In den Leben anderer

Setzen Sie sich an einem gutbehimmelten Tag in einen Neunsitzer und düsen sie los. Suchen Sie die Stadt nach den richtigen Adressen mit den richtigen Menschen ab. Sie wissen, Sie haben einen Auftrag zu erfüllen. Versuchen Sie dabei, sich nicht allzu oft zu verfahren, denn sonst wackelt der Zeitplan. Wundern Sie sich nicht, wenn man Ihnen Antworten auf Fragen gibt, die Sie nie gestellt haben. Lassen Sie das innerliche Kopfschütteln irgendwann, es wird Ihnen nicht helfen. Und versuchen Sie, das Lächeln nicht in reines Entsetzen umkippen zu lassen, wenn Ihnen die Leben der Menschen bis ins kleinste Detail offenbart werden, die Sie ohne diesen Job wahrscheinlich nie treffen würden. Nehmen Sie den Kuchen auf den Schoß, den Ihnen jemand bäckt, um nett zu sein. Und fragen Sie sich nicht, ob das passiert, weil sie vom Fernsehen kommen. Legen Sie die Hände nieder, denn die Menschen lassen Sie sonst nicht mehr los. Nehmen Sie die Bilder nach einem solchen Tag und all die Geschichten und bringen Sie die in Ordnung. Überforderung ist keine Ausrede. Und Vergessen wird hier nicht.

Wenn der Wagen dann über Alleen vor der Stadt rollt, können Sie die Augen einen Moment auf die Rapsfelder legen und atmen. Legen Sie sich ruhig ab für die paar Minuten, die die Bäume über Ihnen den Schutz bieten, der reicht. Aber kommen Sie wieder.

Lassen Sie sich abends den Kopf wegpusten von schwedischem Elektro und deutschem Herzeleid. Aber glauben Sie nicht, dass sich langfristig was ändert.

Liz hat es verfasst, und zwar am 24. Mai 2006 um genau 19:22
Kategorie : Wir | 1 Kommentare

 Ist und Werden

Die Typo als Designmesse hatte ich mir größer vorgestellt. Aber wahrscheinlich ist es groß für die Eingeweihten, wenn Gurus aus New York und aus diversen Ecken der Welt ihre Vorträge halten, die meist jedoch nur kurze Beweihräucherung der eigenen Person sind. Für Nicht-Designer ist das Ganze schwierig. Das Thema der Typo ist Play. Gespielt wird hier wenig. Mit Licht schon gar nicht, unten stehen zwei riesige Betten. Vielleicht sind das Spielwiesen der Erwachsenen, ein Kicker steht herum. Ein kurzer grüner Streifen soll zum Minigolfen einladen und ich denke die ganze Zeit nur: “Lasst mich atmen, Kinder. Lasst mich atmen”. Draußen prasselt unaufhörlich Wasser in Erbsenform vom Himmel herab, drinnen beschlagen die Scheiben.

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Ich höre einen Vortrag von Piet Schreuders, einem niederländischen Typographen, der ein paar nette Worte verliert über Design und damit über Kunst im Allgemeinen. Seine Idee ist, “dass wir die Dinge teilen”. Schreuders ist der Ansicht, es sei fast unmöglich, sich als Typograph nicht auf irgendetwas zu beziehen, das es schon gibt. Man solle darum diese Inspiration bewusster nutzen. Denn als Grafikdesigner habe man das Ziel, nicht nur Grafikdesigner sondern alle Menschen anzusprechen und zu erreichen. Dazu brauche man eine gemeinsame Basis. Diese Basis könne durch Assoziationen und alte Elemente hergestellt werden.
Aber nicht jeder müsse sich konkret erinnern. Schreuders ist der Meinung, dass man sich auch an Dinge erinnern kann, die man noch nie gesehen hat. Und er zitiert einen großen Designer, der einmal sagte: „Schau dir das Alte an und lerne dadurch etwas Neues“. Schreuders fügt dem noch hinzu: „Die Assoziation ist in allen Medien von Bedeutung, deswegen sollte man sie ganz bewusst nutzen.“ Auch Nicht-Typographen spürten einen Unterschied zwischen Schriften, „einen gewissen Geschmack“, sagte Schreuders. Die Notwendigkeit der Originalität im Grafikdesign ist nach Schreuders’ Meinung völlig überzogen: „Genug mit den Genies!“. Und ich bin dafür.

