Oliver Müller schrieb am 24.07.2006 über das Buch „Keiner stirbt für sich allein“ von Oliver Tomlein. In seinem Buch geht es um das Sterben in Deutschland, um einen Akt, der das Leben abschließt und sich in vielen Fällen doch über Jahre zieht. Tomlein hat untersucht, wie die Realität des Sterbens in Deutschland in Umrissen und Geschichten aussieht. Und Oliver Müller findet in seinem Artikel dazu ein paar gute Worte:
„ In der Verrechtlichung und Bürokratisierung des Sterbens scheint kein Platz mehr zu sein für das Wie und Wo des Sterbens, für das Gefüge, in dem der einzelne seinen Abschied nehmen konnte, für das, was früher Teil der Kultur war“.
Bisher fand die Auseinandersetzung mit dem Tod in meinem Leben immer nur plötzlich statt. Da brach die Situation unerwartet über alle herein und alles fiel aus dem Rahmen. Abschied gab es da nie, ein sich Nähern nicht und auch keine letzten Worte. Und doch erinnere ich mich schemenhaft an das zermürbte Gesicht der Frau, die soeben ihre Mutter verloren hatte. Und trotzdem noch mit Behörden kämpfen musste. Ich erinnere mich an die Schemata des Pfarrers, die er in seiner Rede über den jungen Mann abarbeitete und damit kilometerweit entfernt war von der Person, die da eigentlich gegangen ist. Ich weiß noch die Blässe in den Gesichtern, in allen.
Und kann am Rande ahnen, wie es sich anfühlt, wenn dem Leben langsam ein Mensch amputiert wird. Schritt für Schritt aus dem Rhythmus eines Alltags kommt und in einen anderen übergeht, wobei der Gesunde sehen muss, wie er sich zwischen diesen beiden bewegt. Und wen er aufgibt.
Hat man den Tod einmal im Rücken gehabt, nimmt man was mit von dem kalten Schweiß. Muss man sich während all dieser inneren Kämpfe auch noch mit dem Arbeitgeber und anderen Bürokratiebarrieren herumschlagen, versickert der Raum, den man braucht, um irgendwie damit umzugehen ohne selbst auf der Strecke zu bleiben.
Und wieder weiß ich um ein Thema, das mich nie loslassen wird und mit dem ich mich weiter beschäftigen muss. Muss, weil es kalt war im Nacken. Und immer noch kühl ist. Denn wer die Chance auf einen Abschied bekommt, der sollte sie auch nutzen dürfen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 25. Juli 2006 um genau 10:47
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Irgendwann brülle ich ihn an. Irgendwann, wenn er mal wieder seine Bummsmusik bis zum Klirren der Scheiben aufgedreht und seine Hosen ausgezogen hat, knalle ich durch.
Er steht da oft in Unterhosen in seinem Zimmer, wühlt sich pathetisch in den Haaren, verzieht den Mund und starrt stundenlang auf seine Bilder. Es müssen seine Bilder sein, er hat ja auch ständig Farbe am Oberkörper. Vielleicht malt es sich in Unterhose besonders gut, vielleicht kann man nur mit so lauter Musik seine Bilder kritisch beäugeln. Aber jedes Mal bin ich Zeugin davon, wie das Licht in der Wohnung unter ihm plötzlich angeht und ein Schatten aufgescheucht durch den Raum flitzt. Ich würde es wahrscheinlich nicht anders tun. Stattdessen drehe ich meine Musik noch lauter (finde sie auch wahrlich besser als seine seltsame Polka) und grinse in mich hinein, während meine Füße mit den durstigen Balkonblumen flirten und mein Hintern Streifen vom Holzstuhl bekommt. Das ist ein Sommer.
Und morgen abend beginnt der Urlaub dazu. Ein paar Tage Göteborg.
Die Nacht verbringe ich im Bus dahin und ich freue mich auf die Fahrt. Ich will den Blick auf die Gegenspur und Musik in den Ohren und die Köpfe nur fragmentös und von hinten sehen. Ich will Nacht und Sterne und nichts sagen müssen und einnicken und nicht mehr wissen, wo ich bin, wenn ich aufwache. Die fiesen Sitzpositionen werde ich ausblenden, den Wunsch nach Frischluft auch (es gibt nämlich im Bus Klimaanlagen, aber nicht im Büro). Ich werde mit dem Bussessel verschmelzen und mein Hirn Brei sein lassen. Am Ziel werde ich dann wohl vom schwedischen Taxifahrer abgeholt. Was dann kommt, weiß ich noch nicht.
Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Juli 2006 um genau 19:05
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Marcel möchte Personenschützer sein. Marcel kommt aus der DDR und lebt mehr im Gestern als im Heute. Er wohnt nah an der Mauer, seine Wohnung ist noch so ostbraun wie seine Gedanken oft. In der neuen Zeit anzukommen, ist ihm noch nicht wirklich gelungen. Von der Zukunft träumt er trotzdem, seinen Elan hat er im Griff. “Sicherheit” sei das neue Thema und nachdem sein kleiner Laden für Alarmanlagen nur noch von ihm selbst besucht wird, versucht er sich an einer Bewerbung bei einem Personenschutzunternehmen. Für ihn die letzte Chance, für die Beziehung zwischen ihm und seinen Sohn die vielleicht erste ein wirkliches Verhältnis aufzubauen.
Sebastian klingelt nach zwei Jahren Funkstille bei seinem Vater, weil er den neuen Freund der Mutter nicht mag und ein neues Kind auf dem Weg ist. Während der sonnenbankgebräunte Stahlfreund der Mutter das Dachgeschoss für ihn ausbaut, geht Sebastian lieber zu seinem Vater. In die muffige Wohnung im Prenzlauer Berg, an der Wand ein riesiges Bild von Peter Tschernig, dem Helden seines Vaters. So wie Tschernig will er sein, der Marcel. Die Brille trägt er so, die Haare fallen etwas schütt um das langsam faltige Gesicht. Ständig im Unterhemd, die Frisur mit den Jahren zur Frisur gewachsen und ohne Ahnung von der Welt, in der sein Sohn lebt, begegnet Marcel dem jungen Sebastian wieder.
Dem Zuschauer scheint Sebastian in der Wohnung seines Vaters älter als dieser selbst. Wenn er dann aber in jugendlicher Neugier das Zeitungsausteilmädchen im Mauerpark trifft, ist er wieder fünfzehn und man selbst erinnert sich an die verklemmten Gespräche und Gesten, die einen so durch die sonnigen Nachmittage trugen und unendlich glücklich machten. Man erinnert sich an die kleinen Lügen, die aus Unsicherheit und Angst vor Blamage entstehen. Und dass einem die Eltern auch manchmal peinlich waren.
Sebastian berichtigt seinem Vater die Bewerbung und geht aus dem Geschäft, wenn sein Vater ausrastet, weil der Verkäufer ihn nicht sofort bedienen wollte. Marcel geht das an die Ost-Mentalität. Er, der kleine Mann, beharrt auf sein Recht, auf die Gleichheit. Ohne zu merken, dass es nicht an seiner Herkunft liegt, wie manche Leute ihn behandeln. Marcel hat sich in seiner Welt eingerichtet. Das Problem ist, dass sich die echte Welt rasend schnell verändert hat. Marcel kommt da nicht mit. Während sein Sohn mit beiden Beinen auf dem Boden steht, wackelt Marcel seinen Idealen hinterher. Er schleicht sich an echte Bodyguards auf dem Gendarmenmarkt und tut so, als gehöre er dazu. Als der bewachte Geschäftsmann in sein Auto steigt und seine beiden Bodyguards mit ihm abdüsen, bleibt Marcel auf dem Platz stehen. Die Kamera erweitert den Blick auf diese tragisch komische Situation. Marcel wird stehengelassen. Und läuft dann den Blick geradeaus vom Platz, als sei nichts geschehen. Die Geschwindigkeit des Lebens da draußen ist ihm fremd und er scheint immer ein bisschen zu spät.
Er meint es gut, er meint es wirklich gut. Und sein Sohn liebt ihn, wie er ist. Nimmt sogar seine Redensarten an, seine Sprüche und hüpft mit seinem Vater zähneputzend und Tschernig-Texte singend über´s Sofa. Sie spielen Basketball und hin und wieder muss Marcel seine Rolle mit lauter Stimme klarstellen. Dass er mehr Lebenserfahrung habe, dass er der Vater sei. Und doch hat man das Gefühl, er sei nie wirklich erwachsen geworden. In der Naivität, mit der er alte Bekannte besucht in der Hoffnung auf einen Job und dann doch nicht zum Zug kommt. Mit der Impulsivität, mit der er sich nach dem Absageschreiben betrinkt, obwohl sein Sohn ihm seine neue Freundin vorstellen möchte. Und mit der Aufrichtigkeit und Hoffnung in den Augen, wenn er nachts zum Haus seiner Exfrau fährt und ihr von den neuen Plänen erzählt. Die schwangere Angelika weiß aber von den leeren Worten, von der Planlosigkeit und hat daraus ihre Konsequenzen gezogen. Marcel bleibt allein.
