Even if.

Im kleinen Kreis standen wir damals im NBI, der Laden in rotes Licht getaucht und mir stockte der Atem bei diesem Lied, Caro schaute mit großen Augen zu mir herüber. Da stand Martin Gustafsson in seiner engen Hose mit der Gitarre vor dem Bauch und sang das Liebeslied meines Lebens. Ich lief danach allein über den großen Hof und wusste nicht mehr, in welcher Richtung eigentlich mein Zuhause war.

„I´ll be leaving in a blue bus this saturday. I´m gonna travel with my best friends for the sake of a song. And I guess I´ll think about you from time to time. But I can manage life without you if I have to”

Ein paar Wochen später in Leipzig hörte ich es noch mal. Martin meinte, es sei eine Idee auf der Tour gewesen, er hätte noch keinen Namen dafür. „Heart Song“, sagt ich vor mich hin mit einem Bier in der Hand, Björn stand neben mir und lachte. „Heart Song“, wiederholte Martin und verließ den Raum. Björn winkte am nächsten Morgen, als der Bus um die Ecke bog.

„I´ll be leaving in a snow storm cause the weather´s a mess. I´m gonna walk on brand new streets soon in brand new towns. And I love the way that you smell just like a summer breeze. But I´m gonna smoke my little throat out if I have to”

In Göteborg vor ein paar Wochen klingelte es an der Tür. Das karierte Hemd betrat den Raum. Sonne schien durch das kleine Fenster, er setzte sich in den Sessel, stöpselte das Musikabspielgerät ein und wartete. Da war es wieder, jetzt aufgenommen und fertig. Während Martin stolz grinste, fiel ich ein halbes Jahr zurück.

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„Cause a heart is a heart even if it is broken. And a smile is a smile even if you are choking. A speech is a speech even if it´s not spoken. And a kiss is is a kiss even if you don´t feel it. And I you don´t feel me. And I don´t feel you.”

Die Straßen mit den roten Häusern nahmen mich in den Arm. Ich hab ja versucht, zu vergessen. Aber wie so oft wird man manche Dinge einfach nicht los..„But I hope this summer will carry you home”.

(Das Lied befindet sich auf der bald erscheinenden EP “The Grey Rainbow”)

Liz hat es verfasst, und zwar am 2. September 2006 um genau 18:34
Kategorie : Ton | 0 Kommentare

 Kaffeesatz

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Jetzt haben sie wieder offene Gesichter. Kaum zeigt der Himmel ein bisschen Blau schieben sie ihre Kinder herum, setzen sich die Fliegenaugensonnenbrillen auf die Nasen und flanieren um die Wette. Kinderwagen und Stöckelschuhe auf Kopfsteinpflaster, schallendes Lachen neben Straßenbahngeklingel. So atmet der Prenzlauer Berg noch einmal auf, so recken und strecken sie ihre Köpfe aus den Fenstern, es könnte ja das letzte Mal sein in diesem Jahr. Mit Pappbechern und Kuchengabeln, mit Eistüten und Fahrradschlössern bewaffnet, tummelt sich noch einmal, was den Sommer schon aufgegeben hatte. Flipflopschlappgeräusche neben Rockrascheln. Klappt die Liegestühle aus, der Sommer ist zurück. Für einen Moment. Aber vergesst den Schal nicht. Und seid nicht enttäuscht, wenn die Euphorie vorübergeht.

Zwischen den nackten Zehen liegen schon die ersten bunten Blätter. Haltet die Augen auf.

Liz hat es verfasst, und zwar am 2. September 2006 um genau 15:04
Kategorie : Berlin, Blicke, Wir | 1 Kommentare

 Die Nachbarin

Sie muss ein schweres Leben haben, die Gute. Die Kleine mit den engen Leggins und den kunterbunten Print-T-Shirts. Die mit dem Hund, der immer die Krise kriegt, sobald jemand die Treppen hinaufkommt oder hinuntergeht. Die, die morgens um halb vier ziemlich blau und mit schiefer Stimme die Charts versucht zu singen. Alle Hits, alle Tonhöhen. Sie versucht es. Und wenn sie es nicht schafft, lästert sie mit dem Telefon über Bekannte.

