemaschine blubbert, das Fax spuckt in der Früh nur alle zehn Minuten Liebesmails, Einladungen zu Empfängen und Songtexte aus. Ich sauge noch einmal um seinen Schreibtisch herum… Krümel, Schnipsel, Fussel. Und werde Meisterin im Slalom-Eiertanz.

Er wird nicht kommen, das weiß ich jetzt schon. Er wird nachher anrufen und mit kratziger, verrauchter Stimme säuseln: “Hey Baby, hast du alles im Griff? Pass auf, das wurde alles später als erwartet. Ich musste die Welt retten und meiner Mama noch eine Postkarte schreiben. So kann ich nicht arbeiten. Schaffst du das auch allein?” Und ich werde schon alles erledigt haben, die Post eingetütet, den Mädchen vor dem Haus einen Eimer Wasser auf den Kopf gekippt, die Topfpflanzen entstaubt, ein paar Pressetexte in seinem Namen geschrieben und auf seine Kreditkarte neue Schuhe bestellt haben. Während ich mir die Jacke anziehe, werde ich hüsteln und schmachten: “Alles unter Kontrolle, Chef. Wird zwar alles noch eine Weile dauern, aber weil sie es sind. Und natürlich schaffe ich das allein.” Dann fliegt die Tür ins Schloß. Hallo Tag, hallo Wochenende.

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. September 2006 um genau 8:28
Kategorie : Moi | 0 Kommentare

 Resümierend grinsen

Tätärätäää. Aufatmen, Pause machen, Wochenende. Nachher ist der Stress vorbei, alle können sich wieder zurücklehnen und mal in Ruhe nachdenken, rausgucken und Feierabend machen. Vorbei die Zeit der alten Beiträge, Fotos und Schnipsel. Jetzt darf wieder hochkonsequent geschrieben werden, wie Schnabel und Stimmung da draußen gewachsen sind. Völlig habe ich mich dem Aktualitätsdruck nicht unterworfen und dass ich mich überwunden hab, die Diskussion anzuschubsen, finde ich auch recht prima. Denn dabei ham wa ja wieda wat jelernt. Fein und gut und ich bin froh, dass der Blick morgens jetzt nicht mehr auf die Zahl vor dem Namen knallt. Und dass die E-Mails ausbleiben, die drängeln: „Lise, schreib was, sonst kann man dich nicht wählen!

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Wir hauen auf die Pauke und freuen uns über diese Erfahrung. Dass meine werten Lieblingsautoren nicht am Start waren, ist zwar schade, aber vielleicht doch auch Zeichen einer gewissen Reife, Unabhängigkeit und ach, was weiß denn ich. Geld ist nicht alles und der Winter kommt trotzdem. Ich beglückwünsche den/die GewinnerIn schon einmal im Voraus (Jackpot Baby! haben´s verdient), schüttele brav Hände, Stifte und Tastaturputztücher. Aber jetzt muss ich mal los. Rausgehen, arbeiten, leben, Welt sehen, Musik machen, Eis essen. Denn sind wir nicht sowieso alle ein bisschen jetzt.de?

Liz hat es verfasst, und zwar am 8. September 2006 um genau 13:59
Kategorie : Lektüre, Wir | 11 Kommentare


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