Wir wollen es gerne allen recht machen. Den Eltern, den Gewerkschaften, den Arbeitgebern und den Freunden. Vor allem aber uns selbst. Wir möchten unseren eigenen Weg gehen und trotzdem soll man von uns sagen: „Aus dem ist doch noch was geworden!“.
Unser Durchhaltevermögen schulen wir, indem wir es durchhalten, immer wieder fremd zu sein. Wir schnipseln unsere Lebenslauf aus tausend Praktika, Zusatzkursen und Auslandsaufenthalten zurecht. Als würde es nicht reichen, dass unsere Familien schon Patchwork sind.
Das Aufdröseln der eigenen Strukturen bis ans Existenzminimum tarnt sich als Vorausschauung. Alles soll geplant sein. Mit 21 soll ich wissen, wie die nächsten fünf Jahre meines Lebens zumindest in beruflicher Hinsicht aussehen. Ausweichmöglichkeiten sollte ich aber bitte auch noch in petto haben. Und spontan und flexibel sein. Klappt das Studium in Australien nicht? Macht nix. Gehste eben nach Schweden.
Zuhause wartet vielleicht jemand, vielleicht auch nicht. Wir sind ja jung, da muss man so was machen. Das gehört dazu. Und wir tragen Digitalkameras mit uns herum, um festzuhalten, wo wir sind. Weil wir uns im nächsten Moment auch schon wieder woanders befinden könnten. Und vergessen will ja niemand. Dann schreiben wir E-Mails nach Hause und dokumentieren unsere Reisen um die Welt. Die tränenden Augen von Mama leuchten. Und Opa schüttelt den Kopf.
Lebenslauftuning ist Regel Nummer Eins. War man in der elften Klasse nicht im Ausland, wird man schief angeschaut. Studiert man in derselben Stadt, in der man Abitur gemacht hat, erntet man freches Grinsen. Dass wir trotz unseres Bemühens, möglichst flexibel und vielseitig zu sein, auch ein Bedürfnis nach Kontinuität haben, wirkt dabei fast lächerlich. Heimatgefühle, ein Zuhause, langjährige tiefe Freundschaften zu mehr als nur einem Menschen, das sind so Dinge, die sollen wir im Zaum halten. Wild und frei sind wir jetzt und das sollen wir bitteschön auch ausnutzen. In die Welt hinaus und ab durch die Mitte. Äußern wir den Wunsch nach etwas Permanentem im Leben, und damit meine ich eben nicht permanente Check-Ins und Kurzfassungen, fragt man uns: „Haste Schiss, oder was?“.
Ja. Habe ich. Davor, dass das alle meine Freunde so machen und ich irgendwann nicht mehr weiß, wie sie sich anfühlen, weil wir nur noch über Telefon und E-Mail kommunizieren. Ich will nicht Meisterin im Smalltalk und den oberflächlichen, einfachen Gesprächen sein müssen, weil keine Zeit da ist für mehr. Ich will nicht mich nicht erst in zehn Jahren niederlassen dürfen. Sondern jetzt und dort, wo es mir gefällt. Und wenn das hier ist, dann eben hier.
Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Juni 2006 um genau 15:16
Kategorie : Wir | 16 Kommentare
Morgens halb zehn im X83er am Rathaus Steglitz.
Sechs pubiertierende Jungs in Pluderhosen mit nur halb auf dem Kopf sitzenden Baseballkappen, zurückgeschmierten Haaren und Hochglanzhandys steigen ein.
Chefjunge sagt „Ey, isch ruf ma den Dicken an!“ und zückt sein Handy, welches beim Telefonieren nicht die Frisur berühren darf. Er also zum Dicken: „Ey du, is inna Schule noch was los?“… Pause… „Fuck! Wir sind aber grad auf Weg dorthin!“ Und legt auf. Seinen Jungs ruft er zu „Wieder aussteigen! Schule is nix mehr los, ey!“.
Morgens halb zehn in Deutschland.
Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Juni 2006 um genau 20:17
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare
“Agenturtage sind die, die lange dauern”, denkt die junge Frau auf dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause, während ein langer Wolkenstreifen senkrecht vom Himmel fällt. Hercules schnurrt und während sie ihn so betrachtet, fällt ihr auf, dass er und Sonne ihren Waden gut tun.
