…habe ich heute auf Spoonfork das Glücksrad benutzt, mir im Kopf eine Frage gestellt und dann den Knopf gedrückt.
Na, und wo blieb der rote Nippel stehen?
Richtig! Auf “Vergiss es!”.
Liz hat es verfasst, und zwar am 30. März 2006 um genau 23:59
Kategorie : Moi | 3 Kommentare
…voll mit Deppen und muss warten, bis irgendeiner alle wegscheucht…”
(Samba)
Szene 1.
Morgens. Lisa sitzt auf der Bank an der Warschauer Straße, nach nur wenig Stunden Schlaf, entnervt, weil zu spät und auf dem Weg zu diesem blöden Kurs. Caro kommt auch zu spät und wir verpassen die U-Bahn, weil irgendein Typ möchte, dass Caro sich eine Pappscheibe vor die Nase hält und etwas in seine Kamera brabbelt. Dann der, der mit Regenbogen-Batik-Shirt und einer Peace-Zeichen-Kette vor uns steht und die Straßenzeitung verkauft. Seine Wollmütze kringelt sich mit den Locken um die Wette. Ja, er ist nett, ja, ich gebe ihm Geld, nein, ich will keine Zeitung. Dann kommt seine Dankesrede, die ich nicht wörtlich aber doch sinngemäß wiedergeben kann.
Er: (mit Engelsstimmchen): “Als Dank dafür, dass du mich unterstützt, gebe ich dir einen Tipp. Lächle direkt nach dem Aufstehen!”
Ich: (Skeptischer Blick nach oben und eigentlich nur der Wunsch in Ruhe gelassen zu werden)
Er:“Glaub mir, es hilft. Das wird einen völlig anderen Menschen aus dir machen. Du musst einfach nach dem Aufwachen ein großen Lächeln in dir ausbreiten. Denn Lächeln ist kein Gesichtsausdruck sondern ein Zustand. Das Leben wird sich dir zuwenden, der Tag wird dich anlächeln. Und wenn du das jeden Tag machst, wird sich alles komplett verändern!”
Ich: (Ein Blick in seine Augen und in Gedanken im gestrigen Abend, an dem mir noch gesagt wurde, ich sei zu naiv. (Zweite Klammer im Kopf: Naiv macht schief. Und ich laufe noch recht gerade. Und ein Gutmensch bin ich mit Sicherheit auch nicht) Also die Frage im Kopf: Wer ist hier naiv, HE HE?)
Er brabbelte noch weiter (”Ihr müsst viel spontaner sein, den Menschen spontan ein Lächeln schenken…”), aber hatte sich schon abgewandt. Ein Lächeln fand mich ja wirklich und er uns dann auch noch einmal in der Bahn Richtung Uni.

Szene 2
Rückfahrt. Powerpoint hat mir die Powerpoints geklaut. Diagramme und Designvorlagen dieses Programms haben mir die Birne weichgekloppt und der Typ schräg hinter mir kann einfach seinen Mund nicht halten. Das ist die Sorte Mensch, die jegliche Bewegung von Materie kommentieren muss. Wäre morgen nicht der letzte Tag, ich hätte ihm seinen dämlichen Akzent um die Ohren gehauen und ihm das Maul mit Gaffa gesperrt. Es tut mir leid, dass ich hier so ausfallend werde, aber manche Menschen haben einfach kein und noch weniger als kein Gefühl für die simpelsten Bedürfnisse der Mitmenschen.
Wir sitzen also in der Bahn. Ein Pärchen steigt ein. Caro und ich schauen uns an und das Lächeln wurde zu schallendem Gelächter allererster Kajüte. Grund war der Aufzug dieser zwei Menschen, die nicht noch mehr mit ihrem Outfit nach Aufmerksamkeit heischen konnten. Ziel erreicht.
U-Bahn-Begegnung Nummer Drei war wieder von bekehrender, aber musikalischer Natur. Akkordeon wurde mit Rap vertauscht. Super Sache an sich. Wenn mich nur nicht heute anscheinend alle zu mehr Liebe und Lächeln in dieser ach so grauen Stadt überreden wollen würden. Ich kann es nicht mehr hören. Würde euch allen so sehr die Sonne aus dem Arsch scheinen, wie ihr immer predigt, bräuchten wir keine Energiesparlampen mehr.
Liz hat es verfasst, und zwar am 30. März 2006 um genau 23:06
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare
…gibt es am Sonntag an meinem liebreizenden Stand auf dem Arkonaplatz zu kaufen. Zu kleine Tshirts, alte Jacken, Schnulli & Kram biete ich feil, meine Mama räumt ihren Keller aus und sowieso ist die ganze Familie am Start. Kommt rum, lacht euch kaputt und redet mir die Wangen rot.