Am Schluss steht er auf der Brücke zwischen der Bornholmer Straße und dem Mauerpark und schaut. Tschernig kommt zu ihm auf die Brücke und in Männermanier sprechen sie kein Wort. Den Plan, sich umzubringen, verwirft Marcel und geht mit einem Lächeln auf den Lippen davon.
Die kleinen Ideale retten also manchmal Leben.
Der Film von Filmstudent Robert Thalheim erschien 2005.
Marcel Werner wird ganz großartig gespielt von Milan Peschel.
Sohn Sebastian wird verkörpert durch Sebastian Butz.
Beide und auch die anderen Darsteller machen ihre Sache ziemlich gut.
Liz hat es verfasst, und zwar am 23. Juli 2006 um genau 17:24
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Vergiss nicht die leuchtenden Gesichter, Kleines. Und nicht die großen Worte. Aber spring nicht in die Spree in solchen Nächten. Und halt dir die Hand vor den Mund. Lass den Wodka an der Tankstelle, trink Calimocho und fahr auf dem roten Tandem kleine Kreise. Lass sie springen, bis sie die weißen T-Shirts durchschwitzen und sing mit, sing mit und erinner dich. Fahr nicht mit dem Taxi für dreihundert Euro an die Ostsee und merk dir den Weg nach Hause. Sprich mal wieder Spanisch und kauf am ersten September die neue Platte. Zwinker mal, falls ihr euch wiederseht bei den Weakerthans dann. Und mach die großen Schritte lieber allein. Schau auf das Wasser und warte. Bis es hell wird. Bis du weißt, was wird. Erinner dich kurz, wie du diese Band zum ersten Mal in einem kleinen blauen Käfer irgendwo in Tempelhof gehört und dann nicht wieder vergessen hast. Iss die Schokolade faustweise und nimm einen Pullover mit. Sprich über Schuhe und Schweden, sprich über Väter und erste Eindrücke. Verfolg die Linien zurück und mach einen Knoten draus. Vielleicht hält der ja bis zum nächsten Mal. Sei ehrlich, sei ehrlich, du hast nichts zu verlieren.
Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Juli 2006 um genau 23:36
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Berlin macht sich ganz gut als Hafenstadt. Und während wir da sitzen, das Schoko-Chili-Eis noch am Gaumen, klettern neben uns die alten Herren auf ihr Boot zurück. Es ist so dunkelblau wie das Wasser mittlerweile. Nach Hamburg wollten sie erst am nächsten Morgen, die Tour des Tages ging zum Müggelsee. Es hätte sich kein vernünftiger Anlegeplatz mehr finden lassen, darum haben sie geankert, wo wir sitzen. Und mussten dann die Beine über das schon verschlossene Tor schwingen. Wären sie gleich losgefahren, vielleicht hätten sie uns mitgenommen. Vielleicht hätten wir neben dem Mond auch noch die Sonne aufgehen sehen. Unter anderem hätte ich nie gedacht, dass man nur aufstehen muss, die Knie durchdrücken und schon springt einen diese gelbe Kugel fast an, während sie sich in Mordsgeschwindigkeit in den Himmel schiebt und seltsame Bahnen zieht. Bald erlischt das kleine Licht hinter der Plane.
Ein Sofa steht so am Wasser, dass man direkt auf ein Schild schaut: Rent a Schiff.
Und ich erinnere mich an den letzten Sommer, als wir vom Dach des Hausbootes in den See sprangen. Als die Ereignisse aus Schleusen und Brücken und mecklenburgischen Kleinstädten bestanden für ein paar Tage.
Rent a lifetime, aber vergiss nicht zu bezahlen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Juli 2006 um genau 23:10
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Der Abend begann auf der Straße zwischen Dunkelheit und Lichtern mit einer Gänsehaut auf dem Rücken und den Füßen auf den Pedalen. Der Weg führte dorthin, wo ich früher einmal lebte, was ich zuhause nannte, während man jetzt neben mir sagte: “Diese Straße könnte überall sein”.