Und die Stadt fällt ein bisschen aus der Form. Den Biervorrat auffüllen, die Trikots waschen, auch mal Wasser trinken und vielleicht von Porzellan essen zur Abwechslung. Die Listen wiederfinden, die in den Halbzeiten geschrieben werden und sich drüber wundern. Haare waschen, das Bett neu beziehen, rausgehen und den Bierbankabdruck vom Hintern weglaufen. Sie sammeln sich vor den Schulen und saufen weiter, denn Abiturzeit ist ja auch noch. Die Grünflächen erholen sich nebenbei, hin und wieder gießt auch jemand die Kästen auf den Balkonen. Jemand putzt die Scheiben, fein säuberlich um die Gesichter der deutschen Nationalmannschaft herum. Die Fahnen in den anderen Fenstern bleiben hängen. Sonnenlicht ist was für andere, nicht für die mit den hässlichen Hüten.
Und das Leben derer, die nicht zu dieser Hälfte Stadtbevölkerung gehören, geht einfach weiter. Die arbeiten und kaufen ein, die fahren an den See und sorgen sich nicht um Nachschlagbatterien für das Kofferradio. Die grinsen, wenn aus den Wohnungen und Bars die Pfiffe tönen. Die kümmern sich nicht um das, nur um sich selbst, um das, was Bestand hat. Oder auch nicht. Die, die nicht in ein Loch fallen werden, das Sommer heißt, wenn das Spektakel vorbei ist. Die, die es sich nicht leisten können, die Listen liegen zu lassen.
Die junge Frau hat seit Tagen einen Ohrwurm. Vor dem Haus, dort wo die Fahrräder stehen, summt sie mit. Melancholie in Butterdosen. Und auf den Treppen fragt sie sich, wann er wohl kommt. “Nur der Moment, der besser ist, als alles andere, das du kennst. Der Augenblick, an dem du stehen bleibst und nicht mehr wegrennst”. Die blauen Flecken an den Waden werden kleiner. Die Wolken sind längst am Boden angekommen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Juni 2006 um genau 22:26
Kategorie : Ton | 0 Kommentare

Oben kann der Blick aufhören zu suchen, der läuft einfach von ganz allein. Und dies ist eines der wenigen Dächer, die man noch betreten kann, in der Stadt. Sich auf den Bauch legen und nur die Fenster sehen. Hin und wieder einen, der nackt auf seinem Bett liegt, die anderen mit Freunden auf dem Balkon oder abwaschend. Und man selbst ist weit entfernt von all dem. Weil Kommunikation in diesen Tagen nicht zu meinen Stärken gehört, halte ich am liebsten den Mund und da oben ist das einfach. Eine Matratze liegt schon da, unter dir wirbelt die Stadt und über dir ist noch viel Platz.
Ich freue mich auf Göteborg und dass man nicht jedes Wort versteht, das die Menschen auf der Straße aus sich heraus lassen. Dass man sich nicht um mehr kümmern muss die paar Tage, als darum, wo man mal eben Hunger stillt und sich dann wieder niederlegt. Oder weiter läuft. Oder Frisbee spielt. Und die Gedanken in andere Sprachen umformulieren zu müssen, macht aufmerksam dafür, was man eigentlich sagt und sagen will. Beschränkt die sonst oft so dahingesagten Sachen auf das, was verstanden werden soll. Vielleicht treffen wir ein paar Bands dort, vielleicht schreibe ich drüber. Einen Monat noch. Aber Monate gehen schnell vorüber, das wissen wir ja jetzt.

Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Juni 2006 um genau 1:49
Kategorie : Moi | 1 Kommentare
Mich macht es müde. Immer und immer wieder anzufangen, ständig den Stempel des Neuen zu sehen. Neue Dinge lernen macht Spaß. Aber dieser Prozess der Übung ermüdet mich. Ich beginne über ein halbes Jahr alle zwei Monate ein neues Praktikum und fange jedes Mal neu an: beim Film, in der Werbung, in der Redaktion. Sich neu hinein denken, die Strukturen verstehen und übernehmen und nach zwei Monaten trotzdem noch nicht total drin zu sein. Gerade zermürbt das.