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Nach einem Nachmittag habe ich genug. Morgen werde ich hier wieder sein und übermorgen auch. Ich werde sie weiter anschauen, die Werbeschnitten und Grafikheinis. Abfällig klingen soll es nur für die, die sich angesprochen fühlen. Ich stehe hier manchmal vor Plakaten und bekomme den Mund nicht zu, aber dieses Heititei und die gegelten Scheitel, als könnten Frisuren die Welt retten, passen so wunderbar ins Klischee.

Ich halte die Augen auf bis zum nächsten Wochenende, wenn sich Indie und Pop lauthals die Kante geben. Ich mach mit.

Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Mai 2006 um genau 19:09
Kategorie : Berlin | 2 Kommentare

 Sachte sachte

Gregor Samsa und Condre Scr geben sich am Donnerstag im Berliner NBI die Ehre. Champ und Konsorten aus den Staaten samt den Berlinern, die ich schon lange nicht mehr live sah, die mittlerweile aber sogar ein Album am Start haben.

Hallo..
“i glue a heart right to my chest to make you see. i close my eyes before you leave to make you stay”

Sometree haben eine neues Album, ich erwähnte das schon einmal. Eine Record-Release-Tour gibt es dazu. Und in Berlin werden sie sein. Freunde von I Might Be Wrong, Torchous, Seidenmatt, Finn, Petula & Klinker, Ampl:tude etc. werden Sometree-Songs covern und uns wird das Herz aufgehen. Es war ein langer Weg dahin, jetzt sollte man behutsam sein. Am 7.6. spektakelt es im Frannz Club in Berlin.

Liz hat es verfasst, und zwar am 17. Mai 2006 um genau 11:35
Kategorie : Ton | 1 Kommentare

 c.r.a.z.y.

Es geht ja immer um Beziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern. Manchen ist das Halt, andere zerbrechen daran. Dass diese Konflikte Stoff großer Geschichten sind, beweist der Film C.R.A.Z.Y. auf seine ganz eigene Art und Weise.

Im Quebec der 70er Jahre lebt eine Großfamilie, die Namen der Söhne beginnen mit den Buchstaben, aus denen der Titel des Films besteht. Da ist der Macho-Vater, die rührende Mutter und eben die fünf Söhne. Zachary ist einer von ihnen, Zachary weiß noch nicht genau, wer er ist und wer er sein will. Zachary weiß immer nur, wie und was er nicht sein will: „weibisch“, „eine Schwuchtel“ oder ganz einfach schwul. Das ist das Feindbild seines Vaters. Dieser will Söhne haben, die ganze Männer sind. Er möchte nicht, dass sein Sohn den Kinderwagen mit dem kleinen Bruder darin schiebt. Er will, dass sein Sohn eine Freundin hat und mit dieser bitte auch normalen Sex.
Zachary hechtet diesem Ideal hinterher und scheitert.
Es ist ein Drama allererster Kajüte. Die Söhne entsprechen zwar den gängigen Klischees, aber die Worte des Vaters sind, obwohl schon so oft gehört, so ausgesprochen die Wahrheit vieler Väter. Und die Fluchten der Kinder aus seinem Patriarchat sind die Fluchten vieler. Da haben wir den Sportler, den kleinen Dicken, wir haben den Drogenabhängigen, die Leseratte und den, der sich in der Musik findet. Das mit der Musik ist Zachary.

