Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Monat: Februar, 2006

Vorsorge

Ab morgen heißt es: Kampf dem Rost, den Verkalkungen und wackligen Knien. Ab morgen gibt es Endorphine auf Bestellung und eine Stoptaste, wenn die Gedanken sich überschlagen. Ab morgen kommt ein bisschen zurück, was sich seit ein paar Jahren verkrümelt hat: Agilität in Reinform und ein großes weißes Blatt, das am Ende voller Kreuze sein soll. Ich werde mich mühen und quälen für die Oberschenkelmuskulatur, damit sie den Gang aushält, der sich doch hier und da etwas verdreht, wenn der DJ in Stimmung ist. Ich werde stemmen und schwitzen, um dieses Gefühl loszuwerden, dass Winter die Sehnen schockfrostet. Und die Körperspannung wird mich nach einigen Wochen wieder anlächeln, Geschmeidigkeit wird mein Freund sein. Ab morgen gibt es einen Trainingsplan für mich ganz allein.

Wenn ich dann mit immer noch dem Bus hinterher rennen kann, werde ich mich freuen.

Lärm

Die Stadt ist wieder weiß und die Welt schneidet sich ein paar Finger ab. Es blutet an allen Ecken und Enden, am Stolz und dem Mut. Was die Zeitungen sagen, wird nie wirklich neuer, aber immer drängender brüllen sich Religionen die wahren Werte ins Gesicht, während mir der Kaffee verschütt geht irgendwo zwischen dem neuen Hauptbahnhof und Zoologischer Garten. Das ist da, wo man die Zeitung in der Hand, den Einkauf in der Tasche und die Sprachlosigkeit im Mund hat. Weil auch da jeder zweite Mensch einer ohne zu Hause ist. Die Eindrücke sind Wahnsinn in diesen Tagen, die Zeit ist rar und umso atemloser werde ich im ständigen Informationsfluss. Auf jetzt.de findet man nun immer die Worte der Woche:

Koalitionsvertrag
Autonomiebehörde
Atomstreit
Krisenstab
Steuer
Meinungsfreiheit
Rente
Video
Atomprogramm
Arbeitskampf
Arbeitslosengeld
Atomwaffen
Ingolstadt
Uran
Renteneintrittsalter
Friedensprozess
Vogelgrippe
Deutschpflicht

Dazu muss man nichts mehr sagen, denke ich. Die Welt hat Bauchweh und jedes kleine Objekt, ob Mensch oder Staat oder Religion, stopft ihr Pillen in den Mund. Man guckt da nicht, ob das vielleicht Nebenwirkungen hat, wenn sich alle auf einmal und alle zu 100% nur ihrer eigenen Rezeptur bedienen. Der (die) Welt ist schlecht und ich könnte kotzen. Das ist immer dann, wenn es Abende braucht wie gestern, an denen man mal kein Wort spricht, die Fenster zu macht und niemanden rein lässt. Dieses Zimmer ist irgendwie zu klein, um Ventil für alles zu sein. Aber ein bisschen hilft es schon. Wenn alle einfach mal einen Tag lang die Fresse halten würden, wäre jedem schon ein bisschen geholfen.

Death Cab For Cutie am 1.2.2006 im Berliner Postbahnhof

Natürlich waren sie großartig.
Sie waren wunderbar.
Den Konzertbericht von Madame Liz gibt´s bei Polar unter Kultur…

Fang mich doch

Die Zeit rennt, als wäre jemand hinter ihr her. Kaum ist man morgens aufgestanden, findet man sich schon wieder in der Bahn, dann im Büro oder der Uni. Ist ein bisschen Luft dazwischen, kommt man mal zur Nahrungsaufnahme oder zum Erledigen der Alltagsbürokratie, denn man muss ja überall hinrennen trotz des elektronischen Zeitalters. Vor dem Fenster dann spielt sich das Wetter ab, nimmt die Tageszeiten mit und schon ist das Licht wieder vorbei und man selbst in der Bahn nach Hause. Dort setzt man sich kurz, legt die Beine hoch und den Kopf auf´s Kissen, um ihn dann nach einer halben Stunde wieder zu heben. Er soll ja arbeiten und Sätze ausspucken, schlaue Sätze, mit denen man sich hier und da ein bisschen Lebensunterhalt verdient, man muss ja was zum Vorzeigen haben und eigentlich sind es ja auch die Dinge, mit denen man irgendwann hauptsächlich seine Zeit verbringen will. Und dann, wenn Mitternacht schon eine Weile rum ist, kommt man sich vor wie die eine Hälfte eines alten Ehepaares, wenn man sich dann ansieht kurz vor dem Einschlafen, der erste wirklich ruhige Moment im Tag, dann fallen noch ein paar Worte raus und ein paar Blicke und schon ist es warm und die Nacht wieder viel zu kurz.