Sich ans Fahrrad zu setzen und zu merken, das Wissen reicht nicht. Am Ende erklärt dir eben doch ein Profi, dass die Lenkung nicht mehr zu retten ist. Und dann stellst du das alte Rad, das humpelt und quietscht, auf dem Gnadenhof ab und stehst vor dem Neuen. Na gut, es ist kein Rennrad, aber schwarz und es schnurrt. Da liebst du etwas und gewöhnst dich dran und richtest dich damit ein und gerade, wenn es anfängt, vertraut und normal zu werden, dazu zu gehören, dann kommt das Nächste.
Der nächste Umstand, die nächste Aufgabe, ein neues Leben. Üben und üben und dabei die Dinge, die man wirklich einmal können will, trotzdem nicht aus den Augen verlieren.
Ständig muss man neue Menschen kennen lernen, sich an diese gewöhnen, mit ihnen arbeiten und schon kommen die nächsten. Ich will mehr Konstanten.
Plötzlich drehen sich Menschen um, die du dachtest zu kennen. Plötzlich haben sie ein neues altes Gesicht und du hast das Gefühl, ein Fremder stünde vor dir. Das hakt die Zeiten ab, das macht die vergangenen Momente wirklich zu Geschichte, die nicht wiederholbar ist. Die du nicht zurückholen kannst. Zeit für Schubladen und Kartons.
Dein Leben fährt plötzlich in anderen Geschwindigkeiten, muss sich neuen Regeln unterwerfen und du selbst hechtest hinterher und versuchst, die Ansprüche zu erfüllen, die man an dich stellt. Während dein Fuß festhängt, zieht man dich weiter und weiter und irgendwann ist das Bein so lang, dass du den Fuß vergisst, weil du ihn nicht mehr siehst. Solltest du es doch schaffen, das Bein wieder einzurollen irgendwann, den Fuß mitzunehmen, normal laufen wird der nicht mehr können. Und dann humpelst du fü den Rest der Zeit ein bisschen, den meisten wird das wahrscheinlich gar nicht auffallen. Und das ist dann, was dir bleibt von der Zeit, von früher. Während du morgen wieder mit was Neuem anfängst, verarbeitet dein Körper mal leise mal laut die Vergangenheit. Du baust ab, was du immer behalten wolltest.
In Verlusten denkt der Mensch, in Gewöhnung lebt er.
Ich werde mich nie damit anfreunden können.
Liz hat es verfasst, und zwar am 23. Juni 2006 um genau 12:32
Kategorie : Wir | 1 Kommentare
1) Tag zu warm
2) Fuß zu dick für Schuh, Schuh muss aus
3) Frau zu unaufmerksam
4) Zeh blutet Seen über den Bürgersteig
6) Fuß zu blutig für Schuh
7) Zeh zu offen für ohne Schuh
8) Frau hüpfthumpelt nach Hause
9) Rest der Woche ohne vorn geschlossene Schuhe
Lerne: Lieber Blasen als barfuß. Oder: Füße heben, Kind!
Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Juni 2006 um genau 10:09
Kategorie : Moi | 0 Kommentare

Man sitzt im Auto auf dem Weg irgendwohin. Und die Zeit ist ausgeschnitten. Vergangenheit und Zukunft setzen sich dazu, weil die Gegenwart nur aus dem Geradeaus besteht. Aus der Musik, die gerade läuft. Aus dem Autositz, dem Gefühl der Fensterscheibe an der Stirn und den Feldern, die draußen vorbeiziehen. Das Jetzt wird auf solchen Fahrten auf ein Minimum reduziert, du bist nicht beschäftigt mit Anrufen, Papier bewegen, mit putzen, essen, sich verabreden. Die Dinge sind auf minimalen Raum beschränkt, die Mittel begrenzt. Und im gleichen Atemzug wird der Kopf riesig und macht Platz für die Gedanken, die man sonst nebenbei gerne liegenlässt, unter den Teppich kehrt, immer wieder in die Tasche steckt, weil man ohne sie nicht kann, aber auch keine Zeit hat, sie genau anzusehen. Es ist Platz dazu, einzusehen und loszulassen. Es ist Platz für Fragen und Wehmut. Und man hat Zeit, sich die Lieder genau anzuhören. Überhaupt ist das Zeit für Musik, die berühren darf.
