space shuttle like


Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Dezember 2005 um genau 5:07
Kategorie : Blicke | 0 Kommentare


Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Dezember 2005 um genau 5:07
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__5.12.
Flughafen Berlin Tegel. Der Koffer ist abgegeben, in einer Stunde erst ist Boarding Time. Ich habe brav den Schnipsel mit der Zieladresse an den Koffer gehängt. Polizisten laufen mit bösen Blicken an mir vorbei, der Himmel ist grau, das Klima aber milder als in den letzten Tagen. Es ist dampfig in der Halle, dazwischen mischen sich Reinigungsmittel, Essensdunst und die Ausläufer verschiedenster Parfums. Die Flugbegleiterinnen von Lufthansa sind die Königinnen der Lästerei. An ihren Kolleginnen von Air-Berlin lassen sie kein einziges gutes Haar.
Meine Sitznachbarin auf dem Flug von Frankfurt nach Washington schaut ganze vier Mal “Ice Age” und lacht dabei jedes Mal so sehr, dass die Sitzreihe wackelt. Irgendwann faltet sie ihren Minirock zusammen und legt die Jacke so über sich, dass sie nicht mehr ist als ein Haufen blonder Haare und Tierfell. Nach einer halben Stunde wacht sie wieder auf, richtet sich und guckt weiter. Ice Age.
__6.12.
Angekommen. Und vor dem Fenster die Sirenen, wie man sie aus den Filmen kennt. Ich bin ein bisschen entrückt. Gigantische U-Bahnhöfe mit eingebauten Optikspielchen, riesige Tunnel und ewig lange Rolltreppen, die einen Space-Shuttle-artig zurück ins Freie bringen. Es hat geschneit. Es ist Winter. Und die Gegend am Dupont Circle erinnert mich an London. Zehn nach sieben am Morgen ist Schluss mit Schlafen, man kann über Nacht das Schiebefenster offen lassen und es fühlt sich im Zimmer trotzdem an wie Sommer. Die Farben der Menschen korrelieren mit den Farben der U-Bahnlinien. Und auf Apfelsaftflaschen steht geschrieben: “Proud to be U.S. owned”.
Abends sehen wir Meredith Bragg&The Terminals, einen Freak und American Analog Set im BlackCat. Man schaute mich in Deutschland mit großen Augen an, als ich von diesem Konzertplan berichtete. Die ersten waren super, der Club auch sehr angenehm, die Indiemenschen sehen überall gleich aus, nur scheint hier der Schaulaufdrang nicht ganz so ausgeprägt zu sein, die Stimmung war ok, es gab Mädchenbier. Und von American Analog Set war ich enttäuscht, das mit der Dynamik haben sie live irgendwie noch nicht ganz raus. Wir gingen vor dem letzten Lied, es war schweinekalt.
__7.12.
Die kleine Bäckerei in der Reservoir Road gewinnt meine Sympathien. Ich habe ein paar davon. Klassische Musik (dieselben Weihnachtslieder wie bei Starbucks, nur besser arrangiert) läuft im Hintergrund, ich gucke auf die vorbeifahrenden Postautos und Schulbusse und schlürfe Kaffee. Ich bin noch nicht drin in diesem Höflichkeitsgedöns und wie sie sofort beginnen einen zuzuquatschen, wenn man einen Laden betritt. Es ist nicht wirklich unangenehm, ich muss mich nur erst einmal daran gewöhnen. Alles ist ein bisschen von Null auf Hundert. Aber ich komme zur Ruhe und knabbere an meinem zimtigen Apfelkuchen.
Der ältere Herr hinter mir erzählt mir mit Krümeln am Kinn, wie froh er über das schöne Wetter ist und über meine Höflichkeit, weil ich ihm den Platz neben mir angeboten habe. Er wollte nur drei Minuten seinen Tee trinken, blieb letztendlich aber doch noch fünf Minuten länger, setzte sich neben mich und grinse mit mir zusammen aus dem Fenster. Er hatte Lachfalten im Gesicht, an die hab ich gedacht, als ich am Wasser lang zurück zur Botschaft gegangen bin. Man wartet hier länger auf die Busse, man zieht an Strippen und drückt nicht auf Knöpfe. Ich laufe noch mit riesigen Augen herum; man erkennt sicherlich sofort, dass ich nicht von hier bin, es ist egal, ich bin in Amerika.
Die Hubschrauber ziehen enge Kreise über dem Dach, es wird dunkel, die Lichter gehen an, der Schnee liegt immer noch. Morgen Georgia.
Liz hat es verfasst, und zwar am 8. Dezember 2005 um genau 0:13
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