Sie muss wirklich ein schweres Leben haben. Die,die neulich einen Setzling ihres Bananenbaumes rüberbrachte. Mit einem seligen Grinsen und Fahne. Sie topfe jetz um, das müsse doch mal sein. Und der Setzling brauche viel Licht, ich solle ihn erst einmal ins Wasser stellen. Danach hörte sie Unbreak My Heart in der Endlosschleife.

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Sie hat eine Vorliebe für Skipistenhits und seltsame Männer. Ob das ihrer ist, der jedes Wochenende kommt oder nur irgendeiner weiß niemand so genau. Sie hat auch eine Vorliebe für Grillfleisch auf dem Balkon. Da stellt sie sich daneben mit ihren lustig bunten Motivhaargummis und winkt ihren Kumpels in der „Kohlengrube“ auf der anderen Seite der Straße.

Man hat es nicht leicht, wenn man sich nachts völlig besoffen aussperrt und einen die Nachbarn davon abhalten müssen, mit dem Hammer die Tür einzuschlagen. Aber wenigstens hat man einen Hund und morgen kommt die BamS.

Liz hat es verfasst, und zwar am 2. September 2006 um genau 12:30
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare

 Was würden eigentlich Sie tun?

Werte LeserInnen.

Ich befinde mich in einem inneren Konflikt und frage darum: Was würden Sie an meiner Stelle tun? Denn jetzt.de hat ein Blogstipendium ausgeschrieben. Dieser Blog steht auch auf der Liste derer, die nun von den jetzt-Usern bewertet werden:

1) „Die Auswahl wird auf Beitragsebene getroffen, d.h. wir zeigen nicht das ganze Blog, sondern einzelne Texte aus dem jeweiligen Blog“.
2) „Aus den Einzelbewertungen ergibt sich ein Gesamturteil.”
3) “Es werden immer nur die Beiträge aus den vergangenen 24 Stunden angezeigt.”

Außerdem heißt es aber: „Ist dieser Modus nicht unfair gegenüber den vielen schönen Beiträgen, die vor zwei, zehn oder zwanzig Tagen geschrieben wurden? Womöglich schon. Aber das ist das Wesen von Blogs.“ (Woraufhin ich den Kopf schüttele und sage: Das Wesen der Blogs besteht vor allem auch in ihrer subjektiven Sichtweise, in ihrem Blick auf die Welt, der ein anderer einzelner ist. Es besteht in Reflektion und Dialog. Und nicht nur in ihrer Schnelllebigkeit. Das wäre dann fast gleichzusetzen mit Beliebigkeit.)

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Und da steh ich nun. Und frage mich, was würden Sie tun? Schreiben und schreiben, zigtausend Beiträge, um gelesen zu werden? Damit man auf den „Gefällt mir“-Button klickt? Photos posten, kleine Schnipsel, die mal eben schnell gelesen oder auch nur beguckt werden können? Oder würden Sie sich weiterhin Zeit für ihre Texte nehmen? Auf Anlässe warten und Quantität nicht Qualität zur Seite drängeln lassen? Auch wenn Ihnen damit vielleicht eine so grandiose Chance wie dieses Stipendium flöten geht?

Und da sitze ich nun und denke: Es ist ja immer noch mein Name. Es ist ja immer noch mein Blog. Und wo stehe ich denn eigentlich? Denn es ist eben nicht normal für mich, fünf Beiträge am Tag zu schreiben. Manchmal schreibe ich drei Tage lang nichts und dann wieder an zwei Tagen hintereinander. Und doch gibt es meistens Anlässe für die Texte, Gründe, Geschichten, Beobachtungen, Zweifel, Fragen. Ist das einfach die Chance zu zeigen, dass man auf Druck auch viel Gutes produzieren kann? Oder ist es ein Fehler im System? Soll ich alle zwei Stunden gucken, auf welchem Platz ich bin, und überlegen, was als nächstes Thema bearbeitet werden könnte? Soll ich in Form stampfen und mich hetzen oder es einfach lassen? Ist es das wert?

Ich weiß es nicht. Deswegen frage ich.

Liz hat es verfasst, und zwar am 2. September 2006 um genau 0:04
Kategorie : Moi | 14 Kommentare


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