An jeder Ecke wartet das Taxi. An jeder Straße. Du kannst einsteigen und losfahren. Losfahren und nicht mehr wiederkommen. Wann immer du willst. Und sonntags dann kannst du am Frühstückstisch sitzen und dich fragen, was gewesen wäre, wenn du nicht gefahren wärst. Du kannst dann stolz auf dich sein, dass du die Fäden in der Hand und die Dinge unter Kontrolle gehalten hast. In Berlin brauchst du die Taxen nicht bestellen, sie warten an jeder Kreuzung auf dich.
Mach Gebrauch davon. Geh, wenn es am schönsten ist. Wir jungen Leute baden uns doch gern in der Melancholie, aus der wir dann Bücher schreiben. Wir haben Angst vor dem großen Glück, weil wir dann verletzlich sind. Wir lieben die Tränen, die wir vor dem Taxameter verstecken. Und den Blick in den Rückspiegel. Wir wollen ja nicht, dass uns jemand festhält. Wir wollen nicht, dass jemand vor dem Einschlafen unseren Namen flüstert. Denn wir wollen nicht vermissen.
Wir skippen immer weiter in der langen Liste der Lieder. Und laden immer neue. Die alten hängen fest, manche mehr, manche weniger. Hin und wieder rutscht eines dazwischen und dann ist es wieder da. Das Loch im Bauch, das sich gefressen hat, als der Typ schneller war als du. Als er vor dir ins Taxi sprang und einfach weggefahren ist. Du machst das jetzt genauso, denn du willst nie wieder laufen müssen. Nie wieder dem Auto hinterher sehen. Nie wieder die Letzte sein. Aber keine Angst, an jeder Ecke wartet ein Taxi auf dich.
Und wir sind jung, wir können angeblich damit umgehen. “Bis du mal heiratest, ist alles wieder gut”. Einen Gin Tonic und ein paar Takte später singst du schon wieder mit. Wundere dich nicht, sie werden dich blöd anschauen. Zu oft singst du den alten Text mit der alten Melodie in diesen achso neuen Zeiten. Aber das Taxi hast du ja noch von zuhause bestellt. Du lernst dazu, mein Mädchen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 11. August 2006 um genau 16:13
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Ja, in Großbritannien spricht man davon, eine Katastrophe verhindert zu haben. Niemand bestreitet das, allen stockt der Atem. Die Menschen nuckeln nun vor den Flughafenbeamten an den Fläschchen ihrer Kinder, um ihre Unschuld zu beweisen. Sie legen ihre Medikamente und Taschentücher in Plastiktüten, Musikhören ist jetzt im Flugzeug verboten. Es schreien ja eh alle, die Panikrufe hört man schon in Berlin. Und die, die während der Mittagspause davon sprachen, nach London fliegen zu wollen, rühren mit dem Löffel unsicher in der Suppe. Ein Seufzer geht durch die, die nach einem halben Jahr drüben vor drei Tagen zurückkamen. “Rechtzeitig”.
An den Flughäfen müssen nun alle warten, auf ihre Flüge. In den Redaktionen müssen alle warten, auf neue Details und Aussagen. Und im Libanon wartet man auch. Auf Spenden und Hilfe. Caritas International, DRK, Diakonie Katastrophenhilfe und Unicef beklagen die geringe Spendenbereitschaft für Flüchtlinge im Libanon. Jetzt schauen wieder alle in den Norden, dabei ist im Süden Krieg.
Vielleicht haben wir uns an die Bilder von Blutbädern gewöhnt. Jedenfalls an solche, die aus Gegenden kommen, die anders aussehen als Hamburg oder Bad Reichenhall, als Potsdam oder Würzburg. Sind aber plötzlich die Aktentaschen in Gefahr, die Business-Flieger und Cafés, da schauen wir, weil wir die Bedrohung nicht in Farbe sehen. Krisselig und unscharf ist das Bild des Feindes in dem Falle. Wird die Angst kleiner, wenn man den Gegner kennt? Oder liegt es an dem Virus-Charakter, der dem öffentlichkeitswirksamen Terrorismus zugeschrieben wird? Dass er sich leise verbreite, niemand kenne den nächsten Ort seines Ausbruchs. Er komme aus dem Hinterhalt und ohne Ankündigung. Dass er sich doch in gewissem Maße ankündigt, sieht man daran, dass es gelungen ist, einen Anschlag zu verhindern.
Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten haben zwei Wochen gewartet, bis sie von einem Krieg sprachen. Sind denn die Angriffe im Libanon und in Israel weniger laut, nur weil wir glauben, sie seien halbwegs berechenbar?
