In den Leben anderer
Setzen Sie sich an einem gutbehimmelten Tag in einen Neunsitzer und düsen sie los. Suchen Sie die Stadt nach den richtigen Adressen mit den richtigen Menschen ab. Sie wissen, Sie haben einen Auftrag zu erfüllen. Versuchen Sie dabei, sich nicht allzu oft zu verfahren, denn sonst wackelt der Zeitplan. Wundern Sie sich nicht, wenn man Ihnen Antworten auf Fragen gibt, die Sie nie gestellt haben. Lassen Sie das innerliche Kopfschütteln irgendwann, es wird Ihnen nicht helfen. Und versuchen Sie, das Lächeln nicht in reines Entsetzen umkippen zu lassen, wenn Ihnen die Leben der Menschen bis ins kleinste Detail offenbart werden, die Sie ohne diesen Job wahrscheinlich nie treffen würden. Nehmen Sie den Kuchen auf den Schoß, den Ihnen jemand bäckt, um nett zu sein. Und fragen Sie sich nicht, ob das passiert, weil sie vom Fernsehen kommen. Legen Sie die Hände nieder, denn die Menschen lassen Sie sonst nicht mehr los. Nehmen Sie die Bilder nach einem solchen Tag und all die Geschichten und bringen Sie die in Ordnung. Überforderung ist keine Ausrede. Und Vergessen wird hier nicht.
Wenn der Wagen dann über Alleen vor der Stadt rollt, können Sie die Augen einen Moment auf die Rapsfelder legen und atmen. Legen Sie sich ruhig ab für die paar Minuten, die die Bäume über Ihnen den Schutz bieten, der reicht. Aber kommen Sie wieder.
Lassen Sie sich abends den Kopf wegpusten von schwedischem Elektro und deutschem Herzeleid. Aber glauben Sie nicht, dass sich langfristig was ändert.
Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Mai 2006 um genau 19:22
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