Bin ich auf dem Weg zur Arbeit, kann und will ich keine Lieder hören, die mir den Herzschlag schneller machen. Da will ich was nettes mit Bumms und Trallallalla, aber nichts, was mich ernsthaft berührt. Ich möchte nicht in der Straßenbahn knietief in alten Zeiten stehen, wenn jeder sehen kann, was dann mit mir passiert. Ich kann nicht abends nach dem Fußballspiel auf dem Weg nach Hause die Lieder hören, die mir noch einmal vor Augen halten, was alles vorbei ist und wer verloren hat. Oft genug ziehe ich mir das Gesicht in der Öffentlichkeit zurecht und wieder gerade, weil es verrutscht samt der Haltung. Auch ohne Musik.
Und dann ist es wie schlafen, wenn mal niemand hinsieht. Den Kopf an die Scheibe, der Blick zurück und nach vorn. Die permanente Bewegung und das Voran der Dinge, das sich nicht aufhalten lässt, bildlich vor Augen. Sieh nicht zurück, sagt so mancher.
Aber hinter uns geht die Sonne unter. Hinter uns liegt das Meer.
Liz hat es verfasst, und zwar am 20. Juni 2006 um genau 14:28
Kategorie : Wir | 2 Kommentare
Ist das Wehmut oder nur die Hitze? Ist es der stille Jubel, den die Touristen durch die Straßen schleppen, oder meine eigene Unfähigkeit, die Situation und die Stadt zu nehmen, wie sie nun einmal sind?
Ja, Berlin vibriert, verändert sich permanent und atmet unruhig. Früher habe ich genau das auf verbale Schilder geschrieben und ganz hochgehalten: „Ja, Berlin ist viel. Nie nur so oder so. Sondern immer ganz viel auf einmal“. Und jetzt sehe ich die Schilder überall und denke: „Lass mich doch in Ruhe“. Ich mag das Gefühl zu wissen, wo es langgeht, wenn ich an Touristenbergen vorbei husche. Ich mag es, kein Problem mit den U- und S-Bahnen zu haben und zu wissen, wie die Berliner Schnauze funktioniert. Soziologisch gesehen schult diese Stadt das Auge und das Gefühl für Menschen in ihren Lebensräumen. Und sie ist mehr als viele kleine, aneinander gereihte Kleinstädte. Dass diese nämlich ineinander überschwappen, ist der Punkt. Das Ziehen von Grenzen in ganz eigenen Dimensionen und mit anderen Regeln. Das Kleine im Großen, das Zimmer, die Wohnung, das Haus, der Block, die Straße, das Viertel, der Bezirk, der Stadtteil, die Hälfte, die Stadt. Fokussierung total im lauten Kontext der Kulturen. Mir bleibt der Mund nicht mehr offen stehen, wenn jemand nackt in den Spätverkauf kommt, um ein Bier zu kaufen. Das passiert, ich amüsiere mich im Stillen.
Aber mir rutscht das Herz in der Brust herum, wenn die alten Wege plötzlich Alleen und Einkaufscenter sind. Wenn die kleinen Läden ausgeräumt, umgebaut und abgeschafft werden. Das sind die Momente des Schreckens, wenn man zum Fremden wird in der eigenen Stadt.
Wehmut und Hitze. Jubel und Veränderung.
Und vergib mir, Berlin, wenn ich an dir zweifle, weil ich auf Bad Taste Parties nicht mehr unterscheiden kann zwischen denen, die immer so rumlaufen und denen, die sich für diesen einen Abend verwandeln wollten. Macht mehr davon, aber traut euch auch mal was. Hin und wieder glaube ich, der Stadt geht das Risiko verloren. Auch wenn die Generation Prekär sich hier zuhause fühlt.
Und hört Jeniferever, wenn ihr mal diese Stadt verlasst. Die schwedischen Karate, der Wahnsinn.