Zacs Geschichte wird von Anfang an erzählt. Die Kamera wirbelt um seinen kleinen Kopf, als er geboren wird, und fängt seine Frisur ein, als er dann dreißig ist. Dort ist Schluss. Zwanzig Minuten vor Ende merkt man, die Geschichte kommt ins Holpern, überschlägt sich. Die Steigerung ist von Anfang an zu spüren, aber ab einem gewissen Punkt fehlt die Ruhe, die der Geschichte vorher den Faden gegeben hat. Zacharys Gedanken sind nunmehr nur noch, was man von außen auch sehen kann. Die Introspektive geht verloren. Das vielleicht aber auch, weil Zac nach und nach aus sich herauskommt, sich findet, zu sich steht. Er nimmt eine Auszeit, er kommt zurück. Unter dem Arm die Platte für seinen Vater, die er als kleiner Junge mal zerbrochen hat. Ein Sammlerstück, eine limitierte Auflage. Die lässt er auf dem Wohnzimmertisch liegen eines nachts, nachdem sein Vater ihm wieder einmal erklärt hat, dass er ihn so nie akzeptieren kann. Sie finden sich wieder. Und sie schauen sich so an, wie man es vielen wünscht, zwischen denen Welten liegen.

Der Kitsch ist da, die Farben knallen einem gegen die Iris und trotzdem ist die Einfachheit der Worte oft der Blick aus einer anderen Perspektive. Das Hechten nach den Erwartungen der Eltern, der Mut, den es braucht, um sich dabei nicht zu vergessen, die unabdingbare Liebe und das Zurückkehren sind die Themen, die der Film fest in der Hand hält. Wenn man rausgeht, öffnet sich die kleine geballte Faust und alles fällt einem vor die Füße.

Der Film wurde in Kanada mehrfach ausgezeichnet. Außerdem wurde er für den Oscar als „Bester ausländischer Film“ vorgeschlagen. Und Regisseur Jean-Marc Vallée hat sich mit Marc-André Grodin für die Hauptrolle jemanden gesucht, den man wiedersehen will.

Liz hat es verfasst, und zwar am 16. Mai 2006 um genau 10:36
Kategorie : Filme | 0 Kommentare

 On Demand

Sie möchten eine Gehirnwäsche, einmal einen Tritt in den Arsch samt Wirbelwind und Blitzschlag? Dann hören sie Alarma Man!

Sie möchten Tragik in Echzeit, den Knick im Herzen und Wehmut als Gewicht auf der Schulter? Schauen sie sich Björn Kleinhenz an!

Sie wollen den inneren Wecker, leises Klopfen an der Bauchdecke, dass sich zu Schlägen steigert, die abschütteln, was sie quält? Dann gehen sie zur Torchous!

Liz hat es verfasst, und zwar am 15. Mai 2006 um genau 16:03
Kategorie : Ton | 0 Kommentare

 Mauerstreifen

In der SZ ist heute zudem ein angenehmes Ulrich Mühe Portrait von Marcus Jauer. Den Film „Das Leben der anderen“ habe ich noch nicht gesehen. Ich war trotzdem erstaunt zu lesen, dass die Darsteller im Film aus dem Westen kommen. Alle außer Mühe. Ist das unauthentisch? Braucht es das nicht? Oder ist das eigentlich egal?
Beim Lesen des Artikels mit dem Titel „Begegnungen mit einem Phantomschmerz“ fühlte ich mich an mein Generation-Dazwischen-Dasein erinnert. Und fragte mich erneut, was uns ausmacht. Ist das die Suche nach einem Generationscharakter? Nach einer Identität für die, die das geteilte Land nur ein bisschen oder gar nicht mehr mitbekommen haben und in den Nachwehen leben?

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Ja, ich kann mich kaum noch erinnern. Nur noch daran, dass die Liegen im Kindergarten steinhart waren und man nur auf dem Rücken liegen durfte. Daran, dass manchmal vor dem Mittagsschlaf ein paar Leute gekommen sind. Die waren nett, denn die haben sich hier und da ein Kind geschnappt und mitgenommen. Als Kind fand man das super, man konnte dem lästigen Mittagsschlaf entgehen und durfte auf einer Modenschau in dem Kuppelgebäude am Alexanderplatz im Scheinwerferlicht laufen.
Und ich weiß noch, wie die Kindergärtnerin anfing zu weinen, als meine Mutter sie bat, doch bitte die Äpfel für mich zu schälen. Ich war ein Mäkelkind, ich mochte keine Apfelschale. Also sollte man mir den Apfel schälen, damit ich den trotzdem esse. Die Kindergärtnerin sah das als Angriff auf ihr System, als Attacke auf ihr Weltbild, zeterte und begann zu weinen. Äpfel schälen.

