Seite 15 des Feuilletons der SZ zieren heute halbseitig zwölf Mädchen in BH. Die Kandidatinnen von Germany´s Next Top Model wurden in Form gezupft und in Unterwäsche vor eine Hochhauskulisse gelegt. Darüber steht in großen Lettern die Frage: „Sind WIR zu dünn?“.

Keine Ahnung, man sieht ja nix außer Haaren und Brüsten. Die Damen mit weniger Oberweite wurden nach hinten gestellt, damit das mal schön üppig aus dem Bild hoppst und keine Omi weint, weil Cindy ihre Kekse nicht mehr anrührt. Cindy aber schaut jede Folge von Germany´s Next Top Model und tauscht sich über´s Telefon mit ihren Freundinnen aus, welches der minderjährigen Mädchen denn heute wieder scheiße aussah oder vielleicht ein bisschen zugelegt hat. Und weil das nicht reicht, meldet sich Cindy auch noch im Internetforum zur Serie an und diskutiert, was das Zeug hält. Natürlich auch über die Geschichten der letzten Tage. Da sagten Politiker, diese Sendung sei verantwortungslos, andere äußerten sich in derselben Richtung. Aber das kann Cindy nicht auf sich sitzen lassen, denn Cindy schaut diese Sendung ja gern. Das ist ihr Traum, der da gezeigt wird.

Und sie wäre gerne eines von den Mädchen, die jetzt einen Brief getippt haben, damit die Medien mal aufhören zu meckern und lieber schöne Bilder machen, denn was soll daran so schlimm sein, „wenn wir an unserem Traum arbeiten? Das verstehen wir nicht“. In dem Brief, der die untere Hälfte der Zeitungsseite einnimmt, steht auch: „Natürlich sprechen die Coaches unsere Schwächen an, kritisieren uns. Die harten Regeln für die Modewelt haben sie nicht aufgestellt“, aber trotzdem projizieren sie diese auf Schulmädchen, die naiv und mit durchgestrecktem Kreuz reihenweise in die Castings marschieren, sich halbnackt vor Camcordern räkeln und ihnen der Ausdruck erst einmal noch ins Gesicht geschminkt werden muss. „Um es klar zu sagen: Bei den Dreharbeiten muss niemand hungern. Im Gegenteil: Die Buffets sind superlecker“. Da kann man den Übergewichtigen, die zu Hause vor dem Fernseher sitzen, schön etwas vormampfen, denn die Anlagen hat man von Mutti, die Muskeln von Vati und zugenommen hat man eh eigentlich noch wirklich stark. Die Maßstäbe macht also die Zielgruppe. Man darf so dünn sein, denn das verlangt die Modewelt und wir sind alle so erwachsen, nehmen das an und Heidi ist sowieso die neue Mami der Nation. „Ich finde es auch schrecklich, wenn Mädels so ausgehungert aussehen und darauf achtet Heidi auch“, schreibt Tanz-Girl im Forum zur Sendung, „P.S. Ich habe selbst eine tolle, sexy Figur und kann essen, was ich will. (…) Bleib dir treu und verstelle dich nicht für andere“.
Geht ja auch nicht, wenn man noch nicht weiß, wer man ist und wo man hingehört. Modelliert wird im Fernsehen. Die da muss so laufen, die andere sollte nicht so stehen und überhaupt lach doch mal. Wandlungsfähig muss man sein, nicht zu ausdrucksstark, sonst hält die Maske nicht. Lange Haare sind gut, Möpse auch, ein bisschen Popo, aber nicht zuviel Hüfte. Scott07 meint außerdem: „Schöne Haut und gesunde Zähne sind selbstverständlich“. Und die Mädchen vor den Computern zu Hause battlen sich im Forum mit ihren Maßen. Aber verbiegen lassen? Wir doch nicht.

„Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen: Wir haben eine geile Zeit. Das soll jeder wissen. Und bitte auch respektieren“ schreiben die Finalistinnen ans Ende ihres Briefes, unter dem sie dann alle auch brav mit bunten Stiften und in Kringelschrift unterschrieben haben. Es heißt ja immer, Disziplin sei die erste Eigenschaft, die man braucht, um im Modelgeschäft zu überleben. Ein eigener Kopf ist ja anstrengend. Ob dieser Brief jetzt disziplinierte Umsetzung dessen ist, was den Mädchen in einer Pause in strengem Tone gesagt wurde, oder ein Statement, in dem sich die Betroffenen wehren, bleibt fraglich. Hauptsache ist doch, dass Cindy neuerdings sogar zwei Stunden anstatt nur einer auf nackte Mädchenkörper starren darf und wenigstens für diese Zeit beschäftigt ist.
(Fotos von Pro7.de)
Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Februar 2006 um genau 12:15
Kategorie : Filme | 0 Kommentare
Ab morgen heißt es: Kampf dem Rost, den Verkalkungen und wackligen Knien. Ab morgen gibt es Endorphine auf Bestellung und eine Stoptaste, wenn die Gedanken sich überschlagen. Ab morgen kommt ein bisschen zurück, was sich seit ein paar Jahren verkrümelt hat: Agilität in Reinform und ein großes weißes Blatt, das am Ende voller Kreuze sein soll. Ich werde mich mühen und quälen für die Oberschenkelmuskulatur, damit sie den Gang aushält, der sich doch hier und da etwas verdreht, wenn der DJ in Stimmung ist. Ich werde stemmen und schwitzen, um dieses Gefühl loszuwerden, dass Winter die Sehnen schockfrostet. Und die Körperspannung wird mich nach einigen Wochen wieder anlächeln, Geschmeidigkeit wird mein Freund sein. Ab morgen gibt es einen Trainingsplan für mich ganz allein.
Wenn ich dann mit immer noch dem Bus hinterher rennen kann, werde ich mich freuen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 7. Februar 2006 um genau 23:55
Kategorie : Moi | 0 Kommentare
Die Stadt ist wieder weiß und die Welt schneidet sich ein paar Finger ab. Es blutet an allen Ecken und Enden, am Stolz und dem Mut. Was die Zeitungen sagen, wird nie wirklich neuer, aber immer drängender brüllen sich Religionen die wahren Werte ins Gesicht, während mir der Kaffee verschütt geht irgendwo zwischen dem neuen Hauptbahnhof und Zoologischer Garten. Das ist da, wo man die Zeitung in der Hand, den Einkauf in der Tasche und die Sprachlosigkeit im Mund hat. Weil auch da jeder zweite Mensch einer ohne zu Hause ist. Die Eindrücke sind Wahnsinn in diesen Tagen, die Zeit ist rar und umso atemloser werde ich im ständigen Informationsfluss. Auf jetzt.de findet man nun immer die Worte der Woche:
Koalitionsvertrag
Autonomiebehörde
Atomstreit
Krisenstab
Steuer
Meinungsfreiheit
Rente
Video
Atomprogramm
Arbeitskampf
Arbeitslosengeld
Atomwaffen
Ingolstadt
Uran
Renteneintrittsalter
Friedensprozess
Vogelgrippe
Deutschpflicht
Dazu muss man nichts mehr sagen, denke ich. Die Welt hat Bauchweh und jedes kleine Objekt, ob Mensch oder Staat oder Religion, stopft ihr Pillen in den Mund. Man guckt da nicht, ob das vielleicht Nebenwirkungen hat, wenn sich alle auf einmal und alle zu 100% nur ihrer eigenen Rezeptur bedienen. Der (die) Welt ist schlecht und ich könnte kotzen. Das ist immer dann, wenn es Abende braucht wie gestern, an denen man mal kein Wort spricht, die Fenster zu macht und niemanden rein lässt. Dieses Zimmer ist irgendwie zu klein, um Ventil für alles zu sein. Aber ein bisschen hilft es schon. Wenn alle einfach mal einen Tag lang die Fresse halten würden, wäre jedem schon ein bisschen geholfen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Februar 2006 um genau 19:54
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Natürlich waren sie großartig.
Sie waren wunderbar.
Den Konzertbericht von Madame Liz gibt´s bei Polar unter Kultur…
Liz hat es verfasst, und zwar am 3. Februar 2006 um genau 17:14
Kategorie : Ton | 3 Kommentare
Die Zeit rennt, als wäre jemand hinter ihr her. Kaum ist man morgens aufgestanden, findet man sich schon wieder in der Bahn, dann im Büro oder der Uni. Ist ein bisschen Luft dazwischen, kommt man mal zur Nahrungsaufnahme oder zum Erledigen der Alltagsbürokratie, denn man muss ja überall hinrennen trotz des elektronischen Zeitalters. Vor dem Fenster dann spielt sich das Wetter ab, nimmt die Tageszeiten mit und schon ist das Licht wieder vorbei und man selbst in der Bahn nach Hause. Dort setzt man sich kurz, legt die Beine hoch und den Kopf auf´s Kissen, um ihn dann nach einer halben Stunde wieder zu heben. Er soll ja arbeiten und Sätze ausspucken, schlaue Sätze, mit denen man sich hier und da ein bisschen Lebensunterhalt verdient, man muss ja was zum Vorzeigen haben und eigentlich sind es ja auch die Dinge, mit denen man irgendwann hauptsächlich seine Zeit verbringen will. Und dann, wenn Mitternacht schon eine Weile rum ist, kommt man sich vor wie die eine Hälfte eines alten Ehepaares, wenn man sich dann ansieht kurz vor dem Einschlafen, der erste wirklich ruhige Moment im Tag, dann fallen noch ein paar Worte raus und ein paar Blicke und schon ist es warm und die Nacht wieder viel zu kurz.
Liz hat es verfasst, und zwar am 2. Februar 2006 um genau 22:46
Kategorie : Moi | 0 Kommentare