Schreien Sie auf, liebe Feministinnen in Hochform! Haben Sie das schon einmal gesehen? Die armen, geprügelten Männer, die ohne Orientierung und Rückzugsraum, haben ab heute wieder ein Absperrband geschenkt bekommen, welches sie großzügig einsetzen dürfen: einen Fernsehsender ganz für sich allein.

Eigentlich soll DMAX ja auch Frauen ansprechen, Hauptzielgruppe seien aber die Männer. Schubladenfreunde dürfen jetzt aufjuchzen, da kommt das Programm für den angeblich neuen Mann, der ja auch irgendwie alles ist: den Softie, den harten Kerl, den Verständnisvollen, den Frauenversteher, den Macho, den Coolen, den Gewissenhaften, den Nachdenklichen und den Sorglosen. (Von allem ein bisschen macht ein ganz großes Nichts, nur mal nebenbei gesagt. “Was ist schon ein Mann ohne Prioritäten?”, murmelt da etwas in mir). XXP wird abgeschafft, die Männer sollen an die geballte
Macht. Alles schön zurechtgeschnippelt und in Bildschirmgröße gepresst. Brav hat man Real-Formate importiert und noch ein bisschen Quotenprominenz beigemischt.
Die Sendungen reichen vom Spielplatz für Playboys über den Megaführerschein bis hin zu heißen Öfen und Monstergaragen. Prima, wenn man meint, damit den neuen Mann anzulocken. Die Webseite zeigt sich in edlem Grau-Türkis. Stromlinien bringen die Dynamik, das Türkis erinnert an Zahnarzt. Macht nix, Doktoren sind ja von Natur aus begehrt bei Frauen, meinen Gerüchte. Smart und hopps: Schau ein bisschen Fernsehen und du brauchst nicht mehr in den Abenteuerurlaub fahren. Erotik ist offiziell ja noch nicht geplant, vielleicht will man damit am Anfang aber auch nicht gleich ins Haus fallen.
Müssen wir jetzt Angst haben? Angst vor einem nachziehenden Frauensender? Ist die neue Frau dann ein knackiges Anzugmädchen am Herd, das sich die Zehnägel von einem Butler lackieren lässt und nebenbei eine Zusammenfassung von Brecht liest, während in ihrer Lieblingssoap Karten für Robbie Williams verschenkt werden?
Gott bewahre.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. September 2006 um genau 18:05
Kategorie : Filme | 0 Kommentare
Amerika ist ganz entsetzt: Journalisten sind auch nur Menschen. Wahnsinn! Total neu, dass Menschen auch Fehler machen können.
Nicht nur Wickert und Schäuble führten ihr bekanntes Diätvorgespräch vor laufender Kamera, auch Kyra Phillips von CNN wähnte sich Dienstagmittag auf der Damentoilette unbelauscht. Es lief gerade die Bush-Rede zum Katrina-Jahrestag aus New Orleans, als die Zuschauer der kleinen Unterhaltung auf dem stillen Örtchen lauschen durften.
Ungefähr anderthalb Minuten lang konnten die Zuschauer Phillips erst über ihren Ehemann reden und dann auch über ihre Schwägerin nicht so nett reden hören: “I´ve got to be protective of him“, sagte sie nach Agenturmeldungen über ihren Bruder, “He´s married, three kids, and his wife is just a control freak..” Kollegin Dary Kagan habe Phillips dann darauf hingewiesen, dass sie vergessen habe, ihr Mikrofon auszuschalten.
CNN bat das Weiße Haus am Nachmittag um Verzeihung. Damit wird ein simpler Fakt zum Anlass für einen Staatsakt: Alles auch nur Menschen. Dafür muss man sich anscheinend unbedingt entschuldigen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. September 2006 um genau 14:24
Kategorie : Kultur | 1 Kommentare
Manchmal weiß man nicht, wohin man gehört und was dieses dick unterstrichene Wort Zukunft eigentlich sein soll. Manchmal fühlt man sich fehl an jedem Platz der Welt. Wenn man dann jemanden trifft, der zu verstehen scheint, was das bedeutet, beginnt man zu idealisieren. Und daran zu glauben.
“Blankets” ist die gemalte Geschichte von Craig, der in einer Kleinstadt in Wisconsin (USA) aufwächst. Zwischen Kirche und Schule, zwischen elterlichen Erwartungen und dem Gefühl, irgendwie falsch zu sein, wird er älter. Er flüchtet sich in die Bibel und merkt trotzdem, dass er nicht einfach glauben kann, sondern dass er hinterfragt. Als er Raina begegnet, einem Mädchen, das er im Kirchencamp kennenlernt, hört er vorerst damit auf. Raina wird sein Heiligtum.
Die beiden lernen sich kennen und behalten trotz großer Entfernung Kontakt. Sie schreiben sich Briefe und irgendwann besucht Craig das Mädchen, das in einer wirren Situation lebt. Die Eltern lassen sich scheiden, um zwei ihrer Geschwister muss sie sich kümmern, die große Schwester läd ihr Baby bei Raina ab. Und Raina soll dazwischen irgendwie erwachsen werden.
Die beiden haben eine gute Zeit. Und doch löst sich Craigs Unbehagen gegenüber der Teeniegesellschaft nicht auf. Er glaubte, in Raina eine Verbündete gefunden zu haben. Und sie suchte einen Retter. “Verlass mich nie”, sagt sie. Und doch ruft sie am Ende an, als er wieder zuhause ist, und sagt, ihr sei es zuviel. Craig nimmt das hin. Er taumelt sich so durch. Er behält die traurigen Augen, bis zu diesem einen Tag im Schnee.
Blankets ist die Geschichte der Suche nach sich selbst, in dem man in anderen Menschen sucht. Am Ende muss man sich aber doch an sich selbst anlehnen. Denn niemand wird einer solchen Romantik gerecht werden, alle sind mit sich selbst beschäftigt. Und als Craig erkennt, dass man sich selbst genügen muss, kann er zurücksehen, ohne den Kopf zu senken:
“Wie befriedigend es ist, ein Zeichen auf einer leeren Oberfläche zu hinterlassen. Eine Karte meiner Bewegung anzufertigen, egal, wie vergänglich”.
Wenn man weiß, dass alles vorbeigeht, kann man sich darauf einstellen. Kann man damit rechnen. Kann man es loswerden. Und ist am Ende vielleicht leichter.