Ich sei mit blutverschmiertem Gesicht aus dem Behandlungszimmer gekommen, sagt meine Mutter, nachdem man mir die Polypen entfernt hatte. Zur Prävention. Durch die Scheibe konnte man sehen, wie drei Ärzte das sich wehrende Kind festhalten, der vierte setzte die örtliche Betäubung und dann wurde losgelegt. Polypen raus, abgewischt, nächstes Kind. Man solle sich nicht so haben.

….“diese DDR, die immer Helden brauchte, aber nur Menschen hatte“. (Marcus Jauer)

Liz hat es verfasst, und zwar am 11. Mai 2006 um genau 13:43
Kategorie : Berlin | 2 Kommentare

 ‘Die Zahl ist gefallen’

Ich komme ins Büro und werde empfangen von afrikanischen Beats, die sich mit Grönemeyers Knautschstimme vermischen. Das ganze schimpft sich WM-Hymne. Ich habe Angst. Angst, dass ich den ganzen Sommer diese Zeilen in den viersprachigen Ausführungen nicht mehr loswerde. Jaja, „Deutschland, was dreht?“. Wir dichten schon Alternativtexte. Ergebnisse bald.

Liz hat es verfasst, und zwar am 11. Mai 2006 um genau 10:23
Kategorie : Ton | 1 Kommentare

 (Emma und Jonas)

Und nun sitzt sie auf dem Badewannenrand, die Füße auf der klammen Matte. Kleinlaut wie immer, wenn es vorbei ist. Der Baum im Hof malt riesige Fratzen an die Badezimmerwand. Draußen schlägt laut eine Tür zu. Dann richtet sie sich wieder auf. Reckt und streckt, was sich in diesen ein zwei Stunden zu einem dicken Klumpen formte, einem Brei aus Ichunddu. Langsam wird Hand wieder Hand und Fuß wieder Standbein und das Gefühl kehrt in die Fingerspitzen zurück. Das ist vorher immer nur Brausepulver.

Unten am Briefkasten fällt er in sich zusammen. Jede kleine Spannung ist weg, der ganze Bauch ist wieder Brachland, die Ernte abgetragen, die Felder alle leer. Winter heißt Jonas´ Gesicht, wenn er auf die Straße tritt. Er dreht sich nicht um, er geht schnell zur Bahn, kauft sich die Zeitung, bevor er nach Hause kommt. Denn ein Mann braucht etwas zu tun. Jonas braucht etwas zu tun, wenn er weg ist von ihr. Informationen und Tonnen von Kartoffelbrei, irgendetwas, das füllt. Er duscht dann ein zwei Tage nicht, wühlt die Finger in die Haare wie ihre. Seine Hände sind selbst im Sommer selten warm. Hin und wieder bringt ihm seine Mutter Brausetabletten aus der Apotheke mit, denn „Jonas, du bist immer so blass“. Das macht nichts, denkt Jonas. Manche finden das sogar schick. Er bemerkt es nicht einmal. Wenn man sich selber jeden Tag ansieht, jeden Tag nur ein Gesicht im Spiegel, jeden Tag nur ein Gesicht im Schaufenster, jede Woche nur mit einem Paar Hände einkauft, dann hat man dieses eine Gesicht so oft gesehen, dass man nicht mehr merkt, ob es blass oder noch blasser ist, ob es Farbe bekommen hat oder gerötet ist. Diese Augen, diese Nase, diese Stirn und dieser Mund werden zur Tapete, die einfach da ist und bei der einem vielleicht nach einem langen Urlaub auffällt, dass sie grau geworden ist.

