Arlington Cemetery

Hügelweise Grabsteine. Der blaue Himmel ist nicht geheuchelt, der ist einfach da. Mit riesigen Flugzeugen drauf, die über einen hinwegdonnern, während Touristenbusse an einem vorbei über die asphaltierten Straßen fahren. Und einen Hügel weiter tragen sie einen Menschen zu Grabe. Schnee schmilzt neben den Füßen.
Bäume geben den Blick auf das Pentagon frei und die Menschen dort können zurückschauen. Sollten sie vielleicht. Tun sie vielleicht. Touristen watscheln manchmal in Gelächterwolken die Wege entlang. Die Flamme auf dem Grab von John F. Kennedy kann man ja vom Bus aus nicht sehen.
Und mir die Gänsehaut, als ein riesiger Vogelschwarm hinter den Bäumen auftaucht, während uniformierte Männer einen weißen Sarg schultern. Die Menschenmenge dahinter ist nicht groß und wir wenden uns ab, während die Vögel ein großes Schweigen anstimmen. Motorenbrummen und das Stadtrauschen im Hintergrund übertönt das nicht, der Himmel ist und bleibt, während die Stufen auf dem Weg zum Grab des unbekannten Soldaten weniger werden.

Und da stehen sie wieder in Uniformen, mit Digitalkameras und Camcordern, nicht in Reih und Glied, aber ordentlich angezogen, die Orden poliert. Die Blicke flirren, vor dem Gedenkstein steht einer stramm, wirft ein paar Worte in die Menge und dann salutieren sie. Die rechte Hand geht an den Kopf, den Mützenrand. Und die, die nicht folgen, die photographieren und filmen. Halten alles fest und grinsen dabei debil, während es den anderen fast die Knöpfe von den Jacken sprengt. Stolz geschwellte Stirne in die Sonne gereckt, das Vaterland, das Vaterland, es ist nicht einmal ihres, aber der Akt ein militärischer und da scheinen sie alle gleich mit ihren Schulterpolstern und zusammengekniffenen Arschbacken. Geht hinaus in die Welt und marschiert, was das Zeug hält.
Mir drückt es die Luft ab, als ein Kranz niedergelegt wird.
Dann dürfen sie wieder bequem stehen und entfernen sich sofort, das Spektakel ist vorbei, ab in die Busse und zum nächsten Termin. Zurück bleibt der Wachmann, er läuft wie auf Eiern und der Baggern nebenan darf weiterschaufeln.
Noch die Gräber in Reih und Glied, Linien für´s Land. Angelegt, um den Stolz zu verkünden, auf der großen Steinfläche am Kennedy-Grab steht, du sollst nicht fragen, was dein Land für dich tut, sondern was du für dein Land tun kannst. Und wenn du bis zum Letzten gegangen bist, dein Leben gelassen hast irgendwo, sie dich dann zurücktransportiert haben, dann leistet das Land dir den Dienst, dann lebst du mietfrei in diesen Reihen, dann sind sie stolz auf dich.

Erst bitten sie um Ruhe und Respekt, dann spucken sie auf die Wege. Erst wollen sie Gedenken, dann rollen sie Touristen in Bussen daran vorbei. Und als die Vögel wieder schreien, finde ich keinen Ton.

Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Dezember 2005 um genau 2:00
Kategorie : Blicke | 9 Kommentare


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