Und in Sonntagen schwimmen immer Familien. Ich halte den Mund hin, damit er mich findet. Nasskälte und Eisstimmen, es bricht ja doch, wenn man drauftritt. Wir werfen unser Lachen in die Mitte, umrunden es eine Stunde lang, wir werden warm und wissen danach sogar, wohin. Und dass es gut wird. Und ich halte das Ohr hin, damit er mich findet. Es knirscht in den Gelenken, wann tut es nicht erst einmal kurz weh, wenn sich was bewegt. Man rückt ja dann immer aus der Stille heraus, aus dem Halt. Und in Sonntagen schwimmen immer die Reste. Morgen morgen dürfen wir anfangen, die Stille in den Wohnzimmern ist nicht die, die sie sein soll. Sie zappeln mit den Füßen unter´m Sofa oder übergeben sich im Bad. Glaubt doch den Lichtern nicht so naiv. Ich lege daneben meinen Löffel in weiche Sahne. Es ist wieder nasskalt, süß im Abgang. Er legt mir die Hand auf die Wange wie auf dem Bild. Er muss dazu nicht einmal da sein.

“…das ewige gute Zureden, die gouvernantenhafte Forderung nach besserer Stimmung, der Du-bist-Deutschland-Schleim, all das ist einer Demokratie in solcher Situation unwürdig; ist es doch geradezu der Ruhm der demokratischen Staatsform, dass man in ihr ungestraft schlecht gelaunt sein darf, dass Schmerzen und Konflikte offen sichtbar bleiben, während jede andere Regierungsweise von ihren Untertanen zwangsweise Jubel und Zustimmung verlangt…” (G.Seibt, Wochenende SZ, 26./27. November 2005)

Liz hat es verfasst, und zwar am 28. November 2005 um genau 1:26 Uhr.
Kategorie : Moi

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