Wenn sie sich begegnen, sieht er, dass sie vor ein paar Tagen am Zeh geblutet haben muss. (Sie ist morgens schlaftrunken gegen den Türrahmen gelaufen, aber das weiß er nicht). Und er sieht den Sand unter ihren Fingernägeln. (Sie hat Blumen eingepflanzt, aber das sagt sie ihm nicht). Er bemerkt die neuen Sommersprossen und dass sie einen anderen Ring hat. (Den bekam sie geschenkt, aber das verrät sie nicht). Und er fragt sich, woher wohl die blauen Flecken sind. (Da tat man ihr weh, aber das hat sie vergessen).

Sie kippt die kleine Tüte Ahoi in ihren Mund. Lange will sie den Geschmack nicht behalten. Nur kurz und immer wieder. Danach spülen mit einem Glas Wasser auf dem Badewannenrand.

Liz hat es verfasst, und zwar am 11. Mai 2006 um genau 7:52
Kategorie : Emma und Jonas | 0 Kommentare

 Gemach, gemach.

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Der Frühling ist ein warmer, man möchte beinahe schon Sommer sagen. Ich traue mich aber noch nicht. Und Anbaden ist immer erst am Wochenende vom Immergut. Vorher wäre Frevel. Am Morgen blinkt einem der blaue Himmel auf die Füße. Und es gibt keine Jacke mehr, die man in der Bahn vergessen könnte. Bleibt einzig und allein das beklemmende Gefühl, wenn Sonnenbrille und Kopfhörer gleichzeitig Beachtung wünschen und so am Kopf befestigt werden wollen, dass nichts rutscht und alles funktioniert. Man sieht, ich kämpfe jeden Morgen. Und der Chef würde sagen: “Ach, wie schön: Luxussorgen!”. Aber ja, man glaubt es kaum, aufstehen fällt leichter, die Menschen werden netter und Mr. Burnster schreibt eine nette Hommage an Berlin im Sommer.

Und wie ich mich schinde, um bald in voller Pracht mein neues Kleid spazieren tragen zu können, kann man bald nachlesen. Mittagspausen bringen jedenfalls schon die richtige Hautfarbe, denn ja, auch in Potsdam gibt es Sonne. Mehr davon. Und Wochenende.

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Mai 2006 um genau 21:43
Kategorie : Moi | 0 Kommentare

 Ich hätte es wissen müssen.

Remmidemmi ist nicht mehr das, was es mal war. Und darum gehöre ich zu denen, die es gut finden, dass Schluss ist. Wenn man weiß, wann man aufhören muss, ist man schlau. Bad Saalschlacht gaben der schwitzenden Menge keine letzte Runde aus, die ja bekanntermaßen immer dauert, bis es hell wird. Stattdessen gaben sich die DJs die Klinke und die Platten in die Hand.
Das Konzept hieß: 89 DJs und jeder spielt sein Lieblingslied.
Lerne: Niemals wiederholen.
Denn: Jeder will der Coolste, Hippste, Stylischste sein.
Ergebnis: Wenig tanzbare Schmankerl überschwemmt von den geheimsten B-Seiten der nur in Keineahnungwo erschienenen, limitierten Einzigplatte einer Schießmichtotgeheimband aus Nimmerland plus Oldieschnulli und Langeweile.
Die Leute traten sich gegenseitig auf die Füße und boxten sich in die Rücken, das Geifern und Sabbern ist ja überall dasselbe, die Luft war mies und ja, ich habe mich geärgert. Das Falafel war auch nicht gut. Das ist das, was man nicht krönenden Abschluss nennt.

Aber am nächsten Morgen sind die Dinge vergessen, man kann jetzt auf dem Balkon frühstücken, redet mit den noch nicht geschlüpften Blümchen in der Hoffnung, sie recken und strecken ihre Köpfchen bald der Sonne entgegen. Und die Nachbarin grillt in Radlerhosen, ihre Zierorangen gucken ihr brav dabei zu und wir nachher Fußball. Man halte mich für blöd, ich es aber nicht für Allgemeinbildung zu wissen, wann Samstag Bundesligazeit ist. Dafür weiß ich, wer Günther Netzer ist.

Und wer wissen will, wer das Immergut macht, der kann es jetzt nachlesen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 6. Mai 2006 um genau 13:56
Kategorie : Ton | 3 Kommentare


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