Liz hat es verfasst, und zwar am 30. März 2006 um genau 16:54
Kategorie : Berlin | 0 Kommentare
Sie neben mir stützt den Kopf in die Hände, Licht fällt leise und kaum durch die dunkelbauen Jalousien, mittlerweile ist der Himmel wieder grau. Und doch ist heute Tag mit kurzem Rock, Tag mit Sonnenbrille in der Tasche, Tag mit den Shins in den Ohren wie in der ganzen letzten Woche. Dieses große graue Gebäude am Ende der Stadt ist frustrierend, die Gänge mittags noch ganz gut gefüllt, obwohl die Studenten sich besser ihres Lebens besinnen sollten, wegfahren, tolle Sachen machen. Stattdessen ist diese Mensa voll mit jungen Leuten, alle mehr oder minder freiwillig hier.
Heut ist Tag für neue Songs, Tag für ein kleines Vokabelheft, denn der Plan der neuen Sprache steht, obwohl ich mich eigentlich um die alte kümmern sollte. Es ist Tag einer gewissen Ordnung. Obwohl die kleine Dame mit der schrecklichen Frisur vor mir sich wirklich bemüht, ich will ihr nicht folgen. Powerpoint werde ich aus dem Weg gehen und nur noch in der U-Bahn beim Abkotzen über das Berliner Fenster daran denken. “Wir werden gleich gemeinsam Diagramme bauen…”. Um Himmelswillen mach doch, aber lass mich in Ruhe. Ich bin mit Statistik ganz gut zurechtgekommen und fertig damit. Ich weiß, dass ich niemals Leute mit dämlichen Nachrichten in der U-Bahn belästigen will. Und meine Umsätze werde ich auch niemals in ekligen Farben an verpickelte Wände werfen.
Der Tag ist dunkelblauweiß und wir machen Pläne für Ende April. Ein Fernweh hält mich fest im Arm.
Liz hat es verfasst, und zwar am 29. März 2006 um genau 15:59
Kategorie : Moi | 1 Kommentare
Eine Schachtel mit Knäckebrot. Na juchhu. Damit will man die Leute nach Magdeburg zurückholen. Wahnsinn.Sie werden in Tränen ausbrechen, wenn der Postbote klingelt. Die Absinth-Trüffel-Pralinen werden sie so besoffen machen, dass sie in ihre alte Heimat zurücktaumeln. Gebt ihnen die Kante..
Kartons als Humanfaktor im Aufbau-Ost-Programm. Da werden sie sich drauf stürzen, die abgewanderten Ossis. Heimatbindung mit einem Satz Skatkarten verstärken. Innovatives Engagement. Jau.
Vielleicht wird man ja sogar sentimental. Vielleicht weckt das wirklich Erinnerungen. Aber welcher Mensch klickt ernsthaft als erstes auf eine Internetseite mit den “Zurück-nach-Hause-Tipps”, wenn es ihn wirklich dahin zurückzieht? Und selbst wenn, Infos gibt es unter diesem Button noch nicht..
Eine Pappschachtel macht eine Stadt nicht schöner, nicht attraktiver, nicht jugendfreundlicher. Sie füttert sie auch nicht mit Arbeitsplätzen, die konkurrenzfähig sind. Sie schafft eben nicht dieselben Gehälter wie anderso sondern kostet. Die Schachtel, sie kann ja nichts dafür…
Mir selbst geht das Herz nicht auf, wenn ich in einem bayerischen Supermarkt an Berliner Weiße vorbeispaziere. Aber wahrscheinlich bin ich auch nicht die Person, auf die man da hören sollte. Vielleicht lege ich aber Herrn Schottner morgen mal eine Weißwurscht auf´s Kopfkissen und nehme die Reaktionen auf Video auf.
Alle sollen wieder nach Hause. Nebenbei läuft die Einbürgerungstest-Diskussion und “Knallhart” im Kino. Und alle stützen sorgenvoll die Köpfe in die Hände. Wie soll das nur werden, wo führt das hin… Nun ja, streichen wir doch erst einmal 67 Millionen vom Etat für Integrationskurse, das hilft bestimmt. Und morgen basteln wir noch mehr Ostpäckchen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 22. März 2006 um genau 12:05
Kategorie : Blicke | 2 Kommentare
Martin ist 28 Jahre alt und bleibt selten länger als drei Monate an einem Ort.
Martin ist der Typ Unabhängigkeit, mit dem die Frauen einerseits oft nicht zurechtkommen, den sie andererseits aber auch oft sexy finden. Denn er genügt sich selbst und er geht, wenn es ihm zuviel oder zu schwierig wird. Martin ist Zimmermann und seit zwei Jahren auf Wanderschaft.