Seidenmatt spielten im Schokoladen. Ich weiß wieder, warum ich diese Band weniger konserviert als doch lieber live höre. Seidenmatt kriegen einen. Und man will manchmal genauso schreien wie die Stimme auf der Bühne zwischendurch, sie öffnen einem Weg und Wunsch. Und du findest dich selbst wippend und tanzend, mit offenem Mund und geschlossenen Augen, nicht denkend nur hörend, nicht hörend nur spürend, was da auf einen zurollt. Orgastischer ist Musik selten, die Emotionen orchestriert und aufgereiht, sich puzzelnd und windend zu einem Knäuel, das am Ende aufgelöst wird. Es fühlt sich immer gut an, wenn man es schafft, den Knoten hinunter zu schlucken.Wir saßen noch ein bisschen in diesem hell erleuchteten Hof herum,deuteten auf der Straße die Gesten der Menschen, nippten an Flaschen, irgendwann war es genug.
An der Spree vorbei, einen Tee mit frischer Minze gegen die Kälte, die ja doch da war. Die ja immer da ist. Und dann gegenüber ins Tacheles auf dem Wunsch nach Sofa mit Blick über die Stadt. Stattdessen fiel die Aufmerksamkeit durch das kleine Fenster auf den Hof, wo Balzverhalten und Alkoholkonsumfolgen sogar aus dem vierten Stock deutlich zu erkennen waren. Und wir uns die Beine in den Bauch standen und schauten. Unter dem Dach sammelte sich seltsames Publikum in Sofaecken, aber großformatige Fotos erleichterten den Zugang. Wir haben Postkarten gekauft.
Stell dich am Ende dazwischen, nicke mit dem Kopf und mach mit. “Ich bin du, nur anders”.
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Juli 2006 um genau 11:15
Kategorie : Wir | 0 Kommentare
Und es gibt sie doch! Die Szenen im Leben eines Menschen, die aus einem Film sein könnten und trotzdem echt sind. Und die nicht (Plopp) zerplatzen, wenn man kurz die Augen schließt, weil man das manchmal eben so tut, wenn man tief einatmet.
Es gibt sie, die Momente, wo du merkst, Drehbücher kommen nicht von irgendwo. Und du erinnerst an die Abende im Kino, an denen du dich nach so etwas sehntest. An denen du auf dieser Dachterrasse inmitten von kleinen Lichtern stehen wolltest, während eine Bassstimme Radiohead covert und jemand Querflöte spielt. Den Kopf auf der Kinosessellehne hast du gedacht, das gibt es nicht in meinem Leben, das werden wir nie sein. Und dann stehst du da, erinnerst dich auf einmal und musst lachen, weil es so absurd ist und so schön. Im August werde ich dort stehen, kleine elektronische Beats werden aus dem Hinterhof vielleicht auch auf die Kastanienallee schwappen. Ich werde nicht in die Gesichter sondern in die großen Rosenblüten schauen, denn die fragen nicht.
Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Juli 2006 um genau 12:19
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Die Sonne fiel mir in den Rücken, als er sich löste und alleine weiter ging.
Er ging schräg über die Straße, kein Auto kam, er sah sich auch nicht mehr um.
Er ging, die Hand auf dem Lenker. So wie ich stand.
An der Ecke stieg er auf und fuhr. Wohin, konnte ich nicht mehr sehen.
Meine Füße hatten sich noch nicht bewegt. Ich kam mir vor wie Peter Pan.
Die Sonne war am anderen Ende der Welt, als ich die Tür hinter mir schloss.
Ich ging die Treppen hinunter, er kam nicht hinterher, ich hab ihn auf dem Boden gesucht und in der Luft und an der Hauswand. Ich ging, die Hand in der Tasche. So wie ich war.
An der Ecke schrie ich auf. Ob er das noch hörte, wusste ich nicht, er war zu weit weg.
Seine Füße hatten sich nicht mehr bewegt. Ich kam mir blöd vor, wie ich da stand und nach mir selbst rief.
Die Sonne fiel ihm in den Rücken, als er mich von sich schob und ich alleine weiter ging.
Ich ging an der Ampel über die Straße, bei Grün und mit Schweiß auf der Stirn.
Ich brauchte mich nicht mehr umsehen. Die Henkel der Beutel schnitten in meine Hand,
ich zählte die Gehwegplatten wie Monate. Zehn, elf, zwölf.
Jetzt steht die Sonne immer im Zenit. So wie ich bleibe.