Liz hat es verfasst, und zwar am 10. August 2006 um genau 15:40
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Die Welt liegt uns zu Füßen. Und wir wären dumm, sie nicht zu küssen. Mitten auf den Mund,wo sie doch neckisch lacht und das Glas in der Hand hält wie einen Apfel. Die Welt liegt uns zu Füßen und du weißt, das sie trotz allem schwierig bleibt. Eine, die nicht weiß, wohin sie will und die ja doch in jeder Sekunde die Richtung ändern. Da liegt sie dir zu Füßen und du traust dich nicht.
Die Welt liegt uns zu Füßen. Und du klammerst dich am Fahrradlenker fest, während sie auf dem Gepäckträger sitzt und laut Bouquet De Nerfs von Noir Désir singt. Als wäre es ein Schlaflied, als wäre es irgendwas. Wir wachen nie wieder auf. Aber die Welt liegt uns zu Füßen und legt ihren Kopf auf unseren Rücken, während das Strampeln den Berg hinauf das Einzige ist, das noch richtig funktioniert. Hast du gehört, die Welt liegt dir zu Füßen?
Die Welt liegt uns zu Füßen und unter dem Regenschirm. In Augustnächten klappern ihre Schuhe neben deinen Pfützen, klimpern ihre Augen neben deinem Pony, halten ihre Hände deinen Schatten. Ja, es ist das Lied, an das du dich erinnerst. How can we hang on to a dream? Du kannst so lange warten, wie du willst, sie kommt trotzdem mit hinein und legt sich neben dich auf´s Bett. Und dann im Schlaf packt sie dich so fest, dass das Atmen dir schwer fällt. Aber sie liegt dir zu Füßen. Sie liegt da immer noch.
Du brauchst nicht glauben, dass es noch echter wird, wenn du sie küsst. Du brauchst nicht glauben, dass sie sich dann festlegt. Du kannst gleich aufhören damit. Sie wird auf immer und immer unbeständig bleiben. Find dich ab damit. Und küss sie trotzdem, wenn dir danach ist. Frag sie nicht nach Veränderung, frag sie nicht danach. Sie wird sich umdrehen und lachen, weil sie vor dir nicht weinen kann. Vor dir nicht. Die Welt liegt dir zu Füßen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 6. August 2006 um genau 14:04
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So viele Zebrastreifen hab ich lange nicht gesehen. Und ich bin es auch nicht gewohnt, dass jedes Auto sofort anhält, wenn ich mich diesem nähere. Es war gut, nicht zu verstehen, was auf der Straße so geredet wird. Und ständig all die schönen Menschen. Des nachts sind die tagsüber so vollgestopften Straßen menschenleer. Du hörst deine eigenen Schritte, deinen Atem und das, was sonst noch übrig ist von der Stadt, wenn die Menschen in den Häusern sitzen und die Schiffe still im Hafen liegen.
Die Schweden im Bus hat man sofort erkannt. Ich rauche nicht und werde niemals die Zigarette so halten können wie die grazilen Mädchenhände auf dem Schiff in der Nacht, als ich Abschied nahm. Wozu auch. Wir hatten Dosenbier und einen Himmel. Die dicke Möwe frisst dir den Käse aus der Hand, während du die Füße auf´s Sofa legst.
An diesem Himmel war mehr Platz für Sterne. Und ich habe nicht viel gesprochen in all diesen Tagen. Mal den Mund halten und Berlin Berlin sein lassen. Und trotzdem nicht wissen, wo man hingehört. Hin und wieder tut ein bisschen Haltlosigkeit ganz gut, um sich zu orientieren. Und es weitet den Blick auf die Möglichkeiten und das freie Gefühl im Bauch. Lass meinen Fuß los, lass ihn einfach los. Everything is illuminated auf Seite 292.
Ich hab die Brücke wiedergesehen und die verworrenen Straßen auf den kleinen Insel im Norden von Göteborg. Vor zwei Jahren hat es gestürmt. Jetzt kehrt langsam Ruhe ein. Und morgens sitzt man im Kofferraum, während die Sonne aufgeht, und guckt über die Schären. Kein Mensch kommt, kein Auto. Nur Gänse holen den Kopf aus dem Gefieder. Ich verstehe immer noch viel zu wenig von all dem.
Man muss das üben. Sich an sich selbst anlehnen. Nach einer Weile wird es gehen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 2. August 2006 um genau 21:23
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