Gerade ist er in einem kleinen Ort bei Hannover. Auf der Reise hat er einen anderen Zimmermann kennen gelernt, dessen drei Jahre schon rum sind. In diesen drei Jahren darf man nach Zimmermannsregeln nicht nach Hause zurückkehren. Martin verbringt also den Winter in Christophs Haus, denn dort ist es warm, es gibt einen Ofen und wenn man dem Nachbarn Türen für den Schweinestall baut, bekommt man etwas Kleingeld und Wurst. Das reicht für ein paar Tage. „Die Ansprüche gehen in eine andere Richtung, wenn man so lange reist“, sagt Martin am Telefon.
Losgefahren ist er damals mit nur einem Rucksack und in der typischen Zimmermannskluft. Seine Freunde haben ihn bis zum Ortsschild begleitet, von da an muss der Zimmermann alleine gehen und darf sich nicht mehr umschauen. Mittlerweile war er in Südafrika surfen und hat in Kanada ein Blockhaus gebaut. Ein regelmäßiges Einkommen kennt Martin nicht mehr, man verdient sich mit Handwerksarbeiten, was man braucht zum Leben. Und dazu braucht man nicht soviel, wie man denkt. Nach zwei Jahren hat er seine Eltern gestern wiedergetroffen und seinen Mutter hat ihm die Kamera mitgebracht. Es würde einem sonst kaum einfallen, die großen Strände der Welt zu bereisen ohne einen Fotoapparat dabei zu haben, um alles festzuhalten. Martin hat die Geschichten im Kopf, die Namen und Gesichter, die Orte und Strecken.
Einmal hat er in einem kleinen Bergdorf in Argentinien nachts im Regen gestanden und hielt den Daumen raus, um weiterzukommen, einen Schlafplatz zu finden. Ein Auto hielt und wer saß drin? Seine Exfreundin, die zur selben Zeit gerade Urlaub in dem Land machte. Dass sie sich im selben Land befand, wusste er. Mehr aber nicht. Und schon ist die Welt wieder viel zu klein. Da fährt man ans andere Ende der Welt, um mal alleine zu sein und trotzdem reicht das nicht.
Jetzt ist Winter, Martin hat wenig Geld und wartet im Haus von Christoph, dass es wärmer wird und er wieder bessere Arbeitschancen hat. Gerade muss er in Deutschland eine Anstellung finden, es gibt da Probleme mit der Krankenkasse. Mecklenburg-Vorpommern sei die einzige Gegend, in der er länger leben könnte, wenn er in Deutschland leben müsse, sagt er. Wie es denn da mit Jobs aussähe, fragt er. Und ich kann ihm keine Antwort geben. Unsereiner denkt in Stellenanzeigen und Arbeitslosenstatistiken. Martin denkt in Kontakten, die er von anderen Kumpels auf der Reise hat, und ob es hier und da vielleicht Gutshöfe gibt, die Hilfe gebrauchen können.
Früher hatte er Kurhaarfrisuren, der Bart war in diversen Formen getrimmt. Jetzt gehen ihm seine Haare bis zur Brust, erzählt er. Ich weiß noch, wie wir mal auf einem Dach im Prenzlauer Berg saßen, als er noch in Berlin war. Nach seinem ersten Jahr in der Welt da draußen ist er noch einmal zurückgekommen, um sein Abitur nachzuholen. Und er hat auf die Dächer geschaut und gemeint: „Guck mal, das ist schon schön. Aber es gibt bestimmt noch hundertmal schönere Orte. Die will ich sehen“.
Wie lange er denn noch unter der Adresse dort bei Hannover zu erreichen sei, frage ich ihn. „Vielleicht zwei Wochen, vielleicht die nächsten fünf Monate“, heißt es.
Liz hat es verfasst, und zwar am 19. März 2006 um genau 17:23
Kategorie : Wir | 1 Kommentare

Das ist nicht so einfach, wie es aussieht. Abschied nehmen, sich auf den Tod vorbereiten, die Menschen loslassen und abgeben, die man liebt. Sich aus der Affäre ziehen und einmal kurz nur an sich denken, von der großen Liebe sprechen. In “Mein Leben ohne mich” bekommt die 23jährige Ann die Diagnose Krebs im Endstadium, sie hat noch höchstens drei Monate zu leben. Sie hat zwei Kinder, einen Mann und lebt mit diesen in einem Wohnwagen im Vorgarten ihrer verbitterten Mutter. Der Vater ist im Gefängnis, Ann arbeitet nachts, ihr Mann baut Swimmingpools. Ein bisschen bekommt man den Eindruck, als würde sie in dieser kurzen Zeit, die ihr noch bleibt, ihr Leben aufholen wollen und können. Sie beginnt eine Affäre und nennt es Verliebtsein auf dem Tonband, das sie ihrem Geliebten hinterlässt. Nachts, wenn sie eigentlich arbeiten sollte, spricht sie ihren Lieben schwere und kluge Worte auf Band, diese Tapes bewahrt dann der Arzt für sie auf, der ihr nicht ins Gesicht schauen kann, als er Ann sagt, dass sie sterben wird. Dafür bringt er ihr beim nächsten Mal Ingwerbonbons mit und sortiert ihre Kassetten in sein Regal.
