Nummern auswendig
An jeder Ecke wartet das Taxi. An jeder Straße. Du kannst einsteigen und losfahren. Losfahren und nicht mehr wiederkommen. Wann immer du willst. Und sonntags dann kannst du am Frühstückstisch sitzen und dich fragen, was gewesen wäre, wenn du nicht gefahren wärst. Du kannst dann stolz auf dich sein, dass du die Fäden in der Hand und die Dinge unter Kontrolle gehalten hast. In Berlin brauchst du die Taxen nicht bestellen, sie warten an jeder Kreuzung auf dich.
Mach Gebrauch davon. Geh, wenn es am schönsten ist. Wir jungen Leute baden uns doch gern in der Melancholie, aus der wir dann Bücher schreiben. Wir haben Angst vor dem großen Glück, weil wir dann verletzlich sind. Wir lieben die Tränen, die wir vor dem Taxameter verstecken. Und den Blick in den Rückspiegel. Wir wollen ja nicht, dass uns jemand festhält. Wir wollen nicht, dass jemand vor dem Einschlafen unseren Namen flüstert. Denn wir wollen nicht vermissen.

Wir skippen immer weiter in der langen Liste der Lieder. Und laden immer neue. Die alten hängen fest, manche mehr, manche weniger. Hin und wieder rutscht eines dazwischen und dann ist es wieder da. Das Loch im Bauch, das sich gefressen hat, als der Typ schneller war als du. Als er vor dir ins Taxi sprang und einfach weggefahren ist. Du machst das jetzt genauso, denn du willst nie wieder laufen müssen. Nie wieder dem Auto hinterher sehen. Nie wieder die Letzte sein. Aber keine Angst, an jeder Ecke wartet ein Taxi auf dich.
Und wir sind jung, wir können angeblich damit umgehen. “Bis du mal heiratest, ist alles wieder gut”. Einen Gin Tonic und ein paar Takte später singst du schon wieder mit. Wundere dich nicht, sie werden dich blöd anschauen. Zu oft singst du den alten Text mit der alten Melodie in diesen achso neuen Zeiten. Aber das Taxi hast du ja noch von zuhause bestellt. Du lernst dazu, mein Mädchen.





