Und das Knacken im Gelenk

Erst lasse ich die Jacke an, dann ziehe ich sie doch aus und lege sie mir auf den Schoß. Meine rechte Hand sucht sich die Stelle des roten Stoffs, die am wärmsten ist. Die am leisesten ist. Wohin mit den Füßen, frage ich mich, wohin mit den Füßen? Kalt und warm im Takt mit der Gänsehaut, während auf der Leinwand einer schreit, einer schlägt, einer verstummt. Die Frau links neben mir hält die Luft an. Selbst das kann man hören. Und den Leuten ist ihr Husten peinlich, sie sind sich selbst peinlich und die Bilder auf der Leinwand sind ihnen fremdpeinlich. Ja, wohin mit den Füßen. Sie legen ihre Hände in den Schoß, während auf der Leinwand einer rennt, einer steht, einer fällt.

Die Bilder dauern. Deine einzige Chance ist dein Auge. Schließ es oder halte durch. Dass Zwinkern dabei manchmal wie Erlösung und die eigene Jacke zum Schutzwall wird, scheint abstrus, aber niemand stellt es in Frage. Man hat ja sonst nichts. Und niemand sitzt im Saal allein. Und der auf der Leinwand vergewaltigt, versucht und verliert. Im Publikum rascheln die krampfenden Hände. Im Gang draußen reden die wenigsten. Manche träumen nachts davon, manche sind froh, dass sie es nicht tun.

Liz hat es verfasst, und zwar am 13. September 2006 um genau 17:07
Kategorie : Filme | 7 Kommentare


Kalendar

September 2006
M D M D F S S
« Aug   Okt »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930  

Monatsübersicht

Kategorien