Liz hat es verfasst, und zwar am 19. Juni 2006 um genau 12:19
Kategorie : Berlin | 1 Kommentare
Die Zugereisten und Zugezogenen, die Vorübergehendhierlebenden und Praktikanten, die Gucker und Groundhopper, all die halten mir immer wieder vor Augen, wie wenig ich das große Berlin kenne. Sie sprechen von Clubs und Lokalitäten, von denen ich noch nie gehört habe. Sie ballern mir Straßennamen um die Ohren, dass mir schwindelig wird. Da nehmen sie jeden Abend und ziehen ihn bis in den Morgen, während meinereiner nicht hinterher kommt. Und auch, wenn ich z.B. durch Mitte laufe, die Straßen sehe, durch die ich schon als kleines Kind gerannt bin, wird mir komisch, wenn ich sehe, wie diese Stadt sich wandelt. Diese ständige Vibration ihres Gesichtes, dieses immer wieder Niederwalzen und Umkehren, das macht mir Angst. Angst, weil ich manchmal glaube, dass mein Zuhause immer kleiner wird. Dass das Gefühl, das ich mit Plätzen, Straßen, alten Häusern, Bahnhöfen, Bäumen und Schildern verbinde, allmählich einer Stadt weichen muss, die ich nicht kenne. Und ich werde damit zu einer von ihnen, weil von dem Ort, an dem ich lange Zeit lebte, nicht mehr viel übrig ist. Mir fehlen sogar die großen grauen Gehwegplatten mit den breiten Rillen dazwischen, irgendwann sind sie alle weg und das mit dem Nicht-Auf-Die-Linien-Treten wird es so nicht mehr geben. Ob es dieses Gefühl von Das-Ist-Und-Bleibt-So jemals wiederkommt, weiß ich nicht. Alles krempelt sich immer viel zu schnell um, als dass man sich daran gewöhnen und sich sicher fühlen könnte.

Ich lief heute zur Bahn am Nordbahnhof. Dort, wo früher Wiese, Mauerstreifen und irgendwie immer ein kleines Nichts aus Gestrüpp und Gerümpel war (wir Kinder fanden das furchtbar aufregend), kann man jetzt Volleyball spielen und Caipirinha trinken. Dort sind jetzt gerade, glatte Straßen. Und ich weiß nicht, wer die Leute sind, nach denen sie diese benannt haben.
Ich habe nie geglaubt, dass es mal so sein könnte. Jetzt weiß ich, dass es mal so war. Das ist wieder einer dieser Zustände, die man immer erst bemerkt, wenn sie vorbei sind.
Ich gehöre nicht zu dem Berlin, von dem immer alle reden. Ich gehöre zu jenem, welches es nicht mehr gibt.
Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Juni 2006 um genau 18:49
Kategorie : Berlin | 11 Kommentare
Drei Spiele an einem Tag und Bier und Wurst und wie man das eben so macht. Der Sommer ist angekommen, hat Halt gemacht und sich hingesetzt. Ihm gefällt die Stadt und mir mit ihren leeren Straßen, mit ihren hin und wieder melodiös hupenden Autos, mit ihrer BVG, die so unvorbereitet ist, dass man lachen muss, und mit all den bunt bemalten Gesichtern. Ich dachte, es wird schlimmer.
Berlin hat sich seine Knoten gemacht und außen rum ist ganz viel Platz. Ich gehe eh selten dorthin, wo jetzt die großen Massen toben. Dafür hat man die anderen Straßen leer gefegt und frei geräumt. Die Fahnen überall irritieren mich noch ab und an und ich überlege, wie das wird, wenn diese vier Wochen vorbei sind.

Wo lassen die Deutschen dann ihre Fahnen? Bügeln Sie die und legen sie für die nächsten vier Jahre wieder in die Schublade? Lassen sie sie einfach noch ein paar Wochen hängen, bis es wieder kalt wird und die Fenster zugemacht werden? Was passiert mit all den Hüten, Schals, mit den Aufklebern und Panini-Heftchen, wo landen die Schminkstifte und T-Shirts? (Und in welcher Deutschland-Fahne sind die meisten Giftstoffe enthalten?) Werden die Fahnen, wenn die Deutschen ihr seltsames Nicht-Doch-Halb-National-Gefühl wieder einrollen, dann an Obdachlose verschenkt?
Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Juni 2006 um genau 0:59
Kategorie : Berlin | 3 Kommentare