Nach der Reha
Jetzt.de titelt: “Es war wie immer - gut”. Und ich sage, es war anders. Da waren Leute nicht, die sonst immer da waren. Da waren Leute, die man noch nie zuvor getroffen hat und trotzdem Worte fand. Da war ein Wetter, wie das dort noch nie gab. Voller Wut in dem Wind und leisem Geplänkel mit Wassertropfen, die dir nach einer Weile von der Stirn rinnen, als stündest sonstwo aber nicht bei Neustrelitz. Mit Karacho und Wolken und ein bisschen Abendrot bei Glück.

Da waren Bands, die mich enttäuschten (Appleseed Cast & Tomte), und andere, von denen ich noch am Anfang des Konzertes nicht dachte, dass sie so gut sind (Okkervil River). Es gab Bands, bei denen weiß man irgendwie, was kommt (Mia), und andere, für die das Gelände einfach zu groß und die Masse zu laut war (Gregor Samsa). Es gab die ewigen Helden (Pale) und die, die mich nicht berühren (Blumfeld). Es gab die, die zu früh spielten (Mew), und die, die zeitlos gut sind (Feist).

Wir trafen 6-Farben-Joe und ziemlich seltsame Menschen. Wir erfuhren, dass Milchschnitte ein zeitgemäßes Nahrungsmittel ist. Und in all dem Menschengewühl fanden wir auch ein paar, die es wert sind.

Ich habe gelernt, dass man zum Fußballgucken besser immer warme Klamotten anzieht, sonst wird es schnell doof. Ich habe gelernt, dass Chucks viel mehr aus- und abhalten, als man denkt. Ich habe gelernt, dass Männer zwei Tage lang von einem Baguette und einer dicken Wurst leben können.

Ich weiß jetzt also, dass es Leute gibt, die anderen Menschen Rucksäcke aus Zelten klauen und dessen Inhalt auf Zeltplätzen verstreuen. Ich weiß, dass man 6-Farben-Joes nicht zuviel Alkohol geben darf. Und dass das Zelten auf Festivals ohne Backstagedings wahrlich anstrengend war. Vielleicht werde ich älter. Na endlich.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. Juni 2006 um genau 0:13
Kategorie : Ton | 2 Kommentare