Es sieht aus, als ginge das. Abschiednehmen, Leidenschaft, tiefes Gefühl auf Knopfdruck. Mit Tränen, aber ohne Schuldgefühl. Mit Angst, aber ohne Wut. So sieht es aus und die Menschen in den Kinosesseln haben nicht alle ähnliches durchgemacht. Die sind zutiefst betroffen. Und doch ist das nur ein kleiner Blick. Wutausbrüche machen sich nicht gut in einem solch ruhigen Film und Streit wird nur am Rande angeschnitten und in den harten Worten der Mutter. Mich hat der Film auch berührt und das Gefühl in der Brust beim Abspann ist ein beklemmendes. Aber da fehlt soviel.
Es ist die Sicht eines Menschen, der das Danach nicht mehr erleben wird. Ausgeblendet wird das Tempo. Man verliert das Zeitgefühl. Keine Worte von den rasenden Stunden, die wie im Fluge vergehen, sobald man ihnen eine Deadline setzt. Keine Worte vom schnellen Herzschlag, wenn in dir die Wut brüllt, weil du so machtlos bist deinem Körper gegenüber, allen Körpern gegenüber, die letztendlich kommen und gehen, wann sie wollen und die kleinen Fetzen Seele, die räumt keiner weg, die fliegen so rum und die sieht man auch noch Jahre später. Dann sind keine Worte von den Lautstärken des Schmerzes, die man durchlebt, wenn man sich nicht verabschieden kann. Wenn einem gesagt wird, alles sei gut und normal und nicht außergewöhnlich und mit einem Tag verändert sich plötzlich dein ganzes Leben und keiner hat dich gewarnt, keiner hat das erwähnt. Obwohl es mitten im Raum stand.
Der Film ist so leise, wie es nicht ist, wenn jemand geht für immer.
Liz hat es verfasst, und zwar am 18. März 2006 um genau 2:27
Kategorie : Filme | 2 Kommentare
Liz hat es verfasst, und zwar am 17. März 2006 um genau 18:52
Kategorie : Blicke | 1 Kommentare
Sie sollten dieses Stück Geschichte mal in den Staaten laufen lassen, in den Ausbildungskasernen und im letzten Jahr der High School. Sie sollten diesen Film an Sonntagen in der Kirche an die Wand werfen, die Schocksekunden im Anschlag. Mir blieb der Mund offen stehen, die Glieder wurden starr, Bewegung war kaum möglich. Mein Blick auf den Fernseher geklebt, immer wieder Gänsehaut und unter einem Wasserfall aus Wut, Ekel, Schock und Gewohnheit.
Der eine Soldat sagt, er wünsche sich, dass seine Kinder nicht so dumm werden wie er, als es sein größter Wunsch war zur Army zu gehen.
Ich habe hier mal was über den Arlington Friedhof in Washington geschrieben. Jemand kommentiert das. Ich fänd es schön, wenn sich dazu noch ein paar Stimmen sammeln, denn bei diesen zwei Kommentaren blieben mir die Worte in den Fingern stecken irgendwie.
Liz hat es verfasst, und zwar am 15. März 2006 um genau 13:32
Kategorie : Filme | 0 Kommentare
“cause a heart is a heart even if it is broken.
and a speech is a speech even if it´s not spoken”
Wie sich dieser kleine Mann mit der Emofrisur und den zu engen Hosen, der mich immer an den Magnetalex erinnert, da vorne gewunden und gelitten hat. Ja, die Texte sind einfach, die Gefühle orchestriert, manchmal kann man dazu schunkeln und trotzdem hat da jemand einen riesigen Abschied so offen dargelegt, als würde nur das genug Distanz schaffen. Rein in die Worte und die Worte dann raus. Dann kann man gehen, dann ist man leichter. Mit Geige und Klavier und Bass und Schlagzeug und zweistimmig und sowieso. Tragik in Echtzeit.
Liz hat es verfasst, und zwar am 14. März 2006 um genau 1:11
Kategorie : Ton | 0 Kommentare