Blankets ist bei SPEED Comics erschienen. Autor Craig Thompson (31) lebt in Oregon.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. September 2006 um genau 12:03
Kategorie : Lektüre | 0 Kommentare
Ich hab vergessen, wie es ging, das Lied der leisen Tage. Ich erinnere mich nicht ein Stück an Wort und Melodie. Ich kann mir nicht mehr glauben, was ich vor zweihundert Tagen noch geschworen habe. Ich hab vergessen, wie es war, als in kleinen Brocken der Tag vom Dach fiel. Als Linie für Linie auf dem Asphalt wieder und wieder in Richtung Gulli zeigte. Als alles überlief, hab ich gefehlt.
Ich hab vergessen, was war, als die Nummern wieder Zahlen wurden und wir uns die Kombinationen wieder auf Zetteln notieren und auswendig lernen mussten. Als der Name wieder Name war, hab ich vergessen, warum. Sie haben dann gefragt, ob alles ok sei. Es war alles ok, nichts war umgefallen. Der Regen tat weh, das war der Unterschied.

Gestern ist es mir wieder eingefallen. Was war. Wie das Lied ging. Und der Text. Von meinem Schwur und dieser kleinen Liebe. Ich fand in meinen Schuhen Sand, in meinen Taschen kleine Münzen. Und die Kurven fahr ich mittlerweile ohne Hand. Gestern ist mir wieder eingefallen, welche Tasten zu dir gehören. Und dass der Name nicht zu dir passt.
Denn gestern war Sturm und ich wusste, warum. Hast du mich noch gesehen? Das Hinterrad, die Kapuze, das flatternde Tuch? Wir haben gelernt, uns zu verpassen, jetzt können wir wirklich gehen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. September 2006 um genau 0:10
Kategorie : Wir | 1 Kommentare