Er hat ein bisschen ausgesehen wie ich. Ich habe ein bisschen ausgesehen wie er. Wenn es gut lief, fühlte es sich nach Symbiose an. Nach Gegenseitigkeit. Dann aßen und tranken wir voneinander, atmeten des anderen Luft wie selbstverständlich. Im Geräusch abwechselnd, in der Berührung gemeinsam.
Er war ein anderer plötzlich. Sah aus wie das Pflaster, wie die Plakate in der ganzen Stadt. Jede Linie zeichnete sich auf ihm ab, jedes Muster. Wenn es gut ist, fällt es mir nicht auf. Dann suche ich den schwarzen Fleck nicht zwischen all den Beinen in der Bahn, den Umriss nicht in der Scheibe. Er ist jetzt ein Chamäleon mit eigener Luft und einem Teller nur für sich. Beuge ich mich über das Glas, bewegt sich das Wasser und verzerrt jeden Blick hinein.
Ich sehe ein bisschen aus wie damals. Wenn es gut läuft, vergesse ich mich. Die dunkle Brille auf der Nase spielt sich auf, macht Farben wett. So gucke ich gelassener, so senke ich den Blick in aufrechter Position. Linien sind einfach nur Linien und höre ich Schritte, gucke ich den Menschen nicht ins Gesicht. Mich interessieren Gesichter nicht mehr. Meine Augen sind ein Wasserglas.
Man löst sich nicht auf ohne Schatten. Aber Spatzen sind seltener in deiner Nähe, wenn du nichts hast, wo sie sich ausruhen können. Nimmermehrland wird irgendwann Zuhause. Richte dich ein, bau dir ein Bett, mach das Fenster auf.
Man bleibt schon man selbst ohne Schatten. Und die Menschen gewöhnen sich dran, dass es egal ist, wo du sitzt und niemand in deinen Rücken fällt. Man ist nicht weniger anwesend.
Und wenn du einen vermisst, dann nicht den, der dich mit Reißzwecken festhält. Die tun immer weh.
Liz hat es verfasst, und zwar am 11. Juli 2006 um genau 15:21
Kategorie : Moi | 2 Kommentare
Die Masse ausschalten, die Blicke vergessen und die Beherrschung beim letzten Schritt verlieren. Kopfzündung und schon geht es mit einem durch. Und alles wird anders.

Danach geht man Treppen hinunter und hört nur ein Rauschen. So oder so ähnlich wird Zidane sich gefühlt haben. Ich wüsste gern, was in sein Ohr gebrüllt wurde. Ich wüsste gern, welche Bilder vor seinem inneren Auge abliefen. Ich wüsste gern, wie er das jetzt mit sich selbst ausmacht. Menschliche Schwäche, emotionaler Kurzschluss und schon hast du es dir versaut. Sowas passiert meistens nur einmal, dann ändert sich die Richtung und du hast plötzlich ein neues Leben. Das soll dir passen, da musst du rein, wie scheiße auch immmer es sitzt. Falten hin oder her, das interessiert dann keinen.
Sich nicht mehr umdrehen ist das Beste, was man tun kann. Vielleicht entschuldigt man sich, wenn man zurückgefunden hat zu dem Punkt, an dem man aufgehört hat zu denken. Vielleicht kommt man dahin aber auch nicht mehr zurück.
Jemand hat sowas oder ähnliches auf seiner Seite stehen:
“Wenn es um Emotionen geht, sind wir alle irgendwie Idioten”.
Liz hat es verfasst, und zwar am 9. Juli 2006 um genau 23:42
Kategorie : Blicke | 3 Kommentare
In der Kohlengrube singen sie “Ich liebe Deutscheland”. Nur die Harten kommen in den Garten. Schwarz Rot Gold springt neben Grün und Schlagstock, vor dem McDonalds sitzt ein Mädchen mit einer portugiesischen Fahne auf der Wange und schluchzt. Während in Stuttgart schon der Himmel leuchtet, blinken hier nur die Lampen vom Speicher. Erst ein paar Minuten später funkelt hier und da ein Lilalaunelicht am Himmel, alle haben sich noch einmal schnell die Wangen bemalt und die Haare geföhnt. Hoolakettchen um (wir sind ja wieder wer) und ab raus. Da sind mir die mit den Trikots manchmal noch die Liebsten, da weiß man noch, woran man ist.
Deutschland hat heute nacht ein Mondgesicht und Klinsmann eine Verantwortung, von der er noch nicht weiß.
Liz hat es verfasst, und zwar am 9. Juli 2006 um genau 0:50
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare